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 Hikari & co

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Reyven
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:35 am


Thirteenth
Post #13




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Einkaufsstraße
-- Dukatia City

Und während ich noch da stand, und hoffte, das Sia sich möglichst bald dazu entscheiden würde, aufzustehen und mir zu helfen irgendwie zurück zum Hauptquartier zu kommen, hörte ich nur, wie plötzlich ein Handyklingelton los ging. Und - war ja nicht anders zu erwarten - gehörte eben dieses Hand zu dem Informanten, was wiederum für mich bedeutete, das ich mich in Geduld üben musste. Was gar nicht Mal so einfach war, aber ich tat mein Bestes. Nur mit halbem Ohr hörte ich Sia zu. Den Zusammenhang verstand ich ja sowieso nicht - wie auch, wenn ich nur die eine Hälfte des Gespräches hören konnte? Und ehrlich gesagt interessierte es mich auch nicht sonderlich. Und als er das Gespräch dann - endlich! - beendete konnte ich auf seine Frage nur den Kopf schütteln. Nein, ich würde den Weg wohl nicht alleine finden, denn ich hatte keinerlei Ahnung wo ich hier gerade war. Okay, in Dukatia City, auf einer riesigen Einkaufsstraße. Aber das wars auch schon. Nicht gerade sehr viel versprechend. Gut, dann würde ich ihn eben noch ein Stück begleiten, und meinetwegen auch noch irgendwelche Pralinen kaufen gehen. Wenn ich hier wieder raus wollte hatte ich ja scheinbar keine andere Möglichkeit. »Pralinen?«, hackt ich mit einem freudigem Lächeln noch Mal nach. Warum eigentlich nicht? Wobei ich mich aber insgeheim auch fragte, wie viel Sia eigentlich verdiente, das er sich das ganze Zeug mal so eben leisten konnte. Ich hatte mich nie sonderlich um die Finanzen von Izanamis Wrath gekümmert, deswegen hatte ich von solchen Dingen keinerlei Vorstellung. Ich bezweifelte aber nicht, das der Informant mit anderen Aufträgen, die nichts mit der Organisation zu tun hatte, ganz gut was verdiente.

»Gerne!~«, trällerte ich Grinsend und setzte mich dann hüpfend in Bewegung. Nicht mehr lange, und ich würde endlich hier weg kommen - na, wenn das Mal kein Ansporn war! Auch Siavash hatte sich nun von dem Café getrennt und ging los, seinen Mund schon wieder geöffnet und irgendetwas am reden. Gespannt lauschte ich ihm. Hmhm. Handynummer? Um ehrlich zu sein hatte ich keine Ahnung, wo sich mein altes Teil von Handy befand, aber wenn ich gezielt danach suchen würde, würde ich es bestimmt irgendwo finden. Warum also nicht? Generell benutzt ich dieses elektronische Teil ja eher selten bis nie, aber dieses Mal hätte es ja sogar einen praktischen Nutzen. Also nickte ich ihm schnell zu. »Eine Handynummer wäre gut, danke.«, schob ich noch hinterher. Gleichzeitig probierte ich den Gedanken zu verdrängen, das Sia mit ehrlich gesagt gerade viel zu nett vor kam. Bestimmt plante er schon wieder irgendetwas... aber was? Ich hatte ja keine Ahnung. Zumindest ließ er sich nichts anmerken, als er fröhlich pfeifend zwischen den Menschen lang lief, ich hinterher. Nein, eigentlich gab es dafür keine Anzeichen, und doch würde ich wohl auf der Hut bleiben - bei ihm wusste man ja nie! Und trotzdem musste ich meine ganze Konzentration wieder den Menschen um mich herum widmen, bevor ich noch in einen von ihnen hinein lief, und das wollte ich beim besten Willen nicht.

»Wer ist dieser Capian, fragte ich schließlich aus Interesse und betonte den Namen dabei unbewusst. Sia musste ihn ja gut kennen, sonst hätte er nicht gesagt, das ich ihn bei einem Gespräch mit diesem Mann erwähnen sollte. Aber wer war er? Ich hatte den Namen vorher noch nie gehört und deswegen bezweifelte ich, das er zu Izanamis Wrath gehörte...
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Reyven
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:36 am

SIAVASH KING
& Hikari # 18







Ich musste kichern, als Hikari doch tatsächlich der "Pralinen-Idee" zustimmte. Nun, wer mochte Pralinen denn nicht? Nun, ich für meinen Teil bevorzugte Zuckergebäck. Alles andere konnte mir gestohlen bleiben. Davon abgesehen würde man eh nur fett, wenn man zu viel naschte und das wollte ich mit Sicherheit nicht. Nun, im Grunde würde mir etwas mehr Gewicht nicht schaden können, aber wenn es so blieb, wie es jetzt war, war ich mehr als nur zufrieden. Ich wollte schließlich nicht irgendwann wie ein Ball durch die Gegend rollen. Wobei ich mich jedes Mal fragte, was die Menschen dazu trieb, sich selbst zu mästen. Manche sagten, sie wollten eine Lehre ausfüllen, manche schoben es auf angeblich schwere Knochen, wiederum andere meinten, sie hätten Hypothyreose. Nun, aber selbst das konnte man Behandeln lassen, so blieben schlussendlich nur faule Ausreden. Immerhin neigten Menschen doch dazu, ihre eigenen Fehler nicht anzuerkennen und die Schuld immer und immer weiter zu schieben. Woher kam das nur? Warum fiel es Menschen so schwer, ihre eigene Schuld einzugestehen? Egal wie man es auch betrachtete, Menschen blieben interessante Geschöpfe. Ob es nun die kleinen Macken waren oder die großen, die eine tiefe Narbe im Herzen hinterließ. Warum bereuten so viele Mörder ihre Tat? Warum gab es dann wiederum Mörder, die auch noch stolz darauf waren? Menschen konnten mehr Schaden anrichten, als sie glaubten und ich bezweifelte nicht, dass sich die Menschheit irgendwann selbst in totales Unglück stürzen würde, denn das war die Natur des Menschen. Eine Zerstörerische. Selbst der netteste, hilfsbereiteste Mensch hatte eine Ader der Zerstörung, die sich irgendwann zeigte. Stille Wasser waren immerhin tief.

Im Laden angekommen ließ ich meinen Blick über all die angeblichen Köstlichkeiten streifen. Ich konnte diesen Pralinen nichts abgewinnen. Nun, der Laden war teuer genug, also hoffte ich zumindest, dass sie meinem Spion schmecken würden. Besser als Krankenhausfraß würde es schon sein. »Such dir was Schönes aus. Preis ist egal.« meinte ich und machte mich selbst auf die Suche nach den Pralinen, die Capian so sehr mochte. Nun, eigentlich schlang er sowieso alles in sich hinein. Da machte es auch keinen Unterschied mehr, ob es nun seine Lieblingspralinen waren oder welche, die er noch nie gegessen hatte. Geld spielte keine Rolle. Davon hatte ich nun wirklich mehr als genug. »Seine Nummer gebe ich dir dann, wenn wir zurück sind.« meinte ich noch. Hoffentlich vergaß sie bloß nicht zu erwähnen, dass wir uns kannten. Sonst würde Capian schneller auflegen, als man "Husch" sagen konnte. Er hasste es immerhin mit Fremden zu sprechen. Dann schwieg er. Bekam beinahe kein Wort heraus. Anders war es bloß, wenn ich bei ihm war. Dann konnte er ganz plötzlich labern wie ein Wasserfall. Ich vermutete, es lag daran, dass er sich in meiner Nähe sicher fühlte. Wenn man daran dachte, dass dieser Mensch einmal mit beiden Beinen fest im Leben stand, würde man am Liebsten lachen wollen. Er hatte sich selbst zur Witzfigur gemacht. Nun, andererseits wusste man wohl nicht, was genau in seinem Leben vorgefallen war. Vielleicht hatte man ihn so fertig gemacht, dass es allein schon ein Wunder war, dass er nun wieder aufgestanden war, um wie ein Zombie durchs Leben zu wandeln. Ein treuer Zombie, wenn man es so nennen mag.

»Wer Capian ist?« wiederholte ich Hi-chans Frage und musste Lächeln. »Sagen wir... er wäre nicht am Leben, wenn ich ihn nicht von der Straße geholt hätte.« Sicherlich nichts, worüber ein normaler Mensch lächeln würde. Allerdings hatte ich diesen Menschen vollkommen in meiner Hand. Nun, nicht, dass ich etwas dagegen hatte, dass er so zu mir aufsah. Immerhin machte das vieles einfacher. »Ah, aber heute ist er einer meiner Spione.« ergänzte ich meine Worte und grinste, während ich mich für eine Schachtel Pralinen entschied, von der ich zumindest hoffte, sie würden ihm schmecken. »Er hat alles in seinem Leben verloren, solltest du wissen. Hatte weder Familie, noch einen Job, noch eine Wohnung. Alles mit einem Schlag verpufft.« erzählte ich ihr und ließ eine Hand in die Tasche sinken, während ich mit der anderen die Schachtel Pralinen hielt und darauf wartete, dass Hi-chan sich etwas aussuchte. »Ich bezahle ihm seinen Lebensunterhalt und er arbeitet dafür für mich.« Im Grunde ganz fair. Nun, eigentlich bezahlte ich ihm ja zu viel, wenn man es genau nahm. Dank mir hatte er eine warme Wohnung, genug Nahrungsmittel und bekam hier und da ein paar Kleinigkeiten, wenn man einmal davon absah, dass ich ihm ohnehin alles bezahlte, was kaputt gehen mochte. Nicht zuletzt baute ich dadurch aber ein Schuldgefühl auf. Er fühlte sich mir verpflichtet, würde mich so schnell nicht verraten oder andere Jobs annehmen. Immerhin hatte ich ihm viel zu viel gegeben. Das war das gute an den menschlichen Gefühlen. Schuldbewusstsein. Dankbarkeit. Nur seine Nettigkeiten waren etwas, womit ich nicht so ganz umzugehen wusste.

»Er wird dir gerne behilflich sein, wenn er weiß, dass wir uns kennen. Ansonsten redet er nicht wirklich mit Menschen. Nun, zumindest wenn ich nicht dabei bin.« erklärte ich ihr. »Ah~ Wenn du mit ihm sprichst, könnte es sein, dass er sich ziemlich zurück hält. Aber immerhin würde er mit dir reden. Das ist ein Anfang.« Hm, was hatte er wohl durchstehen müssen, dass er sich an einen einzigen Menschen klammerte? Das Schicksal war doch immer wieder grausam. Fast schon zu schade, dass ich nichts damit zu tun hatte. Nun, genau genommen war Capian einer der Wenigen unter meinen Spionen, der nicht von mir hereingelegt wurde. War ein Mensch vielversprechend, so zerstörte ich mit besonderer Vorliebe ihre Leben, um ihnen einen neuen Sinn zu geben. Nun, was hieß ich zerstörte ihre Leben? Ich gab nur den entscheidenden, kleinen Stupser. Der Rest erledigte sich von allein. Es war ein kleines Spiel. Wie viel musste ich tun, um einen Menschen so zu brechen, dass er alles tat, was ich wollte? Meist reichte ein kleiner Stupser. Natürlich gab es unter meinen Leuten auch jene, die mich am Liebsten tot sehen wollten. Die genau wussten, was ich getan hatte, doch Rachegelüste zwangen sie dazu, mir zu helfen. Ist das nicht die pure Ironie? Für ihre lächerliche, kleine Rache klammerten sie sich an den Menschen, der die Fäden in der Hand hatte. Amüsant wie viele Menschen sich ganz einfach manipulieren ließen. Ob sie einen nun hassten oder vergötterten. Ha ha, selbst schuld, wenn sie so dumm waren. Mit ein bisschen mehr Grips hätte man rechnen müssen. Ah~ Aber deshalb liebte ich meine kleinen Menschen so sehr! Sie waren faszinierend! Überraschten mich immer wieder aufs Neue!
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:36 am


Fourteenth
Post #14




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Einkaufsstraße
-- Dukatia City

Ganz ehrlich: Wie oft hatte ich mich das, seit wir hier, in Dukatia City, waren, schon gefragt? Jedes mal fand ich keine Antwort, und doch schoss es mir immer wieder durch den Kopf. Wie schafften es die ganzen Menschen hier mit einem breiten Grinsen und vollkommen entspannt durch die Menge zu stiefeln, als wäre es das Schönste, was sie sich vorstellen konnten? Egal aus welchem Blickwinkel ich es betrachtete, ich verstand es einfach nicht. Sicher: Mir war durchaus bewusst, das meine panische Angst vor Berührungen nicht normal war, das es eine Krankheit war, und das ganz bestimmt nicht jeder hier daran litt, und trotzdem... Das konnte man doch nicht angenehm finden, oder? Oder doch? Das war doch vollkommen verrückt! Niemals! Ich war froh wenn ich hier endlich weg und Mal wieder tief durch atmen konnte, hier hatte man ja nicht Mal dazu Platz. Zum verrückt werden! Beinah wäre ich an dem Laden, den Siavash anpeilte, vorbei gelaufen, denn ich merkte eine Sekunde zu spät, das er das Geschäft am betreten war. Abrupt blieb ich stehen und schlängelte mich vorsichtig durch die Leute, bis ich die Türschwelle ebenfalls übertrat. Vor mir erstreckten sich Regale über Regale voll gefüllt mit Pralinen und Schokolade. Ich hörte dem Informanten nur am Rande zu, während ich die verschiedensten Sorten und Arten, die es hier zu finden gab, neugierig eine nach der anderen betrachtete. Wahnsinn, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gab! Mit immer größer werdenden Augen lief ich zwischen den Regalen hin und her und mich überkam das Bedürfnis, alles ein Mal probieren zu wollen. Was natürlich vollkommener Schwachsinn wäre - schon allein weil mir danach unglaublich schlecht sein würde. Und außerdem wäre ich dann Kugelrund... Keine gute Voraussetzung um in die Lüfte abzuheben!

Ich stieß wieder zu Sia, der gerade dazu ansetzte meine Frage bezüglich dieses Mannes, dessen Nummer er mir geben wollte, zu beantworten. Hm, wow, er hatte sogar eigene Spione. Darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht - hätte aber auch selber drauf kommen können. Während ich ihm zuhörte legte ich den Kopf leicht schief. Er half ihm also - hörte sich im ersten Moment richtig nett und freundlich an, aber letztendlich tat er es doch nur aus eigennützigen Zwecken, das war schon Mal klar. Dann... Bei so jemanden hatte man immer eine Garantie, das er einen nicht verriet... zumindest glaubte ich das. Wie auch immer. Ich nickte kurz, dann drehte ich mich um und konzentrierte mich wieder auf die riesige Auswahl an Pralinen. »Schmeckt das ganze Zeug hier überhaupt?«, fragte ich skeptisch, als ich eine Packung mit, in meinen Augen, äußerst seltsamer Geschmacksrichtung in der Hand hielt. Ohne auf eine Antwort zu warten legte ich sie schon wieder weg und lief weiter. Wenn es so viel gab, konnte man sich doch nie im Leben entscheiden! Irgendwann griff ich dann nach einer kleineren, viereckigen Schachtel. Laut Aufschrift befanden sich darin Nuss-Nougat Pralinen. Simpel, aber wenigstens kein allzu großes Risiko, das es nicht schmeckte. Fröhlich hüpfte ich wieder zurück zu Siavash und hielt ihm meine Errungenschaft vor die Nase. »Meinst du das schmeckt?«, trällerte ich, ehe ich ihm die Pralinen in die Hand drückte, in der Anderen hielt er bereits eine ähnliche Packung. Zufrieden bahnte ich mit einen Weg zurück zum Ausgang, wo ich darauf wartete, das Sia die Schachteln bezahlen und mir den Weg zurück zeigen würde. Achja, und die Handynummer nicht vergessen.

»Danke!«, rief ich durch den ganzen Laden, in der Hoffnung, der Informant würde es hören. Sehen konnte ich ihn gerade nicht, vermutlich zahlte er gerade oder so. Keine Ahnung, aber zumindest hielt ich es nur für fair, mich bei ihm dafür zu bedanken. Es kam nicht oft vor, das mir jemand etwas spendierte, und das ich Schokolade oder Pralinen eben so selten. Aber es gab ja immer Mal Ausnahmen, und hin und wieder konnte ich mir das ja wohl gönnen! Die Hände in die Hüften gestemmt stand ich vor der Tür, summte irgendeine ausgedachte Melodie vor mich hin und hielt nach Sia Ausschau. Konnte er nicht ein wenig Größer sein?! Dann würde ich ihn wenigstens früh genug sehen... So aber konnte er sich unbemerkt an schleichen. Nun, ich war auch nicht gerade groß. Aber zumindest ein kleines Stückchen größer als der schwarz haarige Informant. Wo auch immer er ab geblieben war. _ Weit konnte er ja nicht sein, ich stand immerhin genau vor der Tür. Ungeduldig wie eh und je trat ich auf der Stelle von einem Bein auf das Andere, fuhr mir durch die Haare, vergrub meine Hände in den Taschen, nur um sie gleich wieder hinaus zu holen, und... wartete.

» Izanami's Wrath Hauptquartier - Aufenthaltsraum
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:37 am

SIAVASH KING
& Hikari # 19







Erst fragte Hikari noch, ob all das Zeugs wohl schmecken würde, hielt mir dann eine Schachtel vor die Nase und fragte, ob genau diese schmecken würden und schlussendlich drückte sie mir diese in die Hand und hoppelte davon, ehe ich ein Wort sagen konnte. Nun, ich mochte dieses schokoladige Zeugs ohnehin nicht, also würde ich ihr keine vernünftige Antwort geben können. Für mich schmeckte alles gleich scheußlich - es machte ohnehin nur fett. Und kaum begab ich mich zur Kasse, um die Schachteln zu bezahlen, schallte ein lautes "Danke" durch den Raum, dass mich so durch die Bahn warf, dass ich die Schachteln beinahe fallen ließ und sie mühsam balancieren musste. Das musste ja reichlich komisch aussehen, so wie der Verkäufer zu kichern begann. Nicht sehr kundenfreundlich, aber dann doch wieder verständlich. In meiner eher verdrehten Pose seufzte ich, ehe ich versuchte mich vorsichtig aufzurichten, die Schachteln auf dem Tresen abzulegen und um nach meinem Portmonee zu greifen. Kaum hatte ich bezahlt und der Verkäufer mir die Schachteln in eine hübsche Tüte gesteckt, bahnte ich mir den Weg wieder nach draußen, nur um Hikari dabei zu erwischen, wie sie etwas summte und ungeduldig auf der Stelle trat. Ja, ich wartete noch einen Moment, um sie etwas zappeln zu lassen, bis ich mich dazu entschloss, sie von ihrem "Leid" zu erlösen.

Ich sprang nahezu aus der Tür, hob den Zeigefinger der freien Hand in die Luft und hatte nichts besseres zu tun, als aus voller Kehle zu singen, während sich mein Finger im Takt bewegte. »♪ 'Cause I love to make you beam, beam, beam - Yes I do! Tell me, what more can I say to make you see that I do? It makes me happy when you beam, beam, beam. Yes, it always makes my day! Come on everypong smile, smile, smile! Fill my heart up with sunshine, sunshine. All I really need's a smile, smile, smile, from these happy friends of mine! ♪♫« Die Blicke, die mich verständnislos anstarrten, genoss ich regelrecht. Ja, Menschen starrten alles nieder, was nicht normal erschien. Woher das nur kam? Hinderte mich das? Nein, ich sang die Strophen munter, weiterhin durcheinander. » It's true some days are dark and lonely and maybe you feel sad, but Pinkie will be there to show that it isn't that bad! ♪♫« Noch mehr verständnislose Blicke, die an mir abprallten wie ein Ball an einer Mauer. Ich wandte mich auf dem Absatz zu Hikari herum, der ich beim Singen den Rücken zu gewandt hatte. »Oui Oui, mon amour... c'est moi!« Ich wunk Hikari einfach weiter, ehe ich mich wieder herum drehte, die Arme nach beiden Seiten hin ausstreckte und einer unsichtbaren Linien folgte, als würde ich auf einem Seil balancieren. »♪ I gave you my time, I gave you my whole life~ I gave you my love, every dime, they told me it was a crime~ ♪♫« Ich summte die Melodie weiter, während mich Blicke nahezu verfolgten. Wie amüsant das Ganze doch war!

»♪ Tell me that past times won't die, tell me that old lies are alive~ ♪♫« Erneut summte ich die Melodie weiter, nur um noch einmal aus voller Kehle zu singen. »♪ Love that expired too long, long time ago. Kills me, it thrills me~ You have a new love and it looks good on you. I never had wished you dead... yet~ You can now have all the things I could never give to you. Look out the window... c'est moi! ♪♫« Ich machte eine Pause. Wenige Augenblicke. Ich hatte nicht die beste Gesangsstimme, aber sie war definitiv ganz passabel. »Ah~ Ein unheimliches Lied, nicht? Weißt du, worum es geht?« fragte ich sie und kicherte. Ich wartete gar nicht erst eine Antwort ab. Sonderlich gesprächig war Hikari sowieso nicht und ich bezweifelte, dass sie dieses Lied überhaupt kannte. »Krankhafte Liebe. Ein Stalker, eine Frau, die glaubte ihn los geworden zu sein... aber er findet sie. Letzten Endes will dieser Mann sterben, bevor er seine Liebe umbringt. Liebe und Hass vermischen sich. Es besteht so eine dünne Linie zwischen Liebe und Hass, tehe. Oh, dieser Mann ist ein Genie, wenn er sie finden konnte! Am Ende ist man niemals sicher. Wenn man nur den richtigen Ehrgeiz hat, kann man alles erreichen! Auch wenn es so etwas banales ist, wie die große Liebe wieder zu finden.« Banal, in der Tat. Wer brauchte schon einen Menschen, der jemanden auf diese Weise liebte? Letztlich war es nur Nähe und Lust, die so etwas wie Liebe auszeichnete. Geht man hierbei nun von der typischen "Mann-Frau-Beziehung" aus.

Und so etwas brauchte ich nicht. Nicht nur, weil mein Interesse ganz gewiss nicht in Frauen lag. Ich sehnte mich aber auch nicht sonderlich nach dieser Art der körperlichen Nähe. Es würde einiges brauchen, dass ich mich jemals verliebte oder irgendeinem Menschen hingab. Nicht, dass es unmöglich wäre, das will ich nicht abstreiten. Schließlich verstand ich mich mehr als nur einmal selbst nicht, aber wenn, dann musste es schon jemand sein, der mir Gründe gab, mich ihm hinzugeben. Ein Sadist. Ja, ein absoluter Sadist, der ganz bestimmt nicht dumm sein durfte. Ein Genie, ein sadistisches Genie. Aber selbst dann wäre es eine Frage der Zeit, doch von dem Richtigen würde selbst ich mich ausnutzen lassen... und mir davon eine gewaltige Scheibe abschneiden. Jemand, der sich mit mir messen konnte, jemand, der mich in allem übertraf. Gab es so jemanden überhaupt? Ahahahahaha, selbst wenn! Nein, ich würde mich niemals unterkriegen lassen und wenn ich Gefühle herunterschlucken musste. Ich nutzte Menschen aus, verliebte mich nicht in sie. Davon einmal abgesehen liebte ich ohnehin alle Menschen, da war kein Platz für jemand "Besonderen." Und wenn dieser jemand jemals aufkreuzte, würde ich ihn den nächsten Abhang hinunter werfen oder mit Betonschuhen im Meer versenken. Ich war kein Mensch für Gefühlsduselei, würde es niemals werden und würde mich auch niemals dazu herablassen, mich zu jemandes willenlosen Sklaven zu machen. Da konnte das sadistische Genie ruhig kommen, dem ich in allem nachstand. Ich würde dafür sorgen, dass er seinen Schöpfer kennenlernt und mich nicht vor ihm auf die Knie werfen. Wie auch immer, fürs erste sollte ich Hikari lieber zurück ins Hauptquartier bringen, ehe sie mich noch bei Goli-chan anschwärzt. Falls das überhaupt möglich war.


» Izanami's Wrath HQ - Aufenthaltsraum «


SIAVASH KING
& Hikari # 20







» Dukatia City - Einkaufspassage «

Fröhlich hopste ich nahezu in den Aufenthaltsraum, die Tüte mit den beiden Pralinenschachteln fest in der Hand. Ich grinste vor mich hin, summte munter ein Liedchen, dass ich wenige Augenblicke zuvor noch gesungen hatte. Oh ja! Meine Laune war ganz oben! War aufs Dach geklettert, hatte sich eine Leiter in die Höhe gebaut und begrüßte die Sonne freudig durch heiteres Winken, sodass die Sonne fast schon angewidert verschwinden und dem Regen weichen wollte, doch selbst der Regen konnte das kleine Männchen namens "Fröhlichkeit" nicht vertreiben, stattdessen tanzte das kleine Ding in den Pfützen und lauschte dem Plätschern des Regens. Glücklicher wäre ich jetzt bloß, würde ich eine neue, außerordentliche Entdeckung machen! Vielleicht einen Menschen der von Verzweiflung getrieben war, die ich noch nie gesehen hatte. Ich ließ den Blick durch den Raum schweifen. Sogar recht viele Mitglieder waren hier. Sofa, sowie Sessel waren allesamt besetzt. Ja, manche saßen sogar auf den Lehnen. In der Ecke mit dem großen Tisch spielte eine Gruppe "Mensch ärgere dich nicht" und lachten, jedes Mal, wenn einer der Spieler vor Weißglut fast platzte. Es war kein spannendes Spiel, dennoch hatte es einige Zuschauer ergattern können. Einige lehnten sich an die Wände, ein anderer versuchte den Schokoriegel, der im Automaten feststeckte, durch Starren dazu zu bewegen, doch noch zu fallen. Wirklich großartig diese Dinger. Völlig überteuert und dann blieb der gewünschte Snack auch noch stecken und wollte nicht fallen. Ich wartete nur noch auf den Tag, an dem jemand dagegen trat und den Automaten zerstörte.

»Am Ende hat es doch Spaß gemacht, oder?« grinste ich Hi-chan an und kicherte vergnügt. Ich war sicher nicht in so quietschender Laune, weil ich mit Hikari die Zeit verbracht hatte. Viel eher, weil ich heute doch so viel erreicht hatte. Ja, ich hatte doch eine ganze Menge über Hikari erfahren, hatte ihre Angst beobachten können und konnte es kaum erwarten, diese in meinem Kopf gespeicherte Information, in meinem Notebook abzuspeichern, damit sie jederzeit verfügbar war. Na gut, ich vergaß so gut wie nichts, wenn es um meine kostbaren Informationen ging. Nicht zuletzt wurde ich ja mit einem eidetischen Gedächtnis gesegnet. So schnell würde ich nichts vergessen, doch ich ging lieber auf Nummer sicher. Schließlich befreite mich das nicht von Amnesie. Doch selbst mit Amnesie blieb ich immer noch ich. Ich würde die Passwörter meiner Dateien schon irgendwie wieder heraus bekommen und dann hatte ich all die Informationen wieder, die ich so lange gesammelt hatte. Auf Nummer sicher gehen war schließlich wichtig. Natürlich setzte ich mein Leben oft leichtfertig aufs Spiel, übertrieb es mit meinen Provokationen und zog fast nichts als nur Hass auf mich, aber nichts zuletzt deswegen hatte ich eine Lebensversicherung. Im Falle meines Todes, würde sich mein Bruder einiges an Reichtum erfreuen können. Schließlich wollte ich nicht, dass irgendwelche schmierigen Lappen mein Geld in ihre Finger bekämen. Davon abgesehen wäre mein Bruder sicher der einzige, der meine Beerdigung organisieren und zu ihr kommen würde. Abgesehen von Goli-chan, der vermutlich nur käme, um auf meinem Grab zu tanzen. Es wäre eine amüsante Beerdigung.

Ich hatte nicht vorgehabt, mich hier aufhalten zu lassen, mitnichten! Dazu hatte ich viel zu viel zu tun, doch so grausam wie das Schicksal nun mal war, machte es mir einen großen Strich durch die Rechnung, als man mich von hinten an der Schulter packte und kurzer Hand herumdrehte. Zugegeben, das war kein großer Kraftakt. Ich steckte meine Hände in meine Jackentaschen und sah hoch in das genervte Gesicht eines Rokubanme, der so aussah, als wolle er mich gleich auffressen. Nun, zumindest verriet sein Blick, dass er große Lust hätte, mich zu zerstückeln und meine Überreste irgendwelchen Kanivanhas zum Fraß vorzuwerfen. Zu meiner Verwunderung sagte er kein Wort über Hikari, die ja - wie auch der letzte Volldepp wissen müsste - eine Izanagi war. »Ich will mein Geld zurück!« schnauzte der Kerl mich an. Er war mindestens einen Kopf größer als ich und hatte es nicht allzu schwer, mich am Kragen zu packen und hoch zu heben, sodass meine Füße den sicheren Boden verloren und ich wortwörtlich in der Luft hing. Das zweite Mal an diesem Tag. Ein Rekord! Schließlich war ich nicht der Typ, der sich so leicht schnappen ließ, aber ich hatte mich ablenken lassen. »Lass mich nachdenken... Nein.« Nicht, dass ich zu wenig Geld hatte. Ernsthaft, mit meinen Informationen verdiente ich mehr, als man dachte. Menschen waren bereit, so viel für korrekte Informationen zu bezahlen, dass es fast schon faszinierend war. Dank Izanami's Wrath erzielte ich sogar einen noch höheren Preis. Nicht, dass ich das Geld nicht zurückgeben konnte, ich wollte bloß nicht.

Meine Antwort passte diesem Typen nur leider ganz und gar nicht in den Kram. Ich zog meine Hände aus den Taschen und hatte mich eigentlich schleunigst an ihm festhalten wollen, aber da warf er mich schon auf den Boden, Richtung seiner "Komplizen" wie ich sie titulieren würde. Dabei ließ ich dummerweise auch noch die Tüte mit den Pralinenschachteln auf den Boden fallen. Aufmerksamkeit erregte sie bei den Typen aber keinesfalls. »Was kann ich denn dafür, wenn du dein Geld verzockst?« fragte ich. »Wir haben Geld gesetzt und ich hab gewonnen, so einfach ist das.« Ich zuckte mit den Achseln, als ich mich aufgerichtet hatte und klopfte den Dreck von meinen Klamotten. Mittlerweile starrten die Anwesenden uns an. Riefen mit ihren Augen nahezu Schlägerei, aber hey, was konnte ich in einer Schlägerei schon tun, außer geschlagen werden? Kurz darauf hagelte die Faust des anderen auch schon nieder, ich sprang ein Stückchen zurück, grinste und ließ meine Hände in den Taschen sinken. In Rage hagelte es weitere Faustschläge, bei denen es mir nicht schwer viel, ihnen auszuweichen. Ich war zwar nicht kräftig, wenn es darum ging zu zuschlagen, aber ich war flink, wendig und geschickt. Er konnte lange darauf warten, mich zu erwischen und die Leute waren schlau genug, mir nicht im Weg zu stehen. Immerhin hätten sie ja auch getroffen werden können. »Ah~ Schlechter Verlierer?« fragte ich provokant und kicherte, als ein weiterer Schlag daneben ging. Dieses Mal sprang ich hoch, um seiner Faust auszuweichen und wäre ich so etwas nicht gewohnt, so hätte ich niemals auf seinem Arm "landen" und mich von ihm abdrücken können. Während der Arm zu Boden wanderte und den Körper gleich mit zog, sprang ich über den Typen und landete grazil wie ein Katzenpokémon auf meinen Pfoten oder genau genommen auf meinen Füßen. Hatte die Hände schleunigst aus den Taschen gezogen und sie in die Luft gehoben. »Tadah~« summte ich fast schon stolz.

»Sanbanme Tsukuyomi!« sprach er meinen "Namen" wie einen Fluch aus, als er sich wieder aufrichtete und ich mich wieder zu ihm herum drehte. Früher hätte ich so einen kleinen Stunt niemals geschafft, aber wenn man ständig gejagt wurde, eignete man sich so einige, kleine Dinge an, die einem halfen, erfolgreich zu entkommen. Und dann bemerkte dieses glorreiche Genie die Izanagi. Er wandte sich ihr zu, deutete auf mich, während ich eine Hand in meine Tasche sinken ließ und mit der anderen mein Kramurx von dem Pokéball erlöste, indem ich es hinaus rief. Ich nickte dem Vogelpokémon knapp zu. Es sah sich um und flog schlussendlich in Richtung Schlafsäle. »Izanagi-sama!« rief der Kerl aus und zeigte - für meinen Geschmack viel zu penetrant - auf mich. »Er hat mir Geld gestohlen!« Gestohlen? Gestohlen?! Waren wir im Kindergarten gelandet? »Wir haben um Geld gespielt. Immer noch.« wiederholte ich mich. Überhaupt. Was sollte Hikari schon dagegen tun? Mich ausschimpfen? Mich übers Knie legen? Mich zu Goli-chan schleifen, damit der mich ausschimpfte oder übers Knie lag? Ich durfte mich ohnehin schon auf eine Foltersession mit dem Boss freuen, da würde es zumindest auch keinen Unterschied mehr machen. Abgesehen davon interessierte sich Goliath wohl eher wenig für solche Problemchen. »Oh, Gnade! Ich bin unschuldig!« jammerte ich gespielt und legte möchtegern dramatisierend den Handrücken auf die Stirn, legte den Kopf dabei ganz leicht in den Nacken. »Oh nein! Man wird mich Unschuldigen lynchen! Teeren und Federn wird man mich! Auf offenem Feuer grillen!«

Man starrte mich verständnislos an. »Ah~ So viele Blicke, die mich für schuldig bekennen!« jammerte ich melodramatisch und mimte den zum Tode verurteilten Mann, der nur noch auf seinen Henker wartete. Einige verwirrte das, andere widerte es an, wiederum andere mussten bereits kichern und jeder Anwesende war von seiner eigentlichen Tätigkeit abgelenkt. Ja, sogar der Kerl am Automaten hatte nicht mitbekommen, dass sein Schokoriegel endlich aufgegeben hatte und herunter gefallen war. »Machst du dich lustig über mich?!« fragte er zornig und für einen Augenblick starrte ich in verdutzt an. Hatte er etwa wirklich so wenig Gehirnzellen? Ich? Mich über ihn lustig machen? Wo dachte er hin! Innerlich lag ich schon am Boden vor Lachen! Nein, ich war innerlich schon tot, weil ich so viel lachte! »Ah~ Mich über dich lustig machen? Wie könnte ich?! Du würdest es doch Hi-chan petzen!« spottete ich. Getuschel. Jegliches Lachen war verstummt bei dem Namen "Hi-chan." Zugegeben, ich sprach nicht viel mit anderen Mitgliedern über die Führungsebene. So hatte keiner von ihnen mitgekriegt, wie ich die lieben Bosse so betitelte. »Sagtest du... 'Hi-chan'?« harkte der Schläger nach und ich nickte. »Jup. Wenn du nicht fast taub wärst, hättest du es auch beim ersten Mal verstanden.« zog ich ihn auf. Er starrte mich einige Sekunden nur entgeistert an. Starrte zu Hikari, starrte wieder zu mir, wieder zu Hikari, erneut zu mir und ich sah ihm an, dass sein Gehirn zu puzzeln begann, warum ich die große "Izanagi-sama" mit "Hi-chan" ansprach. »Läuft da was?« fragte er schließlich gerade heraus.

Für einen kurzen Augenblick musste ich tatsächlich vollkommen entgeistert ausgesehen haben, denn man starrte mich mit neugierigen Blicken an, bevor ich anfing leise zu kichern. Leise, dann lauter und schlussendlich brach ich in ein schallendes Gelächter aus. »PFAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!!« Mein Lachen fand kein Ende, ich japste nach Luft, hielt mir vor Schmerzen den Bauch und spürte, wie meine Augen feucht wurden. Mir kamen vor Lachen die Tränen! Ich und Hikari? Wie kam er auf so eine hirnverbrannte Idee? Das ich Namen verniedlichte, wusste jeder, das ich dreist war, wusste genauso gut jeder, hätte man da nicht damit rechnen können, dass ich selbst vor der Führungsebene keinen Halt machte? Glaubten sie ich rutschte auf Knien und nannte Goli-chan "Izanami-sama", jedes Mal, wenn ich in sein Büro ging. Die erstaunten Gesichter verrieten mir, dass diese Vollidioten doch wirklich mit diesem Gedanken gespielt hatten. »Oh ja, natürlich! Unsere Liebe brennt so heiß wie die Antarktis! PFAHAHAHAHAHA!!« Dem Kerl klappte nahezu die Kinnlade herunter. Oh, ich betete dafür, dass er wenigstens wusste, wie kalt die Antarktis war. An der Intelligenz dieses Kerls zweifelte ich ohnehin schon. Ich wischte mir mit dem Finger die Tränen weg und rang nach Luft. Oh, wie amüsant das war! Immer wieder, immer und immer wieder überraschten mich meine geliebten Menschen. Schließlich kehrte mein düsterer Partner zurück und ließ sich auf meinem Kopf nieder. Ein Foto in seinem Schnabel. Ich griff danach und kaum hatte ich es in der Hand, ließ mein Kramurx davon ab. »Krah Kramurx!« mahnte Aryan und ich grinste finster. »Ich weiß was ich tue, du blasiertes Federkissen.«

Mein Grinsen verriet so ziemlich allen Anwesenden, dass ich nichts gutes im Schilde führte, als ich mich mit dem Foto auf das Schwarze Brett zu bewegte, mir eine Pinnadel schnappte und sie durch das Bild jagte, um es aufzuhängen. Ich machte den Weg frei. Steckte meine Hände in die Taschen und schenkte dem Typen, der sich um sein Geld betrogen fühlte, das fieseste Grinsen, das ich aufbringen konnte. Nur wenige Sekunden später stürmten die Leute nahezu zum Brett um einen Blick auf das mysteriöse Foto zu erhaschen. Kaum wurde es von allen Seiten betrachtet, brach die Menge in schallendes Gelächter aus. Der Kerl selbst lief hochrot an, brachte nicht mehr als nur ein Stottern heraus. Er war eindeutig auf dem Foto zu erkennen. Schlafend. In nichts anderem als seinen rosa Boxershorts mit Herzchen und einer Teddiursa-Puppe im Arm, am eigenen Daumen nuckelnd. Nun, ich selbst fand solche Bilder eher geschmacklos, aber die Masse lachte gerne über so etwas. Es konnte alles ruinieren. Schließlich stürmte der Kerl vor, riss das Foto vom Brett und warf mit seinen Blicken Dolche nach mir. »Keine Sorge, ich hab Kopien.« grinste ich und wich aus, als er mich mit seiner Faust treffen wollte. Stattdessen schlug er geradezu gegen die harte Wand. Er war kein Goliath, er brachte die Wand nicht zum Bröckeln und hatte eine Menge Schmerzen, wie es sein Gesicht verriet. Ich lachte, als er hinter mir her rannte und schleunigst hinter Hi-chan in Deckung ging. Er wagte es schließlich nicht, eine Izanagi anzugreifen. »Feigling!« zischte er mir entgegen. Natürlich achtete ich darauf, Hi-chan nicht zu berühren.

Und dann tat er genau das, womit ich niemals in meinem Leben gerechnet hätte: Er holte zum Schlag aus, überrascht schubste ich Hikari aus dem Weg, ehe ich selbst auswich und stieß einen lauten Pfiff aus. »Whoa, du kennst echt deinen Platz nicht.« lachte ich. »Du kennst deinen Platz nicht, du mieser, kleiner...!« schrie er wütend. Ja! Ja! Ja! JA! Interessant, interessant, interessant! Ahahaha, er hatte es gewagt, zu zuschlagen, obwohl Hikari im Weg stand. War dieses Bild wirklich eine solch große Demütigung für ihn? Diese Reaktion. Sie war wunderbar! »Ich steh über dir, Ro-ku-ban-me~« meinte ich und streckte ihm die Zunge heraus. Mein Partner stieß einen lauten Schrei aus, ehe sich elektrische Energie entlud und das konnte nur eines bedeuten. Schließlich war Aryan kein Elektropokémon, doch eine einzige Elekroattacke beherrschte er: Donnerwelle. Jene Attacke traf den Typen schneller, als er irgendeines seiner Pokémon einsetzen konnte. Gelähmt entschied er sich dazu, sich allmählich zu beruhigen und ich grinste vor mich hin. Aryan war zwar nicht mit allem einverstanden, was ich tat, aber er ließ mich schlussendlich nicht im Stich. Ich sah zu Hi-chan herüber und lächelte. »Ah~ Entschuldige, alles in Ordnung?«
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:37 am


Fifthteenth
Post #15




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Aufenthaltsraum
-- Izanamis Wrath Hauptquartier

« Dukatia City - Einkaufsstraße

Ich konnte einfach nicht anders, als erschrocken zusammen zu zucken, als Siavash überraschend neben mir auftauchte und laut anfing zu singen. Erst starrte ich ihn verständnislos an - wobei ich sicher nicht die Einzige war - doch dann ließ ich mich ganz einfach von seiner Fröhlichkeit anstecken und grinste breit. Als er sich dann endlich in Bewegung setzte, nicht ohne weiter vor sich hin zu singen und dabei so tat, als würde er auf einer Art Seil balancieren, ließ ich mich ganz einfach leiten, ignorierte mal für einen Moment die Menschenmaßen und sprang nahezu hinter den Informanten. Im Hopserlauf folgte ich ihm, während wir die Einkaufstraße langsam hinter uns ließen. Erst passierte es ganz unbemerkt - doch irgendwann fiel einem auf, das die Menschen weniger geworden waren. Die Häuser sahen immer mehr nach ganz normalen Häusern aus und es wurde ruhiger. Als Sia mich etwas fragte wollte ich gerade zu einer Antwort ansetzen, als er schon anfing zu erzählen - dieses Mal ging es um Liebe. Hmm. Während seines ganzen Redeschwalles schwieg ich. Was sollte ich auch groß dazu sagen? Von Liebe hatte ich generell keine Ahnung - und es interessierte mich auch recht wenig. Das hatte schon früh angefangen, als die meisten Mädchen in meinem Alter angefangen hatten, darüber zu diskutieren, wer wohl der süßeste Junge der Umgebung war, und sobald einer vorbei ging hysterisch kicherten. Schon da hatte ich mich immer abgeschottete, da es mir einfach egal war. Wen interessierte das schon? Aber Ehrgeiz... oh, damit hatte ich wohl meine Erfahrung. Ehrgeizig war ich, zumindest dachte ich das von mir. Ich hatte viele Niederlagen erlitten, doch trotzdem hatte ich meinen Traum nie aufgegeben...
Zählte das nicht unter Ehrgeiz?

[...]

Endlich! Endlich wieder im Hauptquartier angekommen! Eigentlich wollte ich am liebsten irgendwo in die Natur fliehen, aber Siavash steuerte auf den Aufenthaltsraum zu, und da er mir ja noch die Nummer seines Spions sowie die Pralinen geben wollte, folgte ich ihm gezwungener weise. In dem Raum befanden sich wie üblich einige Mitglieder der Organisation, aber ob es mehr oder weniger waren als sonst konnte ich nicht sagen. Ich kam nicht oft her. Wie konnte man seine Zeit auch im inneren eines Gebäudes verbringen? Ich zumindest nicht, lieber war ich draußen an der frischen Luft, wo ich wenigstens ein bisschen Freiheit genießen konnte. Hier fühlte ich mich eingeengt. Spaß gemacht? Hmm. Also ich an seiner Stelle hätte das nach der Begegnung mit seinem Vater ja nicht behauptet. »Uhm... Ja, schon, irgendwie.«, antwortete ich ihm mit schief gelegtem Kopf. Warum händigte er mir nicht einfach die Nummer und die Schachtel Pralinen aus und das war es dann? Pff. Machte er bestimmt mit Absicht... Doch noch bevor ich eben das noch ein Mal ansprechen konnte tauchte ein Mann hinter Sia auf, der ihn ziemlich brutal zu sich umdrehte, bevor er Geld von ihm verlangte. Geld wofür? Gespannt beobachtete ich das Geschehnis, möglichst ohne mich einzumischen. Wie man es von ihm erwarten konnte, hatte er nicht vor, dem Mann Geld für was auch immer zu geben. Mittlerweile hing er übrigens in der Luft, genauso wie vor nicht allzu langer Zeit in Goliaths Büro. Als der Rokubanme - als den ich ihn mittlerweile identifiziert hatte - allerdings seine Antwort hörte, schleuderte er ihn voller Wut davon und ich sprang erschrocken einen Schritt zurück, wobei ich fast die Tüte mit den Pralinen erwischte. Und dann hagelte es Fäuste, und vorsichtig trat ich gleich noch einen Meter nach hinten. Da wollte ich nicht mit rein gezogen werden! Auf keinen Fall! Nicht nur, das es weh tun würde, nein, es war mir einfach nur zuwider, die Hand dieses Typen ab zu bekommen!

Aus einer sicheren Entfernung sah ich Siavash nun also dabei zu, wie er es nicht lassen konnte, den anderen, der scheinbar sowieso schon auf hundert achtzig war, weiter zu provozieren. Eins musste man ihm aber lassen: Er konnte gut ausweichen. Egal wie oft der Rokubanme zuschlug, er traf ihn einfach nicht. Oh, und irgendwie schaffte er es sogar, den viel Größeren zu Boden zu zwingen. Wirklich erstaunlich. Nun, auf jeden Fall hatte ich gehofft, für die beiden so was wie unsichtbar zu sein, damit sie ihre Probleme schnellstmöglich ohne mich klären würde, aber Pustekuchen. Überraschend drehte sich der wütende Mann zu mir um und verlangte doch tatsächlich von mir, das ich etwas tat. Was sollte ich schon tun?! Ich konnte doch nicht Mal das wirkliche Problem! Sollten sie das doch selber klären, waren doch schließlich alt genug! »Bitte was?«, fragte ich ihn verdutzt, aber da zog Sia - zum Glück für mich - schon wieder alle Aufmerksamkeit auf sich, indem er einen auf Drama machte. Mittlerweile hatte wohl der ganze Raum das Spektakel mitbekommen und beobachtete es interessiert. Leider, leider, zog er mich dann, nachdem er noch ein wenig weiter mit dem offenem Feuer gespielt hatte, doch wieder die Aufmerksamkeit auf mich, und sofort fingen alle Umstehenden an zu tuscheln. Ehrlich gesagt, ich brauchte einen Moment, bis ich begriff, was los war. Ich war es eben einfach gewohnt, das Siavash mich Hi-Chan nannte, ebenso wie er unseren Boss Goli-Chan getauft hatte, und die Versuche, ihm das auszutreiben, hatte ich schon nach kurzem aufgegeben. Nun, die Anwesenden fassten das wohl etwas falsch auf, und erst als der Rokubanme aussprach, was wohl alle dachten, machte es richtig Klick bei mir.

Das durfte ja nicht wahr sein! Was erlaubte der sich, so was überhaupt zu denken?! Von einer Mischung aus Wut, Entsetzens und Ekel gefüllt schnappte ich laut nach Luft und straffte meinen Rücken. Ich und Siavash?! NIE IM LEBEN! Nun, eine Antwort blieb ich wohl kaum schuldig, denn der Informant nahm mir auch das ab. Mit einem lautem Lachen machte er wohl allen klar, das dieser Gedanke vollkommen fehl am Platz war. VOLLKOMMEN! »ALS OB!«, rief ich, aber vermutlich hörte es unter dem schallendem Gelächter sowieso keiner. Aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie ein Kramurx, scheinbar das von Sia, durch den Raum auf ihn zu flog. Wo kam das denn nun her? Nun, ich wusste es nicht, ich wusste nur, das es ein Blatt oder ein Foto im Schnabel hatte, welches der Dunkelhaarige nun mit einem triumphierendem Grinsen an die Pinnwand, die in dem Raum stand, heftete. Was drauf war, konnte ich nicht sehen, auch wenn es mich brennend interessierte. Denn nun drängten sich alle Menschen in diesem Raum - außer ich und Siavash selber - zum Brett um es sich anzusehen. Zu viele Menschen für meinen Geschmack. Nun, dem Rokubanme gefiel das, was auch immer es war, wohl weniger, denn er wurde gleich noch wütender - was ich nicht für möglich gehalten hätte. Erneut schlug er zu, erneut entwischte er seinem Ziel und er traf die Wand. Ich zog scharf die Luft ein - schmerzhaft. Ja, das musste schmerzhaft gewesen sein, keine Frage. Und plötzlich huschte der Informant hinter mich, suchte hinter mir Deckung. Verwirrt wollte ich mich zu ihm umdrehen, doch da sah ich aus dem Augenwinkel, wie eine Faust auf mich zu raste. Und dann spürte ich auch schon zwei Hände und ich stolperte mehrere Schritte zur Seite, genau in die Umstehenden, die erschrocken zur Seite wischen.

Mein Herz setzte einen Schlag aus, dann stieß ich einen ohrenbetäubenden und spitzen Schrei aus. Mit vor Schock geweideten Augen taumelte ich, bis ich schließlich zitternd auf dem Hosenboden landete. Nicht-schon-wieder. Ein Klos hatte sich in meinem Hals gebildet, und ich schmeckte den Geschmack von Galle, die ganze Welt schien sich wie bei einer Achterbahn fahrt - nicht das ich so was jemals gemacht hätte - zu drehen. Meine Hände krallten sich in den Boden und ich kniff meine Augen zusammen. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wellen von Angst überfluteten mich, und die Stellen, an denen ich berührt worden war, fühlten sich so an, als wären dort noch immer die zwei Hände, die mich erwischt hatten. Dabei war es längst vorbei. Mich überkam das dringende Bedürfnis mich wie eine Schnecke in einem kleinem Schneckenhaus zu verkriechen und die nächste Zeit nicht mehr raus zu kommen - aber das ging jetzt nicht. Langsam, ganz langsam öffnete ich meine Augen wieder und suchte mir einen Punkt in dem wirbelndem Etwas, den ich fixierte, bis sich die Welt wieder beruhigt hatte. Dann probierte ich tief ein und aus zu atmen, mich irgendwie zu beruhigen. Leichter gesagt - gedacht - als getan. Ich wollte hier echt gerne weg, einfach nur weg. Mit weichen Knien rappelte ich mich wieder auf und starrte erst Sia, dann denn Mann, der im Begriff gewesen war mich zu schlagen, an, während sich mein Pulsschlag langsam wieder beruhigte.

»Du...« Langsam ging ich auf eben diesen Mann zu, bis ich genau vor ihm stand. Besonders bedrohlich sah ich wohl nicht aus, denn es war jegliche Farbe aus meinem Gesicht gewichen, und ich zitterte noch immer, als würde ich jeden Moment wieder in mir zusammenklappen. »Du hast einfach... Wie... WIE KANNST DU ES WAGEN NACH EINER IZANAGI ZU SCHLAGEN?«, brüllte ich ihn an, wobei ich verzweifelt probierte, meine Stimme möglichst autoritär klingen zu lassen. Ganz so gut klappte es dann nicht: Sie war eher schrill. Für so was war ich einfach nicht gemacht. »Das... Das wird noch Konsequenzen für dich haben!« Mit diesen Worten drehte ich mich abrupt zu Sia um. »Und dir habe ich gesagt, du sollst mich nicht noch ein Mal anfassen!«, zeterte ich. Dabei wusste ich genau, das ich, wenn er es nicht getan hätte, nun ein schmerzendes blaues Auge hätte und trotzdem berührt worden wäre, nur eben noch schmerzhafter. Und was genau ich für eine Konsequenz im Kopf hatte? Keine Ahnung, ich hatte keine Ahnung! Mein Kopf war wie leer gefegt. Noch immer vollkommen durch den Wind stolzierte - oder stolperte viel mehr, auch wenn ich es mir nicht anmerken lassen wollte - ich aus dem Raum und lehnte mich dann erschöpft gegen die Wand. Ich wusste ja nicht Mal wie dieser Typ hieß - was sollte ich schon tun? Ich konnte zu Goliath gehen. Oder Siavash bitten das für mich heraus zu finden - obwohl, er wusste es bestimmt auch so. Vielleicht fiel ihm auch eine angemessene Bestrafung ein, ich konnte es ihm zumindest zu trauen. Langsam stieß ich mich wieder ab und wartete, mit einer Hand noch immer an der Wand gestützt, darauf, das der Informant aus dem Raum kommen würde. Irgendwann musste er das ja wohl oder übel, oder ich musste noch Mal da rein. Vielleicht wäre das das beste. Ein Mal tief durch atmen, dann öffnete ich die Tür zu diesem verfluchtem Raum noch Mal und ließ meinen Blick wandern. »Sanbanme Tsukuyomi!«, rief ich, wobei meine Stimme schon wieder sehr viel fester klang. Ohne noch irgendetwas zusagen oder auf eine Reaktion zu warten drehte ich mich wieder um und verschwand aus dem Blickfeld der Menschen im Aufenthaltsraum. Hoffentlich würde er verstehen, was ich gewollt hatte. Noch mal wollte ich da in der nächsten Zeit nicht rein.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:37 am

SIAVASH KING
& Hikari # 21







Ich musste zugeben, Hikaris kleine Vorführung hatte mir sehr gefallen. Doch kaum war sie aus dem Aufenthaltsraum verschwunden, begann das große Getuschel. Ihre kleine "Show" blieb natürlich nicht unentdeckt. Hikari blieb ein junges Mädchen und das war vermutlich eine Tatsache, die keinem dieser Typen hier gefiel. Wer wollte von einem kleinen Mädchen herumkommandiert werden, das bei einer kleinen Berührung zu zittern begann? Viele diesen Typen waren eiskalte Verbrecher. Sie waren Verbrecher, bevor sie zu Izanami's Wrath kamen und sie würden immer üble Verbrecher bleiben, die sich nur ungern von einem kleinen, harmlos wirkenden Mädchen herumkommandieren ließen. Optisch waren Hikari und Sera mit Sicherheit alles andere als akzeptabel für diese Typen. Sie waren jung, sie waren eher zierlich, sie waren schlicht keine mit Muskeln bepackten Männer, die ordentlich reinhauen konnten. Dafür waren sie clever, aber das zählte für diese Kerle nur wenig. Weil ich so zierlich war, hatte ich mir stets meinen Platz erkämpfen müssen. Wie viele dieser Typen zu mir herabblickten, glaubten, mich schlagen zu können, aber nicht die Muskelmasse war das ausschlaggebende, es war mein Köpfchen, dass sich die Anerkennung erarbeitet hatte. Ich weiß noch, als ich neu in Izanami's Wrath war, hatte jeder geglaubt, mich herumschubsen zu können. Mich nahm niemand ernst. Sie machten allesamt den Selben Fehler. Stempelten mich als schwachen Typen ab, der es niemals mit ihnen aufnehmen könnte. Oh, wie sie sich geirrt hatten. Ja, körperlich mochte ich schwach sein - und vor allem klein - aber das hieß nicht, dass ich mich einfach so herumschubsen ließ.

Dazu musste man sagen, hatten diese Kerle an wahre Schulhofschläger erinnert. Bedrängten die Kleineren dazu, ihnen ihr Pausenbrot zu geben. In meinem Falle war es eher das Essen in der Cafeteria. Zwar bekam man das hier geradezu hinterher geworfen, aber die Pampe schmeckte ohnehin nicht. Es war bloß eine Möglichkeit für all die, die sich nichts Gutes leisten konnten. Ich hatte dort nur gegessen, um es auszuprobieren und den armen Schlucker zu mimen. Musste ja immerhin nicht jeder wissen, dass ich Geld wie Asche hatte. Sonst hätten sie es ja darauf abgesehen. Nun ja, jetzt wusste beinahe jeder, dass man sich mit mir lieber nicht anlegte. Dabei hatte es so harmlos angefangen! Ich habe auch wirklich nur die guten alten Schulstreiche verwendet. So etwas wie Nadeln in den Schuhen... alternativ auch ins Essen mischen. Im Grunde hatte ich mich damit nur noch mehr zur Zielscheibe gemacht, immerhin wagte ich es ja, mich zu wehren. Allerdings liebte ich es doch schon immer, zu provozieren und irgendwann... irgendwann folgten Erpressungen und dann hatten sie allmählich gemerkt, dass man sich mit mir besser nicht anlegte. Und trotzdem gab es immer wieder irgendwelche Genies, die es dennoch versuchten. So einfach würde ich mich niemals unterkriegen lassen. Menschen waren grausam. Vollkommen grausam. Traten zu, wenn man bereits am Boden lag, nutzten Schwächen aus. Wie hatte es Hikari nur so lange geschafft?

Diese Typen schienen nicht allzu begeistert von der Flucht ihrer Chefin zu sein. Tuschelten, redeten über sie und machten ihren Zweifeln Luft. Hi-chan war viel zu interessant, um sie aufzugeben. Normalerweise hatte ich ja nichts dagegen, wenn sich eine Horde Menschen gegen den Einzelnen verschwor, aber sie war dafür viel zu interessant. Ich wollte lieber noch eine Weile spielen, ehe man sie auseinander nehmen konnte. Hikari schien so Fehl am Platze. Sie gehörte nicht in diese Welt und dennoch war sie hier. Und schließlich musste einer ja das Wort erheben. »Izanagi? Pah!« stieß er laut aus und allesamt starrten sie den korpulenten Mann an, der diese zwei Wörtchen ausgesprochen hatte. Zweifel? Ja, langsam machten sie sich Luft, doch die meisten waren einfach keine hübschen Frauen gewohnt. Sie waren ohnehin alle viel zu grässlich, um bei einer landen zu können. Sollten sie froh sein, dass es Hikari gab. Ah, aber ich liebte sie trotzdem! Immerhin sind es Menschen! Wundervolle, atemberaubende Menschen! Ich zuckte mit den Achseln und lächelte gespielt zaghaft. »Leg dich besser nicht mit ihr an.« meinte ich und erntete dafür einen fragenden Blick. Gespielt erschrocken sah ich ihn an. »Ah! Du weißt gar nicht, wie grausam sie sein kann?!« fragte ich und erntete erneut fragende Blicke. Natürlich würde niemand diesem Mädchen zutrauen, grausam zu sein und das war sie schließlich auch nicht. Zumindest erweckte sie nie diesen Eindruck und hatte auch keine Anzeichen dafür gezeigt. Ich schüttelte enttäuscht den Kopf, als man mich schließlich fragte, was ich meinte.

»Sie ist grausam! Absolut grausam! Fürchterlich!« sagte ich und winkte ab. »Oh, wirklich! Ihre Folter ist schlimmer, als Goliaths.« log ich und blickte zur Seite. Angeblich in unschönen Erinnerungen schwelgend. Natürlich wussten sie alle, wie viel Mist ich eigentlich baute. Sie wussten, dass man sich besser nicht mit mir anlegte, aber sie wussten genauso gut, dass ich immer provozierte und nicht gerade selten meine Zeit unfreiwillig in der Folterkammer verbrachte. Fürs erste war es besser, wenn diese Typen dachte, Hikari wäre bloß das liebe, brave Mädchen nach außen hin. Es war für mich besser und für Hi-chan offensichtlich auch. »Du lügst doch.« meinte jemand ungläubig. Ich seufzte enttäuscht. »Ah~ Wenn du mir nicht glaubst, geh und finde es heraus!« forderte ich ihn auf und schlussendlich entschied er sich doch dazu, es lieber nicht zu riskieren. Natürlich war es nichts weiter als ein Bluff gewesen, aber bei so etwas kaufte man einen Bluff mit Leichtigkeit ab. Schließlich wollte niemand Bekanntschaft mit der puren Grausamkeit machen, die in dem Mädchen wohl nicht vorhanden war. Und dann öffnete sich die Tür erneut. Ließ alle Anwesenden nervös zusammenzucken, als das von mir soeben als grausam beschriebene Mädchen in den Raum nach mir rief und sich dann wieder zurückzog. Gespielt zuckte ich zusammen und schluckte. »Oha! Was mich wohl dieses Mal erwartet? Elektroschocks? Glühende Eisenstangen? Wasserkerker? Ah~ Hoffentlich hängt sie mich nicht wieder auf. Das ist schmerzhafter als es sich anhört!« meinte ich. Ich sah die Anderen schlucken. In ihren Gedanken löste sich wohl jeder Versuch, Hikari dumm zu kommen. »Ah, ich sollte sie nicht warten lassen, das gibt extra Strafen!«

Schleunigst rannte ich hinaus und ließ die verstörten Mitglieder hinter mich zurück. Als ich die Tür schloss, musste ich kichern. Oh ja, die Angst stand ihnen ins Gesicht geschrieben! »Ah~ Entschuldige, Hi-chan!« begann ich. »Aber hätte ich zulassen sollen, dass er dich schlägt? Frauen zu schlagen ist doch das Letzte.« Nein, eigentlich war es mir völlig egal, ob es ein Kind, eine Frau oder ein Senior war. Ich war nicht so gütig, mich dazwischen zu stellen und mein eigenes Leben dafür zu riskieren. Brachte mir schließlich aber auch nichts. Nicht das Geringste. Hingegen vieler Meinungen war ich doch ganz sicher nicht der Mistkerl, für den man mich hielt. Nein, ich mischte mich nur nicht... in andere Prügeleien ein. »Falls du diesem Typen übrigens eins auswischen willst...« sagte ich dann und begann zu grinsen. »Schüre seine Angst.« sagte ich und hob den Zeigefinger. Ein warmes, freundliches Grinsen zierte mein Gesicht. Vollkommen Fehl am Platz. »Das Folterrad. Erkläre ihm, was du tun würdest, untermale deine Erklärungen und binde ihn schlussendlich darauf fest. Lass ihn warten und binde ihn irgendwann wieder los, ohne etwas zu tun. Mahne ihn, dass es eine Ausnahme sei.« meinte ich und kicherte beinahe wahnsinnig. »Die Angst... sie hat einen Menschen manchmal vollkommen im Griff. Er würde deine Füße küssen, wenn du letzten Endes doch Gnade walten lässt. Die Angst treibt Menschen zu so viel... sie ist das perfekte Druckmittel. Und wenn Menschen jemanden fürchten... kommen sie ihm nicht in die Quere.«

Ich seufzte und zuckte mit den Achseln. »Hach~ Aber das kannst du sicher nicht, oder? Kannst du einem Menschen Folter androhen? Du erscheinst mir zu lieb für so etwas.« kicherte ich und winkte schlussendlich ab. Immerhin waren wir sowieso nur aus einem Grunde hier. Ich wollte ihr die Handynummer von Capian geben. »Krah!« stieß mein Partner aus, der es sich zuvor auf meiner Schulter bequem gemacht hatte. »Halt den Schnabel, Federvieh.« zischte ich, nur, um ein weiteres Mal ein »Krah!« meines Partners zu hören. Irgendwann stopfte ich dieses Vieh noch aus. Ständig musste Aryan mir irgendwelche Standpauken halten. »Ich sagte Klappe oder ich verwandle dich wirklich noch in ein Federkissen.« Aryan legte den Kopf leicht schief und sah stattdessen zu Hikari herüber. »Krah Kramurx.« stieß es aus und ich seufzte leicht genervt von diesem penetranten Vogel, der mir versuchte deutlich zu machen, ich solle nicht so einen Mist über sie erzählen. Dabei war es nur zum Besten! Man würde ihr keine Probleme bereiten. Zumindest nicht, wenn sie wirklich alle glaubten, sie wäre so grausam.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:38 am


Sixteenth
Post #16




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Aufenthaltsraum
-- Izanamis Wrath Hauptquartier

Und während ich noch in dem Flur stand und darauf wartetet, das Siavash die Tür öffnete und zu mir in den Gang trat, erholte ich mich langsam aber sich wieder von dem eben erlittenem Schock. Man konnte nahezu beobachten, wie das Zittern meiner Hände immer mehr abnahm, auch mein Atem sowie mein Herzschlag ging wieder gleichmäßiger. Irgendwann, als ich mir dann sicher war, wieder stehen zu können, ohne Angst haben zu müssen, ein zu knicken, stieß ich mich von der kalten Wand ab und fing an ungeduldig wie ich es nun Mal war langsam auf und ab zu gehen, während ich meine Hände knetete. Aus dem Raum zu meiner Rechten hörte ich angeregtes Getuschel, und ich brauchte gar nicht näher hin zu hören, um zu wissen, worum es ging. Nachdem Aufstand, den ich da fabriziert hatte, war es klar, das ich nun das Hauptthema war. Ich wollte gar nicht erst daran denken, wie schnell sich das verbreiten würde - bald wusste sicherlich die ganze Organisation von dem Geschehen. Aber... das konnte mir ja egal sein. Brauchte mich nicht zu interessieren. Und trotzdem wurde ich schon nach kurzer Zeit von meiner Neugier überwältigt und lauschte angestrengt. Half alles nichts: Das einzige was ich hörte, waren einzelne Wortfetzen. Sias Stimme konnte ich heraus hören, doch auch von seinen Worten konnte ich kaum etwas verstehen. Irgendwann gab ich es dann auf und fing erneut an, auf und ab zu laufen während ich mir immer wieder unruhig durch die Haare fuhr. Sicherlich musste ich gar nicht Mal so lange warten, aber trotzdem kam es mir selber wie eine Ewigkeit vor. Aber das war immer so - ich hatte einfach absolut keine Geduld. Und irgendwie schaffte ich es einfach nicht, mir das ab zu gewöhnen und geduldiger zu werden. Es klappte nicht, also funktionierte ich es auch nicht mehr. Mit dieser Eigenschaft ging ich anderen zwar oft auf die Nerven, aber mittlerweile war mir das, ehrlich gesagt, ziemlich egal. War ja ihr Problem, und nicht meines, wenn sie sich nicht damit abfinden konnten, das ich war, wie ich eben war. Ich würde mich bestimmt nicht ändern. Niemals. Zumindest nicht für irgendjemand anderen. Wenn sie nicht mit mir klar kamen, sollten sie mich einfach in Ruhe lassen.

Und dann - endlich - kam Siavash doch noch aus der Tür geschlüpft und ließ eine eigenartige Stille im Aufenthaltsraum zurück. Was dort wohl noch vorgefallen war? Ich würde es wohl nie erfahren... Als der Informant dann zu sprechen anfing, verzog ich das Gesicht. Klar, er hatte ja Recht. Eigentlich hatte ich ihn wirklich zu unrecht angebrüllt - das war mir selber bewusst. Aber das konnte ich nicht zugeben... Schmollend sagte ich lieber gar nichts dazu und konzentrierte mich auf die Worte, die schon wieder wie ein Wasserfall aus seinem Mund flossen. Oh, nun kam er also schon selber auf das, was ich ihn hatte fragen wollen. Umso besser. Zugegeben: Der Vorschlag war nicht schlecht. Das musste man ihn lassen - ich musste ihn nicht wirklich foltern, und trotzdem wäre das Problem irgendwie aus der Welt geschafft. Mehr noch: Es würde sich herum sprechen und mir vielleicht sogar etwas Respekt verschaffen. Ja, mir war durchaus bewusst das gerade das kaum jemand dieser Organisation vor mir hatte. Da spielte ich mir nichts vor, das wusste ich. Warum sollten sie auch? Ich konnte nicht wirklich durchgreifen. Das einzige was ich hatte war mein starkes Pokemon Team. Ich legte meinen Kopf leicht schief, als er kichernd fragte, ob ich das fertig bringen würde. Ganz ehrlich? Ich glaube nicht. Das würde unwirklich erscheinen, der Typ von eben würde mir kein Wort glauben, er würde mich auslachen. Ich würde es nicht Mal schaffen ihn bis zu dem Folterrad zu bringen, dafür bräuchte ich schon Goliaths Hilfe. Er war tausendmal autoritärer als ich. Wenn nicht sogar zehntausend mal. Wenn er richtig wütend wurde, dann bekam es wohl jeder mit der Angst zu tun und schwieg lieber - nun, zumindest jeder aus Siavash. Der war eine Ausnahme. Ich ballte meine Hände zu Fäusten und holte tief Luft.

»Natürlich kann ich das!«, meinte ich schließlich mit einer Spur Trotz in der Stimme. »Ich bin schließlich hier die Izanagi.«, betonte ich, ehe ich wieder schwieg. Gelogen, alles gelogen. Ich konnte es nicht, aber das musste ich Sia ja nicht gleich so auf die Nase reiben. Ich wollte aber auch nicht immer auf Goliath angewiesen sein, und es wäre bestimmt schön, wenn die Anderen mal ein bisschen Respekt vor mir haben würden. Vielleicht sollte ich das als Herausforderung ansehen, oder so. Und ich hatte ja noch mein Team... Irgendwie musste ich das hin bekommen. Aber nicht jetzt. Während Siavash noch irgendetwas zu seinem Kramurx sagte, das irgendwelche Laute von sich stieß, überlegte ich schnell, wie ich das Thema wechseln konnte. »Wolltest du mir nicht noch die Nummer von deinem Spion sagen?«, fragte ich ihn, und hoffte, es würde schnell gehen. Und hoffte, das uns nicht noch irgendjemand in die Quere kam. Und hoffte, das ich bald wieder an die frische Luft, wo ich in Ruhe nachdenken konnte, konnte.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:38 am

SIAVASH KING
& Hikari # 22







Ich hätte beinahe laut loslachen müssen, als Hikari meinte, sie könne es sehr wohl. Wir wussten doch beide, dass sie es nicht übers Herz bringen konnte. Sie war nicht der böse Tyrann, der Leute unterdrückte. Das war Goliath, aber nicht sie. Aber so trotzig wie sie war, musste sie natürlich sagen, dass sie es könnte und betonen, dass sie die Izanagi war. Ein Grinsen schlich sich über meine Lippen. Sie würde nicht bloß eine Izanagi sein, bald würde sie mein Spielzeug sein. Ob sie das merkte, blieb etwas anderes. Und dann würden wir sehen, wer der wirkliche Izanagi war. Auf ihre Position in der Organisation brauchte sie sich am aller wenigsten etwas einzubilden. Mir war vollkommen gleich, wer welche Stellung inne hielt. Das würde mich niemals davon abhalten, meinen Plänen nachzugehen, selbst wenn ich einen Krieg innerhalb dieser Gottverdammten Organisation anzetteln musste. Noch war es dafür allerdings zu früh. Wenn ich schon Zwietracht säte, brauchte ich einige "Rücklagen." Ich brauchte Sicherheiten, damit mir Goliath nicht den Hals umdrehte. So ungern ich das zugeben wollte, er kannte mich gut genug, um zu wissen, dass es mein Tun wäre und dann wäre egal wie zuverlässig ich war und wie präzise meine Informationen. Er würde mich foltern und anschließend ertränken. Er war definitiv ein Mann den man fürchten sollte, dennoch fürchtete ich ihn nicht. Nein, dazu war er viel zu interessant. Wie konnte ich den Menschen, den ich am interessantesten fand denn schon fürchten? Dann würde ich ihm ja gar nicht zu nahe kommen können!

Ich lächelte und legte den Kopf leicht schief. »Du bist die Izanagi? Ist das deine Begründung?« fragte ich und schüttelte den Kopf verständnislos, ehe ich mit der flachen Hand neben Hikari an die Wand schlug und mich zu ihr vorbeugte. »Spiel dich nicht so auf.« hauchte ich und kicherte leise, mit dem Gesicht ein Stückchen näher kommend. »Izanagi? Izanagi? Was bringt dir dieser Titel, wenn du wie ein ängstliches, kleines Mädchen davon läufst und es nicht übers Herz bringen kannst, jene die dich respektlos zu behandeln, zu foltern? Was bringt dir dieser Titel, wenn dich niemand in dieser Organisation ernst nimmt? Aber du bist eine Izanagi! Was soll das? Versuchst du allein durch diesen Rang an Respekt zu gewinnen? Das wird niemals funktionieren.« Ich zog meine Hand zurück, nahm einige Schritte Abstand und wandte mich herum, ging ein kleines Stückchen weiter und wandte mich erneut auf dem Absatz, um Hikari wieder ansehen zu können. »Diese Welt ist nichts für ein kleines Mädchen, dass sich bloß von einer Berührung in Panik versetzen lässt. Nicht mehr lange und all die, die dich nicht respektieren, werden zuschlagen, weil du ihren Akt nicht unterbindest. Was für eine Izanagi bist du, wenn du immer und immer wieder Goliaths Hilfe brauchst, um durchzugreifen? Aber nein, du bist hier schließlich die Izanagi. Die kleine, ängstliche, nicht durchsetzungsfähige Izanagi, die von niemandem Respekt erntet. Nur weil du einen hohen Rang hast, heißt es nicht, du seist eine große Nummer. Könige wurden schon immer von ihren Thronen geschubst. Nur, weil sie Macht haben, haben sie schließlich nicht die Liebe ihrer Untergebenen. Sie werden gestürzt und irgendwann wirst du gestürzt.«

Ich grinste sie kalt an, ehe ich kicherte und schließlich mit den Schultern zuckte. Erneut lächelte ich. »Aber du hast die Wahl!« Ich hob den Zeigefinger. »Erstens du bleibst wie du bist und wirst irgendwann gestürzt werden...« Ich zeigte auch den zweiten Finger, sodass meine Hand nun das V-Zeichen zeigte, bloß als Zahl gemeint. »... oder zweitens, du wirfst dein kleines, liebes Mädchen Dasein auf den Müll und erkämpfst dir den nötigen Respekt. Denn so wie du jetzt bist, bist du es nicht wert, dich eine Izanagi nennen zu dürfen. Du bist kleiner, austauschbarer Abfall, der nicht hierhin gehört und sich bloß hinter einem Titel versteckt. In dieser Welt funktioniert es nicht, sich Respekt durch große, heldenhafte Taten zu verschaffen. Du musst Angst schüren, damit es keiner wagt, sich mit dir anzulegen. Du musst dich weiterentwickeln. Immer und immer wieder, wenn du in dieser Welt überleben willst. Kannst du das?« Erneut zuckte ich mit den Schultern und ließ meine Hände anschließend in die Taschen sinken. Ich sah Hikari noch immer an und setzte wieder ein freundliches, warmes Lächeln auf. »Also los. Schlag zu.« forderte ich sie auf. »Nützt ja schließlich nichts, wenn ich diesen Typen erzähle, du seist absolut grausam und ich dann unbeschadet davonkomme, nicht? Wobei Messerschnitte vielleicht besser wären.« Solange Hi-chan sich nicht zu einer würdigen Izanagi entwickelte, würde ich diese Typen davon abhalten müssen, sie zu bedrohen. Nicht aus Nächstenliebe, versteht sich. Es wäre schlecht für mich, kämen diese Typen auf die Idee, Hikari stürzen zu wollen. Schließlich wusste ich, wie manche tickten und die meisten hatten kein Problem damit, zu kaltblütigen Mördern zu werden, selbst wenn es eine junge Frau war, die sie mordeten. Macht machte die Menschen zu wahren Monstern. Sie war das, was Menschen veränderte, wahnsinnig machte.

Ich konnte nicht sagen, wie sich diese ganze Sache entwickeln würde, vielleicht würde ich mit meinem kleinen Plan erfolgreich sein. Vielleicht würde ich kläglich scheitern. Zeit würde es zeigen und ich musste bloß den kleinen Schubser in die richtige Richtung geben. Der Rest hing einzig und allein von dieser Izanagi ab. Wenn sie sich nicht dumm anstellte, würde sie niemand mehr anzweifeln. Wenn es sein musste, würde ich das abschreckende Beispiel sein. »Ah, wenn du einen Stift und Papier hast, kann ich dir die Nummer sofort aufschreiben.« sagte ich schließlich. Meine Hand umschloss das Handy bereits in der Tasche, aber ich wartete auf ihre Antwort. Schließlich brachte es nichts, ihr die Nummer einfach so zu geben. Ich vertraute nicht darauf, dass sie sich diese einfach so merken konnte. Für mich war das kein Problem, aber schließlich hatte ich auch ein besonders gutes Gedächtnis. Ich konnte mir vorstellen, dass Hikari bloß schnellstmöglich wieder verschwinden wollte. Vielleicht würde sie letzten Endes auch gar nicht mit Capian reden. Vielleicht packte sie aber auch die Neugierde.
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Reyven
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:38 am


Seventeenth
Post #17




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Aufenthaltsraum
-- Izanamis Wrath Hauptquartier

Ein äußerst unwohles Gefühl machte sich in mir breit, als ich das Grinsen des Informanten sah. Ich hatte gelernt, das man bei ihm nie wusste, was er eigentlich im Schilde führte, und eben dieser Umstand machte mir wirklich Angst. Er konnte grausam sein, und am Ende war es doch nur die Vorstufe von etwas viel schlimmeren. Er konnte nett und lustig sein, und irgendwann stelltest du fest, das das alles nur ein perfider Plan war, der sich schon über Tage oder sogar Wochen hinzog, bis er dich schließlich da hatte, wo er dich wollte, und du hattest nichts und wirklich überhaupt nichts gemerkt. Naiv und blind warst du ihm gefolgt, bis du in einem Netz aus Lügen und Intrigen gefangen warst und es gab überhaupt nichts, womit du dich daraus noch befreien konntest, denn er hatte alles bis aufs kleinste Detail geplant. Wie eine Spinne die auf ihr Opfer lauerte. Ein Schauder überlief mich, und ich verdrängte die Gedanken möglichst schnell wieder. Ich wusste worauf ich mich einließ, doch trotzdem sollte ich vorsichtiger sein. Viel vorsichtiger. Sonst würde ich sein nächstes Opfer werden - oder war ich es etwa schon?

Als Siavash seine flache Hand laut gegen die Wand schlug, zuckte ich erschrocken zusammen und wollte nach hinten zurück weichen, aber nun, da war eben die dicke Betonwand, durch die ich nicht einfach wie ein Geist durch wandern konnte. Leider. Zudem kam er mir noch gefährlich nahe und ich kniff schon fast verängstigt meine Augen zusammen, als er doch noch zu halt kam. Und dann öffnete er seinen Mund, und seine Worte trafen mal wieder so sehr ins schwarze, das mich das große Bedürfnis überkam ihm eine Ohrfeige zu geben. Was ich natürlich nicht tat. Stattdessen stand ich einfach nur wie erstarrt da und schluckte schwer. Er hatte ja Recht. Warum ich so lange in dieser Organisation überlebt hatte, in der sich zu neunzig Prozent nur brutale Männer aufhielten? Ganz einfach. Als Izanagi hatte ich einen sehr hohen Rang erreicht, zudem hielt ich meist außerhalb des Hauptquartiers auf. Das wiederum bedeutet das nur sehr wenige Mitglieder wirklich wissen, wer ich bin, und deswegen keiner wusste, ob ich nun ein grausamer Goliath in weiblich war oder eben das genau Gegenteil davon - nämlich das, was ich nun mal bin. Aber ewig konnte das nicht so bleiben, nein, langsam sprach es sich herum. Wäre da nicht dieser Nebel gewesen, der mich in der Vorstellung der meisten umgab, hätte ich es niemals so lange hier ausgehalten, das war schon Mal klar. Und ich würde es, wenn es so weiter ging, auch nicht mehr lange aushalten - Izanagi hin und her. Es war beängstigend, wie Recht Sia hatte.

Ich atmete erleichtert aus, als er wieder einige Schritte von mir weg trat, doch seine Worte trieben es so weit das mir bald die Tränen in den Augen standen, meine Hände hatten sich zu Fäusten geballt und ich hatte einen Kloß im Hals. Eine Mischung von Wut und Angst machte sich in mir breit, und ich konnte beim besten Willen nicht sagen, was überwog. Eigentlich wollte ich nur noch hier weg. Aber was würde das bringen? Ich würde fliehen, erneut einfach nur fliehen. Genauso wie ich auch vor meiner Familie, meiner Heimat und meinem altem Leben geflohen war. Irgendwann würde mich die Wahrheit doch noch ein holen - die Wahrheit die Siavash bereits voraussagte. Und ich hatte nicht die kraft, noch Mal ganz von vorne anzufangen. Aber Sera war doch auch so. Sera war auch nur ein kleines Mädchen, ein kindliches Mädchen das Kekse liebte und schrecklich hilfsbereit und freundlich war. In diesen Punkten also vollkommen anders als ich, und doch waren wir irgendwie gleich. Wir beide schienen nicht hier rein zu passen, nicht als Izanagi. Und doch waren wir es. Ich kannte sie nicht besonders gut, aber ich traute ihr genauso wenig zu, das sie jemanden foltern konnte, wie mir. Warum hatte ich also dieses Problem? Nur wegen meiner Berührungsangst? Nur deswegen? Aber ich konnte doch nichts für meine Krankheit. Das konnte doch nicht der Grund sein!

Er verlangte also von mir, das ich diesen Typen tatsächlich Foltern sollte - beziehungsweise seine 'Angst schüren sollte', wie er es ausdrückte. Und nicht nur das, nein, gleich bei der ganzen Organisation. Ich sollte mich verändern, und mir Respekt erkämpfen. Ehrlich gesagt interessierte es mich eigentlich ziemlich wenig, ob die Leute mich nun mit furchtsamen Blicken ansahen wenn sie mich erblickten oder eben nicht - ich selber war ja auch nicht gerade respektvoll, Goliath mal ausgeschlossen. Aber Siavash hatte Recht. Ich konnte diese Dinge nicht mehr länger einfach ignorieren, wenn ich noch länger überleben wollte. Genau das wurde mir mit einem Mal klar und die Erkenntnis erschlug mich fast. Sie raubte mir den Atem und ich schnappte nach Luft, ehe ich einen Punkt auf dem Boden fixierte und probierte, den Kloß in meinem Hals hinunter zu schlucken. Ich änderte mich nicht für andere. Ich war, wie ich war, und ich wollte so akzeptiert werden - aber das hier war was anderes. Langsam hob ich meinen Kopf und musterte Sia. Was sollte ich tun? Ich hatte keine Wahl, oder? Überhaupt keine Wahl, als zu tun, was er sagte. Aber damit legte ich mich mehr oder weniger in seine Hand. Und alles in mir sträubte sich dagegen, genau das zu tun - nämlich auf seine Vorschläge zu hören, mir von ihm helfen zu lassen, in Izanamis Wrath weiterhin bleiben zu können, ohne gestürzt zu werden.

Die Telefonnummer hatte ich zu meinem Teil schon wieder ganz verdrängt, und wie benebelt versank ich meine Hände in meinen Taschen. Schnell fand, ich was ich suchte, und zauberte einen zerknitterten und alten Zettel sowie einen Kugelschreiber hervor, die ich dem Informanten in die Hand drückte. Oder besser: Ich hielt sie ihm hin, während ich sie ganz hinten fest hielt, damit er mir mit seinen Händen bloß nicht zu nahe kommen würde. »Hier.«, sagte ich, und meine Stimme klang dabei leicht kratzig. Ich räusperte mich leise, obwohl ich wusste, das es doch keinen Sinn hatte. Ja, ich hatte die Wahl. Aber in meinem Kopf sah das etwas anders aus. Entweder ich überwand meine Prinzipien, begann mich zu ändern, tat etwas, was mir total widerstrebte und legte mein Schicksal - mehr oder weniger - in Sias Hände - denn alleine würde ich es wohl nie schaffen - oder ich blieb wie ich war und konnte auf den Tag warten, an dem auch das hier zu Ende sein würde. Und das wollte ich nicht. Ich wollte beides nicht.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:39 am

SIAVASH KING
& Hikari # 23







Innerlich lachte ich wie ein Irrer. Ja, nicht ein einziges Wort sagte dieses Mädchen dazu. Die Tränen standen ihr regelrecht in den Augen und ich hoffte fast schon, dass sie für mich ein paar vergießen würde. Ein paar glänzende Tränchen, die meine sadistische Ader gierig aufsaugen würde. Ah, aber wäre ich nicht ein absolutes Monstrum, würde ich mich an den Tränen eines armen, kleinen Mädchens laben? Ein Mädchen, das nun vielleicht endlich einsah, dass sie Hilfe brauchte. Natürlich würde ich diesem armen kleinen Mädchen keine Hilfe verweigern. Ein solches Monster war ich schließlich nicht! Ha ha, gelogen! Ich war weit schlimmer. Ich würde Hikari die große Hilfe vorgaukeln, um sie irgendwann auffliegen zu lassen. Sobald sie unnütz geworden war. Sobald sie mir nicht mehr dienlich sein konnte. Schließlich würde ich mich ja nicht selbst sabotieren. Vielleicht würde ich Hi-chan nutzen können, um die Mitglieder zu spalten. In diejenigen, die sie respektieren würden und in diejenigen, die sie hassen würden. Ja. Ich würde die einen dazu bringen, Hikari regelrecht vor die Füße zu fallen, während ich die anderen gegen sie aufwiegelte. Irgendwann zumindest. Sobald die Zeit reif dafür war und sobald ich ein wenig an Macht gewonnen hatte. Es war ein wahrlich spannendes Spiel. Vielleicht würde mir unerwartet jemand meinen Plan durchkreuzen. Vielleicht würde Goliath von all dem Wind bekommen und seine Izanagi vor mir in Schutz nehmen? Pah! Wer's glaubt! Doch wie, wie kam Goliath dazu, ein schwaches Mädchen wie Hikari an die Spitze zu setzen? Warum? Sie hatte nicht einmal ihre Pokémon im Griff. Sie konnte sich nicht einmal besonders durchsetzen.

Warum also saß Hikari im Vorstand dieser Organisation? Warum sie und Sera? Hatte Goliath letzten Endes vielleicht doch ein Faible für hilflose, schwache Mädchen? Wie lächerlich. Ich nahm Hikari das Stück Papier und den Stift aus der Hand. Ohne sie zu berühren, versteht sich. Ich konnte sie nicht noch weiter pushen. Das könnte mir schlussendlich alles versauen. Ich notierte schleunigst Capians Nummer auf dem Papier. Selbstverständlich aus dem Kopf heraus. Viele Handynummern hatte ich nicht einmal eingespeichert. Ich hatte ohnehin alle im Kopf. So war es auch weit ungefährlicher, sollte ich mein Handy einmal verlieren. Schließlich konnte ich ja nicht riskieren, dass irgendjemand meine Liste durchtelefonierte. Die einen oder anderen Verbrecher würden letztlich dabei sein und das wäre wohl zu auffällig. Ich konnte immerhin nicht riskieren, großes Aufsehen zu erregen. Ich blieb im Hintergrund. Erledigte eine dreckige Arbeit, ohne mir die Hände überhaupt schmutzig machen zu müssen. Ich zerstörte ganze Leben, während ich bloß Informationen preisgab. Viele würden mich deswegen wohl als Abschaum der Gesellschaft bezeichnen. Vor allem jene, die durch meine Informationen zu Schaden gekommen sind, aber es war nicht meine Schuld. Sie waren schließlich selbst schuld, wenn sie es mir so einfach machten, an vernichtende Informationen zu kommen. Schlussendlich reichte ich Hikari das beschriftete Papier samt Stift und lächelte. Freundlich, warm, vertrauenerweckend, würde man nicht wissen, wie ich sein konnte.

Ich musterte Hikari, ehe ich seufzte. »Verlass dich auf mich.« begann ich und ein jeder würde mir nun wohl ins Gesicht schleudern, dass man sich nur bezüglich Informationen auf mich verlassen konnte. »Ich sorge schon dafür, dass dich niemand zu stürzen versucht. Schließlich bin ich kein Monster.« Ich war lediglich das Monster namens Mensch. Aber das war immerhin auch sie. Das war jeder Mensch. Ohne Ausnahme. »KRAH!!« Mein Partner kreischte laut auf, flatterte wie wahnsinnig mit den Flügeln und krallte sich in meine Kapuze, um mich zurück zu ziehen. Ein Messer flog haarscharf an mir vorbei und blieb in der Wand stecken. Und kaum hatte ich das Messer betrachtet und wollte zum Werfer hinüber blicken, hing mir schon ein kleines Gör an der Hüfte, dass sich gar nicht lösen wollte. Ich glaubte fast zu hören, dass sie anfingen fröhlich zu quietschen. Ihr Motto schien mir "Liebe durch Messerstiche" zu sein. »Arezou.« sagte ich knapp und blickte zu dem Mädchen herunter. Sie war kleiner als ich! Ja, wirklich ein kleines Kind! Es erfüllte mich ja fast schon mit Stolz, einmal größer zu sein. Zum Glück befand sich Shirley momentan in ihrem Pokéball. Sie verstand sich wirklich ganz und gar nicht mit diesem Mädchen. Nicht zuletzt, weil dieses Kind genauso stürmisch war, wie das kleine Igelavar. Da bekam Shirley Eifersuchtsattacken vom Feinsten. Letztlich waren die beiden aber auch Konkurrenten.

Arezou hob einen Sack in die Höhe, den ich musterte. Mit einer üblen Vorahnung. »Wieso... einen Sack?« Das Mädchen grinste mich überlegen an. »Näher zu mir!« forderte sie mich auf. Ich seufzte, ehe ich mich hinhockte und lächelte. »Also?« Das sie mich gerade noch mit einem Messer beworfen hatte, ignorierte ich. Schließlich versuchte sie das jedes Mal. Immer und immer wieder. Sie griff mit der Hand in den großen Sack, nur um einen kleineren Leinensack zu zücken und mir über den Kopf zu ziehen. Ich rührte mich nicht, während ich unter dem Sack laut und deutlich seufzte, ehe ich mich wieder erhob. Ich griff nach dem Leinensack, um ihn wieder hoch zu ziehen. »Ne, Arezou...« begann ich und hielt einen Moment inne. Der Leinensack bedeckte immer noch einen Teil meines Kopfes, warf einen unheimlichen Schatten auf mein Gesicht, aus dem meine Augen nahezu heraus blitzten. Meine Stimme klang beinahe genauso düster. »... Du hast mich sicher nicht enttäuscht, oder?« fragte ich und sah das kleine Mädchen mit einem stechenden Blick an. Sie zuckte augenblicklich zusammen und schüttelte hektisch den Kopf. »Arezou enttäuscht Vash-Vash nicht!« Ich zog mir den Leinensack endgültig vom Kopf und warf ihn auf den Boden, ehe ich eine Braue hob. »Also?« Erneut hob Arezou den Sack. »Hier drin!« sagte sie stolz und drückte ihn mir in die Hand. Ich öffnete den Sack unverzüglich und blickte hinein.

Ich seufzte schlussendlich, während mich Arezou mit Welpenblick ansah und auf ein Lob wartete. »Die Dokumente. Ich wollte nur die Dokumente.« Hätte ich doch lieber Zaku-chan damit beauftragt. Arezou konnte schließlich nichts richtig machen. So gut wie nichts. Hoffnung schwand aus den kleinen Augen des Mädchens, während sie sich mit salzigen, glitzernden Tränen füllten. Ich legte meine Hand auf ihren Kopf und durchwuschelte ihre Haare. »Gut gemacht!« Schnell wich die Traurigkeit aus dem Gesicht des kleinen Mädchens und wich einem überglücklichen und stolzen Lächeln. »Krieg ich als Belohnung...?« - »Nein.« unterbrach ich sie. »Und...?« - »Nein.« Sie zog einen Schmollmund, griff in den Sack und zückte ein Bündel Papiere, das sie mir auf die Brust drückte. »Ich sagte nein.« wiederholte ich, während sie weiterhin ihren Schmollmund zog. »Vash-Vash ist gemein!« meinte sie beleidigt. Ich griff selbst in den Sack und zog einen kleinen Zettel hervor, den ich musterte. »Brot... Aufschnitt... Rasierschaum... Nagellack...« Ein Glück hatte ich nicht solchen Haarwuchs, dass ich Rasierschaum benötigte. Aber Arezou hatte es mal wieder geschafft. Sie hatte einen Haufen Müll mit angeschleppt, den ich im Nachhinein entsorgen durfte. Warum aber Nagellack auf der Liste stand, ließ sich mir nicht so ganz erschließen. Hatte sich dieser Kerl wirklich die Nägel lackiert? Ich zerknüllte das Papier und warf es wieder in den Sack. Was für Müll ich wohl noch finden würde?

Ich tastete mich voran und horchte auf, als ich ein altbekanntes, leises Geräusch vernahm und der Sack mit einem Mal deutlich schwerer wurde. Arezou hatte doch nicht wirklich einen Pokéball eingesackt?! Wortwörtlich! Augenblicklich zuckte ich zusammen, als mir dieses unbekannte Ding auch noch in die Hand biss. Ich ließ den Sack fallen, das Pokémon ließ von mir ab und krabbelte unbeschadet aus dem Sack heraus, während es sich umsah. So ein Ding hatte ich bisher nur auf Bildern gesehen. Mein erster Gedanke bei dem Anblick war: Wasserpokémon! Blaue Haut, Flossen und einen schwarzen Panzer auf dem Rücken. Erinnerte ein kleines bisschen an Schiggy, auch wenn sich die beiden Pokémon sehr deutlich unterschieden. Es war ein Galapaflos, dass eigentlich als ausgestorben galt. Es legte den Kopf schief und sah mich an, ehe sein Blick sich verfinsterte und ich mir augenblicklich wünschte, ich hätte den Ball nicht versehentlich geöffnet. Es öffnete sein Maul und spuckte einen gewaltigen Strahl aus Wasser in meine Richtung. Aquaknarre. Es konnte Aquaknarre! Ehe ich mich versah verlor ich meinen Halt und fiel zurück, landete auf den harten Boden und wurde regelrecht an die Wand gedrückt. Doch es hörte nicht auf! Ich versuchte meine Arme schützend vor mich zu halten, es brachte mir leider nur überhaupt nichts. Doch dann hörte es endlich auf und ich hustete mir fast die Seele aus dem Leib. Unglaublich wie viel Wasser ich geschluckt hatte, als ich verzweifelt versucht hatte zu atmen.

»Mistvieh...« knurrte ich, als es auf mich zu kroch und plötzlich seinen Kopf an meine Hand rieb. Wollte es mich auf den Arm nehmen?! Erst versuchte es mich zu ertränken, jetzt wollte es schmusen?! Arezou starrte mich und das Pokémon ungläubig an, während sie versuchte, sich neben Hikari zu schleichen. »Pssst!« hörte ich sie und es war offensichtlich, dass sie der Izanagi zu flüsterte. Sie wusste ganz genau, wer dieses Mädchen war. War ja nicht so, dass ich meinen Untergebenen verschwieg, dass zwei junge Mädchen im Vorstand saßen. »Auf das Pokémon sollte man aufpassen!« flüsterte sie. »Vash-Vash ist ja immerhin nicht so gut auf Wasser zu sprechen.« - »Arezou!« mahnte ich. Sie war eine der wenigen, die von meinem kleinen "Problem" mit dem Wasser bescheid wusste. Nicht, weil ich es ihr verraten hatte, sondern weil ich in eine recht gefährliche Situation am Hafen geraten war. Ich war ins Wasser gesegelt und hatte eine harte Zeit, die rettende Leiter zurück zum Steg zu greifen. Sie hatte dieses Missgeschick lediglich beobachtet. Ich sah das Galapaflos wieder an und überlegte einen Moment, bevor Aryan auf meine Schulter zurückkehrte. Der Gute hatte sich selbstverständlich verdrückt, als das fremde Pokémon angegriffen hatte. »Wie nenne ich dich, hm? Vielleicht Mistkröte?« Das Wasserpokémon sah mich böse an, ehe ich eine weitere, kürzere Aquaknarre erntete. »Kailani! Ich nenne dich Kailani!«

Arezou sah mich irritiert an. »Kailani? Aber es ist männlich!« Ich sah zu ihr herüber. »Deswegen ja!« zischte ich, ehe ich mich erhob und wieder nach dem Sack griff, um den Pokéball dieses Viehs zu holen. Kaum hielt ich ihn in Händen, ruf ich das Galapaflos zurück in den Pokéball und atmete erleichtert auf. Ich würde ihm das Leben schon zur Hölle machen. Ich befestigte den Pokéball an meinem Gürtel und wandte mich an Arezou. »Wenn du das nächste Mal irgendwelche Pokébälle anschleppst, achte darauf, dass der Inhalt nicht allzu aggressiv ist.« - »Ich hatte den Eindruck es mag Vash-Vash!« schoss es aus dem kleinen Mädchen freudig heraus. Oh ja. So viel Liebe. Wegen dieser ganzen Liebe war ich nun ja auch klitschnass. Und kaum wollte ich schauen, ob das gewünschte sich im Sack befand, stand Arezou auch schon wieder vor mir. Die ungewollten Papiere in der Hand. Sie starrte mich an, ich starrte zurück. »Bitte? Bitte, bitte mit Zuckerguss drauf?« fragte sie und ich seufzte entnervt. »Vergiss es, ich unterschreibe das nicht.« - »Warum nicht?« fragte sie enttäuscht. »Hör zu, ich erfülle nicht einmal die Voraussetzungen! Ich bin nicht einmal 25 und eine Lebenspartnerin oder einen Lebenspartner habe ich auch nicht.« Noch immer starrte sie mich an. Ging einige Schritte zurück und wandte sich wieder an Hikari. »Wir müssen Vash-Vash und Go-Go verkuppeln!« sagte sie mit voller Begeisterung. Und dies mochte wohl einer der wenigen Augenblicke sein, wo ich vor Schock hätte umkippen können. »M-M-Mit... Mit... GOLI-CHAN?!« Schock und Entsetzen waren ausnahmsweise aus meiner Stimme herauszuhören.

Arezou nickte voller Begeisterung und wandte sich erneut an Hikari. »Es wird ein hartes Stück Arbeit! Und in vier oder fünf Jahren habe ich dann eine Familie!« Noch immer klang sie so begeistert, dass es fast schon beängstigend war. Sie hielt an ihrer fassungslos schwachsinnigen Idee weiterhin fest. »Hilf mir!« bat sie Hikari mit nahezu leuchtenden Augen. »Ich will nur eine Familie!« meinte sie und nickte mehrfach, ehe sie durch die Gegend starrte und zu schwärmen begann. »Außerdem ist es doch irgendwie cool ein schwules Pärchen als Eltern zu haben!« WO genau hatte ich dieses Mädchen nochmal aufgegabelt?! »Hey!« warf ich ein. »Werde ich vielleicht auch mal gefragt? Ich habe nicht vor dich zu adoptieren!« - »Doch, das wirst du.« sagte sie finster, gemischt mit einem Ausdruck der Wut, aber auch Hoffnung. »Und wenn ich dich zwingen muss, den Wisch zu unterschreiben!« Dieses kleine Mädchen war fast schon beängstigend. Aber nur fast. Für ihr Alter war sie schräger drauf, als man annehmen würde. »Es steht fest!« eröffnete sie uns und hob sich selbst ermutigend die Faust in die Luft. »Operation Go-Go-und-Vash-Vash-verkuppeln-und-eine-echte-Familie-mit-schwulem-Pärchen-kriegen kann beginnen!« Dieses Mädchen sollte die Namen ihrer "Operationen" einmal überdenken. Ich seufzte genervt. »Wird nicht passieren.« meinte ich und verschränkte meine Arme. Schleunigst zückte Arezou ein kleines Fläschchen und ein Tuch. »Wetten?«

Ich starrte sie einen Augenblick schockiert an, ehe ich die eine Hand vor meinen Mund presste und mit der anderen vor ihrer Nase herumfuchtelte. »Komm mir bloß nicht zu nahe!« Moment. Hatte ich gesagt, sie war fast beängstigend?! Sie war vollkommen beängstigend, wenn sie ihre schrägen Ideen bekam. Mir war immer noch schleierhaft, wie diese Göre überhaupt an Chloroform kam. Ich wusste ja, dass man sich das Zeug selbst zusammen mixen konnte, aber ob sie das überhaupt hinkriegen würde? Zumindest wusste ich, dass dieses Zeug nicht bloß Wasser war, denn das hatte ich schon am eigenen Leib zu spüren bekommen. Und das nur, weil sie unbedingt wollte, dass ich sie zu irgendeiner Veranstaltung begleitete. Ich konnte mir schon vorstellen, was sie dieses Mal plante. »Aaah, es tut doch nicht weh!« zeterte sie. »Dir vielleicht nicht!« Ich hatte keine Lust, dass sie mich im bewusstlosen Zustand zu Goli-chan schleifte oder mich wie ein Päckchen hübsch verpackte. Mein Blick wanderte zu Hikari herüber, während ich immer noch versuchte, Arezou mit einem Arm auf Abstand zu halten. »Geh mir bitte zur Hand, ja?« fragte ich. »Erklär ihr, warum das nicht geht!« Ich musste mich auf Hi-chans Fingerspitzengefühl verlassen, schätzte ich. »Du darfst dir auch wieder was wünschen, okay? Aber halt sie mir vom Leib!« Auch Arezou blickte nun wieder zu Hikari. »Nein! Hilf mir! Frauen müssen zusammen halten!« rief sie. "Frauenzusammenhalt" am aller Wertesten! Es ging hier immerhin um mein Leben!
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:39 am


Eigthteenth
Post #18




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Aufenthaltsraum
-- Izanamis Wrath Hauptquartier


Verlassen. Ich sollte mich auf Siavash King, den hinterlistigsten Informanten den ich je kennen gelernt hatte, und vermutlich den Mensch, den ich mal abgesehen von Goliath und meiner Familie am meisten fürchtete, verlassen?! Das war doch Wahnsinn. Der pure Wahnsinn. Und trotzdem... Ich muss sagen, in diesem Moment brach in mir drin ein aus. Ich hatte verstanden, das ich nur die Wahl zwischen diesen beiden Möglichkeiten hatte, und das ich mich jetzt langsam mal Entscheiden musste. Aber was soll ich sagen? So eine Entscheidung fällte man doch nicht Mal eben so. Diese Entscheidung konnte, oder würde, mein restliches Leben beeinflussen. Aber was blieb mir anderes übrig? Ich konnte nicht erneut einfach so fliehen. Aber die Chance, das ich es hier, in Izanami's Wrath, noch lange aushalten würde, und zwar genauso, wie ich es jetzt war, war ziemlich gering. Nach den heutigen Ereignissen war sie fast gleich null. So blieb mir eigentlich nur noch übrig, mir von Sia helfen zu lassen. Ich runzelte die Stirn. Man wusste nie, was er im Schilde führte! Am Ende war ich noch viel schlechter dran, als wenn ich nichts tun würde oder gar es alleine probieren würde! Und um ehrlich zu sein glaubte ich keine Sekunde daran, das Sia kein Monster war und mir nur aus reiner Nettigkeit half. Siavash King und Nettigkeit... diese beiden Worte schienen sich abzustoßen wie zwei Magneten die gleich gepolt waren. Das ging einfach nicht. Das passte nicht. Und er machte mir Angst. Er machte mir wirklich Angst, und ich vertraute doch keinem Menschen, der mir Angst machte. Einem Menschen, der mir gleichzeitig aber helfen konnte. Vielleicht... vielleicht konnte es aber klappen. Vielleicht konnte ich mir von ihm ja helfen lassen, ohne in irgendeine seiner hinterlistigen Fallen zu treten? Zugegeben, ich glaubte selber nicht daran, das das klappen würde. Vielleicht war es ja auch schon längst zu spät, vielleicht war ich- Mit einem Kopfschütteln unterbrach ich meine Gedanken. Ich hatte keine Wahl, und genau das war es, was mich störte. Vermutlich hatte Siavash es genau so und nicht anders geplant. Aber jetzt blieb mir wohl einfach nichts anderes übrig.

»Gut.«, meinte ich Zähneknirschend, und sofort überkam mich Angst und Panik. Jetzt gab es entgültig kein zurück mehr - aber vielleicht sollte ich aufhören so viel darüber nachzudenken, vielleicht machte ich ja viel zu viel Panik. Ja. Vermutlich. Ich atmete einmal tief ein und aus, dann verstaute ich den Zettel mit der Nummer, den Siavash mir bereits gegeben hatte, in meiner Tasche. Bevor einer von uns noch etwas sagen konnte sauste plötzlich ein Messer durch die Luft und ich stolperte überrascht zurück. Fast hätte es Sia getroffen - was in meinen Augen gar nicht Mal so schlimm gewesen wäre. Oder vielleicht doch. Er konnte mein Ende bedeuten, war aber gleichzeitig meine Karte um zu überleben. Oh, und ich hasste ihn. Dafür das er alles so schrecklich kompliziert machte und ich gezwungen wurde so viel darüber nachzudenken. Eigentlich wollte ich doch verdammt noch Mal nur hier weg. Derweil war ein kleines Mädchen aufgetaucht und klammerte sich an Sia. Bitte was? Ich musste noch Mal hinsehen. Ja, tatsächlich, da klammerte sich ein Mädchen an Siavash und schien auch noch überglücklich ihn zu sehen. Die Welt war doch wirklich verrückt. Ich beobachtete also wie dieses Mädchen, welches scheinbar den Namen Arezou trug, dem Informanten voller Freude einen Sack über den Kopf zog - ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. Keine Ahnung was da genau vorging, aber ich vermutete einfach Mal, das dieses Mädchen ebenfalls für den Kerl Informationen oder dergleichen sammelte. Wie viele 'Untergebene' hatte der eigentlich? Das würde ich wohl niemals erfahren... Ich ließ mich mit gerunzelter Stirn im Schneidersitz auf dem Boden nieder und sah gelangweilt dabei zu. wie Sia irgendwelche Sachen aus einem Beutel zog und etwas mit dem Mädchen besprach, was ich nicht ganz verstand, aber auch nicht verstehen wollte. Interessierte mich kein Stück. Spannend wurde es erst dann wieder, als der Dunkelhaarige von einem Schildkrötenartigen Pokemon gebissen, und schließlich von Aquaknarre erfasst wurde. Nein, natürlich sprang ich nicht auf um ihm zu helfen, warum sollte ich auch? Stattdessen breitete sich ein Grinsen auf meinem Gesicht aus und ich lachte laut auf. Ich half generell nicht gerade bereitwillig, und Siavash schon gar nicht.

Überraschend tauchte das junge Mädchen neben mir auf und flüsterte mir etwas zu - warum auch immer. »Hm, Vash-Vash verträgt sich also nicht besonders gut mit Wasser? Interessant!«, meinte ich belustigt. Das war ja Mal eine interessante Info. Ich wusste zwar nicht, was genau sein Problem war, aber vielleicht konnte ich mir das ja irgendwann mal zu nutzen machen. Zumindest würde ich es mir merken. Nun war meine Aufmerksamkeit also wieder gewonnen und ich lauschte dem leicht irritierendem Gespräch der beiden. Was wollte Siavash nicht unterschreiben? Wofür musste man fünfundzwanzig sein und einen Lebenspartner haben? Ich verstand gar nichts, und trotzdem wand sich Arezou erneut zu ihr. -Und einen Moment später schallte ein lautes Lachen durch den Flur. SIA UND GOLIATH?! Ich wischte mir eine nicht vorhandene Lachträne aus den Augenwinkel und nickte dann eifrig und mit einem breitem Grinsen. »Jederzeit!« Und erst als sie dann weiter sprach ging mir endlich ein Licht auf - ich hätte schwören können, das eine Glühbirne über meinem Kopf erschien und ein lautes Klicken ertönte. Sie wollte von ihm adoptiert werden? Von ihm?! Wie man es auch drehte und wendete; ich konnte mir das einfach nicht vorstellen. Die Welt war wirklich verrückt.

Und sie wurde immer verrückter. Wie alt war dieses Mädchen noch gleich? Sie war noch ein Kind - und nun wollte sie ihn mit Chloroform betäuben?! Verwirrt sprang ich auf. Ich wollte gar nicht wissen wo sie das her hatte! Nicht das ich aufsprang um einzugreifen, nein, dafür war das ganze viel zu interessant. Vielleicht sollte ich das Mädchen ja Mal fragen, woher sie das Zeug hatte. Wäre das nicht ein erster Schritt in die richtige Richtung, um mir Respekt zu verschaffen? Sofern ich es dann auch einsetzen konnte und- nun wurde ich doch tatsächlich um Hilfe gebeten. Wie bitte sollte ich dieses Mädchen davon überzeugen, das das absolut aberwitzig war? Sie schien es ja wie es Aussah absolut ernst zu meinen, und am Ende attackierte sie mich noch mit dem Zeug! Aber ein weiterer Wunsch... war es das nicht wert? Trotzdem: Ich konnte noch nie mit Kindern umgehen; ich konnte sie noch nicht Mal leiden! Mit einem Seufzen ging ich langsam auf sie zu. Was man nicht alles tat. »Du, ich glaube Goliath ist im Moment nicht so gut auf Vash-Vash zu sprechen und generell nicht gerade gut gelaunt. Es gibt sicher bessere Momente als diesen - und auch bessere Möglichkeiten als ihn Ohnmächtig zu ihm zu schleppen - um die beiden zu Verkuppeln. Mal abgesehen davon glaube ich auch, das es mit den beiden sowieso keinen Sinn hätte. Selbst wenn du es aus irgendeinem verrücktem Grund schaffen würdest, wärst du nach spätestens vierundzwanzig Stunden deine Familie wieder los, weil die beiden sich die Köpfe eingeschlagen haben...«, plapperte ich einfach Mal drauf los, wobei ich bezweifelte, das das überhaupt etwas brachte. Aber ich hatte es zumindest probiert.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:39 am

SIAVASH KING
& Hikari # 24







Hikaris Gekicher und Gelächter gefiel mir ganz und gar nicht. Sollte sie sich keine Hoffnungen machen, mich jemals zu übertreffen. Selbst, wenn sie Informationen hatte, ließ ich mich nicht erpressen. Nicht zuletzt, würde sie mit Arezous Informationen ohnehin nichts anfangen können. Nun, dass ich mich mit Wasser nicht gut vertrug, war Wahrheit und Lüge zugleich. Ich liebte ein heißes Bad, duschte täglich. Mein einziges Problem bestand darin, dass ich nicht schwimmen konnte, doch ich war nicht so dumm genug, mich an tiefen Gewässern aufzuhalten, wenn es nicht unbedingt sein musste. Was also wollte Hikari mit der Information, auf Wasser wäre ich nicht gut zu sprechen, bezwecken? Jetzt lachte sie vielleicht noch, bald würde ihr das Lachen aber wieder vergehen. Ah, letztlich war sie doch auch nur ein Mensch. Ein Geschöpf, dass ich abgöttisch liebte! Ja, Liebe! Ich liebte sie so, wie ich alle Menschen liebte. Ich liebte jeden einzelnen Menschen. Ha ha, ja! Selbst Arezou, so nervig sie auch war. Liebe! Liebe! Liebe! Ich liebte jeden Menschen gleichermaßen, keinen mehr, keinen weniger. Da würde ich mich doch niemals dazu herablassen, für irgendjemanden Gefühle zu hegen. Es genügte, dass mir mein Bruder bereits wichtiger war, als jeder andere. Der einzige Mensch, der dieses Privileg genießen durfte, ohne es zu wissen. Ah, aber ich liebte wirklich den Rest der Menschheit gleichermaßen! Wenn sie mich zu Boden traten, wenn sie mich verspotteten, wenn sie mich folterten. Liebe. Liebe. Nichts würde meine Liebe zum Erlischen bringen! Nichts!

Arezou musterte Hikari eingeschnappt. Ja, wie hatte Hikari behaupten können, es würde niemals funktionieren. »Vash-Vash soll mich adoptieren!« meinte sie wütend und zog einen Schmollmund. »Ich will eine Familie!« Armes, kleines Ding. Hatte eine Familie, die in Scherben lag. War abgehauen, versuchte sich über Wasser zu halten. Und ich hatte mich dazu erbarmt, sie bei mir aufzunehmen oder eher, sie bei Capian unterzubringen. Natürlich mit einem Hintergedanken. Ich war kein Samariter und würde es niemals sein. Arezou versorgte mich selbst mit den banalsten Informationen und war hin und wieder sogar für den ein oder anderen Diebstahl gut. Doch letzten Endes hatte sie diese seltene Begabung, immer wieder in die interessantesten Dinge zu stolpern. Selbst, wenn sie nur von der Schule nach Hause ging, sie schnappte Dinge auf, die mir ansonsten durch die Lappen gehen würden. Die banalsten, augenscheinlich unbedeutendsten Dinge wurden letztlich doch zu dem Stein, der alles im Rollen brachte. Jede kleine Information half mir. Dafür machte mir Arezou aber auch mehr als nur genug Ärger. Allein, dass sie bei Capian lebte war Gefahr genug. Ah, aber natürlich hatte ich meine Absicherungen. Ich würde kein großes Risiko eingehen und wenn es zu heiß würde, würde ich sie schneller vor die Tür setzen, als sie gucken konnte. Bloß würde ich dann meine Haushaltshilfe verlieren, was doch zu schade wäre. Arezou konnte hilfreich sein, wenn die Arbeit zu stressig wurde. Putzte, machte Tee, kochte sogar, während ich ganz in der Arbeit versank. Wenn ich ihre Unterstützung brauchte, dann sprang sie ohne Murren. Für sie musste es bereits ein Stückchen Familie sein, aber umso größer brannte der Wunsch in ihr, eine richtige Familie zu haben.

Ich winkte ab. »Arezou, Hi-chan hat doch vollkommen recht!« meinte ich und erntete einen missbilligenden Blick. Ich stemmte eine Hand in die Hüften und sah sie mit einem Blick an, der vor Überlegenheit nur so strotzte. »Ah~ Oder glaubst du, Goli-chan wäre so locker nachdem du etwas so abstoßendes getan hast?« fragte ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Nun, ehrlich gesagt wäre Goli-chan wohl egal, was Arezou jemals tun würde. Sie jedoch erstarrte bei diesen Worten. Ihr Körper begann leicht zu zittern. »U-Uhm, was... Was soll ich denn getan haben?« fragte sie nervös. Ich grinste umso breiter, seufzte schließlich und legte mir überdramatisch den Handrücken auf die Stirn. »Ah, wer hätte jemals damit gerechnet, dass meine kleine, süße Arezou so ein Monster sein könnte?« fragte ich, holte Luft und setzte mein Schauspiel fort. »Ah, es schmerzt, solche Geschichten anhören zu müssen! Diese Worte! Diese Blicke!« Arezou schluckte umso nervöser. Schließlich kicherte ich, zuckte mit den Achseln und ließ die Hände wieder in die Taschen sinken. »Nah, deine Klassenlehrerin hat mich angerufen. Du solltest dich nicht so auffällig verhalten. Wirklich. Nadeln ins Essen mischen?« Sie blickte mich nicht an, sah weg und verkroch sich wieder neben Hikari. »Aber er hat mich geärgert!« verteidigte sie sich. Suchte dabei Unterstützung bei Hikari, während sie das Tuch und das Chloroform wieder in ihre Tasche sinken ließ. »Wenn du dich rächen willst, dann mach es nicht so offensichtlich.« meinte ich und legte den Kopf leicht schief. Sie antwortete nicht, sondern starte bloß beleidigt durch die Gegend.

»Ich will trotzdem von dir adoptiert werden.« lenkte sie vom Thema ab. Ich seufzte. »Arezou~ Das kann ich nicht tun! Ich liebe alle Menschen, da kann ich niemand bevorzugen, es wäre unfair!« Sie starrte mich verwirrt an. Ich sah förmlich, wie sich in ihrem Kopf die Idee bildete, mich mit dem nächstbesten zu verkuppeln, doch dann verwarf sie es wieder. Ich zuckte mit den Achseln. Sie konnte quengeln so viel ich wollte, ich würde sie niemals adoptieren. Den Ärger tat ich mir nicht an. Arezou betrachtete Hikari nachdenklich, linste zu mir und begann fies zu grinsen. »Ne, ne! Ich kann dir einige Geheimnisse von Vash-Vash erzählen!« Racheakt? Wie niedlich. »Oh? Da bin ich aber gespannt!« Solange sie nicht auf die Idee kam, zu erzählen, dass ich nicht schwimmen konnte, konnte sie sich gerne etwas zusammenspinnen. Arezou hob derweil einen Finger. »Erstens! Vash-Vash feilt sich die Nägel!« - »Das ist kein Geheimnis.« erwiderte ich und zuckte mit den Achseln. »Uhm... äh... Okay! Vash-Vash mag laute Musik nicht!« Ich seufzte. War das ihr ernst? Banale Dinge, die sowieso jeder wusste, als Geheimnisse hinzustellen? »Und Vash-Vash benötigt eine Brille zum Lesen!« Zugegeben, das wussten die meisten wirklich nicht. Was jedoch eher daran lag, dass ich sie nur benutzte, wenn ich arbeitete und längere Texte lesen musste. Und schließlich war es nicht üblich, dass man auf einen Menschen zuging und ihn aus dem Himmel heraus fragte, ob er eine Brille zum Lesen benötigte. Plötzlich griff das Mädchen in den Sack, zückte eine Akte und drückte sie mir in die Hand. Ich sah sie mit fragendem Blick an. »Berichte! Los, pack deine peinliche Brille aus!« forderte sie mich siegessicher auf. »Hn, ich mag sie ja auch nicht, aber wenn du glaubst, es wäre mir peinlich, hast du dich geschnitten.« Geschockt starrte Arezou Hikari an. Mit großen Augen, die nach Hilfe riefen. »Aaah~ Hilf mir!«
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:39 am


Nineteenth
Post #19




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Okay. Scheinbar kam ich mit Kindern tatsächlich nicht so gut klar. Aber wie auch? Ich mochte sie nicht und hatte auch nicht das Bedürfnis dazu, gut mir ihnen klar zu kommen. Ich war einfach nicht der mütterliche und Vertrauens erweckende Typ. Wie es zu erwarten war hatte ich das Mädchen mit meinen Worten keinesfalls überzeugt, stattdessen erntete ich nur einen eingeschnappten und entrüsteten Blick. Na, dann eben nicht. Sie wollte also um jeden preis eine Familie, ja? Nun, da konnte ich ihr nicht helfen. Obwohl, vermutlich war ihr schon damit geholfen, sie davon abzubringen, denn meine persönliche Erfahrung mit Familien war nicht gerade die beste, deswegen würde ich auch niemanden raten, sich freiwillig eine zuzulegen. Aber wenn sie unbedingt wollte. Pff. Nicht mein Problem. Nicht, das es mit jeder Familie gleich sein musste, aber wenn man alleine war, dann ging man nun mal auf Nummer sicher und hatte es, meiner Meinung nach, viel besser. Da ich nicht wusste, was ich noch sagen sollte, stand ich einfach nur da, die Arme vor der Brust verschränkt und schwieg. Gegen ein trotziges kleines Kind konnte ich auch nichts unternehmen, und das wollte ich auch nicht. Sollte Siavash sich doch selber darum kümmern, schließlich gehörte sie allem Anschein nach mehr oder weniger zu ihm. Wenigstens ergriff er dann Mal das Wort, wobei das Gespräch eine ziemlich unerwartete Wendung nahm. zumindest für mich unerwartet. Der Informant schien in Arezou eine regelrechte Panik auszulösen, und ich erwartete schon das Schlimmste; da war ich fast erleichtert, als er meinte, sie habe nur Nadeln ins Essen gemischt. Was natürlich auch ziemlich schlimm war. Allein bei der Vorstellung musste ich schwer schlucken.

Und während ich sie so betrachtete, formte sich in meinem Kopf ein Gedanke. Dieses Kind war zwar trotzig und queng­lig - was aber wohl in ihrem Alter kaum zu vermeiden war - und trotzdem... Sie wies bereits jetzt einen ziemlich starken Willen auf und schien alles für ihre Ziele zu tun. Vielleicht lag es ja an dem Einfluss, den Sia auf sie ausübte? Ich wusste es nicht. Aber eins wusste ich: Solche Eigenschaften fehlten mir. Da stand vor mir ein kleines Mädchen, und vermutlich eignete sie sich besser für meinen Posten als ich selber. Meine Schultern sackten runter und ich schien in mir selber zusammen zu klappen. Verdammt. Verdammt. Meine Hände ballten sich zu Fäusten und ich starrte konzentriert auf ein Stückchen Dreck auf dem Boden. Was sollte ich nur tun? Eine helle Stimme riss mich aus meinen Gedanken, und verwirrt sah ich Arezou an. Geheimnisse von Siavash? Fast schon hätte ich mich gefreut - aber was hatte ich erwartet? Was sollte ich damit anfangen, das er sich die Nägel peilte? Mal abgesehen davon wusste ich das eh schon. Der er eine Brille trug war mir neu, aber das brachte mir ungefähr genauso wenig. Ich seufzte leise. Dieses Gespräch war doch vollkommen unnötig. Sia würde ich nicht nachlassen, es sah aber auch nicht danach aus, als würde das Mädchen sich damit abfinden, das es eben nicht ging. Das konnte ewig so weiter gehen!

Und jetzt bat sie mich gleich noch Mal um Hilfe? Was sollte ich denn tun? Ich wusste eigentlich so gut wie gar nichts über den Informanten. Wie bitte sollte ich ihr also bei ihrem kleinen Rache Feldzug helfen? Ich schüttelte leicht den Kopf. Unsinn. Zugegeben, wie sie mich so ansah war das wirklich niedlich, aber ich konnte nichts tun, auch wenn ich es gewollt hätte! Außerdem ermüdete mich dieses Gespräch. Ich sah voller Sehnsucht den Gang entlang, der nach ein paar Biegungen nach draußen an die frische Luft führen würde. In Gedanken versunken runzelte ich die Stirn. Konnte man sie nicht irgendwie von diesem Thema abbringen? Ich meine, sie war doch ein Kind, waren die nicht leicht für irgendetwas zu begeistern? »Uhm...« Nun, das Problem war, so gesehen konnte ich nichts. Ich konnte keine tollen Geschichten erzählen, ich konnte keine Kunststücke und ich besaß auch nichts außergewöhnliches. Zumindest nichts, womit man ein junges Mädchen begeistern konnte. »Sag mal, für was für Pokemon interessierst du dich eigentlich so? Hast du ein eigenes?«, fragte ich sie, scheinbar völlig aus der Luft gegriffen. Ja, ich hatte mein Pokemon Team. Vielleicht war das mir mal zu irgendetwas nutzen, außerdem konnte ich sie damit ablenken, dann würde sie endlich aufhören zu quengeln. Vielleicht zumindest. Aber wie ich mein Glück kannte, würde es nicht funktionieren. Einen Versuch war es wert. Mit einem möglichst freundlichem Grinsen auf dem Gesicht sah ich sie an.

[Out: Sorry, aber mir ist dieses Mal wirklich irgendwie nichts eingefallen >< ]
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:40 am

SIAVASH KING
& Hikari # 25







Hikaris sacken lassen der Schultern war mir nicht entgangen. Selbst solch eine kleine Geste verriet viel. Viel zu viel. Sich nichts anmerken zu lassen, war das A und O. Egal wie grausam ich Hi-chan hinstellen wollte, mit ihren Gestiken würde sie sich immer wieder aufs Neue verraten. Nun, sicherlich waren die Meisten viel zu unterbelichtet, um darauf zu achten, das hieß aber nicht, dass es alle waren. Ich musste zugeben, es gab tatsächlich unter all diesen wandelnden Broten ein oder zwei Einsteine, die ein abgekartetes Spiel durchschauen würden. Die Kunst lag bloß darin, diesen eine Darbietung zu bringen, die sie abkauften. Wenn Hikari irgendwann soweit war, würde es keine Probleme mehr geben und ich, ich würde mit Sicherheit fallen gelassen werden. Wenn Hikari es schaffte, sich einmal durchzusetzen, die Grausame zu mimen, Leute einzuschüchtern, dann konnte ich erzählen was ich wollte. Man würde sie fürchten. Aber war das schlecht für mich? Nein. Nein, selbst wenn sie mich ignorieren sollte. Letztlich war aber nicht einmal sicher, ob sie sich so entwickeln würde, wie ich das hoffte. Vielleicht brach sie letzten Endes unter dem Druck zusammen. Vielleicht würde sie auch niemals die Chance bekommen, überhaupt so weit zu kommen. Egal wie es enden würde, jedes Ergebnis war mir recht. Es war nichts weiter, als ein kleines Experiment. Wie weit konnte Hikari gehen, um sich Respekt zu verschaffen? Würde sie jemals dazu in der Lage sein, ihre Ängste zu überwinden? Was würde sie tun? Ob sie Erfolg hatte oder scheiterte lag letztlich nur in ihrer Hand und in ihrer Hand allein. Ich musste nur den kleinen Schubs in die richtige Richtung geben und zu sehen, ob sie sich in die Lüfte erhob oder auf den steinernden Boden knallte und egal welches Ergebnis es am Ende werden würde, ich würde der Sieger sein.

Himmel oder Hölle? Hi-chan, wo würdest du landen?

Ich musterte Arezou, die angestrengt über die Frage der Izanagi nachdachte. Ich hatte sie noch nie von einem bestimmten Typen schwärmen hören. Lediglich von Garados. Sie versteifte sich auf dieses Teufelsding, doch seitdem ich sie kannte hatte sie bloß ein Karpador, dass es niemals zu irgendetwas bringen könnte. Das einzige, wofür es letztendlich gut war, war wohl köstliches Sushi. Wenigstens wäre es dann einmal mehr als nur nützlich. »Ich mag Unlicht-Pokémon!« rief Arezou stolz aus und stemmte die Hände in die Hüften. »Wirklich? Du hast doch schon vor einem Nachtara Angst.« grinste ich. Sie starrte mich an. Wenn Blicke töten könnten, so wäre ich nun definitiv tot umgefallen - mal abgesehen davon, dass ich es ohnehin schon längst wäre, wenn es möglich wäre. Ehrlich gesagt versuchte dieses Mädchen bloß "cool" zu wirken, indem sie sagte, sie würde auf Pokémon stehen, die Finsternis verkörperten. Tatsächlich kam sie damit allerdings nicht klar. Sie fürchtete sich sogar vor so etwas Harmlosem wie ein Fiffyen. Sobald sie erfuhr, dass ein Pokémon ein Unlichttyp war, mied sie es. Woran das lag wusste ich ehrlich gesagt nicht, doch es war ein merkwürdiges Jugendphänomen auf all das zu stehen, was mit der Dunkelheit zu tun hatte. Wie oft hatte mir Arezou schon davon erzählt, wie ihre Klassenkameraden von solchen Pokémon schwärmten? Ach, wir lebten in solch einer verrückten und verdrehten Welt! Statt sich dem "Licht" zu zuwenden, schwärmten die Kinder von heute von der "Finsternis", doch kaum blickten sie einmal hinein, flohen sie wie ängstliche Kleinkinder. Vielleicht auch besser so. Besser, als sich in der Kriminalität zu verlieren. Ah, nur ein Scherz~ Wo würde ich heute schon stehen, wenn ich niemals in die Kriminalität hinein gerutscht wäre? Das Leben wäre langweilig. Unglaublich langweilig.

Doch die meisten waren für so etwas wohl nicht geschaffen. Sie bekamen Gewissensbisse, wurden in die Verzweiflung getrieben und früher oder später brachen sie unter dem Druck zusammen. Selbst Arezou hatte noch nicht die Schattenseiten gesehen und ich war mir fast schon sicher, dass sie zusammenbrach, wenn sie sie jemals zu Gesicht bekam. Sie mochte taff wirken, ja, aber das war sie nicht. Sie würde schneller brechen, als ein einfaches Streichholz. »Ich habe ein großes und super starkes Garados!« gab sie schließlich an und ich begann zu prusten. Erneut schenkte sie mir einen tödlichen Blick. »Garados? Dein potenzielles Sushi ist ein Karpador. Immer noch.« kicherte ich. »Aber bald wird es ein großes, starkes Garados!« Ich konnte nicht anders, als zu lachen. Garados? Dieses Ding würde niemals ein Garados werden, solange Arezou nicht merkte, dass es einen Ewigstein bei sich trug. Ah, aber das wollte ich ihr natürlich nicht verraten. Als Trainerin sollte sie schon allein merken, was ihr Pokémon mit sich herumschleppte. »Ah, Arezou~ Hast du schon Capian besucht?« Sie sah mich mit fragendem Blick an. »Besuchen?« Sie wusste es also noch nicht. »Aber ja doch, er liegt im Krankenhaus.« Schweigen. Sie starrte mich an, versuchte abzuwägen, ob ich ihr gerade ein Märchen auftischte oder ihr die Wahrheit sagte. Letztlich hatte sie wohl beschlossen, dass ich nicht log und zitterte voller Vorfreude, ehe sie einen plötzlichen Luftsprung machte. »HAUSPARTY!!« schrie sie laut, freudig, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, Capian mal einen Besuch abzustatten. Ich hatte es nicht anders erwartet. Nicht, dass sich beide häufig stritten, manchmal verhielt sich Capian bloß etwas zu fürsorglich. Saß Arezou ständig im Nacken, sie solle ihre Hausaufgaben machen. Nun, ohne ihn, würde sie es wohl nie erledigen. Kein Wunder, dass sie sich nun so freute.

»Husch, husch!« sagte ich. »Statte ihm einen Besuch ab! Er wird sich freuen.« - »Ist ja gut!« erwiderte sie, ehe sie davon trabte, noch einmal stehen blieb, um uns zu winken, nur um dann völlig zu verschwinden. Ich blickte ihr nach und seufzte schließlich, ehe ich mich an Hikari wand. »Was hast du jetzt vor?« fragte ich sie gerade heraus. Ob sie sich lieber verkroch, anstatt an sich zu arbeiten? Selbst wenn, konnte ich das verhindern? Vielleicht nicht, aber versuchen konnte ich es. Man musste sich stetig weiterentwickeln, wenn man nicht wollte, dass das Leben langweilig wurde. Für sie dürfte jedoch erst einmal im Mittelpunkt stehen, etwas aus sich zu machen. Eine hohe Position hatte sie, jetzt musste sie sie nur noch verteidigen und ihr Team in den Griff bekommen. Ob sie so einer Herausforderung überhaupt gewachsen war? Ganz daran glauben konnte ich ehrlich gesagt nicht, doch ich ließ mich äußerst gerne überraschen~

Licht oder Schatten? Was würde dein Reich werden?
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:40 am



Post #20




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Na, ich konnte doch schon fast stolz auf mich sein. Da hatte ich es doch tatsächlich geschafft, dieses störrische Kind für einen Moment abzulenken. Anscheinend gar nicht Mal so schwer, wie ich immer gedacht hatte - wenn sogar ich das irgendwie hinbekam. Unlicht Pokemon also? Hm. Und das war es dann auch schon wieder mit meinem tollen Ablenkungsmanöver, denn mit einem Pokemon dieser Art konnte ich nicht dienen. Ich hatte in meinem Team einiges vertreten, aber ein Unlicht Pokemon war nicht dabei. Verdammt. Glücklicherweise nahmen Arezou und Siavash die Sache nun wieder mehr oder weniger selbst in die Hand, so dass ich mich wieder etwas raushalten konnte. Das das Mädchen behauptete, das sie den Typ Unlicht möge, Sia aber gleichzeitig meinte, das sie davor Angst habe, und ein Garados besäße - was laut dem Dunkelhaarigen ebenfalls eine Lüge war, verwunderte mich allerdings ein wenig. Warum? Ich runzelte leicht die Stirn. Wollte sie einen besseren Eindruck schinden und cool herüber kommen? Sowas würde ich niemals verstehen. Ich hatte nie ein Problem damit, offen zu zeigen und sagen, was ich wirklich mag und wenn ich damit auf Hohn oder dergleichen stieß, dann war es mir egal. Wenn jeder den anderen akzeptieren würde, wie er war - dann wäre das doch alles kein Problem, oder? Aber ich war nicht so naiv, um zu glauben, das es je soweit kommen würde. Von wegen. Menschen waren einfach zu extrem von angeblichen Normen geleitet. Wer das und dies nicht hatte, war automatisch uncool. Wer nicht aussah, wie die anderen, war komisch. Wer das nicht konnte war doof. In was für einer Welt lebten wir eigentlich? Und Kinder würden mir sowieso immer ein Rätsel bleiben.

Aber war wirklich jedes Kind so, wie diese Arezou? Oder war sie ein 'Sonderfall'? Sie schien sich ja kein bisschen darum zu kümmern, das dieser Capain im Krankenhaus lag. Stattdessen freute sie sich sogar richtig. Gut, ich wusste auch nicht, in welchem Verhältnis sie zueinander standen. Aber sie schienen sich ja zumindest zu kennen. Na, egal, nun war sie zumindest verschwunden und meiner Meinung nach wurde es angenehm ruhig. Die Frage von Siavash brachte mich jedoch erst Mal zum schweigen. Ja, was wollte ich jetzt tun? Ich hatte mich dafür entschieden, zu probieren, mir Respekt zu verschaffen. Und das würde ich auch tun. Aber jetzt sofort? Ich trat unsicher von einem Fuß auf den Anderen. Um so mehr Zeit ich in diesem Flur verbrachte, um so eingeengter fühlte ich mich, als würde mir der Platz zum Atmen genommen. Dabei waren Sia und ich die einzigen, die gerade hier standen. Ansonsten war er wie leer gefegt. Ich zuckte leicht mit den Schultern. »Am liebsten will ich erst Mal hier raus.«, meinte ich schließlivh, und man merkte sowohl meiner Stimme als auch meinem Gesichtsausdruck an, wie unwohl ich mich gerade fühlte. Da ich nicht in der Stimmung war, auf ein ja oder nein zu warten, drehte ich mich einfach um und machte mich mit schnellen Schritten, die sich schon bald in ein Hüpfen verwandelten, auf den Weg in Richtung Ausgang, der glücklicherweise nicht sehr weit entfernt war.

Draußen angenommen kam ich mir vor, als würde eine Last von meinen Schultern fallen und unwillkürlich breitete sich ein kleines Lächeln auf meinen Lippen aus. Das war schon viel, viel, viel besser. Ich legte kurz meinen Kopf in den Nacken, atmete tief durch und beobachtete ein paar Staralilis, die über den Bäumen entlangflogen, ehe ich mich wieder umdrehte. Jetzt galt es sich wieder wichtigereren Dingen zu widmen. »Und jetzt muss ich mir überlegen wie ich es fertig bekomme, diesen Typen von vorhin zu bestrafen.«, meinte ich mit einem Seufzen. Ich machte mir nicht mehr die Mühe, zu verbergen, das ich mich dazu nicht in der Lage fühlte, es hatte ja so oder so keinen Sinn. Ehrlich gesagt wäre es schon ziemlich seltsam, wenn Siavash das nicht schon längst selber bemerkt hatte. Zugegeben: Der Plan, den er mir vorgeschlagen hatte, war schon um einiges besser, als wirklich jemanden zu foltern, denn das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen zu tun. Nie im Leben. Allein bei der Vorstellung überlief mich ein Schauer. Wie machte Goliath das nur? Gut, er war von Natur aus aus härterem Holz geschnitzt. Aber es gab so viele, die das mit Leichtigkeit fertig bekamen, einem anderen Menschen Schmerzen zuzufügen. Wie konnten sie nur mit schmerzerfüllten Schreien und Gesichtern klar kommen? Verfolgten sie sie nicht bis in ihre Träume? Wie konnten sie einen Menschen so sehr foltern, das er sie auf den Knien anbettlete, aufzuhören, und trotzdem weiter machen? Egal was dieser Jemand verbrochen hatte: Ich könnte das nicht. Ich glaube, ich würde darunter wahnsinnig werden. Wie machten sie das also? Sahen und hörten sie einfach nicht hin? Verschlossen sie sich davor und ließen das alles wie an einer unsichtbaren Rüstung abprallen?
War das überhaupt möglich?
Oder war es ihnen tatsächlich gleichgültig?
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:40 am

SIAVASH KING
& Hikari # 26







Natürlich entging mir ihr unsicheres hin und her Getrappel nicht. Unsicherheit war etwas Feines. Den meisten Menschen merkte man ihre Unsicherheit an. Ob sie wie sie es tat, von einen auf den nächsten Fuß traten, ob sie nervös an ihrer Kleidung zupften oder sich stürmisch in alle Richtungen umsahen. Die meisten Menschen neigten dazu, irgendetwas zu tun, was sie meist selbst nicht bemerkten. Zugegeben, auch ich war hin und wieder unsicher, anmerken ließ ich mir das aber nicht im Geringsten. Auf meinen Lippen ruhte in jeder Situation ein überlegenes Grinsen. Immerhin plante ich mit besonderer Vorliebe meine nächsten Schritte. Ich versuchte jeden Faktor zu berücksichtigen, die bestmögliche Absicherung zu haben. Natürlich konnte man niemals alles berücksichtigen. Aber man konnte die Gefahr dezimieren. Ich hatte keine Gründe unsicher zu sein. Schon gar nicht, wenn es um Menschen geht. Nichts war mir peinlich, nichts konnte mich aufhalten und wenn doch, hatte ich bereits einen Plan B in Petto. Ich lebte nicht in den Tag, ich plante voraus. Immerhin hatte ich ein Ziel und die Zeit rannte davon. Ich mochte zwar erst 22 Jahre alt sein, aber im Nachhinein rannte die Zeit davon und nahm keine Rücksicht auf dich. Das würde sie niemals tun. Wenn man nicht hinterher kam, würde sie einen nur auslachen und am Ende, ja, am Ende hatte man nichts erreicht. Man hatte versagt. Verloren. Und verlorene Zeit bekam man niemals erstattet. Aufholen konnte man sie genauso wenig. Unsicherheit war das letzte, was ich gebrauchen konnte. Unsicherheit und Unentschlossenheit. Ich hatte ein Ziel das erreicht werden musste und ich würde es erreichen, ehe meine Zeit wie Sand in den Händen verrinnte. Ich konnte keine Unsicherheit zeigen, nein, es kostete mich Zeit. Viel zu viel Zeit.

Es verwunderte mich nicht, dass Hikari hinaus wollte und sofort los lief, als sie es mir mitgeteilt hatte. Ich folgte ihr. Das war alles, was ich nun zu tun hatte. Hikari fühlte sich in der Natur wohler, schließlich hatte sie ganz so geklungen, als fühlte sie sich unwohl. Ah, ich verstand es nicht. Natur. Natur. Was war so toll an Bäumen und Blättern und Blumen? Was war so toll an einen blauen, mit Wolken bedeckten Himmel? Was brachte es mir, mich in der Natur um zusehen? Kein Mensch weit und breit. Menschen. Menschen waren das Interessante. Welches Geschöpf konnte mit Menschen mithalten? Pokémon mochten eigenartige Fähigkeiten haben, aber dennoch schafften es die Menschen, sie zu fangen und für ihre Zwecke zu nutzen. Da gab es jene, die ihre Pokémon versklavten, sowie jene, die sich ernsthaft einbildeten, Pokémon seien so etwas wie Freunde? Ein Band? Lächerlich. Der Mensch zerstörte die Welt und obwohl er genau wusste, was er tat, machte er weiter. Unaufhörlich zerstörte er Landschaften, die Umwelt, obwohl es jene Heuchler gab, die Naturschutz predigten. Doch was taten sie? Bezogen Strom, fuhren mit Autos, flogen mit Flugzeugen und kauften sich ihre Nahrungsmittel aus dem Supermarkt an der Ecke, der sich sicherlich nicht darum kümmerte, ob ihre Produkte nun Bio waren oder nicht. Ein Mensch, der Umweltschutz predigte, tat im Endeffekt nichts für seine Ideale. Er gehörte zu denen, die alles verschlimmerten. So wie all jene, die von Armut sprachen, nicht aber teilten. Wie konnte ich davon sprechen zu helfen, wenn ich keinen Finger krumm machte, um genau das zu tun? Wie konnte ich anderen predigen, ohne mich selbst daran zu halten. Kein Geschöpf auf dieser Erde war so egoistisch und falsch wie der Mensch. Und deshalb, nur deshalb, liebte ich sie.

Jeder musste sterben, doch anstatt die Zeit dafür zu nutzen, etwas sinnvolles zu tun, lebten viele bloß in den Tag hinein. Warum? Warum waren Menschen so? Wie konnten sie jemanden lieben, der falsche Werte predigte, sie aber selbst missachtete. Wie konnten sie Menschen hassen, die das Falsche Taten, es aber bereuten, wenn sie doch selbst nie das Richtige taten? Wie konnte ich einem Menschen all mein Vertrauen schenken, ohne zu wissen, was er hinter meinem Rücken über mich erzählte? Vertrauen? Pah, wie viele waren bereits enttäuscht worden? Wie viele jammerten ihr Leben, weil die angeblich große Liebe sie betrogen hatte? Und wie viele, wie viele Menschen machten sich selbst zum Sklaven eines anderen Menschen? Die einen waren stark, die anderen schwach. Die einen beeinflussbar, die anderen selbstbewusst. Ich musterte das kleine Lächeln auf Hikaris Lippen, wurde selbst immer nachdenklicher, ehe ich in den blauen Himmel blickte, der mir mit weißen Wolken etwas vorgaukelte. Hier mochte der Himmel schön sein. Klar, mit wenigen weißen Wolken, die die unterschiedlichsten Formen bildeten, doch irgendwo auf dieser Welt, würde ein heftiger Sturm toben, den man beim Anblick dieses Himmels leugnen würde. Auch die grünen Blätter der Bäume würden niemals darüber hinweg täuschen, dass es irgendwo auf dieser Welt tobte. Nichts, nichts konnte darüber hinweg täuschen und ich wünschte mir - in jenem Augenblick - am Katastrophenort zu stehen und in die erschrockenen, panischen Gesichter der Menschen zu blicken, die den Himmel am Vortag noch gepriesen haben. Ich wollte sie ansehen, ihnen ein scheußliches Grinsen schenken, ihnen zuflüstern, dass es niemals gut werden wird. Schlimmer. Es wird schlimmer.

Strafe aufbrummen? War es so schwierig, einem Menschen eine abscheuliche Strafe aufzubrummen? Wenn er sie nicht respektiere, sollte er mit Konsequenzen zu rechnen haben. Ich schob die Hände in die Taschen, schielte zu ihr herüber, während mein Gesicht sich immer noch dem Himmel entgegen wandte und schwieg. Und dann lachte ich. Laut. Einige Minuten lang versank ich in bloßem Gelächter und musste erst einmal genügend Luft holen, als mein Lachen wieder verstummt war. Was gab es da zu überlegen? Ah, diese Unschuld! Konnte man dieses fast schon leuchtende Grau überhaupt in tiefste Dunkelheit stürzen? Sie war bereits in Izanami's Wrath, sie war eine Verbrecherin, ein schmutziges Grau an der umso graueren Wand der Erde. Warum machte sie sich dann Gedanken um so etwas? »Brumm ihm irgendetwas auf und wenn es nur Klo putzen ist.« meinte ich. Ob es nun eine Leibesstrafe war oder demütigende Arbeit, das änderte nicht viel am Effekt. Doch je härter die Strafen, desto mehr Furcht herrschte. Je schneller bekam sie Respekt. Falschen Respekt, der allein auf Angst basierte. »Wovor hast du Angst, hm? Das man dich hassen könnte?« fragte ich, grinste und starrte erneut in den Himmel. »Du bist ein Mitglied von Izanami's Wrath, Hi-chan. Du sitzt im Vorstand. Du bist schon längst in der Schwärze versunken, also solltest du nicht wieder versuchen, Weiß zu werden. Es würde ein Übles Ende nehmen.« Ich ließ den Kopf wieder etwas sinken und seufzte leise. »Ah, aber ich schätze ich schulde dir noch einen Wunsch.«


» Silberberg - Das Gebirge «
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:40 am



Post #21




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Aufenthaltsraum
-- Izanamis Wrath Hauptquartier


Glücklicherweise folge Siavash mir, ohne etwas dagegen zu sagen. Er sagte generell den ganzen Weg bis nach draußen nichts, was schon recht eigenartig für seine Verhältnisse war. Nun, mich sollte es nicht stören, eher im Gegenteil. Es war eine angenehme Stille, die, natürlich, nicht länger hielt als unbedingt nötig. Kaum waren wir draußen angekommen öffnete er seinen Mund auch schon wieder. Das Klo putzen lassen? Ich verzog das Gesicht. Was sollte das schon groß bringen? Er würde mich vermutlich auslachen und mit dem Wischmop nach mir werfen oder so. Oder er würde die Toiletten zerstören. Oder sonst irgendetwas tun, was den Sinn und Zweck dieser Strafe verfehlen würde. Und ich wollte wirklich ungern die ganze Zeit als Aufsichtsperson da bleiben. Nein, irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, das das was bringen würde. Aber was sollte ich sonst tun? Ich würde es nicht fertig bringen ihn wirklich zu quälen und so sehr zu bestrafen, das es auch Früchte trug und er so etwas nie wieder machen würde. In Gedanken versunken kaute ich auf meiner Lippe herum. Was blieb mir schon groß übrig? Man hatte im Leben nicht immer die Wahl. Manchmal - und ich hatte das Gefühl, bei mir häufte sich das gerade - musste man Sachen tun, die einem widerstrebten, um ein Ziel zu erreichen. Und die Sache mit dem Folterrad würde mich garantiert direkt einen viel größeren Schritt zu meinem Ziel katapultieren. Aber wenn ich es vermasseln würde, was leider nicht sehr unwahrscheinlich war, dann würde es mich einen ebenso großen Schritt nach hinten werfen. Gut, dann eben das Klo. Da konnte ich ja nicht allzu viel falsch machen, oder? Ich musste nur irgendwie... autoritär herüber kommen.

Aber wie? Meine Gedanken beschworen ein Bild von Goliath hervor. Er musste nicht viel tun, um autoritär zu wirken. Er war riesig und breitschultrig, er hatte eine kräftige Stimme und stellte jeden in seinen Schatten, egal wer neben ihm stand. Er schlug mal ebenso ein Loch in die Wand und rastete gerne aus. Nein, er musste wirklich nicht viel tun, um sich Respekt zu verschaffen. Aber ich? Ich war keins von dem. Ich war nicht besonders groß; ich war klein und zierlich. Und ich war mit einer kleinen Berührung außer Gefecht zu setzen, im Bruchteil einer Sekunde. Und was war mit Sera? Sie war auch klein und zierlich. Aber sie war immer freundlich und niedlich. Deswegen war sie zwar auch nicht gerade autoritär, aber vielleicht half das ja, irgendwie? Hatte sie deswegen nicht die gleichen Probleme wie ich?- nein, warte, das konnte ich nicht sagen. Vielleicht hatte sie diese ja. Und da war noch Siavash. Er musste nicht autoritär wirken, und trotzdem hatte ich in irgendeiner Weise Respekt vor ihm. Die anderen Kerle hatten das vielleicht nicht gerade, und trotzdem überlebte er in dieser Organisation. Trotzdem ließ er sich von ihnen nicht so einfach besiegen. Aber ich war nicht so wie Sia; das konnte mir also auch nicht helfen. Ich würde auch niemals so werden können wie er... und das wollte ich auch ehrlich gesagt nicht. Ich runzelte die Stirn. Wie kam also autoritär herüber? Die übrigen Klischees? Gerade hinstellen, Brust raus, Kinn vor und einen strengen und festen Blick? Vermutlich würde ich so eher wie eine Witzfigur aussehen.

»Nein.« Ich schüttelte langsam den Kopf. Ich hatte keine Angst davor, das man mich hassen würde. Das war mir egal, schließlich mochte auch ich keinen von denen. Warum fragte er überhaupt noch? Er hatte mir doch eben wunderschön verpackt erklärt, wie sie mich 'stürzen' würden! Ich verschränkte meine Arme vor der Brust. »Das weiß auch auch, und das war auch nie mein Ziel. Aber ich möchte nicht schon wieder ganz von vorne anfangen, und deswegen habe ich beschlossen mir irgendwie Respekt zu verschaffen. Aber ich bin nicht der Mensch der andere einfach Mal so foltern kann.«, erklärte ich mit einem entschiedenem Kopfschütteln. So gesehen war ich schon ein kleines Sensibelchen. Diese Welt war nicht meine Welt. Und trotzdem war ich hier. Und jetzt würde ich auch hier bleiben, egal was Andere sagten. Ich wollte nicht wieder zurück auf null. Und ich würde niemals, niemals, in meine Heimat zurück kehren. Lieber versauerte ich irgendwo in einer dunklen Gasse. Obwohl auch das eine unangenehme Vorstellung war. Nein, ich wollte hier bleiben. Ich hatte nichts anderes mehr. Ich hatte niemanden, den ich meinen Freund nennen konnte. Nichts anderes mehr, das ich mein zu Hause nennen konnte. Izanamis Wrath war alles, was mir geblieben war. Diese verdammte Organisation war mein ganzes Leben geworden.

Einen Wunsch, einen Wunsch. Stimmt ja, das hätte ich jetzt fast wieder vergessen. [und ich übrigens auch...] Hm. Hmmm. Was könnte ich mir wünschen? Das er mir mehr Informationen über Jirachi suchen sollte? Das wäre eine Idee. Aber... Nein. Lieber nicht. Stattdessen... »Du könntest mal etwas nützliches tun und mir helfen die Blätter zu suchen die ich heute morgen verloren habe. Die müssten hier alle irgendwo noch herumliegen.«, meinte ich mit einem Grinsen und breitete dann meine Arme aus, wobei ich so ziemlich das ganze Gebiet vor dem Silberberg einschloss. Zuerst waren sie mir zwar egal gewesen, aber, zugegeben, jetzt gerade versetzte es mir doch irgendwie einen Stich das die ganze Arbeit verloren sein sollte. Sicherlich würden nicht alle wieder auftauchen, aber vielleicht wenigstens ein paar. Das wäre zumindest mal etwas. Mit diesen Worten drehte ich mich also um und machte mich sofort an die Arbeit.

» Gebirge
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:41 am

X - Goliath, Siavash & Hikari
<<<< Chefzimmer

Huuuuuuuuuuuh

Wie ein Geist hauchte der Wind durch die zerklüftete Felsschlucht und wehte von hier und da ein Blatt heran. Immer und immer wieder erfasste mich die leichte Brise und trieb die kalte Bergluft in mein Gesicht. Ich atmete einmal tief ein, und zog das Gefühl der Einsamkeit förmlich in mich hinein. Wunderbar. Außer dem Rauschen des Windes war hier oben nichts zu hören. Absolute Stille. Kein Pokemon rief und ein Mensch verirrte sich eh nicht in dieses abgelegene Gebiet. Ich lehnte mich auf dem Felsvorsprung, auf dem ich saß zurück und blickte in den Himmel. Er war von einer dicken Wolkenschicht überzogen und wirkte so mehr wie ein Meer aus Milch. Mich überkam die Lust auf Kekse, als ich so in die weiße Masse blickte. Ich hätte mir welche mitnehmen sollen. Doch nun war es zu spät. Trotzdem heiterte dieser Ort meine Laune wieder auf. Vor wenigen Stunden hätte ich am liebsten noch alles in Schutt und Asche gehauen. Okay. Das würde ich gerade auch noch sehr gerne machen, aber nicht mehr aus Wut, sondern einfach aus Lust heraus. Aber dafür hatte ich heute noch genug Zeit, immerhin durfte sich Jemand heute noch auf ein paar Schmerzen gefasst machen. Ob Skadi wohl schon Hunger hatte? Vielleicht würde sie heute ja ein wenig zu fressen bekommen, je nachdem wie meine Laune bis dahin war. Doch jetzt galt es erst einmal die Ruhe zu genießen. Wo sonst konnte ich denn einfach nur allein sein? In meinem Büro wartete der Papierkram und außerdem immer irgendwelche Kommandanten mit irgendwelchen Anliegen und in den Aufenthaltsraum der Organisation brachte mich so schnell nichts. Ich hatte mir schon etwas dabei gedacht, das Hauptquartier hier zu errichten. Immerhin gab es in ganz Johto keinen besseren Ort als diesen hier. Kaum Menschen, Schutz durch die Felswände und noch dazu ein ausgezeichnetes Trainingsgebiet. Es war perfekt. Izanami's Wrath war perfekt. Ich war perfekt. Und gerade in diesem Augenblick fühlte ich mich gut. Ja – Diese Einsamkeit war einfach göttlich. Es war niemand da, der mir auf die Nerven gehen konnte. Keine Menschenseele und vor allem nicht er. Ich nahm viel hin, wenn es um die Organisation ging. Immerhin war sie der Pfeiler, der meinen göttlichen Plan stützte. Es musste alles strikt verlaufen, doch wenn es vielversprechende Anwärter, mit seltenen, überragenden Fähigkeiten gab, nahm ich auch mal den ein oder anderen Charakterzug in Kauf, der einem das Leben schwerer machte. Doch was ich mir bei dem Tsukuyomi gedacht hatte, war mir nicht klar. Ob ich der Izanagi dafür danken muss, dass sie ihn mir gerade vom Hals hielt? Blödsinn. Was für ein absurder Gedanke. Ich war ihr Boss, ihr Vorgesetzter. Ich war ein Gott ich musste nichts und niemandem für irgendetwas danken. Und trotz allem. Trotz idiotischer Rüpel und aufdringlicher Informanten. Mein Werk war perfekt. Mein Weg zur Macht war offen – Mein Aufstieg stand bevor. Bald. Bald würde selbst jedes Kind in Johto den Namen Goliath kennen! Sie werden alle in Angst und Ehrfurcht erzittern und mich anbeten!!! Ich werde ein Gott sein!!!

Huuuuuuuuuuuh

Wieder heulte der Wind und brachte diesmal einen so starken Zug mit sich, dass es mich fast von der Felskante geweht hätte. Ich schwenkte den Blick nach unten und betrachtete das Geröllfeld, das sich unter mir erstreckte. Es dauerte nicht mehr lang, da würde ich auf einer Anhöhe wie dieser hier stehen und auf meine Untergebenen hinabblicken. Ich würde nichts sagen müssen. Allein meine Präsenz würde reichen, um sie nach meinem Willen zu befehligen. Die absolute Macht. Doch noch befand ich mich nur auf dem Weg dahin. Ich war zwar schon eine göttliche Persönlichkeit, dennoch war ich noch nicht der König der ganzen Region. Der Weg zur Macht war steinig und lang. Doch ich hatte die Kraft und die Ausdauer ihn zu erreichen. Immerhin hatte ich schon einen großen Teil überwunden. Vor einigen Jahren saß ich noch auf einem Felsen, wie diesem und war gefangen in Vorschriften, Regeln und Pflichten. Ich erinnerte mich daran, wie ich als Junge in Einall im felsigen Gebiet um die Drachrnstiege herum saß und mit Mimir an meiner Seite von Freiheit geträumt hatte. Und diese Freiheit hatte ich jetzt. Nun war ich mein eigener Herr und niemand wagte es noch mir etwas vorzuschreiben. Jeder, der sich mir in den Weg stellte wurde nun von meiner unglaublichen Macht überrollt. Ich hatte es geschafft, alles hinter mir zu lassen. Ich hatte das stärkste Team der Welt. Ich war unaufhaltsam. Als ich so daran dachte, wie weit ich eigentlich schon gekommen war, wollte ich diesen Moment mit meinem engsten Freund teilen. Ich griff nach einem Pokeball und warf ihn in die Höhe. Im grellen Licht erschien Mimir auf der Felsplatte und reckte sein steinernes Haupt in die Höhe. Nachdem er begriff, wo er war, ließ er sich neben mir nieder. Vielmehr plumpste er auf den Boden, sodass der Felsen durch das Gewicht des Pokemon erschüttert wurde und mich einige Zentimeter hoch in die Luft beförderte. Nachdem das leichte Beben verklungen war, versank der Silberberg wieder in vollkommener Stille. Wie versteinert saßen Mimir und ich nun nebeneinander und mussten aus der Ferne wohl wirken wie zwei Skulpturen, die mit dem gleichen Gesichtsausdruck in die Ferne starrten. Dieses Golgantes war wohl das einzige Lebewesen, an dem mir wirklich etwas lag, auch wenn ich das niemals zugeben würde. Als Gott durfte ich mich doch nicht an irgendetwas binden. Freundschaftliche Gefühle zu etwas anderem konnten einem alles vermasseln. Eigentlich durfte ich gar nicht zulassen, dass ich dieses Pokemon wirklich mochte. Doch ich tat es. Das konnte ich nicht leugnen. Herausfinden würde es eh niemand.

Huuuuuuuuuuuh

Diesmal wehte der Wind nicht nur Blätter und Staub heran. Ehe ich mich versah, versperrte mir etwas Weißes die Sicht und blieb mitten in meinem Gesicht kleben. Ich schnaufte genervt und packte, was auch immer da gerade vor mir hing. Papier! Was hatte Papier bitte in einer Gegend wie dieser zu suchen? Als ich es etwas weiter von mir weghielt, überraschte es mich umso mehr. Das, was ich hier vor mir hatte, waren eindeutig Berichte. Interne Berichte von Izanami's Wrath. Wie kamen diese Unterlagen hier hinaus? Versuchten etwa wieder irgendwelche Spione etwas herauszufinden? Wenn ja, würde ich sie finden und vernichten, so viel war sicher. Ich rappeltze mich auf. Mittlerweile hatte auch Mimir bemerkt, was vor sich ging und versuchte wieder auf die Beine zu kommen. Bei seiner Masse war das ein ziemliches Problem. Und wie das Pokemon nun mal war, kam es nicht drum herum den Halt zu verlieren und geradewegs den Abhang hinunter zu rutschen. Ein lauter Knall hallte durch das Gebirge, als der Brocken die Felswand hinunter kullerte. Mit grimmigem Blick sah ich dem blauen Golem hinterher, der gerade auf dem Geröllfeld liegen blieb. Typisch. Ich wandte mich von dem Abgrund ab, da ich genau wusste, dass Mimir selbst klarkam. Ich trat einige Schritte davon und betrachtete die Dokumente genauer. Als ich das Geschriebene so überflog, wurde mir klar, dass es sich hierbei nicht mal um äußerst wichtige Informationen handelte. Was sollte jemand mit unnützen Berichten wie diesen?




SIAVASH KING
& Hikari & Goliath # 27


» Izanami's Wrath HQ - Aufenthaltsraum «

Zugegeben, ich hatte wenig Lust, nach irgendwelchen Blättern Ausschau zu halten, aber ein Versprechen war ein Versprechen, nicht wahr? Ich war nicht der große Samariter, sah viel lieber dabei zu, wie sich meine geliebten Menschen durchs Leben rangen, aber ich brach keine Versprechen. Ein kleines bisschen stolz hatte ich da schließlich auch noch. Warum wir aber ins Gebirge marschieren mussten, wollte mir nicht so ganz in den Kopf. Ich mochte Natur nicht allzu sehr. Ja, vielleicht mochte sie entspannend sein, doch nichts war schöner als die Menschenmassen in Städten! All die Menschen zu sehen ließ das Herz doch aufgehen. Da wollte ich mich fast schon auf die Spitze des Silberbergs stellen und in die Welt hinein rufen, wie sehr ich meine Menschen doch liebte. Ansonsten gab es an diesem Berg nichts, was mich reizte. Warum konnte die Basis nicht in Dukatia City sein? Bei all den Menschen, die tagein tagaus auf die Straße huschten und ihre Geheimnisse in sich hinein fraßen. Jeder Mensch hatte doch irgendwelche Geheimnisse und nichts bereute mir mehr Freude, diese Geheimnisse auszubuddeln und die Menschen damit zu konfrontieren. Menschen waren solch faszinierende Wesen. Manche Reaktionen waren unvorhersehbar, doch meist reagierten sie genau so, wie ich es geplant hatte. Wie ich es liebte, wenn mir das Schicksal einen Strich durch meine Planung machte. Es machte das Leben ungemein spannender. Es barg Überraschungen, die ich mehr als nur liebte. Alles perfekt zu planen barg seine Tücken. Man konnte niemals perfekt planen und dennoch versuchte ich es. Jedes Mal, wenn alles glatt lief, jedes Mal, wenn etwas schief lief. So oder so war es spannend, alles durchzugehen, was passieren könnte, doch gleichzeitig geschah stets das, was man nicht berücksichtigt hatte. Unglaublich! Menschen waren so unberechenbar!

Und ich vergeudete meine kostbare Zeit damit, nach irgendwelchen Papieren zu suchen, die Hi-chan verloren hatte. Jede Sekunde hätte ich damit verbringen können, einen Menschen zu beobachten, seine tiefsten Geheimnisse zu erfahren. Aber nein. Ich musste mein Wort halten. »Die sind sicher schon über alle Berge.« meinte ich und schaute in den Himmel hinauf, an dem mein Kramurx seine Kreise zog, um nach den verloren gegangenen Papieren Ausschau zu halten. Noch schien Aryan nichts entdeckt zu haben, aber das war bei diesem unzuverlässigen Vieh auch nicht weiter verwunderlich. Irgendwann würde er wirklich noch als Federkissen enden, wenn ich ihn nicht so dringend brauchen würde. Aryan war immerhin mein bester Spion. Es fiel nicht besonders auf, wenn ein Kramurx sich auf einen Ast setzte. Das eine Kamera an jenem Pokémon befestigt war, ahnte man schließlich nicht. Aryan machte mir vieles unglaublich leichter. Letzten Endes hatte ich meine Augen und Ohren aber überall. Wie könnte ich mich denn sonst auch Information Broker nennen? Informationen waren schließlich mein Kapital. Mein Leben! Doch jetzt, jetzt verbrachte ich meine Zeit damit, Papier hinterher zu jagen, anstatt bei meinen geliebten Menschen zu sein. Ich bezweifelte ohnehin, dass ihre Dokumente irgendwelche nützlichen Informationen beinhalten würden. Unsinnige Pläne für Flugversuche. Mehr würde es nicht sein. Selbst Hikaris unsinniger Wunsch konnte mich nicht darüber hinwegtrösten, dass ich meine Zeit verschwendete. Ich hätte so viel herausfinden können! Jetzt! In diesem Augenblick! Doch hier, wo nichts weiter war als Geröll, suchten wir stattdessen nach irgendwelchen Papierfetzen.

Eher aus purer Langeweile machte ich einen Handstand und betrachtete den Ort von einem völlig neuen Blickwinkel aus. Nicht, dass dieser Blickwinkel schöner war, aber nach Papieren Ausschau zu halten war mehr als nur langweilig. Vermutlich waren einige Blätter bereits ins Tal geweht worden. Na, ob sie die jemals wieder sah? Ich verlor das Gleichgewicht, als der Boden bebte, landete unsanft mit dem Rücken auf hartem Stein und starrte stumm in den Himmel. Erdbeben? Machte nicht den Eindruck, als würde die ganze Erde beben. Eine kurze Erschütterung, als wäre etwas großes, schweres auf dem Boden gelandet. Plötzlich landete Aryan neben mir, in seinem Schnabel ein Stück Papier. Schleunigst entriss ich ihm das Stück und hielt es in die Luft, ehe ich damit wedelte. »Ich hab eins!« Ich richtete mich wieder auf, setzte mir zusätzlich meine Kapuze auf und betrachtete das Blatt. Schien mir eindeutig ein Teil von Hikaris Plänen zu sein. Zumindest kannte ich niemanden, der solche Pläne entwerfen würde, auch wenn sie mir wie ziemlicher Schwachsinn vorkamen. Vielleicht würde sie eines Tages ja Erfolg haben, aber sicherlich nicht ohne irgendwelche Gerätschaften oder Jirachi, falls jenes Pokémon wirklich sämtliche Wünsche erfüllen konnte. Mein Partner erhob sich wieder in die Lüfte, um nach weiteren Blättern Ausschau zu halten und ich seufzte. Wie lange würde das nun so laufen? Ich starrte erneut in die Höhe, ehe sich ein fieses Grinsen auf meine Lippen schlich. Was mich sah, erfreute mich. Das tröstete mich doch sogar darüber hinweg, keine Menschenmassen beobachten zu können. Goliath! War er also aus seinem Bunker, seinem Büro, hervor gekrochen gekommen. Und diese Gelegenheit war perfekt!

Er schien mich noch nicht bemerkt zu haben. Außerdem wirkte es ganz so, als sei er von irgendetwas abgelenkt. Konnte diese Gelegenheit günstiger sein? Also schlich ich mich heran. So leise wie ein kleines Wattzapf an der Decke krabbelte. Dummerweise war Goliath viel größer als ich, aber ob das für mich ein Hindernis war? Definitiv nicht! Nichts würde mich daran hindern, dem allerliebsten Lieblingsboss auf die Nerven zu gehen. Mit einem Satz sprang ich auf seinen Rücken und drückte ihm einen langen Kuss auf die Wange, ehe ich mich löste und teuflisch grinste. »So allein hier, Goli-chan~?« fragte ich lachend. Natürlich hielt ich mich gut an ihm fest. Schließlich wollte ich ja nicht gleich den Abhang hinunterfliegen. Das bekäme mir nicht sonderlich gut. Ich schätze das würde eine umso längere Zeit in der Folterkammer geben. Vermutlich brach ich sogar meinen Rekord! Vermutlich? Wahrscheinlich! Niemals würde Goliath zulassen, dass ich damit durchkam! Allerdings würde es mich auch nicht daran hindern, es nochmal zu tun. Wer wäre ich denn, würde ich mich von Golis Strafen einschüchtern lassen? Davon einmal abgesehen waren Schmerzen wirklich das Letzte, was eine Strafe für mich darstellte. Solange man mir nichts brach genoss ich es viel eher. Ah, aber Goli-chan hätte Pech, würde er mir tatsächlich etwas brechen. Wenn ich nicht arbeiten konnte, würde ich ihm schließlich nur noch mehr auf die Nerven gehen.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:42 am



Post #22



◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
◊ Goliath
Das Gebirge
-- Silberberg


« Aufenthaltsraum [IW Hauptquartier]

Zufrieden, das er mir ohne zu widersprechen half, bahnte ich mir im Hopserlauf einen Weg durch die Berge. Hier und da blieb ich stehen, weil ich meinte, etwas weißes gesehen zu haben, und siehe da, ein paar von meinen Blättern und Aufzeichnungen fand ich sogar wieder. Zugegeben, das ein oder andere war so dreckig oder nass, das es nicht mehr zu gebrauchen war, aber die Anderen waren zum Großen Teil noch in Ordnung. »Über alle Berge? Ich hab doch schon welche gefunden!«, rief ich und hielt dabei die besagten Papiere in die Höhe ohne mich um zudrehen. Klar, es fehlten noch ziemlich viele, und alle würde ich vermutlich nie wieder sehen, aber trotzdem... Diese Aufzeichnungen waren gar nicht mal so unwichtig, da steckte viel Mühe drin! Das waren nicht einfach irgendwelche Blätter! Zufrieden quietschte ich auf, als ich etwas weißes in den Bäumen hängen sah. Dumm nur, das ich nicht dran kam. In solchen Momenten wollte ich es wirklich verfluchen, das ich so klein war... Ich sah mich nach Siavash um, der gerade - warum auch immer - einen Handstand machte. Er würde mir keine große Hilfe sein, schließlich war er nicht viel größer als ich, eher im Gegenteil. Und selbst wenn er größer wäre... In diesem Moment zweifelte ich daran, das er Lust hatte, mir auch nur irgendwie behilflich zu sein. Unsicher nahm ich den Pokeball hervor, in dem sich Altaria befand. Sollte ich Sky um Hilfe bitten? Mein Blick wanderte noch ein Mal zu dem Baum. Nein. Geschwind kletterte ich auf eine kleine Anhöhe, dann streckte ich mich so hoch ich konnte bis ich einen dicken Ast erreichte. Mühselig zog ich mich daran herauf, stellte meine Füße am Stamm ab und fing so an, daran hoch zu laufen, bis ich mich mit meinen Füßen an den Ast klammern konnte. Ein, zwei Minuten später lag ich bäuchlings auf dem Ast und klammerte mich daran fest - wie auch immer ich es letztendlich darauf geschafft hatte. Das Blatt, das einen Ast über mir Hang, fest im Blick rappelte ich mich auf und klammerte mich mit einer Hand möglichst an den Stamm, während ich probierte, das Papier zu erreichen. Ich war immer noch zu klein. Mist! Vorsichtig stellte ich mich auf die Zehenspitzen, lehnte mich ein Stück vor und - mit einem spitzen Schrei verlor ich das Gleichgewicht, kippte vorne über und landete unsanft auf dem Erdboden.


Stöhnend und mir den Kopf haltend setze ich mich auf. Das war zwar nicht die angenehmste Art und Weise gewesen die ich mir vorstellen konnte, aber jetzt war ich wenigstens wieder unten uuuund: Ich hatte das Blatt! Zufrieden stellte ich fest das man sogar noch erkennen konnte, was ich mal darauf verewigt hatte. Es handelte sich um eine recht genaue Skizze eines Flügels eines Geronimatzes. Als Siavash Stimme zu mir drang sprang ich schnell auf und riss ihm das Blatt aus der Hand. Im Endeffekt hatte ich also doch noch einiges finden können. Ich sah mich noch ein Mal um, konnte aber nichts mehr entdecken. Die anderen waren wohl für immer verschwunden. Trotzdem glücklich hopste ich Sia hinterher, wobei ich überhaupt nicht darüber nachdachte, was er jetzt eigentlich vor hatte. Er schien irgendetwas entdeckt zu haben, aber ich war zu sehr mit meinen Blättern beschäftigt, als das ich darauf achtete. Umso erschrockener war ich also, als ich fast in Goliath - und Siavash, der sich aus irgendeinen Grund an ihn klammerte - hin eingelaufen wäre. Abrupt blieb ich stehen und machte dann gleich noch einen Schritt nach hinten - nur um sicher zu gehen. Als ich jedoch einen verdreckten Zettel in seiner Hand entdeckte konnte ich nicht anders und sprang nach vorne, um ihm ihn schnell aus der Hand zu ziehen. Neugierig betrachtete ich ihn. Das war eindeutig meine Schrift, aber ich konnte mich eigentlich nicht erinnern, solche unwichtigen Informationen über Izanamis Wrath bei meinen Aufzeichnungen dabei gehabt zu haben. Naja, egal. Ich knüllte den Zettel zusammen und ließ ihn in meiner Tasche verschwinden.

»Was machst du denn hier?«, fragte ich neugierig und mit großen Augen. Ich war so in Hochstimmung, das ich gerade nicht Mal Angst vor Goliath hatte, was schon verwunderlich war. Allerdings war Sia hier - und Sia und Goliath an einem Ort war nie gut. Das wurde auch mir gerade klar und reflexartig ging ich erneut einen Schritt zurück. Ich wollte wirklich nicht da hinein gezogen werden, wenn das wieder so endete wie heute morgen. Aber vielleicht war dieser Schlag auf den Hinterkopf dem Informanten ja eine Lehre gewesen? Nein, vermutlich nicht, das bezweifelte ich irgendwie. Ein kräftiger Windstoß fuhr mir durch die Haare und jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken. Der Wind hier oben im Gebirge war wirklich stark. Neugierig ging ich in Richtung eines Abgrundes und beugte mich vor um hinunter zu sehen. Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Da ging es wirklich weit hinunter! Fast soweit wie an meinem Lieblingsplatz in den Bergen, wenn nicht sogar weiter! Wahnsinn! Mich überkam das unbestimmte Bedürfnis einen Sprung wie heute morgen zu wagen, aber ich hielt mich zurück. Stattdessen drehte ich mich wieder zu Siavash und meinem Boss um.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:43 am

XI - Goliath, Siavash & Hikari

Wie hieß es so schön? Die Ruhe vor dem Sturm. Noch ahnte ich nicht, was gleich auf mich zukommen würde. Ich überflog immer noch den Zettel und versuchte mir einen Reim darauf zu machen, warum jemand genau diese Dokumente hätte stehlen sollen. Sie waren unwichtig, wenn nicht sogar unnötig. Und selbst wenn jemand sie gegen uns verwenden könnte, hätte er nicht lange zu leben. Immerhin würde ich mich um Feinde wie diese eigenhändig kümmern. Wo bliebe sonst der ganze Spaß bei diesem Job? Ich liebte es einfach meine Feinde leiden zu sehen. Ich liebte es, sie dabei zu beobachte, wie sie nach und nach nach die Hoffnung verloren und dann auf Knien um Gnade winselten. Ich liebte Verzweiflung, aber am meisten liebte ich meine Stärke! In nur zwei Tagen, würde ich einige von diesen Verrätern einen Kopf kürzer machen. Wie ich mich darauf freute! Endlich wieder fassungslose Gesichter, endlich wieder klägliche Schreie! Ich wusste schon jetzt, dass es wunderbar werden würde, obwohl das Ganze ein Plan des Tsukuyomi war. Doch lange blieb mir nicht mehr, um schöne Gedanken an meinen bevorstehenden Triumph zu verschwenden. Denn genau in diesem Augenblick überrumpelte mich etwas von hinten.

Die Landschaft verschwamm vor meinen Augen, als mein Rücken plötzlich schwerer wurde. Wäre ich nicht so göttlich stark, hätte es mich wohl auf die Knie gezwungen, doch nicht mit mir. Ich blieb standhaft und bewegte mich kaum einen Schritt von der Stelle. Ehe ich wirklich registriert hatte, was vor sich ging, war es auch schon zu spät. Irgendetwas berührte meine Wange und lies nicht mehr von ihr ab. Erschrocken verzog ich das Gesicht und taumelte ein kleines Stück zur Seite. Nein. Das war nicht wahr. Das hatte er nicht wirklich getan. Es dauerte nicht länger als den Bruchteil einer Sekunde, meine noch recht gute Laune in tausend kleine Stücke zerspringen zu lassen. Die wunderbare Stille, die Einsamkeit!!!! Alles wurde von nur einem einzigen gewaltigen Schlag vernichtet. Der Superattacke des Nervens – Ein Angriff, den nur eine einzige Person beherrschte. Ich schielte schräg nach hinten und erkannte ihn auch schon, wie er sich dort an mich klammerte. Ich knirschte mit den Zähnen und brauchte noch einige Zeit, um wirklich zu verstehen, was er gerade getan hatte. Hatte er sich das wirklich erlaubt? HATTE ER MIR GERADE WIRKLICH EINEN KUSS GEGEBEN? Ich schnaufte wie ein wild gewordenes Bisofank und funkelte ihn mit hasserfülltem Blick an. Wie ein Laser, sollten meine blutroten Augen ihn durchbohren, ihn von der Klippe werfen werfen, ihn am besten umbringen!!! DAS WAR JA WOHL DAS WIDERWÄRTIGSTE, ABARTIGSTE, GRAUENHAFTESTE, EKLIGSTE, ABSTOßENDSTE, WAS ER JEMAL GETAN HATTE!!! Ich ließ den Blick von ihm ab. So etwas abscheuliches wollte ich nicht länger betrachten. Ich kochte vor Wut. Mein innerer Vulkan stand kurz vor dem Ausbrechen. Die brodelnde Lava stand mir bis zu Hals und wartete nur darauf hinausgelassen zu werden und alles einzuschmelzen, worauf sie traf. Doch ehe dies geschah, erhaschte ich einen erneuten Blick auf das Gebirge vor mir. Und da kam mir eine Idee: Was, wenn er wollte, dass ich ihn nun in den Boden stampfte? Hoffte er etwa darauf, dass ich ihm wieder meinen ganzen Zorn zeigte? War das sein Plan? Wenn ja, dann gab es nur einen Ausweg: Ich musste ruhig bleiben. Dieser Kerl wollte nichts weiter, als andere nerven und provozieren. Und wenn er es dann geschafft hatte mich zum ausrasten zu bringen, freute er sich wie ein Kullerkeks. Das hatte ich heute ja schon bemerkt. Nein. Diesmal würde ich ihm diesen Triumph nicht bekommen. Ich würde ihm nicht genau das geben, was er sehen wollte. Diesmal würde ich ihn bezwingen! Ich ballte beide Hände zu Fäusten und das Papier zerknüllte zu einer Kugel. Ich musste ruhig bleiben. Also schloss ich die Augen und atmete die frische Bergluft ein. Ich wollte ihn schlagen. Ich wollte ihn treten, ihn vielleicht den Abhang runter stoßen oder kopfüber an einen Stein binden, doch diese ganzen Dränge hielt ich nun zurück. Vermutlich würde er trotz allem immer noch dieses hässliche Grinsen im Gesicht haben. Selbst wenn ich ihn zu Tode prügeln würde, wäre dort immer noch diese hässliche Fratze. Ob ich meinen Hass und die Wut so lange aushielt? Natürlich. Immerhin bin ich ein Gott. Für mich ist alles möglich. Also schritt ich ein paar Schritte auf den Abhang zu und blickte hinab. Dabei ignorierte ich einfach den Kerl, der auf meiner Schulter hing und nun schon wieder anfing zu sprechen. Vielleicht war das ja die Taktik, um ihn loszuwerden? Ihm einfach keine Beachtung schenken! Nun gut. Auf alles wollte ich natürlich nicht verzichten. Seine Folter würde er auf alle Fälle bekommen. Und ich würde lachend daneben stehen, wenn Skadi ihm die Haut von den Knochen zog. Doch nun galt es erstmal, ihn vollkommen zu ignorieren. Das war schon fast eine Herausforderung! Um mich möglichst schnell von meinem Zorn abzulenken, warf ich einen Blick hinunter in die Schlucht. Die Izanagi war also auch hier. Immerhin waren ihre blauen Haare kaum zu übersehen. Mit ausdrucksloser Miene schaute ich dann zu, wie Mimir seine Beine einfuhr und eine Flamme aus seinem Steinkörper drang. Wie eine Rakete schoss der Golem nach oben und landete dann genau neben mir auf dem Felsvorsprung. Fragend starrte er auf mich herab und schien dann Siavash in Augenschein zu nehmen. Ganz ohne Vorwarnung, streckte er dann seine riesige Hand nach dem Tsukuyomi aus. Das blaue Pokemon packte den Schwarzhaarigen, umklammerte ihn und hob ihn hoch in die Luft. Ich war mir nicht sicher, aber so wie Mimir ihn anstarrte, sollte es wohl ein vorwurfsvoller Blick sein. Doch dem Steinriesen fiel es schwer mit seinen eckigen Augen irgendwelche Emotionen auszudrücken, also blieb es bei dem üblichen Gesichtsausdruck, der immer irgendetwas kindliches ansich hatte. Trotzdem wusste ich, dass mein Partner mir helfen wollte. Und das hatte er auch.Was sollte so ein Winzling wie Siavash schon gegen ein 2,8 Meter großes Golgantes ausrichten? Ihn zu Tode reden? Das konnte er bei Mimir lange versuchen. Scheinbar hatte der Golem Spaß daran, den Tsukuyomi etwas zu ärgern. Denn nun begann er den Informanten auf und ab zu schütteln, als wolle er einen Cocktail aus ihm machen. Dieser Anblick gefiel mir. Nun warf das Pokemon den Kopf nach hinten, als würde es lachen, doch es kam kein Ton aus ihm heraus. Das einzige, was geschah war, dass er sich den Kopf an der Felswand stieß und daraufhin vor Schreck einen Sprung nach vorn machte. Erneut bebte die Steinplatte, woraufhin Mimir das Gleichgewicht verlor und nach vorne umkippte. Ehe ich mich versah, fiel der Steinriese auf mich herab und vergrub mich unter seinem Arm. Was hatte ich auch anderes erwartet...




     SIAVASH KING
       & Hikari & Goliath # 28

Oho! Er ignorierte mich also! PFAHAHAHAHA!! Wie überaus amüsant! Wie lange konnte er mich wohl ignorieren? Ich war mir sicher, er würde es nicht lange schaffen. Nein, das konnte Goli-chan doch nicht ernsthaft versuchen! In ihm musste das Verlangen brennen, mich in den Staub zu treten. Jemand wie Goli würde niemals von jetzt auf gleich zu jemandem werden können, der die Ruhe selbst war. Und so gleich drückte ich mich bloß dichter an den anderen Körper. Er würde diese Nähe über alles hassen. Er musste sie hassen. Wie weit würde ich ihn dieses Mal treiben können? Doch ehe ich mir überhaupt überlegen konnte, wie ich Goli-chan am besten quälte, packte mich sein dummer Riese. Natürlich. Diese beiden waren ein Team, nicht? Ich glaubte nicht einmal daran, dass dieses Pokémon unterwürfig war. Es hatte von Anfang an wie eine langjährige Freundschaft gewirkt. So besessen Goliath auch schon Stärke war, es kam mir von Anfang an so vor, als würde diese zwei etwas gänzlich anderes verbinden. Natürlich war so ein Band zwischen Mensch und Pokémon nur Schwachsinn. Pokémon waren letztlich nur Spielzeuge. Mittel zum Zweck und nichts anderes. Sie waren hilfreich. Dieses Golgantes aber versuchte tatsächlich Goliath zu helfen, indem es mich von ihm wegzerrte und ordentlich durchschüttelte. Angenehm war es nicht, aber immerhin hätte es mich auch einfach zerquetschen können. Davon abgesehen war es doch auch nur eine Form der Folter und ich war stets für neue Foltermethoden offen.

Letztlich wusste ich aber auch, wie tollpatschig dieses Pokémon war. Und genau das würde ich zu meinem Vorteil ausnutzen. Danach würde Goli-chan mich gar nicht mehr ignorieren können. Nachdem sich das Pokémon den Kopf anschlug und aufschreckte, war meine Gelegenheit aber auch schon gekommen. Wie zu erwarten war, konnte das gewaltige Pokémon sein Gleichgewicht nicht halten und stürzte auch noch auf Goliath. Besser konnte es doch gar nicht sein! Schleunigst kroch ich aus dem Griff, sprang auf und steckte die Hände in die Taschen, während ich Goli mit meinem altbekannten Lächeln ansah. »Ach Schatz, nimm dir doch mal die Zeit und bring unserem kleinen Liebling bei, wie man richtig läuft. Dann gibt es auch Kekse zum Abendessen!« spottete ich und setzte ein umso breiteres Grinsen auf. Zugegeben das Klingeln meines Handys überraschte mich am Ende allerdings doch. Wer musste auch meinen Triumphzug unterbrechen? Ich zog mein Handy aus der Tasche, drückte auf den altbekannten, grünen Hörer, während die andere Hand noch immer in der Jackentasche ruhte. »Ja?« Vom Grinsen keine Spur mehr. Warum musste man mir ausgerechnet jetzt so eine Hiobsbotschaft überbringen? Stattdessen zeigte mein Gesicht einen monotonen Ausdruck. Fast schon ernst. Ich schwieg. Keine Spur von Amüsement in irgendeiner Weise. »Bitte?« entfuhr mir in fragendem Ton, als hätte ich nicht so recht verstanden, was mein Gesprächspartner mir soeben gesagt hatte. »Wo hast du ihn versteckt?« Es war so eine simple Aufgabe gewesen. Vermutlich leichter, als einem Kind den Lutscher zu klauen. Hätte ich ahnen können, dass dieser nichtsnutzige Spion gleich in eine Truppe Schläger rennen würde?

Ich lauschte aufmerksam, ehe sich meine Lippen wieder zu einem Lächeln verzogen. Zumindest hatte dieser Nichtsnutz meine Eintrittskarte zur Erpressung versteckt, bevor er versucht hatte, wieder zu flüchten. So musste ich diesem Tölpel nicht helfen und konnte Aryan in Seelenruhe losschicken, um diese kleine Spielerei für mich zu holen. »Huh? Du erwartest, dass ich dich rette?« fragte ich, ein wenig amüsiert, dass er mich überhaupt um Hilfe gebeten hatte. Ich vernahm weitere Stimmen, scheinbar hatten sie meinen kleinen Helfer gefunden. Dafür sprach auch sein Gebettel und sein unverständliches Gestotter, ehe er mich erneut um Hilfe anflehte. »Dann stirb.« Ein hinterhältiges Grinsen umspielte meine Lippen, ehe ich den Hörer von meinem Ohr weg hielt und ein eisiger Schrei den Weg durch die Leitung fand. Ich drückte auf den roten Hörer und ließ das Handy wieder in meine Tasche sinken, ehe ich zu Aryan hinauf sah, der am Himmel seine Kreise zog. Ob sie ihn wirklich umbringen würden? Was kümmerte mich das? War ja nicht so, dass ich mich dadurch zum Mörder machte. Er hätte sich einfach nur nicht erwischen lassen dürfen. Ich hob den Arm, sodass sich Aryan vom Himmel herabstürzte und meinen Arm als Ruheort missbrauchte. »Oliviana City.« begann ich. »Beim Leuchtturm. In irgendeiner Aushöhlung soll der Film sein. Bring ihn mir.« befahl ich. Das sonst so widerspenstige Kramurx nickte eifrig, bevor ich ihm eine Feder ausrupfte und es einen kurzen Aufschrei von sich gab. »Wenn du mich enttäuschst, verwandel ich dich wirklich in ein Federkissen.« drohte ich. Das Pokémon musterte mich kurz, ehe es sich von meinem Arm abdrückte und davon flog.

Dieses Federvieh sollte es nicht wagen, mich auch noch zu enttäuschen. Koste es was es wolle, ich brauchte diesen verdammten Film. Die Fotos waren unersetzlich, wenn darauf wirklich das zu sehen war, was mir dieser Nichtsnutz versprochen hatte. Mitnichten würden sie diesen Kerl töten. Mitnichten! Ich hob die Feder in die Luft und betrachtete sie, während ich sie zwischen den Fingern langsam drehte, die andere Hand wieder in der Jackentasche ruhend. Falls Aryan ohne diesen Film zurückkehren würde, würde ich in einem gewaltigen Schlamassel stecken. Das hatte ich davon, dass ich einem Tohaido die Zähne ziehen wollte. »Goliath...« begann ich, während ich noch immer die Pechschwarze Feder betrachtete, die in der Sonne in einem leicht violetten Ton schimmerte. Ich verzichtete tatsächlich ausnahmsweise auf eine Verniedlichung. Einfach ausgedrückt war mir im Moment nicht sonderlich danach. »Was sind dir meine Informationen wert?« fragte ich, ließ die Feder los und sah zu wie sie sanft ins Tal schwebte. Schlussendlich wandte ich den Blick ab und sah zu Goliath herüber. Beide Hände ruhten wieder in den Jackentaschen. »Ich darf auf eine ehrliche Antwort bestehen.« fügte ich hinzu und blickte wieder ins Tal. Die ganze Sache ging mir ziemlich auf die Nerven und ich hatte gehofft, endlich diesen dämlichen Film in die Finger zu bekommen. Wenn ich nichts in der Hand hatte, war ich ein leichtes Ziel und ich hatte keine Lust, dass man mich bis in eine finstre Gasse jagte und umbrachte. Selbst, wenn dann so einige wohl ein Fest aus meiner Beerdigung machen würden. Leider beschlich mich bloß der leise Verdacht, dass das, was ich begehrte nicht mehr an dem Ort war, den man mir mitgeteilt hatte. Und falls dieser Nichtsnutz mit der Sprache herausrückte und erzählte, dass er für mich arbeitete... dann würde ich mich zehnmal umschauen müssen, wenn ich irgendwo hin ging.


XII - Goliath, Siavash & Hikari

Ich lachte innerlich vor Freude, als mein Plan scheinbar zu funktionieren schien. Ich hatte jedes einzelne Wort von ihm nicht beachtet. Selbst nachdem ich mich endlich von Mimir befreit hatte und er wieder mit seinen nervtötenden Provokationen anfing, zuckte ich nicht einmal mit der Wimper. Die ganze Zeit über, behielt ich den selben, gelangweilten Gesichtsausdruck bei. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich dem Verlangen, ihm mitten ins Gesicht zu schlagen noch standhalten konnte, aber noch hielt ich mich ganz gut. Vielleicht würde er den Spaß verlieren? Vielleicht würde ich anfangen ihn zu langweilen? Wenn das hier klappte, hätte ich endlich die sagenhafte Technik entdeckt. Dann hätte ich das Unmögliche möglich gemacht. Ich hätte einen Weg gefunden, wie man der nervigen Art des Tsukuyomi entkommt. Das wäre der Sieg! Ein Triumph! Eine unglaubliche Errungenschaft!!! Dann könnte ich endlich wieder in Ruhe meiner Arbeit nachgehen, ohne immer in Hab-Acht-Stellung zu sein, falls er zufälligerweise mal wieder einen Überraschungsangriff startet. Mein Leben wäre so viel einfacher! Einfach nur göttlich, wenn ich so darüber nachdachte.

Doch der Druck in mir wurde immer stärker. Das Meer aus Wut in mir, schien sich aufzutürmen und wie bei einem wilden Sturm durcheinander zu schwappen. Es schien mir so, als würde bei jedem Wort, das aus dem Mund des Informanten kam, eine größere Welle aus Zorn gegen mein Inneres schwappen. Ich musste Schlucken. Aufgeben kam gar nicht in Frage. Es war viel zu wichtig herauszufinden, ob das Ignorieren wirklich etwas brachte. Doch im Moment schien es ihm noch Spaß zu machen, mich zu Necken. Doch dann, ganz plötzlich, schien sich alles zu ändern. Das Klingeln eines Handys ertönte und der Tsukuyomi wandte sich von mir ab. Und was ich nun sah, erstaunte mich zu tiefst: Er schaute ernst. Tatsächlich, ein vollkommen strenger Blick, auch nur ohne ein Zeichen von Hinterlist oder Schadenfreude. War das etwa mein Verdienst? Hatte ich dieses Wunder vollbracht? Natürlich! Was sollte es auch sonst gewesen sein, wenn nicht meine unglaubliche Macht, alles nach meinem Willen gehen zu lassen! Ich hatte es vollbracht. Ich hatte das fiese Grinsen auf seinem Gesicht beseitigt. Hoch lebe die Ignoranz!!! Für kurze Zeit konnte man die Freude auf meinem Gesicht sehen. Ich hatte es für unmöglich gehalten, doch nun war es war. Ich war eben doch ein Gott! ICH KONNTE ALLES VOLLBRINGEN!!! Doch im nächsten Moment wurde mir schlagartig bewusst, dass es wohl doch nicht mein göttlicher Geist war, der Siavash zum Schweigen gebracht hatte.

Egal, mit wem er da gerade telefonierte. Die Antworten, die er gab waren ernst und ruhig. Es schien fast so, als wäre er empört über irgendetwas! Der ach so schlaue Information Broker war fassungslos! Was für ein Anblick!!! Ich genoss jede Sekunde dieses Moments., doch es war viel zu schnell vorbei. Im nächsten Moment schon, fand der Kerl seinen typischen Gesichtsausdruck wieder. Es wäre ja auch zu schön gewesen. Die nächsten Worte, die er in den Hörer sprach, zeigten wieder seine wahre Art. Doch ich hatte es bemerkt. Für einen kurzen Augenblick hatte er seine Hülle fallen gelassen. Als er auflegte und das Handy wieder in die Tasche sinken ließ, machte ich mich schon wieder auf irgendwelche dummen Sprüche gefasst. Doch es kam nichts. Stattdessen flatterte sein schwarzes Helferlein heran, nur um dann nach kurzer Zeit schon wieder hinter den Bergen zu verschwinden. Ich blickte dem kleinen Pokemon hinterher. Was für ein winziges etwas. Aber immerhin konnte nicht jeder so göttlich starke Krieger wie ich besitzen....

Erneut erklang seine eklig schrille Stimme und ich machte mich bereit, meinen Anti-Siavash-Schutzwall wieder zu errichten. Doch bevor ich dazu kam, wurde ich erneut überrascht. Anscheinend war die Laune meines Informanten schon wieder umgeschlagen, denn nun redete er wieder im ruhigen Ton – Ohne irgendwelchen versteckten Provokationen und sogar ohne dämliche Verniedlichungen. Obwohl ich schon wieder kurz vorm explodieren war, als ich auch nur seine Stimme hörte, nahm ich alles auf, was er sagte. Was sollte das denn jetzt bitte? Bezahlte ich ihm denn noch nicht genug für seine Informationen? Wollte der Kerl ernsthaft eine Gehaltserhöhung??? Nein. Wenn er wirklich darauf hinaus wollte, hätte er anders gefragt. Was wollte er von mir hören? Glaubte er ernsthaft daran, dass ich ihm antworten würde? Jederzeit hätte ich so eine Aussage einfach ignoriert und wäre von Statten gezogen, doch anscheinend meinte der Informant es wirklich ernst. Hatte ich ihn überhaupt schon einmal so erlebt? Hatte er etwa vor zu kündigen? Nein. Izanamis Wrath war seine Rüstung, sein Schild. Ich wusste, dass er schon längst abgehauen wäre, wenn ihn nicht irgendetwas an der Organisation hielt. Also was sollte das Ganze? Ich schnaufte wütend und blickte zur Seite. „Mpf.“, grummelte ich. Reden war wirklich eine Qual. Doch die Worte, die mir auf der Zunge lagen, mussten ausgesprochen werden: „Wenn sie nicht bedeutsam wären, hätte ich dich schon längst getötet.“ Und genau in diesem Moment wurde mir etwas bewusst. Anscheinend steckte der Kerl ganz schön tief in der Tinte. . .




SIAVASH KING
& Hikari & Goliath # 29

Wie gerne würde ich Goli-chan noch ein wenig piesacken, aber ich benötigte seine Hilfe. Da würde er sich viel eher ausgiebig rächen. Natürlich brauchte er meine Informationen, aber das würde ihn bestimmt nicht davon abhalten, meine Situation nun auszunutzen. Ich mochte mir nicht ausmalen, was ihm da für Dinge einfallen würden. Um das Ganze etwas zu entschärfen, würde ich ihm also entgegen kommen müssen. Zumindest ein bisschen. Wir würden niemals die besten Freunde werden. Das war undenkbar. Und wenn, dann würde wohl die Welt untergehen. Aber es gab letztlich doch eine Sache, die uns ungemein verband. Ohne einander wären wir fast schon aufgeschmissen. Ich brauchte seine Organisation als Schutz und er benötigte meine Informationen. Auch wenn ich mir wünschte, es wäre anders. Viel lieber hätte ich diesen Kerl vollkommen in meiner Hand. Das war nun aber leider nicht der Fall. Ich seufzte schließlich, als er mir antwortete. War doch klar, dass er nicht deutlich genug sein konnte. Dann war es aber wiederum klar. Damit sagte er mir bloß, dass ihm meine Informationen wichtig waren. Wenn irgendjemand meinen Job übernehmen könnte, hätte er mich längst aus dem Weg geräumt. Das war kein Geheimnis.

Ich strich mir genervt durch den Pony und blickte Goliath an, während ich noch eine Weile schwieg. Ich mochte es nicht. Ich mochte es ganz und gar nicht, so auf ihn angewiesen zu sein. »Verstehe.« sagte ich knapp und ließ die Hände wieder in die Jackentaschen sinken. »Ich mach es kurz. Ich brauche deine Hilfe.« seufzte ich. Es fiel mir schwer, das so offen zu zugeben. Aber es war nun mal eine kalte, bittere Tatsache. »Es sieht ganz so aus, als müsste ich eine Weile untertauchen, aber ich habe noch ein Treffen mit einem Kunden und ich brauche eine geeignete... Begleitung.« erklärte ich, während mein Blick zu Hikari hinüber schweifte. »Und seien wir ehrlich, Hikari taugt dazu nicht.« meinte ich und blickte wieder zu Goliath herüber, ehe ich mit den Schultern zuckte. »Und irgendeinen Gorilla innerhalb der Organisation zu nehmen, ist zu riskant. Da müsste ich ja noch zwanzig Mal so gut aufpassen.« Tatsache. Wie viele innerhalb der Organisation wollten mir schließlich ans Leder? Selbst da gab es genug. Auch wenn sie wussten, dass sie dadurch möglicherweise Probleme bekamen. Was blieb war nur eine einzige Person, die in Frage kam: Der Boss höchstpersönlich. Er würde mich nicht umbringen und war abschreckend genug für andere, um mir nicht zu Nahe zu kommen. Davon abgesehen könnte sein Erscheinungsbild vielleicht noch ein wenig mehr Geld raus schlagen. Wie auch immer. Mein Leben war schließlich wertvoller als ein bisschen Kleingeld.

Ich zog die rechte Hand aus der Tasche und hob den Finger, ehe ich anfing leicht zu grinsen. Längst nicht so wie üblich. Man merkte einfach, wie ernst mir diese Sache war. »Ah, ich bin aber auch kein Unmensch!« sagte ich. »Als Gegenleistung nenne ich dich für diese Zeit auch nicht mehr Goli-chan! Meinetwegen nenne ich dich auch 'Meister', wenn es sein muss. Na, wie klingt das?« fragte ich. Er tat besser daran, dieses Angebot anzunehmen. Sonst könnte er lange darauf warten, bei einem ordentlichen Namen benannt zu werden. Wenn es sein muss, würde ich seine Kekse wegfressen und jeglichen Milchvorrat die Toilette runterspülen. »Es ist auch nur für diesen einen Kunden. Danach komme ich allein zurecht.« Zu seinem Nachteil würde es schon nicht sein. »Wenn du irgendwelche Bedingungen hast, nenne sie mir einfach.« Schließlich konnte ich bei diesem Kunden nicht in Verkleidung aufkreuzen. Das wäre zu auffällig und dann wäre meine "Deckung" sofort wieder nutzlos. Ich verschränkte nachdenklich die Arme und starrte gen Himmel. Perücke hatte ich. Ja, sogar Rock und Shirt. Selbst Blusen, falls ich welche brauchte. Und selbstverständlich einen Schal - ein absolutes Muss, wenn ich mich als Frau ausgeben wollte. Das war bloß die beste Möglichkeit, um 'unterzutauchen' aber immer noch meiner Arbeit nachgehen zu können.

Ich wandte mich auf dem Absatz zu Hikari am. Starrte sie lange an und musterte ihr Gesicht. »Sag Hikari, hast du zufällig Schminke?« fragte ich und begann freundlich zu lächeln. Ich hatte zumindest nichts und wenn Hikari mir nichts leihen konnte, würde ich Wohl oder Übel welche kaufen müssen. Und das würde wiederum bedeuten, dass Goliath mich begleiten müsste. Keine schöne Vorstellung. Vor allem, wenn meine Eltern sich noch in Dukatia City aufhielten. Ich hatte keine Lust in sie hinein zu rennen, wenn der Boss an meiner Seite war. Es gab Dinge, die musste er nicht wissen. Die musste niemand wissen und doch hatte Hikari das leider mitbekommen dürfen. Ah, wie auch immer. Sie würde nichts verraten oder ich verriet ihr kleines Geheimnis. Wenn ich sie bloß stellte, könnte sie sich sofort in die Haare schmieren, dass sie jemals jemand respektieren würde, aber ich schätze, das wusste sie bereits. Ugh, ich glaubte nicht direkt daran, dass Hikari zu den Frauen gehörte, die haufenweise Schminke besäßen, aber man würde doch wohl noch hoffen dürfen! Ich wollte nicht mit Goliath in die Stadt gehen, um Schminke kaufen. Erstens würde er mich dafür wohl wirklich umbringen und zweitens konnte ich es einfach nicht riskieren. Doch wenn mir keine andere Wahl blieb, konnte ich nur hoffen, dass alles glatt lief.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:44 am

Post #23


◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
◊ Goliath
Das Gebirge
-- Silberberg


Ich bekam keine Antwort auf meine Frage. Wie grausam! Goliath war so grausam! - Aber das war ja nichts neues. Vermutlich hatte er mich noch nicht Mal bemerkt, aber das war auch in Ordnung. Immerhin gefiel mir das deutlich besser als das, was, wie ich dachte, gleich auf Siavash nieder prasseln würde. Da wurde ich bei weitem lieber ignoriert. Ich wappnete mich bereits innerlich vor einem Wutausbruch alá Goliath, der sich gewaschen hatte, aber nichts dergleichen passierte. Das war... erstaunlich. Kein Wütendesgebrüll, keine Faustschläge, keine Verwünschungen vom Feinsten. Es war fast, als würde er uns gar nicht bemerken - was natürlich völliger Schwachsinn war. Denn wenn man genau hinsah, dann konnte man sehen, wie der Boss vor Wut nur so brodelte, wie ein Vulkan, der jede Sekunde explodieren würde - ein Umstand, der mich dazu veranlasste, einen Schritt zur Seite zu machen, in der Hoffnung, so nicht in seiner Schussbahn zu sein. Ich wusste nicht, was genau Sia gemacht hatte, aber es war sicher nichts gutes. Wie lange würde Goli es wohl schaffen, so jemanden wie den dunkelhaarigen Informanten zu ignorieren? Zugegeben; ein wenig bewunderte ich ihn dafür ja - ich würde das sicher nicht schaffen. Plötzlich tauchte das Golgantes des Bosses auf und ich konnte nur regungslos dabei zu sehen, wie es sich Siavash schnappte, ihn ein wenig hin und her schüttelte und dann- mit einem lautem Knall auf dem Boden landete, wobei es Goliath unter sich begrub. Meine Augen weiteten sich vor Schreck und ich sprang einen Meter zurück, obwohl ich so oder so schon ein ganzes Stückchen vom Geschehen entfernt stand. Theoretisch wäre ich ja jetzt los gerannt um meinem Vorgesetzes zu helfen, aber praktisch eben nicht. Wie sollte man jemanden, der unter seinem riesigem Pokemon begraben lag, auch helfen, ohne ihn zu berühren beziehungsweise selber berührt zu werden? Also blieb ich wie versteinert stehen, unsicher was ich tun sollte.

Da sich aber scheinbar keiner um mich zu kümmern wurde begab ich mich wieder in Richtung des Abgrundes, setzte mich auf die kalte Steinplatte, ließ meine Beine baumeln und starrte nach unten. Meine Hand griff nach ein paar kleinen Steinen, die neben mir lagen und nacheinander warf ich sie nach unten, lauschte dem nach Hall, wenn sie aufschlugen. Wenn ich dort runter springen würde - dann würde ich nicht fliegen, dann würde ich in die Tiefe trudeln, genau wie diese Steine, und irgendwann würde ich aufschlagen und.. das würde schmerzhaft sein, sehr schmerzhaft. Aber bevor ich aufschlagen würde - es wäre so ein wunderbares Gefühl. Aber war es mir das wert? ... Ich verschränkte meine Arme vor der Brust, dann legte ich meinen Kopf in den Nacken und lehnte mich so weit zurück, das ich fast mit dem Rücken auf dem Boden lag und sowohl Siavash als auch Goliath zumindest teilweise sehen konnte. Ersterer war am telefonieren - warum auch immer. Uninteressant. Mit einem Seufzen schwang ich meine Beine herum, stütze mich auf meine Hände und richtete mich dann auf. Einen kurzen Moment beobachtete ich die beiden Anderen, dann fing ich an wie eine verrückt gewordene um sie herum zu hüpfen - es war so kalt! Der Wind war kalt! Und ich hatte gerade mehrere Minuten auf einer verdammt kalten Steinplatte gesessen! Ich sah zu meinen Beinen, die von einer Gänsehaut überzogen waren. Kalt, Kalt, Kalt!

»HICKS!« Erschrocken schlug ich mir meine Hände auf den Mund und blieb wie angewurzelt stehen. Was sollte das denn jetzt?! Während ich noch darüber nachdachte, warum ich gerade jetzt Schluckauf bekam, merkte ich, das Siavash mich angesprochen hatte - und bestimmt schon eine Minute auf meine Antwort wartete. Ich blinzelte verwirrt, während ich überlegte, was er gesagt hatte. Schminke? ...- SCHMINKE? Wofür brauchte der denn Schminke?! Gerade wollte ich in lautes Lachen ausbrechen, da ereilte mich ein weiterer Hickser und ich ließ es lieber bleiben. Ja, Surprise, surprise, ich, Hikari Kyoko Jiyū, besitze tatsächlich Schminke. Auch wenn ich sie noch nie in meinem Leben benutzt habe. Wofür auch? Ekelhaft. Aber ja, ich besaß welche. Ich hatte sie von meinen Eltern; schließlich musste man als angehender Koordinator ja gut aussehen, nicht wahr? Aus diesem Grund besaß ich auch noch einige "schöne" Kleider, aus denen ich aber längst heraus gewachsen war - ich weiß selber nicht, warum ich das Zeug damals mitgenommen hatte. Nun verstaubte es seit Jahren in einer Tasche unter meinem Bett. Ich nickte leicht. »Ja..., ich müsste in meinem Zimmer im HQ noch ein bisschen was auftreiben können.«, presste ich zwischen meine Finger heraus. Meinetwegen konnte er alles haben und damit machen was auch immer er wollte, eigentlich war es mir ziemlich egal. Irgendwann hätte ich das Zeug vermutlich sowieso weggeworfen und Sia hatte vielleicht noch Verwendung dafür - seltsame Vorstellung - also sollte es mir Recht sein. Erneut fing ich an, von einem Fuß auf den Anderen zu treten. Außerdem war es im HQ warm, nicht wahr?
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:44 am

Meister. MEISTER! Das Wort klang wie Musik in meinen Ohren. Was wäre es für eine wunderbare Errungenschaft, wenn selbst der idiotischste meiner Untergebenen mich einem solch respektvollem Titel anreden würde? Schluss mit Verniedlichungen! Schluss mit den Frechheiten! Von heute an musste er mich wie einen Gott anreden! Und der einzige Preis, den ich dafür zahlen musste, war einen weiteren Tag mit ihm auszuhalten. Es würde die Hölle werden. Die pure Hölle. Aber ich als Gott konnte diese Hürde überwinden und mich von den nervigen Spitznamen des Tsukuyomi befreien. Wenn ich meine Taktik weiterhin durchzog, könnte es funktionieren. Außerdem konnte ich nicht zulassen, dass mein Informant draufging. Wenn schon denn schon, war ich der einzige, der ihn jemals umbringen würde. Von mir aus kann er gequält werden, wie sonst was, mit dem größten Vergnügen sogar. Aber sterben durfte er nicht. Nicht, bis ich etwas besseres gefunden oder endlich meine Herrschaft über alles Lebende auf der Welt errungen hatte. So wie es für mich aussah, steckte der Kerl in Schwierigkeiten. Ich hatte ihn noch nie so gesehen und es war auf irgendeine Art und Weise sehr amüsant. Wieso sollte ich mir den Spaß entgehen lassen? Vielleicht warteten auf seinem Kundentreffen noch viel mehr Blamagen auf ihn? Wenn dem so wäre, könnte ich aus nächster Entfernung betrachten, wie der Informant gedemütigt wird. Was für ein Spaß! Dafür nahm ich sogar eine Reise mit ihm in Kauf.

Ich trat ein paar Schritte zu ihm hinüber und blickte grimmig auf ihn herab. Die Wut kochte immer noch in mir, doch das war der Normalzustand. Es gab nur wenige Dinge, die mich wirklich mit Freude erfüllen konnten. Wenn Pläne funktionierten, wenn ich mich mit Keksen und einem Glas Milch in meinem Stuhl zurücklehnen konnte, oder wenn ich mich am Leid anderer erfreute. Gerade war nicht wirklich etwas davon der Fall, doch gleichzeitig brachte mich der Tsukuyomi in diesem Moment einmal nicht zum explodieren. Ich hatte das bittere Gefühl, dass sich das im Laufe des Tages wieder ändern würde. Doch es gab auch eine gute Chance darauf , dass ich den Anblick eines hinterlistigen Informanten betrachten konnte, der ganz schön tief in der Tinte steckte. Es gab die Chance und ich würde sie nutzen. „Mpf.“, drückte ich mal wieder heraus und bereitete mich innerlich aufs reden vor, „Abgemacht. Ich will, dass du mich für den Rest deiner Zeit in Izanami's Wrath Großer, unbesiegbarer, übermächtiger Herrscher und Meister Goliath-sama nennst.“ Das war ja wohl das Mindeste! Eigentlich müsste er mir von Anfang an diesen Respekt gegenüber zeigen, doch der Kerl war schon immer anders, als meine anderen Untergebenen. Aber scheinbar würde ich nun endlich dazu kommen, meinen Willen zu erlangen. Großer Herrscher und Meister Goliath-sama! Diesem Titel würde ich nun oft zu hören bekommen. Wie wunderbar. WIE GÖTTLICH!!! Doch schon im nächsten Moment wurde mir bewusst, dass dieser Ausflug mit dem Tsukuyomi wohl nicht gerade ein Zuckerschlecken werden würde. Fragte er die Izanagi tatsächlich nach Schminke? Was war jetzt passiert? War er jetzt in den Kreis der Tunten eingetreten? Zuzutrauen wäre es ihm jedenfalls. Machte er das nur, um mich zu demütigen? Damit ich mich in der Öffentlichkeit mit jemandem wie ihm zeigen musste? War das von Anfang an sein Plan gewesen? War das wieder nur einer seiner miesen Tricks? DIESES KLEINE STÜCK SCHEIßE! Ich werde ihn in der Luft zerreißen! Gerade, als ich die Hände zur Faust geballt und einen mächtigen Schritt auf ihn zu getan hatte, fiel es mir wieder ein. Er musste untertauchen. Irgendetwas in der Art hatte er erwähnt. Wollte er sich deswegen verkleiden? Oder war es doch nur ein Hinterhalt? Ich wusste es nicht. Aber jetzt hatte ich zugestimmt. Und wenn er in einem Stück wieder im Hauptquartier ankommen wollte, hoffte ich für ihn, dass es nicht wieder eine seiner Sticheleien war.

Jetzt, wo meine wunderbare Ruhe eh gestört war, hielt mich nichts mehr an diesem Ort. Deshalb beschloss ich vor dem Aufbruch nochmal ins HQ zurückzukehren. Ich musste mir für den Fall der Fälle noch ein paar Kekse mitnehmen. Notrationen waren immer wichtig. Deshalb drehte ich mich, ohne meine Untergebenen noch eines Blickes zu würdigen und auf der Stelle um, rief Mimir in seinen Pokeball zurück. Die Hände immer noch geballt, hielt ich auf den schmalen Trampelpfad zu, der vom Berg herabführte. Hin und wieder einmal, stieß ich einen kleinen Stein den Abhang hinunter und beobachtete ihn, wie er rollte und rollte, nur um dann irgendwann an einer größeren Felswand zu zerschellen. Irgendwie fand ich Gefallen daran und brachte dann den ganzen Weg damit zu. Es schien, als würde die Zeit wie im Flug vergehen, denn schon bald tauchte hinter einem weiteren Hand der Eingang zum HQ auf. Ich konnte einfach nur hoffen, dass die Zeit mir auch nachher freundlich gesinnt sein würde, sonst würde dieser Ausflug in einem wahren Desaster enden...
XIII


SIAVASH KING
& Hikari & Goliath # 30

Wie amüsant was dieser Tor verlangte. Großer, unbesiegbarer, übermächtiger Herrscher und Meister Goliath-sama, ein wenig lang, nicht? Wenn dieser Trottel es so wollte, gut, dann würde ich eben mitspielen. Hieß ja immerhin nicht, das ich mich nicht über ihn lustig machen konnte. Bei Gott, das würde ich niemals aufgeben! Ich konnte es schon verkraften, ihm einen lächerlichen Namen zu geben. Wenn er aber glaubte, ich würde ihn den Rest meiner Zeit in Izanami's Wrath so nennen, dann hatte er sich geschnitten. Solange ich untertauchen musste würde er diesen lächerlichen Namen hören können und sich jedes Mal zu Tode freuen, doch sobald ich mich wieder in Sicherheit wiegen konnte, würde das ein Ende finden. 'Goli-chan' würde definitiv zurückkehren. Und solange er keinen Ersatz für mich hatte, würde er mir auch nicht wirklich den Hals umdrehen. Natürlich verstand sich von selbst, das ich jeglichen Ersatz irgendwie los werden würde. Ich würde doch kein Risiko eingehen! Und wer wollte mich schon erpressen können? Solange niemand erfuhr, das ich einen Bruder hatte, würde es eine wahre Herausforderung mich zu erpressen. Es gab keine peinlichen Details, niemanden, der mir ansonsten wichtig wäre und Morddrohungen war ich so gewohnt wie morgens aufstehen.

Ich wandte mich Hikari zu, gab kein Wort der Zustimmung von mir. Immerhin war ich doch nicht so bescheuert, diesen Deal ganz offensichtlich einzugehen. Mein Vorschlag beschränkte sich auf die Zeit, die ich untertauchen musste, sein Wunsch auf meine gesamte Zeit in Izanami's Wrath, da käme ich doch nicht auf den Gedanken, ihm zu zustimmen. »Sehr schön!« lächelte ich. »Ich wäre dir wirklich sehr verbunden, wenn du mir etwas abgeben könntest. Zumindest ein bisschen. Das würde mir vorerst das Einkaufen ersparen.« erklärte ich und blickte kurz zu Goliath herüber, ehe ich fortfuhr. »Sobald der große, unbesiegbare, übermächtige Herrscher und Meister Goliath-sama und ich zurück sind, würde ich mir gerne ein wenig ausborgen.« Konnte ja nicht riskieren, das meine Tarnung auffiel. Ein paar passende Klamotten hatte ich ohnehin - war ja nicht das erste Mal, das ich Gebrauch von einer Verkleidung machen musste - aber Schminke hob ich für gewöhnlich nicht auf. Am Wichtigsten war ohnehin, das die Nägel schön aussahen! Als Mann brauchte ich keine Schminke, aber ordentliche Fingernägel waren das A und O! Vielleicht sollte ich Goli-chan einmal erklären, wie wichtig das war. Er schien mir nicht der Typ zu sein, der sonderlich auf sein Aussehen achtete.

Hikaris Ungeduld war wie immer niedlich anzusehen. Wieder trat sie von einem Fuß auf den anderen, während Goliath sich Richtung Hauptquartier verabschiedete. Sicherlich um ein paar Rationen mitzunehmen. Für ihn würde das Ganze doch eher eine Nummer zum Einschlafen werden. Immerhin sollte er mich bloß begleiten und artig die Klappe halten. Ich war mir sicher, mein Kunde würde ein paar Nettigkeiten vorbereiten. Vergifteten Kaffee, vergiftete Kekse. Irgendetwas. Irgendetwas, womit er mich töten könnte, ohne große Aufmerksamkeit zu erregen. Ich war aber nicht so dumm um darauf hereinzufallen. Goliath würde ich wohl auch warnen müssen. Sollte er zur Beruhigung seine eigenen Kekse mitbringen und essen. Dazwischenreden würde er mir wohl ohnehin nicht. Schließlich redete er doch nicht gern. »Wie wär's, wenn du mitkommst, Hikari?« Waren zwei Bodyguards nicht besser? Gut, Hikari wäre kein guter Bodyguard, aber als Schutzschild allemal zu gebrauchen. Ah, aber so weit würde es nicht kommen. Wozu war Goliath denn da? »Das könnte dir ein wenig helfen, findest du nicht?« meinte ich. Vielleicht würde es ihr in der Tat etwas helfen, wenn sie ein wenig die harten Methoden kennen lernen würde. Nun, vielleicht ein bisschen. Irgendwann musste sie ja lernen, wie gefährlich es eigentlich war ein Teil von Izanami's Wrath zu sein. Ich hoffte bloß noch, Aryan würde diesen Film finden. Das würde mir einiges ersparen. Letztlich war hoffen aber vergeblich, nicht? Ich konnte nicht auf so etwas banales wie Hoffnung vertrauen. Was zählte war nur das, was man tat um sein Ziel zu erreichen. Hoffnung? Lächerlich. Man musste es aus eigener Kraft schaffen. Man musste. Es gab keine Hoffnung, nur Intelligenz oder gar Glück.
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Reyven
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:45 am

Post #24


◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
◊ Goliath
Das Gebirge
-- Silberberg


Es interessierte mich recht wenig, was Siavash und Goliath für Abmachungen trafen und so hörte ich nur mit dem halben Ohr zu, während ich noch immer auf der Stelle lief und Löcher in die Luft starrte, die eine Hand vor dem Mund gepresst in ständiger Erwartung vor dem nächsten Hickser, mit der anderen meine kostbaren Papiere haltend. Ich hasste Schluckauf. Einfach nur nervig, nervig, nervig! Ich kramte kurz in meinem Gehirn, dann holte ich tief Luft und hielt sie dann so lange an, wie ich konnte. Irgendwo hatte ich doch Mal gehört, das das gegen Schluckauf helfen sollte. Als mir schließlich entgütig die Puste ausging schnappte ich nach Luft wie ein Karpador auf dem Trockenem. Als Sia mich ansprach nickte ich nur schnell mit dem Kopf, da ich meinem eigenen Körper nicht ganz traute, unsicher ob ich den Schluckauf nun wirklich los war. Etwas wunderte ich mich schon darüber, das der Dunkelhaarige plötzlich nicht mehr nach der Bezeichnung Goli-Chan griff sondern plötzlich anfing unseren Boss mit Wörtern wie der unbesiegbare und der gleichen schmeichelte, aber auch das interessierte mich nicht sonderlich. Viel mehr konzentrierte ich mich auf die Worte "sobald wir zurück sind". Sobald sie zurück sind! Das hieß also das sie gleich irgendwo hin abhauen würden und ich endlich ein bisschen Ruhe hätte! Fantastisch! Irgendwas hatte ja die ganze Zeit dafür gesorgt, das ich mich in der Nähe von Siavash oder Siavash und Goliath - was sicher nicht gerade angenehm war - befand, aber jetzt konnte ich vielleicht endlich mal wieder ein bisschen Ruhe haben. In der Zeit könnte ich meine Unterlagen wieder vervollständigen, ein paar Blätter waren schließlich verloren gegangen ...

Ich sah, wie Goliath sich in Richtung HQ wand und beschwingt wollte ich ihm folgen, doch kaum hatte ich einen Schritt gesetzt, hielten mich Sias Worte zurück. Mitten im Gehen blieb ich stehen und drehte mich langsam um. Mitkommen? Wohin? Egal wohin, ich hatte keine Lust noch irgendwohin mit Siavash und meinem Vorgesetztem zu gehen und dementsprechend wollte ich schon protestierend den Kopf schütteln, als er weiter sprach. Ich verzog mein Gesicht und starrte ihn einen Moment mit großen Augen an. »Meinetwegen.«, murmelte ich mit knirschenden Zähnen, dann drehte ich mich ruckartig um und machte mich fast fluchtartig auf zum Hauptquartier. Na, das hatte ja mal wieder super geklappt. Und ich wusste noch nicht mal wo wir hin mussten! Mit schnellen Schritten folgte ich Goliath und beobachtete ihn dabei, wie er ein paar Steinchen vor sich hin kickte, wie ein spielendes Kind. Dieser Mann war schon was eigenartiges. Einerseits total furch einflößend - zumindest wenn man ein normaler Mensch war, und an dieser Stelle bekämpfte ich den Drang mich nach Siavash umzusehen - und anderseits aß er am liebsten Kekse und trank Milch, eben wie ein kleines Kind. »Hicks!« Ein weiterer Hickser durchschüttelte meinen ganzen Körper und ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Eigentlich konnte es mir ja egal sein, solange er mich nicht aus IW raus warf und seine Aggressionen nicht an mir aus ließ.
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Reyven
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:45 am

Es dauerte nicht lange, da fand ich mich schon wieder auf dem schmalen Trampelpfad hoch zum Felsplateau wieder. Meine Tasche war schwer, immerhin hatte ich haufenweise Kekse eingepackt. So würde sich der Ausflug garantiert überstehen lassen. Noch dazu gab es eine Sache, auf die ich mich freuen konnte: Der Weg dorthin. Ein vorfreudiges Kichern drang aus mir heraus, obwohl ich gerade noch versucht hatte es zurückzuhalten. Hoffentlich hatte die Izanagi es nicht gehört. Immerhin war sie ebenfalls zurück zum HQ gelaufen. Es konnte gut möglich sein, dass sie mir immer noch hinterher dackelte, doch ich hatte keine Lust mich umzusehen und nachzuschauen. Nach einer Weile tauchte auch der Felsvorsprung wieder auf und der Tsukuyomi kam wieder in Sichtweite. Diese Reise würde anstrengend werden. Anstrengend und nervig. Doch gleichzeitig hatte ich mir auch noch etwas ausgedacht, um den Informanten ein wenig zu quälen. Dieser Flug würde wunderbar werden! Ich würde mich einfach göttlich amüsieren! Innerlich lachte ich, doch nach Außen hin behielt ich meine kalte, ausdruckslose Miene. Nicht, dass die Nervensäge mich schon wieder ansprach. Was machte ich mir eigentlich Hoffnungen? Er würde es eh tun. Aber immerhin bekam ich dann wieder meinen göttlichen Titel zu hören. Schon beim ersten Mal klang er wie Musik in meinen Ohren.

Ein paar Minuten später stand ich schön wieder auf der Steinplatte und blickte ins von Felsen übersäte Tal hinab. Gleich würde ich es aus noch größerer Höhe betrachten können! Ich war schon lange nicht mehr durch die Luft gereist, doch es war immer wieder ein Genuss. Zumindest, wenn ich auf Mimir flog. Skadi war kaum zu gebrauchen, da sie mich nur mühsam tragen kann. Ich sollte ihr demnächst ein wenig Krafttraining aufdrücken, sie hatte es nötig. Doch Mimir! Mimir war mächtig genug sogar eine ganze Gruppe zu transportieren! Er war stark und schnell zugleich. Die Geschwindigkeit, mit der er durch die Lüfte schoss, trieb sogar mir, dem unverwundbaren Goliath, die Tränen in dir Augen. Und der Tsukuyomiu durfte das Ganze aus erster Reihe miterleben. Er würde schreien vor Angst! Was für ein Spaß!!! Augenblicklich warf ich meinen Pokeball hoch in die Luft und der blaue Riese erschien neben mir. Mit dem freundlichsten Blick, zu dem er in der Lage war, blickte er auf mich hinab. Scheinbar wusste er, dass er gleich fliegen durfte. Immerhin liebte er es genauso sehr über den Wolken umher zu zischen. Ja! Über den Wolken!" Hoch oben am Himmel, so wie es nur ein Gott kann!!! "Schnapp ihn dir!", befahl ich meinem Partner knapp und das gigantische Pokemon beugte sich herab, um seine riesige Hand nach Siavash auszustrecken. Er umklammerte den Informanten und hob ihn hoch in die Luft. Genau so durfte der Tsukuyomi die ganze Reise lang überstehen. Es würde ihm sicherlich schrecklich gut gefallen. Die andere Hand ließ Mimir schließlich zu mir herab. Ich hielt mich an seinem Daumen fest, stellte einen Fuß auf seinen Zeigefinger und schon hob mich das Pokemon cool in die Luft. Ich stieg auf seiner Schulter ab, bewegte mich dann auf seinen Rücken, um den Flug zu beginnen. "Flieg!" Und los ging es. Mimir richtete sich zu voller Größe auf und sprang mit einem Satz einige Meter in die Luft. Ein zischendes Geräusch ertönte und schon verschwanden seine Beine im inneren seines Körpers. Stattdessen trat ein flammender Antrieb daraus hervor, ähnlich wie bei einer Rakete. Dieses Pokemon war einfach nur göttlich! So viele ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten! Er war meiner wirklich würdig. Nun schwebten wir also ein ganzes Stück über dem Erdboden und ich blickte zu der Stelle hinab, wo der Weg auf das Felsplateau endete. Soweit ich es mitbekommen hatte, würde uns die Izanagi ebenfalls begleiten. Sie hatte ihr eigenes Pokemon zum Fliegen und könnte uns einfach folgen. Währenddessen wandte ich mich dem Tsukuyomi zu: "Wohin müssen wir?", fragte ich und hoffte auf eine kurze, bündige Antwort. Falls er überhaupt vor Angst reden konnte.
Sobald die Izanagi kam, konnte es also losgehen.

>>> ???


SIAVASH KING
& Hikari & Goliath # 31

Das Problem eines Golems. Beleuchten wir das einmal näher. Dieser Riese mochte mich zwar gepackt haben, aber da hatte ich doch einige Vorteile, um dem Ganzen zu entgehen. Denn seien wir mal ehrlich. Selbst ich war nicht so lebensmüde mit einem gigantischen Tollpatsch wie Mimir zu fliegen. Ich sah auch keinen Grund darin. Ich hatte genug Kontakte, um eine bequemere Reisemöglichkeit zu finden und genau davon würde ich letzten Endes auch Gebrauch machen. Also um auf meinen Punkt zurück zu kommen. Das Problem eines Riesen. Wäre ich nicht so schlank bestünde gar keines, zu Goliaths Pech war aber leider das Gegenteil der Fall und ein Golgantes hatte eben keine menschliche Hand. So fiel es mir nicht schwer, einfach wieder hinaus zu schlüpfen, noch ehe das Pokémon ab hob. Und kaum war ich hinaus geschlüpft, hatte diese Bestie sich auch schon in die Lüfte erhoben. Natürlich lag ein triumphierendes Lächeln auf meinen Lippen. So wusste ich doch, das Goliath nur darauf gehofft hatte, mich so mitzunehmen. Hätte mich nicht gewundert, wäre er extra langsamer geflogen. So einen Triumph konnte ich ihm aber doch nicht gönnen. Wäre ja unverantwortlich von mir, würde ich sein Ego noch weiter pushen. Das konnte ich der Welt unmöglich antun. Genügte doch, wenn die Welt mit mir zu kämpfen hatte. Oh, und wie sie zu kämpfen hatte. Wenn ich einmal die Fäden in der Hand hielt, gab ich sie nicht so schnell wieder her. Viel lieber führte ich ein kleines Puppentheater auf und schnitt die Fäden nach und nach durch, sodass meine armen, unschuldigen Puppen nie wieder tanzten. Die Welt war doch ein Spielplatz. Mein Spielplatz und wer nicht clever genug war, mir zu entkommen, der hatte ganz einfach Pech gehabt.

Ich würde schließlich niemals ein Samariter werden, der alles daran setzte, Menschen zu retten oder ihr Ego zu pushen. Ich pushte ihr Ego, wenn ich glaubte, dass es mir etwas brachte. Ansonsten konnte mir das Wohl anderer gestohlen bleiben. Nichts war doch besser, als sie in tiefste Misere zu stürzen. Manche vollbrachten es, aus ihrem Loch wieder hinaus zu kriechen, doch die meisten verrotteten jämmerlich in ihrem Loch der Angst und Selbstzweifel. Man musste eine Seele nur ein wenig ankratzen und schon blieb nichts weiter als eine Hülle, mit der man machen konnte, was man wollte. Es gab mehr als nur einen Weg, selbst die stärkste Persönlichkeit zu brechen. Sah man einfach von all diesen Dummen ab. Die Dummheit blieb wohl der ultimative Schutzwall. Aber jene Eigenschaft brachte nun mal niemanden weiter. »Ah, vielen Dank, aber so lebensmüde bin ich auch wieder nicht.« meinte ich grinsend. »Ah, wir treffen uns aber in Teak City!« fügte ich hinzu und winkte Goliath zum Abschied übertrieben zu, ehe ich davon lief. Meine Mitfluggelegenheit wartete vermutlich schon.


» tbc: ??? «
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:45 am

Post #25
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◊ Siavash King
◊ Goliath

Das Gebirge
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Viel schneller als erwartet erreichten wir das HQ, und erst als wir da waren, fiel mir auf, das Siavash nicht dabei war. Stand er noch immer im Gebirge herum und wartete auf uns, oder wie? Hm, sah so aus. Wenn er meinte. Goliath für seinen Teil verschwand, vermutlich um noch irgendetwas zu besorgen, und ich lief in Windeseile in mein Zimmer wo ich den Teil meiner Unterlagen, die ich noch wieder bekommen hatte, auf meinen kleinen Schreibtisch schmiss, der nur so über quoll von Papieren voll mit Zeichnungen, kleinen Skizzen und Notizen sowie Ordnern, Stiften, Radierern und allen möglichem anderen Kram. Um Ordnung hatte ich mich schon lange nicht mehr bemüht aber jetzt, wo ich mir das so ansah, überkam mich der Gedanke das ich vielleicht doch mal wieder aufräumen und sortieren sollte. Aber nicht jetzt. Ich wirbelte wieder herum und stürmte nach draußen, wo ich ein gutes Stück entfernt schon meinen Boss, beladen mit einer riesigen Tasche, sah. Ich folgte ihm mit schnellen Schritten, holte ihn allerdings erst ein, als Siavash wieder in Sichtweite kam. Er hatte also wirklich dort gewartet, hm.

Schweigend sah ich dabei zu wie Goliath mit Hilfe seines riesigen, blauen Golems in die Lüfte stieg und wie Sia sich eine andere mit Flug Möglichkeit suchte, was mich aber nicht wirklich interessierte. Viel mehr packte mich in dem Moment, in dem ich sah wie mein Vorgesetzter in den Himmel entschwand sofort wieder diese riesige Sehnsucht, und reflexartig griff ich zu Altaris Pokeball. Es war zwar wohl nichts in dem Vergleich selber und eigenständig zu fliegen, aber es war immerhin besser als nichts. Weitaus besser als die ganze Zeit wie ein Felsen an den Boden gekettet zu sein. Kaum war mein Pokemon vor mir erschienen schwang ich mich auch schon auf ihren Rücken und wenige Augenblicke später erhoben wir uns ebenfalls in die Lüfte und ein Gefühl von Freude und Glück durchströmte mich. Fantastisch! Dieses Gefühl von Freiheit war einfach atemberaubend!

»Hinterher!«, sagte ich leise und sofort flog Sky einen Schlenker und folgte Goliath und seinem riesigen Pokemon. Ich hatte noch nicht mal eine Ahnung wo hin es eigentlich ging ... aber ich würde es ja bald sehen.

» Teak City?
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