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 Hikari & co

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Reyven
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BeitragThema: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:19 am


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◊ Hikari Kyoko Jiyū
Eingang zum Izanami's Wrath HQ
-- Silberberg


Der Wind hier oben war stark, viel stärker als unten auf dem festen Erdboden. Die Bäume sahen von hier oben fast aus wie Spielzeug das ein kleines Kind wahllos verstreut hatte, die ganze Landschaft wirkte vollkommen irreal. Was sie aber natürlich nicht war. Die enorme Entfernung ließ alles verblassen und unecht werden. Wie in einem Traum. Die Böen fuhren ihr durch die Haare, rissen an ihren Kleidungen und drohten damit, sie jeden Moment die Klippe hinunter zu stoßen. Und immer wieder machte das Herz der jungen Frau einen erschrockenen Hüpfer - aber es geschah natürlich nichts. Dort saß sie, auf dem höchsten Felsvorsprung die sie hatte finden können, dem Ort, an dem sie sich am wohlsten fühlte, und ließ die Beine baumeln. Okay, das war gelogen. Sie befand sich auf dem Silberberg - theoretisch ging es noch viel höher. Aber bekanntlich ist ein jeder Berg so geformt das er nach oben hin spitzer wird, und würde sie jetzt noch höher sitzen würde sie nur noch seinen Fuß betrachten und von der Landschaft kaum noch was erkennen können. Und - mal ganz abgesehen davon - war das hoch und wieder runter kommen anstrengend und das ging nicht mal eben so. Also befand sie sich eher auf dem höchsten Felsvorsprung den man in knapp einer Stunde erreichen konnte... Neben ihr lag ein Stapel Papiere den sie mit einer ihrer schmalen Hände auf dem riesigen Gestein hielt, bevor der Wind kommen und ihr ihre wertvollen Skizzen entreißen würde. Hier oben ließ sich einfach wunderbar nachdenken... Zudem kamen immer mal wieder ein paar Flugpokemon vorbei, die es zu beobachten galt. An ihren Rücken flatterten die beiden unechten Flügel wie wild, und doch zeigten sie keinerlei Wirkung. Letzten Endes würden sie immer ein außergewöhnliches Accessoire bleiben. Das waren sie schon immer, aber sie machten die junge Frau aus. Es wäre falsch, wenn sie fehlen würden. Denn mittlerweile gehörten sie einfach zu ihr. Fast schon wie ein Erkennungsmerkmal.

Mit einem tiefen Seufzer schloss Hikari die Augen und hielt ihr Gesicht genau in den erfrischenden Wind. Sie liebte es. Wind war so... Natürlich. Er konnte stark genug sein um Bäume umzureißen und gleichzeitig konnte er eine kühle Erfrischung an einem heißen Sommertag sein. Nach ein paar Minuten öffnete die junge Frau ihre lila strahlenden Augen wieder und fuhr sich mit der freien Hand durch die türkisen Haare um sie ein wenig zu richten  Sinnlos - denn der nächste Windstoß machte dies sofort wieder zunichte. Sie schien es gar nicht zu merken, denn ihre ganze Konzentration galt nun einem kleinen Farbtupfer, welchen sie soeben auf dem Boden erspäht hatte. War er vorher schon da gewesen? Er sah so fehl am Fleck aus, als gehöre er nicht dorthin. Und das weckte Hikaris Neugierde. Wartete da unten ein Abenteuer? Das war gut, denn so sehr sie es hier oben mochte, langweilte sie sich irgendwann doch zu Tode, wenn sie einfach nur hier rum saß. Gespannt und mit zusammen gekniffenen Augen beugte sie sich ein Stückchen weiter vor, als sie vielleicht sollte, und eine erneute Böe von hinten gab ihr den Rest.

Mit einem erschrockenen und schrillen Aufschrei kippte sie vorne über, drehte sich ein Mal in der Luft und fiel im rasenden Tempo Richtung Erdboden. Ungeachtet der Lebensgefahr in der sie sich befand konnte sie nicht länger an sich halten und ein irres Kichern drang plötzlich aus ihrer Kehle. Und es wurde immer lauter bis es sich zu einem ausgelassenen Lachen entwickelte. Sie flog - nein, sie fiel. Mit einem unglaublichen Tempo raste sie hinunter, aber dieses Gefühl der unbändigen Freiheit kam ihren Traum näher als alles andere was sie bisher erlebt hatte. Es war wahnsinnig! Wie mochte es dann nur sein wirklich und wahrhaftig zu fliegen? Ein verdächtiges Klacksen lenkte sie ab und im nächsten Moment spürte Hikari unter sich etwas Weiches und ihr Gesicht verbarg sich in weißem Flausch. Eine Wolke. So weit war sie aber doch gar nicht oben gewesen, oder? War sie vielleicht nach oben geflogen ohne es gemerkt zu haben? Aber nein, welch ein Schwachsinn. Natürlich war es das Altaria, auch Skye genannt, welches ihre Trainerin gerade vor dem sicheren Tod gerettet hatte. Mal wieder. Nur das es dies Mal kein verrücktes Experiment sondern ein 'Unfall' gewesen war.

Elegant schlug das Pokemon zwei Mal mit den großen Flügeln, dann gewann es kurz vor dem Boden wieder etwas an Höhe und flog nun knapp über den Baumkronen entlang. Die junge Frau verschwendete keinen Gedanken daran, dass sie gerade fast gestorben wäre und nur überlebt hatte, weil ihr treues Pokemon sich schnell genug selbst befreit hatte - darin war es mittlerweile nahezu geübt - sondern grummelte stattdessen sauertöpfisch irgendwas in sich hinein. So ein Mist! Mit einem Mal war ihr Hochgefühl und die Euphorie, die sie überfallen hatte, verflogen und sie befand sich wortwörtlich wieder auf dem Boden der Tatsache. Es hatte nicht funktioniert. Es funktionierte nie! Niemals! Aber trotzdem gab die junge Frau nicht auf. Es musste doch einfach klappen! Tief in Gedanken versunken schwank Hikari ihre Beine kurzerhand über Skys Körper und rutschte einfach von ihr herunter. Mit einem lauten Plumps! landete sie auf ihren Allerwertesten und sah sich verwirrt um. Was? Ihr Blick wanderte nach oben wo Altaria ihre Kreise zog. War sie hinuntergefallen? Durcheinander richtete sich die Kriminelle wieder auf und klopfte sich geistesabwesend Dreck von ihrem Kleid. Heute war sie wirklich etwas durch den Wind.

Mit langsamen Schritten schlendere sie ohne festes Ziel über die Route, im Hintergrund erstreckte sich der riesige Silberberg, und grübelte wie immer über ihren einen großen Wunsch nach: das Fliegen. Bei ihrem Pokemon sah das so einfach aus! Und prompt erntete dieses einen Blick, der vieles Aussagen konnte. Neid, Sehnsucht, Ärger, Bewunderung. Am liebsten hätte Kari laut geschrien. Warum weihten die Flugpokemon sie nicht einfach ein? So lange hatte sie ihre Techniken, ihr Verhalten, ihre Lebensweise und einfach alles untersucht, hatte so viele Versuche gestartet, so viel ausprobiert und nie den Mut verloren. Und doch schlug eine Möglichkeit nach der anderen fehl. Sie besaß ganze Regale voller Ordner mit Skizzen un- die Skizzen. Erschrocken riss die junge Frau den Kopf hoch. Die Skizzen. Oben auf der Klippe hatte sie neben ihr gelegen, ein ganzer Stapel voll wertvollem Material. Panisch blickte sie sich um, und da. Eins nach dem anderen segelte sanft hinunter zu Erde, ganz anders als sie eben. Landeten in einer Pfütze, im Matsch, verfingen sich in einem Baum oder Busch. Augenblicklich schossen Hikari Tränen in die Augen, ihr Hände ballten sich zu Fäusten und sie biss sich auf die Unterlippe. Wochen-, ja monatelange Arbeit, einfach futsch! Alles umsonst! Die junge Frau schluckte schwer und probierte tief ein und aus zu atmen. Dann drehte sie sich ruckartig und plötzlich um und ging. Richtung Hauptquartier, bloß weg von hier. Immer wenn sie auf ihrem Weg eine ihrer wertvollen Aufzeichnungen entdeckte, kämpfte sie mit sich selber, bis sie irgendwann zu dem Schluss kam, das sie unvollständig sowieso keinen Sinn hätten. Außerdem wären sicherlich auch diese nicht der Schlüssel zum Erfolg gewesen, nur ein paar weitere Blätter unwichtiges Gekritzel das sowieso niemandem etwas brachte. Sollte die Natur damit doch machen, was sie wollte! Trotzig ließ sie das Blattpapier hinter sich und stapfte weiter vorwärts.

Noch immer mit einer ganzen Menge an Wut und Enttäuschung im Bauch erreichte sie den unscheinbaren Höhleineingang welcher den Eingang zum Hauptquartier kennzeichnete. So oft war sie hier schon durch gegangen, doch jedes Mal aufs Neue musste sie sich überwinden die Finsternis zu betreten. Allerdings war es schon weitaus weniger schlimm gewesen als beim ersten Mal... Als sich ihr Leben plötzlich von Grund auf änderte. Sie hatte zwar nach einem Abenteuer gesucht, aber das hatte sie beim besten Willen nicht erwartet. Aber wer rechnete beim Betreten einer dunklen Höhle schon damit, kurz darauf Mitglied einer der derzeit größten und bekanntesten Verbrecherorganisation der Region zu sein? Und dann auch noch so ein Hoher Rang... Glücklicherweise dauerte es nicht lange bis Hikari den 'wohnlicheren' Teil der Basis erreicht hatte. Ohne auf den Weg zu achten stapfte die Vize dieser Organisation ziellos durch die Gänge des in den riesigen Silbernerg eingelassenen Quartieres - ein wahrlich gutes Versteck, das musste sie sich immer wieder eingestehen - und murmelte ständig irgendetwas vor sich hin. Sky klebte an ihr wie ein Schatten - nun lief sie allerdings, da es sich in diesen Gängen nicht sonderlich gut fliegen ließ. Irgendwann blieb Hikari abrupt stehen und stieß einen leisen Seufzer aus. Dann schob sie all ihre Gedanken an die verlorenen Skizzen und ihr erneutes Scheitern, auch wenn sie ja eigentlich gar keinen Versuch gestartet hatte, an dem sie hätte scheitern können, von sich weg und damit verschwand auch die Wut sowie die Enttäuschung Stückchen für Stückchen. Doch jetzt wusste sie nicht mehr was sie tun sollte, geschweige denn was sie hier machte - und wo sie war konnte sie auch nicht genau sagen. Auf der Suche nach irgendeiner Tür oder einem ähnlichem Merkmal an der Wand, auf dem Boden, oder sonst wo, das ihr bekannt vor kam und ihr ihren Standort verraten würde ließ sie ihren Blick schweifen... Knapp zwei Jahre ihres Lebens verbrachte sie nun schon hier, und sie konnte sich trotzdem nicht genau orten! Aber gut, sie war auch eine ganz schöne Zeit Kreuz und quer durch die verzwickten Gänge gelaufen und das ohne auch nur irgendwie auf ihren Weg zu achten, da verlor man schon irgendwann mal die Orientierung... Aber die Tür dahinten... Ging es da nicht zu dem Büro ihres Bosses? Achselzuckend machte sie zwei Schritte darauf zu, öffnete die Tür vorsichtig einen Spalt breit und spähte hinein. Altaria hinter ihr legte verwirrt den Kopf schief. Sollte dies wirklich die Tür zu ihrem Oberhaupt sein, dann käme es sicherlich komisch einfach mal so, ohne anzuklopfen, die Tür zu öffnen und dann auch noch so merkwürdig hinein zu schielen. Logischer wäre es hier gewesen Mal anzuklopfen und dann abzuwarten was geschehen würde - aber gut. Das konnte man fast schon als typisch Hikari bezeichnen.

» Izanami's Wrath Hauptquartier » Chefzimmer



Zuletzt von Reyven am So Jul 12, 2015 6:46 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Reyven
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:23 am

IV - Goliath, Siavash & Hikari

<<< Silberberg - Eingang zum Izanami's Wrath HQ

Ich betrat mein Büro und für kurze Zeit wurde ich von der Ruhe überschwemmt, die ich mit diesem Raum verband. Ich ließ meinen Blick schweifen. Vom gefüllten Bücherregal, in dem ich alle mythologischen Geschichten gesammelt hatte, die man in Johto erhalten kann, über den Aktenschrank, das bequeme Sofa, den Fernseher mit hoher Auflösung, den Glastisch, bis hin zu meinem Schreibtisch und dem schwarzen Sessel. Genau jetzt hätte ich mich in ihm zurückgelehnt, mir ein Glas Milch bringen lassen und die neusten Berichte gelesen, wenn er nicht wäre. Dieser Mann konnte auch jeden noch so schönen Tag zerstören. Wahrscheinlich würde er mir sogar an dem Tag, an dem ich als Herrscher der ganzen Welt erhebe, den Spaß daran nehmen. Ich ballte die Hand zur Faust, als ich über den weinroten Teppich auf meinen Tisch zuhielt. Ich musste mich auf ein langes Gespräch gefasst machen. Siavash würde mir seine Informationen niemals kurz und knapp überbringen. Er würde garantiert ewig lange Reden halten, bis er endlich einmal zum Punkt kam. Vielleicht würde er sich auch hunderttausend Mal Nachschlag von der Suppe holen, die er verlangt hatte. Ach ja. Die Suppe. Was für ein absurder Wunsch. Er könnte Geld verlangen, oder starke Pokemon, eine Beförderung. Doch er wollte eine Suppe. Eigentlich müsste es mich freuen, dass er so "bescheiden" war. Aber ich wusste, dass er dabei irgendeinen Hintergedanken haben musste. Denn wenn ich eines über den Tsukuyomi gelernt hatte, war es, dass er falsch war. Falsch und hinterlistig. Doch zugleich war ein ein Genie. Jede seiner Handlungen mussten geplant sein. Geplant, um sein Gegenüber in den Wahnsinn zu treiben. Doch das würde er bei mir nicht schaffen. Wie denn auch? Immerhin bin ich ein Gott! Er konnte mir nichts anhaben!!!
Aus einem der Nebenzimmer kam eine meiner Untergebenen hinein. Wenigstens konnte ich mich auf alle anderen meiner Leute verlassen. Wie eines Gottes würdig verbeugte sie sich vor mir und sprach:

"Izanami-sama wünschen sie etwas? Vielleicht ein Glas Milch und Kekse?"

Wieso musste ich auf diese Frage überhaupt noch antworten? Sollte ihr denn nicht klar sein, was ich brauchte? Wieso konnten diese verdammten Diener mir die Befehle nicht aus dem Gesicht ablesen??? Das würde alles um ein wesentliches einfacher machen. Doch leider wusste ich, dass ich antworten musste. Und ich wusste, dass mir noch ein weiteres, schreckliches Gespräch bevorstand. Es war also besser, es schnell hinter mich zu bringen.

"Milch, Kekse, Suppe für Sanbanme Tsukuyomi."
Als ich das alles geäußert hatte, nickte die Untergebene und verbeugte sich ein weiteres Mal. Dann eilte sie durch eine der Türen davon. Ich seufzte einmal und ging hinüber zum Schreibtisch. Mit der Hand strich ich über das Holz, ging um das Möbelstück herum und nahm in meinem Sessel platz. Mit den Ellenbogen stützte ich mich auf die Tischkante, verkreuzte die Hände und stütze mein Kinn darin ab. Nun konnte das Grauen beginnen.

Nur ein paar Minuten später, war die Untergebene auch schon wieder zurück, in der Hand hielt sie ein großes Tablett. Rasch lief sie zum Schreibtisch hinüber und stellte zuerst ein großes Glas Milch und einen Teller voll Kekse auf meiner Seite ab. Es waren Nusskekse mit kleinen Schokoladenstücken darin - Meine Lieblingssorte. Überrascht schaute ich auf den Teller. Hatte ich Gestern nicht die letzte Packung davon aufgegessen? Immerhin etwas. Vielleicht würde diese Süßigkeit die Kommunikation mit dem Information Broker etwas erträglicher machen. Ich beobachtete die Dienerin dabei, wie sie ein Teller dampfende Suppe auf der anderen Seite des Tisches abstellte. Als sie wiederum mit einer Verbeugung den Raum verließ, griff ich nach dem ersten Keks vom Tablett. Beherzt tauchte ich ihn ein kleines Stück in das Milchglas, ließ ihn kurz abtropfen und biss dann beherzt hinein. Wie schön doch der gebackene Teig auf der Zunge zerging... Für einen kurzen Moment vergaß ich, dass ich mich gleich von Siavash bequatschen lassen müsste, doch dieses Gefühl hielt nur kurz an. Im nächsten Moment wurde mir schon wieder bewusst, dass er Schuld daran war, dass ich mein Frühstück nicht richtig genießen konnte. ER WAR SCHULD.



SIAVASH KING
        & Goliath & Hikari # 5

» Silberberg - Eingang zum Izanami's Wrath HQ «


Ich folgte Goli-chan in sein Büro und schloss selbstverständlich die Tür hinter mir. Zum einen, weil er mich sicher anschreien würde, wenn ich es nicht tat, zum anderen war ich nicht interessiert daran, dass irgendjemand unser Gespräch belauschte. Nun, im Endeffekt war aber selbst das nichts Großes. Sollte meinetwegen die ganze Organisation wissen, was ich zu berichten hatte. Immerhin sah ich zwei Möglichkeiten, nachdem ich dem Boss berichtet hatte, was ich in Erfahrung brachte. Entweder er würde anfangen zu lachen - was doch schon eine Seltenheit war - oder aber er würde wütend alles zerstören wollen, was ihm im Weg ist. Und wer darf im Selben Raum sein? Ich! Nicht das mich ein Wutausbruch stören würde. Es wäre amüsant. Großartig! Vielleicht würde er ja ein paar Stifte nach mir werfen? Oder gleich ganze Aktenordner. Bei dem Gedanken musste ich Grinsen. Es wäre amüsant. Auch wenn er mich auf so engem Raum sicherlich treffen würde. Ausweichen machte sich im Freien doch weitaus besser.

Ich griff nach einem der beiden Pokébälle an meinem Gürtel. Mein Partner setzte sich währenddessen lustlos auf den Boden. Er wusste, dass ich ihn bei solchen Gesprächen nur ungern dabei hatte. Er lenkte ab. Fast schon wie Shirley, wobei ich zugeben musste, Shirley stets dabei zu haben, wenn ich mich bei einem Kunden befand. Kunden waren schließlich nicht nur das, sondern auch Feinde. Mehr als nur einmal hatte ich mich in einem prunkvollen Haus wiedergefunden, bedroht von irgendwelchen Muskelbepackten Bodyguards, die darauf drängten, ich solle bloß keinen Blödsinn anstellen. Ja, einmal hatte man es sogar wirklich darauf abgesehen, mich zu töten. Aber ich hatte meinen eigenen Bodyguard. Den Besten. Nichts machte sich schließlich besser als Leibwächter, als ein kleines, krankhaft verliebtes Pokémon. Shirley jagte sie ja schon, wenn man mich nur bedrohlich ansah. Mir drohen? Das sollte man sich zweimal überlegen, wenn meine persönliche Leibwache in der Nähe war. Ich musste zugeben, wenn ich mit Kunden verhandelte oder meine Ergebnisse präsentierte, war sie immer mit von der Partie. Sicherheit ging am Ende doch vor. Allzu schnell wollte ich am Ende dann doch nicht sterben.

In null Komma nichts verschwand mein treuer Gefährte in seinem Pokéball. Ich hatte mich schon immer gefragt wie diese Dinger funktionieren. Andererseits interessierte es mich aber auch nicht so sehr, dass ich mir passende Informationen besorgen würde. Den geschrumpften Ball befestigte ich auch so gleich wieder an meinem Gürtel neben den von Shirley, während der Boss mit seiner Untergebenen sprach. Ich musste kichern. Gefolgt von einem breiten, gespielt verletzten Grinsen. »Aww, Goli-chan, ich habe einen Namen!« Nicht, dass es mich sonderlich stören würde, sprach man von mir als 'Sanbanme Tsukuyomi.' Jeder wusste, wer gemeint war und nur das zählte letzten Endes. Womöglich war es aber hinderlich, wenn man im Rang aufstieg. Wer würde mich schon mit dem neuen Rang betiteln, sollte ich einmal aufsteigen? Allesamt wären sie den alten Titel gewohnt. Warum die Leute also nicht beim Namen nennen? Ich hatte einen, einen echt tollen noch dazu. Ich hatte ja nicht einmal etwas gegen, wenn man mir Spitznamen gab oder meinen Namen verniedlichte. Im Gegenteil! Das drückte doch Nähe und Zuneigung aus! Nun, Zuneigung vielleicht nicht immer.

Ich schlüpfte aus meiner Jacke und ließ sie achtlos auf das Sofa sinken. Lediglich den Schal behielt ich lieber um meinen Hals, auch wenn es sicher eine passende Gelegenheit war, mich damit zu erdrosseln. Hn, ob Goli-chan wohl aufspringen und es versuchen würde? Nur, um dann zu bemerken, dass er mich schlussendlich lebend brauchte. Es wäre zumindest amüsant sein Gesicht zu sehen, wenn er das erst einmal realisierte! Wie würde er wohl reagieren? Geschockt? Genervt? Noch wütender? Vielleicht konnte ich ihn ja dazu provozieren? Ja! Das wäre mit Sicherheit interessant, aber leider war ich nicht hier, um ihn zu provozieren. Nein, ich war doch aus völlig anderem Grunde hier und dieser Grund nannte sich: Informationen. Ich hatte Informationen und die würde ich Goli-chan mitteilen. Letzten Endes war er ja doch mein Boss und die Bezahlung höher, als er sich vorstellen konnte. Wenn er bloß wüsste, was er mir alles gab, würde er sich wohl vom nächstbesten Hochhaus schmeißen wollen. Aber nein, ein selbsternannter Gott dachte nicht an so etwas niederes wie Selbstmord. Auch, wenn sein Plan ein Gott zu werden lachhaft war, mir brachte es im Endeffekt viel.

Schlussendlich kam die Bedienstete zurück. Mit einem großen Tablett. Darauf ein Glas Milch, ein Teller Kekse und meine wohlverdiente Suppe. »ACHOO!!« Bei deren Anblick ich auch gleich wieder niesen musste. Verfluchte Erkältung! Ich streckte mich einmal ausgiebig und dachte darüber nach, ob ich meine Jacke nicht vielleicht hätte anlassen sollen. Bloß in diesem weinroten Sweatshirt sah ich gleich noch viel dünner, ja, sogar relativ zerbrechlich, aus. Das sorgte nicht zuletzt dafür, dass man mich relativ schnell unterschätzte. Blicke sagten immerhin mehr als tausend Worte und manche Kunden neigten gelegentlich dazu, mich deswegen zu begaffen. Manche irritierte dieser Anblick. Die meisten rechneten mit etwas muskulöserem - und vor allem mit jemand größerem. Diesen Gefallen könnte ich ihnen aber wohl leider nicht tun. Würde mich nicht wundern, wenn der ein oder andere deswegen dachte, ich würde versagen, doch ich kam immer an meine Informationen. Auf die eine oder andere Art und Weise.

Ich klaubte mir schleunigst den Teller Suppe vom Tisch, ehe Goli-chan es sich anders überlegte. »Isst du eigentlich nur Kekse?« fragte ich, ehe ich den Löffel in die Suppe tauchte und anschließend gierig in meinen Mund schob. Etwas zu schnell allerdings, denn die Suppe war kochend heiß. Ich zuckte zusammen, glaubte im ersten Moment, dass ich mir wohl die Zunge verbrannt hatte, aber gleichzeitig wärmte sich mein Körper auf und bedankte sich mit einem Lächeln für die heiße Wohltat. Kurz darauf landete der nächste Löffel voll Suppe im Mund. »So gut~« schnurrte ich, während ich mich kurzer Hand auf das weiche Sofa setzte, auf dem auch meine Jacke ihren Platz gefunden hatte. Immerhin wollte ich ja nicht im stehen essen und fragen, ob ich das Sofa überhaupt benutzen dürfte, würde ich ganz bestimmt nicht. Ich machte es mir gerne gemütlich - wenn auch nur, um Goli-chan zu necken - da brauchte ich keine Erlaubnis.

Schweigend löffelte ich meine wohltuende Suppe und starrte verträumt vor mich hin. Diese Wärme tat gut! Warm, aber nicht abartig heiß. So, wie es sein musste! Goli-chan musste diesen Moment wohl genießen. Immerhin sagte ich kein Wort sondern genoss viel lieber die gute Suppe in vollen Zügen. Mit Sicherheit eine einfache Instant Suppe, aber jeden Löffel wert! Und nur das Piepsen meines Handys unterbrach diesen Genuss. Eigentlich hatte ich diese Suppe genießen wollen, dennoch erwischte ich mich dabei, wie ich nach dem Handy in meiner Jackentasche griff und das flache Ding aufklappte, um mit einem Tastendruck die eben erhaltene SMS zu öffnen. Meine Augen huschten über den kleinen Bildschirm, der sich nur minimal in meinen Augen widerspiegelte. Nachdem ich die Nachricht gelesen hatte - die alles andere als kurz war - klappte ich das Handy wieder zu und schmiss es achtlos auf meine Jacke, um in Ruhe weiter zu essen. Erst, als der Teller blitzeblank war, stellte ich ihn vorsichtig auf den Glastisch ab und lehnte mich zurück. »Aah~ Das tat gut!« sagte ich energiegeladen wie eh und je.

»Also Goli-chama...« Dieses Mal entschied ich mich für ein '-chama.' Vielleicht würde er sich ja über ein klitzekleines bisschen mehr Respekt freuen. Ich kicherte. Beinahe schon wahnsinnig, als mein Blick zur Tür hinüber schweifte, die einen Spalt geöffnet war. Daran ließ ich mich jedoch nicht stören, als ich urplötzlich die Hände in die Luft riss. »AAH~ Ich bin so aufgeregt!!« stieß ich laut aus und lachte leise in mich hinein. »Ne, ne, Goli-chama, der Gedanke ein Gott zu werden muss schön sein.« Mit einem Griff in meine Jackentasche zog ich eine kleine Figur heraus, ehe ich nahezu aufhüpfte und zu meinem Boss herüber wanderte. Ich knallte die Figur auf den Schreibtisch und grinste kalt. Es war der schwarze König. Ich liebte die schwarze Seite beim Schach. Sie war all das, was Menschen ausmachte. Finsternis. Ein Dunkel, dass jeder Mensch in sich trug. Weiß? Das ich nicht lache! Reinheit gibt es in keinem Menschen. Ich ließ die Figur los und zog meine Hand zurück. Stützte mich mit beiden Händen am Rand des Schreibtisches, während ich mich weit vorbeugte.

»Ein sehr schöner Gedanke, nicht? Aber du bist kein Gott.« Ich drückte mich vom Schreibtisch ab, hüpfte wenige Zentimeter zurück und warf die Hände theatralisch in die Luft. »Ah, Goli-chama ist kein Gott!« spottete ich fröhlich und gut gelaunt, während ich meine Gestik beibehielt. Vielleicht würde er mir dafür den Hals umdrehen. Ich wagte es immerhin, mich über ihn lustig zu machen, wo er sich doch dazu erbarmt hatte, mir eine Suppe zu gönnen. Im nächsten Moment aber tat ich genau das, was Goli-chan sein Leben lang wohl nicht von mir erwartet hätte: Ich verbeugte mich. Hielt den Kopf gesenkt, während ich weiter sprach. So fröhlich wie eh und je. »Mein König~« schnurrte ich, ehe ich mich auch schon wieder aufrichtete und zum Tisch herüber schritt. Ich stützte mich mit einer Hand ab, während der Finger der anderen Hand den Kopf der Schachfigur berührte und diese wippte. »Aber ein König ist auch nur ein Mensch, nicht wahr, Eure Majestät?« Ein spielerisches Grinsen umschloss meine Lippen. Nein, nicht bloß spielerisch. Eine Mischung aus Hinterlist und Tücke befanden sich darin. Wie ein grausames Biest, das seine Maske fallen ließ und Zähne bedrohlich fletschte.

»Und das heißt... Eure Majestät könnte morgen vielleicht schon Tod sein.« fuhr ich fort und kippte die Schachfigur mit dem Finger um. »Mausetot.« Ich nahm den Finger wieder von der Figur und zuckte mit den Schultern. »Was für uns beide gleichermaßen schlecht wäre.« Ungelogen. Würde er morgen im Abwasserkanal vor sich hinrotten, käme die Organisation aus dem Gleichgewicht. Vielleicht würde sie augenblicklich zerfallen und ich würde meinen besten Schutz verlieren. Einfach so. Wie Sand, der durch die Finger zerrinnt. Und genau das war schließlich nicht mein Ziel. »PFAHAHAHAHAHAHA!!« Ich begann hemmungslos zu lachen, auch wenn es mit Abstand kein Grund zum Lachen war. Ich könnte genauso tot in einer dunklen Gasse zwischen Abfällen liegen, wenn Goli-chan nicht mehr da war oder entschied, dass es besser war, mich loszuwerden.

Ohne Vorwarnung klaubte ich mir einen von Goli-chans heißgeliebten Keksen von seinem Teller, streckte ihm währenddessen nicht allzu charmant die Zunge heraus, ehe ich meine Zähne in den Keks schlug und ihn kurzer Hand in zwei brach. Ich kaute und das bedeutete, dass ich für einen Moment schwieg. »Mmh~ Nusskekse, mit Schokoladenstückchen?« Es war weniger eine Frage, als eine Feststellung, ehe ich den zerkauten Brei herunterschluckte. »Ich wusste ja das du keinen Geschmack hast!« beklagte ich mich lautstark, ehe ich die verbliebene Hälfte in meinen Mund schob und kaute. Es gab wirklich bessere Sorten. Wären es wenigstens reine Schokoladenkekse. Aber Nusskekse? Pfui! Dennoch war sicherlich keine Zeit, sich nun über Goli-chans schlechten Geschmack aufzuregen.

Ich verschränkte die Arme und sah meinen Boss an, ehe ich den Kopf etwas schief legte. »Tatsache ist, jemand hat vor Eure Majestät zu stürzen.« Ich hob einen Finger und legte ihn gespielt nachdenklich auf meine Lippen. »Aber wer mag das wohl sein?« Ich machte gleich offensichtlich, dass ich diese Antwort bereits kannte. Schließlich wäre ich alles andere als ein guter Informant, hätte ich nicht schon die passende Antwort parat. Ich kicherte erneut. »Ah, wir wollen aber am Anfang beginnen, nicht?« fragte ich und schüttelte kurz darauf wieder den Kopf. Ich wusste wie sehr Goli-chan es hasste, wenn ich nicht zum Punkt kam, aber genau das machte es so interessant die Nachrichten persönlich zu überbringen, anstatt einen Bericht zu schreiben. Wenn der Boss zugehört hatte und seinen Kopf benutzte, wusste er also nun, dass es jemand auf ihn abgesehen hatte. Und dieser jemand war beim besten Willen nicht ich. Vollkommen verrückt bin ich schließlich auch nicht.

Ich entfernte mich wieder vom Schreibtisch, breitete meine Arme aus, während ich mit fast geschlossenen Augen in Richtung Tür schritt. Alles zusammen sah viel eher aus, als wollte ich aus meinem Bericht wie schon so oft eine Show machen. »Ah, hast du eine Idee wer es sein könnte?« schnurrte ich, während ich meine Augen wieder öffnete und die Tür plötzlich mit breitem Grinsen aufriss. »Ah, ich weiß! Hat Hi-chan eine Ahnung?« Nichts. Gar nichts konnte mir nun dieses Grinsen von den Lippen wischen. Meine Stimme ließ fast schon vermuten, dass ich Hikari mit meinen Fragen meinte, aber ich war mir mehr als nur im Klaren darüber, dass sie nicht der Verräter war, der es auf den nicht ganz so liebenswürdigen Boss abgesehen hatte. Noch hatte ich mich diesbezüglich aber nicht geäußert.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:23 am


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◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
◊ Kalakabara Kotatsu
Eingang zum Izanami's Wrath HQ
-- Silberberg

« Eingang zum Izanamis Wrath HQ [Silberberg]

Glücklicherweise stimmte die Intuition der jungen Frau, denn die Tür, die sie öffnete, gehörte tatsächlich zu dem Büro ihres Bosses Goliath. Oder vielleicht auch nicht glücklicherweise, den es war sicherlich nicht so schlau als Vize so in einen Raum hinein zu spähen in dem sich zu allem Unglück auch noch Personen befanden. Schon beim ersten Blick hatte sie den Raum erkannt, auch wenn sie durch den kleinen Spalt nur einen Teil davon erkennen konnte. Und auch die beiden Menschen waren nicht schwer zu identifizieren. Ein Mal natürlich ihr Vorgesetzter, welcher wie immer, wenn sie ihn hier sah, hinter seinem Schreibtisch saß, vor ihm eine Schüssel mit Keksen und ein Glas Milch. Typisch. Und der andere, nun, das war kein anderer als Siavash King, ein ziemlich guter Informant. Warum gerade er? Ihretwegen jedes andere Mitglied dieser Organisation, aber nein, sie musste natürlich immer das unglaubliche Glück haben auf Sia zu treffen. Sie mochte ihn nicht. Oder vielleicht mochte sie ihn doch, denn manchmal war es ganz lustig mit ihm. Aber das sie sich nicht entschieden konnte machte ihr irgendwie Angst, und das es ihr Angst machte war wiederum schon Grund genug ihn nicht zu mögen... Zumindest hätte sie jetzt wohl eigentlich die Tür wieder schließen und sich aus dem Staub machen sollten, denn schließlich wusste sie jetzt, wo sie war, und außerdem schienen sich die beiden gerade in einer wichtigen Unterredung zu befinden. Oder aber sie hätte die Tür schließen und dann, wie es sich gehörte, anklopfen sollen, wenn sie so unbedingt wissen wollte, worum es da ging, aber sie tat keins von beiden. Stattdessen blieb sie gebeugt stehen und starrte weiterhin durch die kleine Lücke.

Hikari wurde schnell klar, worum es ging. Scheinbar war Sia gerade von einem Streifzug auf dem er eifrig alle möglichen Informationen in sich hinein gesaugt hatte zurückgekehrt und erstattete dem lieben Goliath nun Bericht. Denn die Vize bezweifelte, das ihr Boss sich freiwillig über längere Zeit mit dem Sanbanme Tsukuyomi abgeben wollte... Das würde zumindest nicht zu ihm passen und sie konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen. Zudem schien der Informant vollkommen aufgeregt - was er auch kurz darauf mit seinen eigenen, lauten Worten bestätigte - so wie er es fast immer war, wenn es um sein Spezialgebiet ging. Angestrengt kniff Hika ihre Augen zusammen, damit ihr ja keine Einzelheit entgehen würde. Gerade holte der Dunkelhaarige etwas aus seiner Tasche und knallte es auf den großen Schreibtisch, während er irgendetwas von wegen Gott vor sich hin faselte. Und das weckte die Neugier der Izanagi noch mehr. Jeder wusste, das Goliath den verrückten Wunschtraum hatte, einer zu werden. Und wenn Sia das schon so ansprach, und überhaupt, sein ganzes Verhalten, ließ darauf schließen das gleich irgendetwas ziemlich interessantes aus seinem sich ständig erneut öffnenden Mund kommen würde.

Ein unangenehmes picken riss Hikari aus ihren Gedanken. Vor Schreck zuckte sie zusammen, und hätte dabei fast die Tür zugeknallt und sich damit verraten. Verwirrt drehte sie ihren Kopf und sah Sky, welches sie mit einem grimmigen Blick an funkelte, als wollte das Pokemon seine Trainerin aufspießen. Diese biss sich unangenehm berührt auf die Lippe. Das Altaria hatte ja irgendwo schon recht, und vielleicht sollte sie jetzt besser gehen, aber- Erneut drang Sias Stimme an ihr Ohr, und dieses mal hörte sie eindeutigen Spott und Hohn. Mit geweideten Augen widmete sie sich wieder dem Schauspiel in dem Büro. Hatte er das gerade wirklich zu ihrem Boss gesagt? Das würde dieser sicher nicht auf sich sitzen lassen... Was der Informant sich alles traute und erlaubte war in gewisser Weise schon erstaunlich... Um sich nicht weiter stören zu lassen griff Hikari, ohne ihren Blick von Siavash abzuwenden, nach Skys Pokeball und ließ ihr Pokemon dort verschwinden. Und als sie dann weiter zu hörte, wäre ihr eben dieser beinah laut scheppernd auf den Boden des Flures gefallen. Spielte der Informant gerade wirklich auf das an, was sie dachte? Denn wenn ja, dann wäre das ja wirklich... ungeheuerlich.

Doch statt das Thema weiter zu vertiefen nahm er sich einen Keks - einen von Goliaths Lieblingskeksen. Wäre die Situation eine andere hätte die junge Frau jetzt erschrocken auf die Reaktion ihres Vorgesetzten gewartete, aber stattdessen wibbelte sie ungeduldig mit dem Fuß und wartete darauf, mehr zu hören. So hatte sie nun auch vollkommen vergessen, was sie hier gerade tat. Endlich hatte Siavash den Keks hinunter, nachdem er sich noch lautstark über Goliaths Geschmack beschwert hatte, aber das war nicht wichtig, und sprach weiter. Das, was er schon vorher angedeutet hatte, meinte er also wirklich ernst. Jemand wollte ihren Boss töten? Vermutlich um Izanamis Wrath zu stürzen, etwas anderes konnte es kaum sein. Das war nicht gut. Vermutlich für niemanden hier. Hikari hatte die letzten Jahre ihr ganzes Leben nur auf diese Verbrecher Organisation fixiert - was würde sie tun, wenn sie einstürzen würde? Und das würde sie garantiere, wenn ihr größenwahnsinniger Anführer nicht mehr da wäre, das stand außer Frage.

Mit einem erschrockenem quietschen stolperte Hikari einen Schirtt nach vorne und fast in Siavash hinein, als dieser plötzlich die Tür auf riss, hinter der sie die ganze Zeit gestanden hatte. Einen Millimeter vor ihm sprang sie sofort wieder einen Schritt zurück, bevor sie noch mit ihm in Berührung kommen würde. Schon allein bei dem Gedanken schauderte sie. Schnell straffte sie ihren Rücken und sah den Mann vor ihr mit gerunzelter Stirn an. Warum sollte sie eine Ahnung haben? Er war der Informant, nicht sie. Alles was sie wusste, hatte sie gerade gehört, also- Sie stockte, als ihr bewusst wurde, welchen Anschein er gerade geweckt hatte, und als ihr es vollends klar war erntete ihr Gegenüber einen giftigen Blick und sie drängelte sich an ihm vorbei in das Büro ihres Bosses. Natürlich hatte sie nicht damit zu tun. Aber allein Sias Wortwahl und die Tatsache, das sie gerade gelauscht hatte, sorgten dafür, das man daran denken konnte. Sie warf Goliath einen vorsichtigen Blick zu. Er würde ihr nie im Leben glauben, was der eigentliche Grund war, warum sie an der Tür gestanden hatte, und außerdem war es verdammt peinlich.

»Ich glaube kaum, das ich irgendeine Ahnung davon habe, wo von du redest.«, sagte sie dann mit möglichst fester Stimme, ohne jemanden anzusehen, allerdings war es eindeutig an den Informanten gerichtet. Eigentlich war es ihr Plan gewesen nach ihrem Auftritt von gerade eben nun möglichst Souverän aufzutreten, aber ihre Neugier siegte Mal wieder. Aufgeregt tänzelte sie wieder auf Siavash zu und starrte mit vor Aufregung ganz großen Augen an. Am liebsten hätte sie ihn durchgeschüttelt, damit er endlich mit dem heraus rückte, was er wusste, aber sie scheute sich davor, ihn zu berühren. Und langsam kannte sie seine Art: Er gab nicht Mal eben so alle seine Informationen breit, nein, er verpackte sie alle einzeln in kleine Päckchen welche er dann eines nach dem anderen mit viel Tara und Drumherum öffnete. Und Hikari war sich sicher, das er noch mehr wusste, als das, was er bisher von sich gegeben hatte, und das wollte sie nun wissen, koste es was es wollte.

»Nun sag schon, wer hat es auf Goliath abgesehen?«, fragte sie ihn. Vielleicht gab es auch noch einen anderen Grund, mal abgesehen von ihrer offensichtlichen und keinesfalls vorgetäuschten Neugier, einen, der vielleicht noch ein kleines bisschen mitmischte. Vielleicht, ganz vielleicht, hatte sie ein bisschen Angst vor der Reaktion ihres Bosses und wollte das Gespräch daher möglichst schnell wieder auf dieses brisante Thema umleiten. Was sie nicht bedacht hatte: Sie hatte Siavash gerade seh deutlich gezeigt, wie gespannt sie auf seine Informationen war, und wie sie ihn so kannte, würde er aus reinem Spaß an der Freude jetzt noch langsamer zum Punkt kommen. Gerne hätte sie ihn jetzt mit Fragen überschüttet, wie zum Beispiel ob es ein Verräter aus der Organisation war, oder ein Außenstehender. Ungeduldig zwang Hikari sich, auf dem Sofa Platz zu nehmen, doch sie musste sich mächtig zusammen reißen dort auch zu bleiben und nicht mit den Füßen zu wibbeln.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:24 am

V - Goliath, Siavash & Hikari
Ich beobachtete meinen Informanten dabei, wie er einfach achtlos seine Jacke fallen ließ, um es sich kurz darauf auf MEINEM Sofa bequem zu machen. Respektloser ging es nun wirklich , aber ich riss mich zusammen. Ich musste ruhig bleiben! Als er dann seine heiß geliebte Suppe bekam, konnte ich ihm die Freude schon fast vom Gesicht ablesen. Und das war wahrlich schwer. Denn dieses fiese, dunklew Grinsen, was er immer auf den Lippen hatte, war nun wirklich nicht einfach zu deuten. Doch es war wohl das einzigste am Aussehen des Burschen, was ihn irgendwie kriminell wirken ließ. Der Rest an ihm war nun wirklich einfach nur lächerlich. Er war klein und zierlich. Das erkannte man nun, da er seine Jacke nicht mehr trug, nur umso besser. Als ich weiter darüber nachdachte, war ich froh, dass nicht jeder meiner Untergebenen so schwächlich war wie Siavash. Wer würde denn eine Organisation ernst nehmen, die nur aus winzigen, dürren Fußsoldaten bestand? Obwohl.... Mit mir als Anführer würden sie dennoch wirken, wie schwarze Ritter. Das war ja wohl klar.
Während der Tsukuyomi seine Suppe genoss, lehnte ich mich in meinem komfortablen Stuhl zurück und gab mich für kurze Zeit der Ruhe hin. Ich musste die Minuten auskosten, in denen Siavash mit Essen beschäftigt war, immerhin konnte er mich so nicht vollquatschen. Nunja, gekonnt hätte er bestimmt schon, aber er tat es nicht. Er war viel zu sehr darauf besinnt, jeden einzelnen Tropfen seines Essens vom Teller zu kratzen, was aber eigentlich gut für mich war. So hatte ich wenigstens einige Minuten Ruhe vor dem nervigen Gelaber des Schwarzhaarigen. Leider verging diese Zeit viel zu schnell. Denn gerade hatte ich mich richtig entspannt, da drang auch schon diese eklig schrille Stimme in mein Ohr. Goli-chama. Er tat es immer und immer wieder. Ich hatte gerade angefangen das Goli-chan zu überhören, da fängt er mit chama an. WAS SOLLTE CHAMA ÜBERHAUPT SEIN!? Ich lehnte mich wieder nach vor und stützte mich erneut auf meinen Schreibtisch. Siavash begann histerisch zu kichern. Das Gelächter eines Wahnsinnigen. Was hatte er nur wieder vor? Ich sah schon in seinem Blick, dass er wieder irgendetwas vorhatte. Etwas, das mich zur Weißglut treiben würde, so viel war klar. Wieder formte er irgendwelche Sätze, die ich aber einfach ausblendete. Natürlich zögerte er das wahre Gespräch heraus. Was hätte er auch davon gehabt mir die Informationen einfach so zu geben? Doch mit jedem Wort, das er sagte, erhitzte sich mein Inneres weiter. Ich war wie ein Vulkan, kurz vor dem Ausbruch, doch ich musste mich zusammenreißen. Wenn ich erstmal Gott dieser Welt war, würde ich diesen Kerl zuerst umbringen! Denn dann bin ich allmächtig und würde so etwas wie einen Informanten nicht mehr brauchen. Ich sehnte diesen Tag herbei. Nicht nur, weil ich dann alle meine Ziel erfüllt und die absolute Stärke erlangt hätte...
Doch noch musste ich ihn ertragen. Und ich musste ruhig bleiben. Also blieb ich seelenruhig sitzen, als er mir die Schachfigur auf den Tisch knallte. Was sollte das denn schon wieder? Mir war klar, dass ich mich nun auf irgendeine Rede gefasst machen musste. Solche Spielereien war ich irgendwie schon gewöhnt. Doch was er jetzt sagte, ging eindeutig zu weit. Wie ein Echo hallten die Worte in meinem Kopf wider. "Du bist kein Gott" Ein Hitzeschlag durchzuckte mich, ich presste die Zähne aufeinander und knalle die Fäuste so stark auf den Tisch, dass er sich einige Zentimeter vom Boden abhob. Gleichzeitig sprang ich auf die Füße, sodass der Stuhl hinter mir umkippte. Hatte er das gerade tatsächlich gesagt? Hatte er wirklich die Unverschämtheit so etwas zu behaupten? WAR ER WIRKLICH SO LEBENSMÜDE? Mit meinen roten Augen funkelte ich ihn an, ließ ihn keine Sekunde aus den Augen. Wie ein hungriges Magnayen lauerte ich ihm auf, bereit dazu ihn jeden Moment anzufallen und zu zerfleischen. Und er trieb es noch weiter. Er hüpfte vor mir herum und sang eben diese Worte, wie ein kleines Kind. Ich verlagerte mein Gewicht nach vorne, sodass auch mein Tisch ein paar Zentimeter verrückte. Ich war kurz vorm Absprung. Nur Sekundenbruchteile trennten mich davon, Siavash an die Gurgel zu gehen und ihm eigenhändig zu erwürgen. Doch dann tat er etwas, was mich so überraschte, dass es meinen Vulkanausbruch zurückhielt. Er verbeugte sich. Ich hielt inne und starrte ihn an. Ein kurzes Grinsen huschte über mein Gesicht. Jahaaa!!! Das war das Verhalten, das man einem Gott gegenüber haben sollte! Doch ehe ich meinen Triumph auslosten konnte, war dieser kurze Augenblick auch schon vorüber. Denn nun machte der Tsukuyomi alles wieder zur Nichte. WAS KÖNNTE MICH SCHON UMBRINGEN? NICHTS! IMMERHIN HATTE ICH DAS STÄRKSTE TEAM, DAS DIE POKEMONWELT JE GESEHEN HAT!!! Jetzt war es zu spät. Ich trat vom Tisch weg und stapfte wie ein wütendes Golgantes auf Siavash zu. Beide Hände zu Fäusten geballt holte ich aus. Ich würde ihm seinen Kopf einhauen! DAS WÜRDE ER NICHT ÜBERLEBEN!!! Doch ich kam gar nicht erst bis zu ihm. Meine Vernunft gewann zu früh die Oberhand. Anstatt meinen Schlag auf den Information Broker zu richten, schlug ich die Faust in die Wand neben mir. Meine Attacke war so kräftig, dass ich gleich ein großes Loch im Baustoff hinterließ, das sogar noch größer wurde als ich den Arm wieder herauszog. Ich atmete schwer und funkelte den Tsukuyomi an. Hoffentlich hatte ich klar gemacht, dass dieser Angriff auch gut hätte ihn treffen können.
Doch damit nicht genug. Nun besaß Sia auch noch die Frechheit, sich einfach einen MEINER Kekse zu klauen. Vollkommen hemmungslos schob er sich das Gebäck in den Mund und besaß dann noch den Mut, sich über deren Geschmack zu beschweren. DAS WAREN DIE BESTEN KEKSE DER WELT!!! Ich hob den Arm zum zweiten Schlag. Alles in mir brodelte. Zuerst diese Respektlosigkeit, dann bezeichnet er mich als angreifbar und dann klaut er auch noch einen meiner Kekse! Unverzeihlich! Er sollte den Zorn eines GOTTES zu spüren bekommen!!! Doch wiederum stoppte ich meinen Schlag. Denn was Siavash nun sagte, wusch alle Wut in mir hinfort. Jemand hatte wirklich den Mut sich mir gegenüber zu stellen?Ein vorfreudiges Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit. Wenn es wirklich Angreifer gab, dann würden sie meine Macht zu spüren bekommen! Nicht eine Sekunde lang würden sie einen Kampf mit mir standhalten! Ich würde jeden einzelnen der Widersacher zerquetschen, wie ein hilfloses Waumpel. Interessiert ging ich zurück hinter den Schreibtisch und hob den Stuhl auf. Dann nahm ich wieder Platz, um Siavashs weiteren Schilderungen zu lauschen. Denn nur diese Informationen waren es, weshalb ich den Kerl noch weiter ertragen konnte. Als der Tsukuyomi nun plötzlich die Tür aufriss und jemand hineingestolpert kam, wunderte mich das kaum. Immerhin erkannte ich im ersten Augenblick, dass es sich um die Izanagi Hikari handeln musste. Diese sturköpfige, blauhaarige, kindische Frau. Sie war halb so schlimm wie Siavash, aber dennoch eine gute Untergebene. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es sich bei ihr um eine Verräterin handeln könnte und mein Verdacht wurde zugleich durch ihre Reaktion bestätigt. Gemütlich lehnte ich mich in meinem Sessel zurück und sprach, an Siavash gerichtet:

"Sprich weiter..."



SIAVASH KING
& Goliath & Hikari # 6

Goli-chans Wutausbrüche hatten mich wenig überrascht. Leider ist dabei jedoch die Wand drauf gegangen. Wie gerne hätte ich ihm nun einen Vortrag darüber gehalten, dass er lernen musste besser zu zielen. Selbstverständlich war ich nicht zurück gewichen, als er mit erhobener Faust auf mich zugestürmt kam. In den Augen der Wunsch flackernd, mir den Schädel einzuschlagen. Nun, zumindest interpretierte ich es so und war mir sicher, dass ich vollkommen richtig lag. Goli-chan wusste, dass ich nützlich für ihn war und er wusste auch, dass ich wusste, dass es eine Tatsache war. Sicher. Ich war sicher, solange ich nützlich blieb. Schlussendlich setzte er sich wieder hinter seinen Schreibtisch und Hikari stolperte ins Zimmer hinein, als ich später die Tür aufriss. Es war beinahe schon niedlich wie sie versuchte nicht in mich hinein zu stolpern. Diese Berührungsängste waren... interessant. Ja, sogar sehr. Ich würde sie am liebsten in meine Arme schließen, um ihr Angst einzujagen. Andererseits war sie ein kleines Sensibelchen. Konnte ich ihr das antun? Nein. Noch nicht. Spätestens, wenn mein Todesurteil ohnehin schon feststand und ich nur noch darauf wartete, sterben zu müssen. Ja, wenn es jemals so weit war, würde ich mich glorreich verabschieden.

Mein Vorteil in diesem Moment lag darin, dass auch Hikari wissen wollte, wer es auf Goli-chan abgesehen hatte. Sie wussten beide genauso gut, dass ich mir Zeit ließ. Wahnsinnig viel Zeit. Also wandte ich mich zunächst Hikari zu, die ungeduldig auf dem Sofa Platz genommen hatte. Mein Plan: Goli-chan noch ein wenig weiter auf die Folter spannen und nerven. Ich wusste schließlich, dass er mich schnellstmöglich loswerden wollte. Vielleicht würde er mich auch in aller Seelenruhe foltern, wenn ich ihm die Informationen preisgegeben hatte. Allein bei dem Gedanken funkelten meine Augen. Nicht, dass ich es auf Folter abgesehen hatte, ich hatte andererseits aber auch nichts dagegen. Im Endeffekt blieb ich ja doch ein kleiner Masochist, der seinen Sadisten brauchte. Nein, selbst der ganze Hass den man mir entgegen brachte war Balsam für die Seele. Selbst, wenn man mich nicht folterte, das war genug um damit zu leben. Wäre es nicht so, würde es womöglich damit enden, dass ich Goli-chan darum anflehte mir weh zu tun. Wollte ich das? Oh nein! Das wäre eine Demütigung der Extraklasse.

»Ne, Hi-chan?« begann ich und kam absichtlich vom Thema ab. Ich grinste, klatschte einmal in die Hände und lächelte sie an. »Ich brauche deine weibliche Intuition!« eröffnete ich ihr. Das Lächeln wich nicht von meinen Lippen. Oh, es war aber kein hinterlistiges Lächeln. Viel eher ein freundliches. Ja, selbst dazu war ich im Stande. Und ich schaffte es sogar, es glaubwürdig rüber zu bringen. Ich zwinkerte ihr schließlich zu. »Eine Shoppingtour, okay? Es ist ein wichtiges Treffen mit einem Kunden, also brauche ich etwas passendes zum Anziehen. Hilf mir doch bitte, ja?« Ich fragte mich wie sehr dieses Thema Goli-chan nerven musste. Immerhin unterbrach ich meinen wichtigen Bericht dafür, Hikari um eine Shoppingtour zu bitten. Nicht, dass ich wirklich ihre Hilfe brauchte, aber einen Anzug brauchte ich tatsächlich. Schließlich war es ein Kunde, der viel wert auf das Äußere legte. So elegant ich meine Felljacke auch fand, für die gehobene Gesellschaft war sie immer etwas, das mit Argwohn betrachtet wurde. Für sie wohl zu wenig Stil, dabei war sie das stilvollste, was man sich vorstellen konnte! Außerdem sehr bequem.

Ich wandte mich auf dem Absatz um, um Goli-chan wieder anzusehen und hob einen Finger mit dem ich munter in der Luft herum rührte. »Aaaaaber um zum eigentlichen Punkt zurückzukehren... Goli-chan, du solltest nicht zu viele Kekse essen! Du siehst aus, als hättest du zugenommen.« Ich zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf. »Wie auch immer...« Ich blickte an die Decke. Schwieg. Ließ die beiden warten, wusste gleichzeitig aber, dass ich sie nicht zu lange warten lassen durfte. So gerne ich meinen Spaß auch hatte, es wurde langsam Zeit ernst zu werden. Wie sehr ich diese Ernsthaftigkeit doch hasste. Leider war sie aber hin und wieder notwendig. Vor allem in meinem Job. Nicht jeden Kunden konnte ich nach Belieben necken. Leider. Manche verlangten nach Professionalität, andere wiederum waren selbst zu scherzen aufgelegt. Noch einmal wandte ich mich zu Hikari. »Ach ja! Wenn du mir die Ehre erweist, mit mir Shoppen zu gehen, dann darfst du dir auch etwas wünschen! Etwas, das ich auch erfüllen kann, natürlich.« und damit sollte es die letzte Ablenkung gewesen sein. Der letzte, neckische Abstecher. Ich tänzelte zum Sofa herüber. Ließ mich zwischen meiner Jacke und Hikari sinken und achtete darauf, dem Mädchen nicht zu nahe zu kommen.

Ich neckte gerne, ja, aber ich war schlussendlich doch auch kein Unmensch. Ich lehnte mich zurück, mein Blick wanderte zu unserem Boss herüber, während ich Hikari aus den Augenwinkeln heraus noch betrachten konnte. Ich schlug ein Bein über das andere und verschränkte meine Arme. »Also...« begann ich und musterte Goli-chan. Ja, mich würde es wahrlich nicht wundern, wenn ich mich am Ende des Tages in der Folterkammer wiederfand. »Wie ich bereits sagte... Jemand will dir ans Leder.« Ich sprach das Offensichtliche aus. Wiederholte das, was sowohl Izanami als auch Izanagi bereits wussten. Ich entschränkte meine Arme, legte die eine Hand auf mein Knie, während die andere Hand eine zwei zeigte. »Es befinden sich zwei Menschen in dieser Organisation, die Informationen nach draußen tragen.« eröffnete ich den beiden. »Aber wie man sich denken kann, gehören sie nicht wahrhaftig zu Izanami's Wrath. Sie haben sich lediglich eingeschlichen.« Ganz so, wie ich mich gerne in andere Organisationen einschlich, um Informationen zu sammeln. Allerdings lohnte sich diese Methode nur dann, wenn man eine Organisation über längere Zeit beobachten wollte. Diese Verräter waren Amateure, nichts weiter. Fast schon beschämend, dass es so etwas gab. Zumal sie einen äußerst delikaten Fehler gemacht hatten.

»Dragon's Vengeance. Eine widerliche kleine Bande.« sagte ich und seufzte, ehe ich mit den Schultern zuckte. »Aber sie glauben ernsthaft, sie könnten etwas ausrichten. Es sind lediglich kleine, unbedeutende Verbrecher.« Von Diebstählen, zu Betrügereien. Offensichtlich versuchten sie sich auch als Information Broker, die allerdings viel mehr damit beschäftigt waren, sich etwas auszudenken, anstatt zu recherchieren. Es war also auch für mich gut, wenn man diesen Typen das Handwerk legte. Das es zu meinem besonderem Vorteil war, musste ich ja nicht sagen. Sie würden sich nicht länger in mein Geschäft einmischen. »Sie sind zwar nicht die Intelligentesten, aber sie haben sich einen netten Plan überlegt.« meinte ich und zuckte noch einmal mit den Schultern. »Sie wollen dich in eine Falle locken. Mh, aber das wird nicht nötig sein. Ich kenne die Verräter und ich weiß wo sich das niedliche, kleine Versteck dieser Bande befindet. Oh, manchmal bin ich verblüffend, nicht?« Ich kicherte. »Ich rate dir im Übrigen davon ab, in ihre Falle zu tappen.« meinte ich. Ich war mir nicht sicher, ob Goli-chan sich nicht absichtlich in diese Falle begeben würde, um ein wenig Berserker zu spielen. »Sie wissen wie stark du bist. Also haben sie sich bis an die Zähne bewaffnet. Deswegen sagte ich, du bist kein Gott. Sie würden dich durchlöchern, ehe du überhaupt einen Pokéball werfen kannst.«

Ich lehnte mich etwas vor, faltete die Hände nachdenklich zusammen und stützte mich mit den Ellenbogen auf meinem Bein ab. »Hmm... Zumindest wäre es besser, den ersten Zug zu machen, findet ihr nicht?« Hatte ich die ganze Zeit zu Goli-chan gesprochen, adressierte ich jetzt sowohl Izanami als auch Izanagi. Ich griff mit einer Hand in meine Jackentasche und zog einen Umschlag heraus, ehe ich mich aufrichtete und zu dem Schreibtisch meines Bosses herüber trat, um ihm den Umschlag zu geben. »Hier, Boss.« sagte ich mit einem breiten Grinsen, während ich mit der freien Hand in der Luft rumfuchtelte. »Namen und Bilder der Verräter. Sie waren dumm genug ihr Gespräch auf einem öffentlichen Platz zu halten, da fiel es mir nicht schwer, es zu belauschen.« Ich grinste hinterhältig. »Ich weiß genau, was sie vor haben. Soll ich dich einweihen, oder willst du versuchen ihre Falle zu überwinden?« fragte ich und kicherte finster, ehe ich anfing, lauthals loszulachen. »Aww, verrate mir, was wirst du mit ihnen machen? Wirst du sie foltern bis dir vor Freude das Herz aus der Brust springt?« fragte ich vergnügt. »Ich darf doch sicher zusehen, oder? Oder?« Im Moment führte ich mich wie ein aufgeregtes, kleines Kind auf, aber mein Herz pochte bei dem Gedanken, eine nette Folter zu beobachten. Die Reaktionen, die Reaktionen waren einfach unglaublich!
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:25 am


  Third
      Post #3



◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
◊ Kalakabara Kotatsu
Eingang zum Izanami's Wrath HQ
-- Silberberg

Aufgeregt kaute die junge Frau auf ihrer Lippe herum und suchte irgendetwas, um sich abzulenken. Also ließ sie ihren Blick durch den Raum streifen und blieb irgendwann an einem Loch in der Wand hängen. Was...? Ach, stimmt ja. Siavash hatte Goliath wirklich ziemlich provoziert, da war so was ja zu erwarten gewesen. Erstaunlich eigentlich, das der Informant gar nichts abbekommen hatte. Hatte sich ihr Boss etwa s zusammen gerissen? Das sah ihm aber gar nicht ähnlich. Aber im Endeffekt war es ja doch ziemlich gut gewesen, denn wie sich heraus gestellt hatte besaß Sia ziemlich brisante Infos... Auch wenn Hikari irgendwie bezweifelte, das ihr Vorgesetzter das so ernst nahm. Besser er tat es, denn mit sowas war bestimmt nicht zu spaßen. Sein Grinsen bestätigte ihre Gedanken. Warum war er nur so lebensmüde und selbst überzeugt? Irgendwann, ja, irgendwann, würde das noch Mal sein Ende bedeuten! Mittlerweile saß er zumindest wieder auf seinem Stuhl hinter dem wuchtigem Schreibtisch und verlangte, das der Informant weiter redete und mit näherem raus rückte. Glücklicherweise schien er die Izanagi gar nicht wirklich zu bemerken - oder es war ihm egal. Das war ja schon Mal was. Mehr oder weniger erleichtert lehnte sich diese mit verschränkten Armen zurück, während ihr Blick wieder zu dem Dunkelhaarigem glitt.

Als er dann - nach einer Ewigkeit, wie die türkis haarige dachte - seinen Mund öffnete, was erstaunlich war, da er sonst scheinbar immer am sprechen war, wartete sie schon aufgeregt auf weitere Offenbarungen, aber mit dem, was dann kam, hatte sie im Traum nicht gerechnet! Weibliche Intuition? Shoppen? Mit SIA?! Ihre Augen weiteten sich, und eine kurze Stille entstand, in der sie den Schock erst Mal verarbeiten musste. Das war.. überraschend gekommen. Aber warum nicht? Shoppingtouren waren immer lustig! Also nickte sie nur eifrig mit dem Kopf. Erst einen Moment danach wurde ihr bewusst, auf was sie sich da eingelassen hatte. Wollte sie das wirklich? Mit jedem anderen zu jeder Zeit - wenns sein musste sogar mit Goliath - aber mit Siavash war das was Anderes. Aber einen Rückzieher zu machen wäre vermutlich auch nicht gerade fair... oder? Aus ihren Gedanken gerissen wurde sie von ein paar weiteren seiner Worte - die übrigens überhaupt nichts mit dem eigentlichem Thema zu tun hatten! - bei welchen sie, erneut von seiner Provokanten Ader überrascht, erschrocken zusammen. Bitte, bitte, würde ihr Boss nicht wieder aus rasten... Hikari mochte es nicht, wenn er derart wütend wurde, aber bei dem Verhalten des Informanten konnte man es ihm eigentlich auch nur schwer übel nehmen... Auf jeden Fall war sie gerade schon dabei sich in Gedanken eine Ausrede zurecht zulegen, als er etwas sagte, was sie innehalten ließ.

Etwas Wünschen? Von Sia? Egal was? Das war... das war... Natürlich würde sie mit ihm shoppen gehen. Natürlich! Schon kreisten Hikas Gedanken um diese eine Sache: Sie hatte einen Wunsch bei Siavash frei. Als erstes war da das, was ihr am logistischem erschien. Sie konnte ihm einfach sagen, das er sie auf Lebenszeit mit seinen intriganten Spielchen in Ruhe lassen sollte. Dann hätte sie ein Problem weniger und könnte sich endlich auf ihr Ziel- aber nein. Das war doch dumm. Sie könnte... Sie könnte. Allein bei dem Gedanken daran erschien ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht und ihr Herz machte einen Hüpfer. Dieser junge Mann war der beste Informant den sie kannte. Nun gut, so viele kannte sie nicht, aber selbst Goliath hielt was von ihm, und der musste es ja wissen. Er hatte ihnen immer alles herausfinden können, was sie brauchten. Egal wie, letztendlich kam er an seine Informationen. Und vielleicht, ja vielleicht... Hikaris Augen nahmen die Größe von Melonen an. Wenn er... In diesem Moment setzte sich eben dieser auf das gleiche Sofa, auf dem auch sie platz genommen hatte, und obwohl er am anderen Ende saß konnte die junge Frau nicht anders als ihr Gesicht zu verziehen und wie von der Biene gestochen auf zuspringen. Und stehen war gerade sowieso besser! Ja, das würde ihr Wunsch sein. Siavash würde ganz bestimmt das herausfinden können, an dem sie so lange gescheitert war. Sie musste ihre ganze Willenskraft aufbringen, um ihn nicht gleich zum Shoppen zu zerren, damit er ihr dann ihren Wunsch erfüllen konnte. Aufgeregt drehte sie sich ein Mal im Kreis, dann probierte sie sich wieder den Dingen zu widmen, die gerade wichtig waren.

Es gab jemanden, der das Zentrum von Izanami's Wrath, Goliath, stürzen wollte - das war das wichtige. Sogar Siavash hatte es mittlerweile geschafft sich diesem Thema zu widmen, also tat Hikari es nun auch. Schließlich war sie es doch gewesen die es eben kaum hatte abwarten können, bis er weiter erzählte. Und genau das tat er jetzt, also spitze sie ihre Ohren. -Was? Jemand hatte es geschafft, sich unbemerkt ein zu schleichen? Nein, sogar zwei Leute? Das war... nicht gut. Das war eine Schwachstelle. Und eine Organisation wie diese sollte keine Schwachstellen haben. Das würde sich herum sprechen... sie runzelte die Stirn. Wie hatten sie das nur geschafft? Glücklicherweise hatten sie Menschen wie Sia, die solche Verräter schnell entlarvten. Nur fraglich das es noch niemand anderes bemerkt hatte. Dragon's Vengeance? Hatte sie nie gehört. Also waren sie scheinbar bisher nie von Bedeutung gewesen - bis eben jetzt. Und wenn Sia sagte, das ihr Plan sehr wohl etwas an sich hatte, was Goliath bezwingen konnte, dann stimmte das sicherlich auch. Also mussten sie schnellstmöglich etwas gegen diese Bande tun, bevor sie zu einer ernsthaften Bedrohung werden konnten. Doch als der Informanten Broker weiter sprach, konnte sie nur angewidert mit dem Kopf schütteln. Das war genau das, was sie an ihm nicht mochte. Sie würde da ganz bestimmt nicht zusehen wollen. Aber Lust auf einen anständigen Kampf hatte sie schon... hoffentlich würde sie also dabei sein würde, wenn sie sie sich vorknöpfen würden.

Schnell blendete sie das Verhalten des Mannes aus, schnappte sich den Umschlag mit den Bildern aus seiner Hand und klatschte ihn dann auf Goliaths Schreibtisch. Selbstverständlich würde sie ihn nicht eigenhändig öffnen, dazu war sie dann doch zu feige. Aber sie wollte trotzdem den Inhalt sehen! Aufgeregt tänzelte sie vor dem Schreibtisch ihres Bosses auf und ab. Sicher würde er rein sehen! Er musste einfach! Er würde doch nicht so lebensmüde sein und das ganze einfach ignorieren oder probieren sie eigenhändig aus dem Weg zu räumen! Das konnte er nicht riskieren! Hikari zwang sich dazu, stehen zu bleiben und Goliath zu mustern. Sicher, schon alleine seine Gestalt, sein ganzes Auftreten, wirkte Furcht einflößend und sicherlich hatte man mit ihm einen schweren Gegner, aber so wie Siavash sich ausgedrückt hatte, hätte auch er keine Chance mehr, wenn er erst Mal in die Falle tappen würde. Also musste sie ihren Vorgesetzten davon überzeugen, eben dieses nicht zu tun! Nur dumm, das er, so wie sie ihn kennen gelernt hatte, gerade bestimmt über eben dieses nachdachte...

»Es wäre auf jeden Fall besser, den ersten Zug zu machen.«, bestätigte sie schnell. »Falls es zu einem Kampf kommt, dann möchte ich übrigens gerne dabei sein. Und, was die Falle angeht, die anscheinend gestellt wurde... es ist bestimmt nicht schlau zu probieren, sie zu überwinden!«, probierte sie sich dann noch ein Vorrecht auf einen möglichen Pokemon Kampf zu sichern und Goliath gleichzeitig ein zu schärfen, das bloß nicht zu tun. Doch wenn er erst Mal wusste, was genau das für eine Falle war... man wusste ja nie... Am besten wäre es wohl wenn Hikari ihm für die nächste Zeit nicht mehr aus den Augen lassen würde, sonst fand sie ihn am Ende doch noch tot irgendwo im Quartier herumliegen. Und darauf hatte sie wirklich keine Lust. Langsam drehte sie sich wieder zu Siavash um. Er sollte ihn bloß nicht auf dumme Gedanken bringen! Das ganze wäre für ihn doch dann genauso schlecht, wie für sie und die ganze Organisation! Hikari stemmte die Hänfe in die Hüften, dann richtete sie ihre Worte direkt zu dem Informanten Broker.

»Hast du schon einen Plan? Oder besser; was ist das für eine Falle? Und wo und wann soll das ganze durchgeführt werden? «, fragte die junge Frau ihn, denn so langsam interessierte es sie doch, wie eine scheinbar solch kleine Organisation es schaffen wollte ihren Boss zu vernichten und damit ganz Izanami's Wrath zum Einsturz zu bringen. Da mussten sie ja schon ordentlich was ausgetüftelt haben, denn so einfach war das bei so jemanden wie Goliath bestimmt nicht.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:26 am

VI - Goliath, Siavash & Hikari
Ich griff nach einem der Kekse auf dem Tablett und biss ein Stück davon ab. Sofort breitete sich das nussig-schokoladige Aroma auf meiner Zunge aus und ließ meinen ganzen Körper vor Genuss erbeben. Ich liebte diese Kekse! Ja ich LIEBTE sie einfach! Doch trotzdem würden sie mich niemals zu so eine Begeisterung auslösen, wie ich sie gerade empfand. Ich bebte vor Tatendrang. Als ich mit der rechten Hand das Milchglas zum Mund führte, merkte ich, wie sehr ich eigentlich wirklich zitterte. Diese angenehme, vorfreudige Anspannung hatte bereits meinen ganzen Körper eingenommen. Denn dieses Zittern kam nicht aus Angst vor irgendetwas. Als wenn ich, ich ein GOTT, irgendwelche Feinde fürchten musste! Widersacher waren nichts weiter als kleine, hässliche Waumpel. Und ich war ihr Todbringer. Das übermächtige Schwallboss, das sie ohne Gnade aufspießte und gierig verschlang. Ja! Für mich waren Feinde nichts weiter als ein kleiner Imbiss, den ich gerne genoss. Mit einem Grinsen im Gesicht, schob ich mir nun den zweiten Keks in den Mund. Eben noch, hätte ich den Tsukuyomi am liebsten eigenhändig erwürgt und gegen eine Waand geschlagen, doch der Kerl hatte sich mal wieder gerettet. Wie viel Glück dieses listige Rattfatz doch hatte! Doch egal, wie sehr mich Siavash nun nervte und provozierte, ich hatte nun etwas, um dieses Übel einfach auszublenden. Natürlich merkte ich, wie sich mein Inneres wieder um 100 Grad erhitzte, als der Informant einfach mit dem Thema umsprang. Doch sofort wurden Eiswürfel hineingeworfen, die den dampfenden Kessel in mir abkühlten. Trotzdem spannte die ganze Situation meine Geduld auf die Probe. Ich wollte die Identitäten der Würmer schnellstmöglich erfahren, mir zuckte es in den Fingern sie mir vorzuknöpfen. Während Siavash als mit der Izanagi über Shoppingtouren sprach, vertiefte ich meine Gedanken einfach darin, wie wundervoll es werden musste, die Widersacher abkratzen zu sehen. Ob ich sie zerquetschen würde? Vielleicht aber auch zerfleischen, in zwei Teile schneiden, vergiften oder gar verbrennen? Unzählige Ideen und Visionen machten sich in meinem Kopf breit. Was für ein wunderbares Erlebnis das werden würde! Wie machtvoll ich doch war! SO UNBEZWINGBAR! Am liebsten hätte ich laut aufgelacht, um der ganzen Welt meinen Trotz gegenüber irgendwelchen möchtegern Feinden zu zeigen, doch ich verkniff es mir. Grnau in diesem Moment, wandte sich Siavash auch schon wieder mir zu. Meine Hand huschte zum Keksteller. Ich und zunehmen? Hah! Das glorreiche, perfekte Bild eines Gottes kann nicht so einfach verzerrt werden! Darum musste ich mir keinerlei Sorgen machen. Also verschhwand auch dieser Keks genüsslich in meinem Mund, während ich den Blick nicht von dem Tsukuyomi abließ. Meine Ungeduld wurde immer unerträglicher. Doch noch einmal ließ ich mich nicht von dem Informanten auf die Palme bringen. Dazu war meine Laune gerade viel zu gut. Als er nach weiteren Ausschweifungen endlich zum Thema kam, hörte ich ihm das allererste Mal wirklich aufmerksam zu.
Es waren also zwei Verräter, die sich eingeschlichen hatten. Noch dazu mit so einem lausigen Namen "Dragon's Vengeance". Aber was sollte man von Maden schon groß erwarten? Mit jedem Wort des Information Brokers wurde meine Vorfreude größer. Die Spannung, die ängstlichen, schockierten, hoffnungslosen Gesichter dieser Würmer zu sehen, wenn ich sie mit meiner Macht überrumpeln würde. Sie könnten nichts weiter tun, als hilflos am Boden liegen und um Gnade flehen, doch die würde ich ihnen niemals weihen lassen...
Als ich dann hörte, dass sie wahrhaftig daran glaubten mich in eine Falle locken zu können, musste ich erneut ein Gelächter unterdrücken. Was dachten diese Winzlinge eigentlich wer sie waren? Versuchten ernsthaft MICH zu überlisten!!! Ich konnte verleugnen, wie banal das eigentlich war. Was für eine Naivität! Und der Tsukuyomi glaubte wahrhaftig, dass sie etwas gegen mich ausrichten könnten, falls ich wirklich überlistet werden sollte. Was konnte man mir schon anhaben? Welches Pokemon war überhaupt stark genug, um es mit mir aufzunehmen? Welche Waffe könnte mich schon durchlöchern? Das war einfach lächerlich! Keiner der Feinde hatte auch nur die geringste Chance gegen meine Übermacht. Keiner von ihnen könnte mir auch nur irgendwie eine Sekunde standhalten.
Mein Herz machte einen Sprung, als mir die Izanagi die Mappe mit den Identitäten der Verräter auf den Tisch knallte. Ein weiterer Keks fand den Weg in meinen Mund, bevor ich die Akten aufschlug. Zum Vorschein kamen zwei Fotos , auf denen die schwächlichen Fratzen der beiden eingeschlichenen Mitglieder der Bande abgebildet waren. Wieder huschte das Grinsen über mein Gesicht, als ich weiter blätterte. Siavash hatte ausgezeichnete Arbeit geleistet. Alle Informationen waren auf den Punkt genau recherchiert. Ich hatte alles, was ich brauchte. Nun erhob ich mich von meinem Schreibtisch, griff nach meiner Jacke und streifte sie über. Danach befestigte ich die Pokebälle am Gürtel. Nun tat ich noch einen Griff zum Teller und ließ nun auch den letzten Keks in meinem Mund verschwinden. Mit großen Schritten ging ich auf die Tür zu, die aus meinem Büro heraus in den Hauptgang der Basis führte. Die Kampfeslust hatte mich vollkommen eingenommen. Ich wollte besiegen - wollte Verzweiflung sehen. Das Schwallboss würde seine Jagd beginnen und niemand könnte es aufhalten. NIEMAND!




SIAVASH KING
& Goliath & Hikari # 7

Kurzer Hand hatte mir Hikari die Unterlagen aus der Hand gerissen und auf Goli-chans Tisch geknallt. Sie war so ungeduldig, dass es fast schon niedlich war. Ungeduld war letzten Endes auch etwas Interessantes. Was taten Menschen nicht alles, weil sie ungeduldig waren? Manche kostete diese Ungeduld sogar das Leben, bloß, weil sie sich nicht zusammenreißen konnten. Sie mussten aufspringen und tun, was sie tun wollten, bloß weil sie nicht warten konnten. Wie viele Menschen trieb diese Eigenschaft ins Unglück. Für den Moment fragte ich mich aber eher, wie sie meinem Angebot so schnell zustimmen konnte. Vermutlich war sie zu voreilig gewesen und hatte schlussendlich realisiert, wem sie da überhaupt zugestimmt hatte. Ja, so wie ich sie einschätzte hätte sie wohl voreilig zugestimmt, sich dann gedacht wie schrecklich es sein muss, mit mir shoppen gehen zu müssen, wollte sich möglicherweise sogar vielleicht eine Ausrede einfallen lassen, doch nicht mir mir los zu ziehen, nur um dann zu realisieren, dass ich vielleicht das herausfinden konnte, wonach sie nun schon so lange geforscht hatte. Ich wusste, Hikari klammerte sich an den einfältigen Glauben, Fliegen bedeute Freiheit. Ich wusste wie versessen sie darauf war, selbstständig fliegen zu können und genauso wusste ich, dass sie mich darum beten würde, herauszufinden, wie sie das am besten anstellen konnte. Daran hatte ich keinen Zweifel. Letzten Endes war es aber bloß eine Vermutung.

Und wenn ich richtig lag, würde ich ihr diesen Wunsch ausschlagen müssen. Schließlich sagte ich, dass ich ihr einen Wunsch erfüllen würde, der mir möglich ist und das lag eindeutig nicht in meiner Macht. Es war faszinierend wie sie sich an diesen Glauben klammerte, selbst wenn jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand wusste, dass ein Mensch niemals fliegen würde. Zumindest nicht ohne Flugpokémon oder Flugzeug. Warum? Warum konnte sie es nicht einsehen? Was verleitete sie dazu, sich an eine falsche Hoffnung zu klammern, die nichts als Enttäuschung versprach? Ich wusste darauf keine Antwort. Nein, ich wusste darauf tatsächlich keine Antwort! Und ich wollte es herausfinden. Ich wollte wissen, was in ihrem Kopf vorging, warum sie es nicht einsehen und diesen lächerlichen Traum aufgeben konnte. Ich konnte viele Menschen durchschauen, ja, doch die meisten Gefühle blieben mir ein Rätsel. Ein absolutes Rätsel. Menschen wurden durch Gefühle geleitet. Das war meine Erkenntnis. Aber was war mit mir? Wodurch wurde ich geleitet? Neugierde? War es das? Bloß das? Welche Gefühle begleiteten Hikari oder Goli-chan? Und welche Gefühle konnten sie stoppen? Warum hatten manche Menschen einen unbeugsamen Willen, warum waren andere viel zu einfach zu manipulieren? Ich würde es schon herausfinden. Irgendwann. Irgendwann würde ich alle Emotionen verstehen, würden sie durchschauen. Ich liebte Menschen. Liebte sie für ihre Emotionen und Taten. Es gab keine interessanteren Lebewesen. Was wollte ich mit Pflanzen oder Pokémon? Menschen, Menschen, Menschen - sie waren alles was ich brauchte!

Selbst wenn sie mich hassten, mich mit Füßen traten, mir ins Gesicht spuckten. Ich würde nicht aufhören die Menschheit zu lieben. Ihre Fehler, ihre negativen Seiten, ihre Zweifel und lächerlichen Hoffnungen. Ihre Liebe zueinander, ihre Arroganz, ihre Selbstüberschätzung. Was unterschied sie so voneinander? Warum wollte Hikari so dringend fliegen, warum wollte Goliath ein Gott sein? Was trieb sie dazu an? Ich würde es irgendwann schon herausfinden. Irgendwann würde ich all das Wissen, was ich zu wissen begehre und wenn es soweit war, dann würde ich diese Organisation hinter mich lassen und hätte einen Haufen Informationen, die ich zu Höchstpreisen verkaufen könnte. Doch bis es soweit war, ja, vielleicht hatte Goliath sein Ziel dann schon erreicht. Vielleicht würde es auch niemals dazu kommen. Immerhin war es nicht einfach Emotionen zu verstehen und zu ergründen. Sie waren wie verschlüsselte Botschaften. Wie Mysterien. Hieroglyphen, die ich nicht zu entschlüsseln vermochte. Doch irgendwann würde ich lernen, diese Hieroglyphen zu lesen und wenn ich alles verstand, dann hätte ich das Wissen, dass ich wollte. Dann hätte ich Macht. Absolute Macht. Ich würde alles verstehen. Jede noch so kleine Emotion, jede noch so kleine Reaktion und Handlung. Ich würde den Menschen perfekt von den Augen ablesen können, was sie dachten, wie sie fühlten, was sie tun würden. Ich würde perfekt manipulieren können. Diese Welt würde mein Paradies sein! Und dennoch wusste ich, es grenzte an ein Ding der Unmöglichkeit. Und dann... dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es gab einen Weg, sollte diese Legende wahr sein... Eine Möglichkeit, mir meinen Wunsch zu erfüllen...

Goliath stand auf, nachdem er die Akte durchgeblättert hatte. Schnappte sich seiner Jacke und ich erahnte bereits, was er vor hatte. Und genauso wie ich es dachte, ging er schnurstracks gerade auf den Ausgang zu. Ich griff schleunigst zu einem der beiden Pokébälle an meinen Gürtel, ließ das Pokémon in die Freiheit, dass ich nur ungern an die frische Luft setzte und drängte mich mit schnellen Schritten vor um Goliath die Tür zu versperren. Ich verschränkte meine Arme und sah zu ihm hoch, während ich vor der Tür stand und nicht vor hatte, ihm den Weg wieder frei zu machen. Das Pokémon, dass ich frei gelassen hatte, schmiegte sich ungestört an mein Bein, machte Geräusche als würde es überglücklich schnurren. Und dann setzte es sich auf seine Hinterläufe, seine Vorderpfoten auf meinen Beinen gestützt, ehe es vorsichtig kratzte, als wolle es auf den Arm genommen werden. Shirley war kein Pokémon, das ich aus Jux und Tollerei aus ihrem Ball ließ. Nein. Goliath würde vermutlich ausrasten, weil ich ihm den Weg versperrte. Würde mich nicht wundern, würde er mit mir die Tür einschlagen oder mich zur Seite schubsen. Und genau deswegen war Shirley in diesem Moment meine einzige Lösung. Auch wenn sie sich an mein bein schmiegte und Nähe suchte, wie immer kuscheln wollte, sie wusste genauso gut, dass ich meine Gründe hatte, mich Goliath in den Weg zu stellen. Sie würde ihn nicht durchlassen, selbst wenn er mich zur Seite stoßen würde. Sie würde mich verteidigen, wenn er daran dachte, mit mir die Tür einzuschlagen.

Und selbst wenn Goliath seine Pokémon auf Shirley hetzte, die Gute war zäh und hatte einen eisernen Willen. Eher riskierte sie ihr Leben, als mich zu enttäuschen. »Boss, das ist keine gute Idee!« sagte ich eindringlich. Ich verzichtete auf Neckereien. Er wäre ohnehin wütend genug. Ihn dann noch zu reizen brachte ihn womöglich wirklich noch dazu, mich umzubringen. Ob er es später bereute sei dahin gestellt. Im Grunde wartete ich bloß noch darauf, das er zupackte, meinen Hals zudrückte und mich in die Luft hob. Allerdings wäre mein Schicksal ebenso besiegelt, würde er Hals über Kopf in diese Falle tappen. Wie viele Menschen hatten es immerhin auf meinen Kopf abgesehen? Ihnen war egal ob sie zu Mördern wurden, solange sie ihre Rache bekamen. Nicht, dass ich irgendetwas bereute, aber ich wollte mein Leben noch ein wenig genießen. »Sie jetzt einfach fertig zu machen würde diese Bande alarmieren. Sie sind Amateure, aber das heißt nicht, dass sie völlig ungefährlich sind. Wir müssen sie überraschen! Wir wissen Bescheid. Sie zu überraschen dürfe nicht schwierig sein, wenn du es jetzt nicht überstürzt. Streng deinen Kopf mal ein bisschen an, ehe du versuchst mit dem Kopf durch die Wand zu preschen. Rohe Gewalt bringt uns hier nicht weiter. Da ist Köpfchen gefragt.« meinte ich und seufzte, während Shirley noch immer an meinem Bein kratzte. Ich hockte mich zu ihr auf den Boden und nahm sie kurzer Hand auf den Arm. Etwas, das ich äußerst ungern tat, denn sogleich schmiegte sie sich überglücklich an meine Brust und würde mein Sweatshirt so schnell nicht wieder loslassen.

»Ich schlage also vor, du setzt dich erstmal wieder, bis du alles weißt, was du wissen musst und dann überlegen wir uns einen Plan.« Natürlich hatte ich bereits einen Narrensicheren Plan im Kopf. Aber solange es Goli-chan davon abhalten konnte, durch diese Tür zu marschieren war es mir nur recht. Ich hatte diese Narren lange genug beobachtet, um ihre Schwächen zu kennen und ihre Bewaffnung war definitiv nicht ihre Schwachstelle. Marschierten wir einfach so in ihr kleines Versteck ein, würden sie uns umbringen, bevor wir überhaupt die Gelegenheit hatten, ein Wort zu sagen. Sie wollten nicht verhandeln, sie wollten Köpfe rollen sehen. Und ich wusste genau, sobald sie Goliath erledigten, würde ich genauso mein Leben aushauchen. »Ich versichere dir, wenn du sie jetzt erledigst, wird das ein übles Nachspiel haben und du bist nicht unsterblich. Also, wenn du ein Gott werden willst, dann setze dein Leben nicht unnötig aufs Spiel, solange du noch kein Gott bist.« Und auch niemals werden wirst. Shirley starrte mich neugierig an, blickte zu meinem Boss herüber, starrte ihn ebenso neugierig an, ehe sie sich erneut an mich schmiegte. Ich warf Hikari einen kurzen Blick zu, sah Goli-chan letztlich aber wieder an. »Ich bin mir sicher, Hi-chan ist meiner Meinung.« Ein erneuter Blick Richtung Hikari. »Ne?«
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:26 am


  Fourth
      Post #4



◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
◊ Kalakabara Kotatsu
Eingang zum Izanami's Wrath HQ
-- Silberberg

Ich biss mir leicht auf die Lippe. Irgendwie sah das gar nicht gut aus, ja mein Boss schien meine Worte nahezu zu ignorieren. Stattdessen sah man ihm richtig an, wie gerne er sich sofort ins Getümmel stürzen wollte. Er sagte gar nichst, ließ keinen Ton von seinen Lippen, lieber aß er einen weiteren Keks und trank sein übliches Glas Milch im Eiltempo leer. Und dann sprang er auf, schnappte sich seine Jacke, zog sie über und machte sich auf zur Tür. Vorher hatte er noch einen Blick in die Akte geworfen, und ich hatte mir halbherzig die Bilder und Informationen angesehen, meine VOrfreude war mit einem Mal verflogen. Und was tat ich, um meinen Vorgesetzten Aufzuhalten? Nichts. Ich stand daneben, mit einer Kinn lade die mir fast hinunter klappte und weit geöffneten Augen, vor Schreck pochte mir mein Herz bis zum Hals, und wusste nicht, was ich tun sollte. Niemand - und schon gar nicht so ein Persönchen wie ich - konnte sich Goliath in den Weg stellen, besonders nicht in solch einem Moment. Schon begann ich, mit meinem bisherigem Leben abzuschließen und mir Pläne für ein neues zu überlegen. Ich könnte auswandern, nach Einall und mit dort eine neue Identität zu legen... Vielleicht gab es dort ja eine vergleichbare Organisation, vielleicht konnte ich mich denen anschließen, mit meiner Erfahrung hatte ich bestimmt Chancen... Ansonsten würde ich mich wohl oder übel selbst durchschlagen müssen, was sich nicht gerade verlockend anhörte. Ich hatte das zwar schon Mal eine ganz schön lange Zeit geschafft, aber als besonders angenehm hatte ich das nie empfunden. Was hatte das Leben eigentlich immer gegen mich? Da hatte ich es ein Mal geschafft mir etwas aufzubauen und weit nach oben zu steigen, und dann wurde es gleich wieder zerstört! Aber vielleicht... Ich sollte die Hoffnung nicht so leicht verlieren, vielleicht konnte ich Goliath ja helfen und Izanamis Wrath konnte weiter bestehen, dann müsste ich nicht nach Einall auswandern und...

Aber da war ja noch Siavash. Genau, Sia. Ein Mal in meinem Leben sollte ich froh sein, das er hier war, auch wenn ich es mir vielleicht nicht eingestehen wollte. Ja, dieser doch recht kleine Mann stellte sich nun frech genau vor Goliath in den Türrahmen und versperrte ihm den weg. Meine Augen wurden gleich noch Größer und ich bekam es schon mit der Angst zu tun, das das hier gleich mit ernsthaften Verletzungen enden würde. Wie viel Mumm hatte dieser Typ eigentlich?! Ich schätze, er setzte an jedem Tag den er mit Goliath verbrachte sein Leben aufs Spiel. Machte ihm das Spaß oder so? Ich selber war ja auch kein Mensch der anderen gerne Gehorchte, aber naja... dieser riesige Mann war so ziemlich der einzige der es schaffte das ich ihm mehr oder minder Respektvoll begegnete, was vermutlich aber auch damit zusammenhing das ich manchmal ein ziemlicher Schisser sein konnte. Aber gut. Am liebsten würde ich mich jetzt weg drehen, um das nicht mit ansehen zu müssen, aber das konnte ich wohl kaum machen, oder? Aber was hatte ich denn für Möglichkeiten? Auf den zweiten Blick bemerkte ich ein Pokemon neben dem Informant, genauer gesagt seine Shirley. Das war... ja schon Mal etwas. Sicherlich würde das Pokemon ihn mit allen Mitteln verteidigen, denn wie ich das mitbekommen hatte, war es krankhaft verliebt. Genau, Pokemon. Was war mit meinem Team? Obwohl. Ich konnte wohl kaum meinen Boss angreifen. Aber er durfte den Raum nicht verlassen, bevor er alles gehört hatte! Den Weg versperren und Sia helfen? Sia helfen? Naja... ich hatte Sky, aber... irgendwie.. hatte ich gerade keine Lust sie einzusetzen, sagen wir es so. Akuma würde die Gelegenheit sicherlich dafür nutzen mich zu ärgern und ob Kizoka auch nur einen "Finger" rühren würde war irgendwie fraglich. Hana konnte so oder so nicht viel ausrichten und Tuyoi war zwar stark, würde aber sicherlich nach etwas essbarem suchen. So bleib nur noch Akubi, mein Relaxo. Genau! Das wäre sicherlich groß genug, um den ganzen Gang zu versperren, aber mir graute es vor Goliaths Reaktion. Unsicher starrte ich auf den Pokeball, denn ich nun in der Hand hielt. Sollte ich, oder sollte ich nicht?

Glücklicherweise unterbrach Siavash meine Gedankengänge, so das ich mich erst Mal auf etwas anderes konzentrieren konnte. Er hatte recht - und ausnahmsweise waren wir beide wohl mal einer Meinung... Heute war schon ein seltsamer Tag voller komischer Ereignisse. Wäre ich doch bloß erst gar nicht aufgestanden... Als ich dann direkt angesprochen wurde zuckte ich als erstes Mal erschrocken zusammen, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Eifrig nickte ich, doch dann wurde mir klar, das Goliath, welcher mit dem Rücken zu mir stand, das natürlich nicht sehen konnte, sofern er sich nicht umdrehte.

»Eh? Natürlich, klar, ich denke es wäre das beste... sich den Plan mal anzuhören und...«, fing ich recht zögerlich an zu sprechen und meine Stimme wurde immer leise. Dann schluckte ich schwer und tat einen erneuten Anlauf. »Und sich das ganze dann noch Mal zu überlegen.«, beendete ich meinen Satz und ballte meine Hnde zu Fäusten, während ich recht ängstlich auf die Reaktion meines Bosses wartete. Jetzt hatten wir beide uns gegen ihn "verschworen", und auch wenn das nur zu seinem - und unserem - bestem geschah, war ihm eben dieses sicher nicht klar und er würde sicherlich blind vor Wut reagieren. Unauffällig ließ ich meine Hand zu dem Pokeball meines Lucario gleiten. Vielleicht, wenn es hart auf hart kommen würde, konnte ich mich ja wenigstens ein Mal auf mein Team verlassen können... Zumindest wollte ich wirklich ungern als Goliaths Frühstück enden. Warum war ich eigentlich noch gleich hierher gekommen?! Und warum hatte ich mich von diesem hinterlistigem Informanten in die Sache hinein ziehen lassen? Und erneut wünschte ich mir einfach weg fliegen zu können - auch wenn hier alles von Meter dicken Gestein umgeben war, aber diesen Umstand ignorierte ich mal eben. Das Leben war wirklich verfahren!
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:27 am

VII - Goliath, Siavash & Hikari
Voller Vorfreude stand ich nun kurz davor die Tür zu öffnen. Vor meinen Augen spiegelten sich die Gesichter der Verräter wieder, von denen ich gleich jeden einzelnen in seine Einzelteile zerlegen würde. Nein. Viel besser wäre es doch sie am Leben zu lassen, damit sie ihre Taten wirklich bereuten. Eine kleine Folter wäre wohl angebracht. Als ich so darüber nachdachte, huschte erneut das Grinsen auf mein Gesicht. Diese Emotion, die ich nur zeigte, wenn ich mich auf ein richtiges Gemetzel freuen könnte. Und selbst dann hielt dieser Gesichtsausdruck nur für einen kurzen Augenblick an, bevor ich ihn wieder hinter meiner ausdruckslosen Mine versteckte. Doch wenn Lächeln, dann wie ein Gott. Immerhin bin ich kein kleines, fröhliches Kind. Wenn schon, dann musste es auch etwas großes und göttliches ansich haben. Etwas, das allen um mich herum zeigte, dass ich auf sie hinabblickte und sie gefälligst zu mir hinaufsehen sollten. Nun konnten diese Maden ihr blaues Wunder erleben. Das Wunder, dass sich Goliath nannte!
Doch es gab etwas, das dieses Wunder daran hinderte wahr zu werden. Kurz bevor ich die Tür erreicht hatte, musste er sich ja unbedingt wiedersetzen. Nun stand er also vor mir. Die Arme verschränkt. Einen Moment lang wurde es still. Ich brauchte eine Weile, um zu verstehen, was gerade geschehen war. Das würde er nicht wagen! Nichtmal er! Doch als ich die Augen für einen kurzen Moment schloss, nur um sie dann wieder zu öffnen, stand er immer noch da. Mit seiner hinterhältigen Mine, blickte er mich an. Und ich starrte einfach nur zurück. Das hatte er nicht wirklich getan. Das würde selbst er sich nicht erlauben. Doch dann rief er sein Pokemon aus dem Ball. Diese kleine, schwächliche Vieh schmiegte sich an seinen Trainer, als wäre es ein verliebtes, kleines Togepi. Und sowas nannte sich Pokemon! Das war vielmehr ein Unfall! Aber damit wurde mir klar, dass der Tsukuyomi es wirklich ernst meinte. Er versperrte mir, MIR SEINEM BOSS, den Weg. Ich wusste, dass er skrupellos und respektlos war. Aber das hätte ich selbst von ihm nicht erwartet. In mir brodelte es. Ich fühlte mich, als wäre mein Körpertemperatur binnen weniger Sekunden um tausende von Grad angestiegen. Wie nur. WIE KONNTE ER ES WAGEN MEINEN LAUF ZU UNTERBRECHEN? MEINEN TRIUMPHZUG!!! Voller Wut ballte ich beide Hände zu Fäusten. Ich zitterte vor Anspannung. Um meinen Zorn in Zaum zu halten, knallte ich die Zähne aufeinander und biss mir dabei so heftig auf die Lippe, dass mir der eiserne Geschmack von Blut in den Mund drang. Ich konnte mich nicht zurückhalten. Diesmal nicht. Nun hatte er keinen Schutz mehr. Ich hatte die Informationen, die Gesichter. Als Hikari ihm dann auch noch zustimmte, begannen meine Gedanken vollkommen zu versagen. Sogar meine Izanagi stand auf seiner Seite. Was hatte er ihr dafür wohl angeboten? WIE KONNTEN SIE SICH NUR EINEM GOTT WIDERSETZEN? Der Hass funkelte mir in den Augen. Ich schwenkte den Blick zu der Izanagi, dann sofort zurück zu Siavash. Jetzt war es vorbei. JETZT WAR ER DRAN!!! Wie ein wildes Despotar, riss ich meine Faust nach oben. Mit einem Schwung holte ich aus und ließ die Hand dann direkt auf das Gesicht meines Untergebenen zurauschen. Dieser göttliche Schlag würde ihn umhauen! Damit könnte ich ihn töten. DANN WÄRE ICH IHN ENDLICH LOS!!! DANN GÄBE ES NIEMANDEN - WIRKLICH KEINEN MEHR, DER SICH MEINER AUTORITÄT WIDERSETZEN KÖNNTE!!! Ich legte all meinen Wut in diesen einen Schlag. Ich konnte nicht mehr klar denken. Der Zorn hatte mich vollkommen eingenommen. Jeder Verräter, jeder Feind würde von mir mit einem Grinsen besiegt werden, das er so schnell nicht mehr vergessen sollte. Doch das hatte der Tsukuyomi nicht verdient. Wer sich seinem eigenen Boss in den Weg stellte, sollte dieses Geschenk nicht erhalten! Vor allem ER nicht. Also legte ich all meinen Hass, meinen ganzen Zorn in diesen einen Schlag. Er wäre nur ein weiterer Verlierer auf meinem Triumphzug. Was sollte dieses spindeldürre etwas mit seinen mickrigen Pokemon schon ausrichten?



SIAVASH KING
& Goliath & Hikari # 8

Anspannung? Nicht im Geringsten. Diese Situation amüsierte mich eigentlich sogar. Die meisten würden vor Angst vielleicht zittern, wenn ihm der eigene Boss wutentbrannt gegenüberstand. Wie auch immer. Ich nicht. Warum sollte ich auch erzittern? Er war größer, er war um einiges stärker, er könnte mir vermutlich mit aller Leichtigkeit das Genick brechen. Also, wieso sollte ich Angst haben? Ha ha! Natürlich waren das Dinge, die einem Angst einjagen konnten, aber ich lebte um meinen Spaß zu haben. Wissen anzusammeln. Letzten Endes wollte ich doch auch wissen, wie weit ich meinen Boss treiben konnte. Weit konnte ich ihn aber offensichtlich nicht treiben. Mir war bewusst, dass er sich nun nicht mehr zusammenreißen konnte. Ausnahmsweise hatte ich aber eher Interesse daran, einen Plan auszuhecken, anstatt ihn zu reizen. Immerhin würde er in sein Verderben stürzen. Konnte ich das zulassen? So gerne ich mir auch ansehen würde wie Goli-chan als kalte Leiche auf dem Boden verwest, so konnte ich es dennoch nicht einfach so zulassen. Zum einen gehört dieser Typ mir. Er war mein Exempel dafür, wie interessant ein Gottkomplex sein konnte. Er war mein Subjekt das ich studieren würde. Er hatte einen interessanten Charakter. Ich würde nicht zulassen, dass ihn jemand tötete bevor ich nicht jedes noch so kleine Detail kannte. Danach konnte er meinetwegen in der nächsten Gasse verwesen. Während er vielleicht eines Tages als Säufer auf der Straße endete, würde ich mein Leben in vollen Zügen genießen. Ich war nicht so dumm mir keine Rücklagen zu schaffen. Aber vermutlich hatte Goliath diese genauso gut. Und wenn nicht, wäre es mir absolut egal. Ich liebte Menschen, was nicht hieß, dass ich Goliath persönlich mochte. Was aus ihm werden würde, war mir gleich. Schlussendlich würde ich ihn wohl eher aufsuchen, um mir sein Elend anzugucken. Jetzt aber. Jetzt durfte er noch nicht sterben. Er musste leben. Ich brauchte ihn noch.

Als der Schlag folgte war Shirley bereits in voller Alarmbereitschaft. Wehrte sich mit aller Kraft, um von meinem Arm zu springen und Goliath ins Gesicht zu springen. Und ich wusste, sie würden kratzen, beißen und ihm einen Flammenwurf ins Gesicht feuern, wenn sie das schaffte. Gnade? Das Wort war diesem Pokémon fremd, wer mich verletzte der hatte ein mächtiges Problem namens Shirley an der Backe. Aber ich konnte wiederum auch nicht zulassen, dass sie meinen Boss flambierte. Nun, können schon, aber ob es so günstig war, war eine andere Sache. Das kleine Igelavar war rasend und ich hielt es mit aller Kraft - die nicht viel war - fest, damit es sich nicht auf Goli-chan stürzte. Tja und damit war es geschehen. Normalerweise wäre ich wohl eher ausgewichen, dann wäre Goliaths Faust wohl in der zerstörten Tür stecken geblieben, aber da Shirley so herumzappelte und ich sie irgendwie in den Griff kriegen musste, blieb das glorreiche Ausweichen leider aus. Ich versuchte es natürlich, aber so traf er wenigstens meine Nase nicht. Hätte er sie getroffen, so wäre sie wohl definitiv gebrochen gewesen. Stattdessen erwischte er mich an der Wange und eines musste man ihm lassen, Kraft hatte er. Es war ein so kräftiger Schlag, dass ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, während der Schmerz durch die Wange pochte und der Kopf zu dröhnen begann. Aber natürlich war das nicht genug. Ich hatte mich ja ausgerechnet vor die Tür stellen müssen, knallte nun ausgesprochen ungeschickt mit dem Hinterkopf auf den Türknauf und konnte ein schmerzliches Aufstöhnen nicht mehr unterdrücken. Das würde Kopfschmerzen geben. Starke, starke Kopfschmerzen.

Ich saß vor der Tür auf den Boden, lehnte mich vor und rieb mir beinahe hektisch den Hinterkopf. Im Grunde eine unnötige Geste. Dadurch gingen die Schmerzen schließlich nicht weg. »Ouch... hätte nicht gedacht, dass jemand härter zuschlägt als mein Vater. Sicher, dass du nicht noch zutreten willst?« Ein Grinsen huschte über mein Gesicht. Eine Mischung aus Schmerz und völliger Zufriedenheit. Ah, Schmerzen bedeuteten Leben. Natürlich hatte ich Shirley bei meinem Sturz los gelassen. Sie war fast schon Katzenartig auf allen Vieren gelandet und knurrte nun Goliath an. Bereit, ihm ins Gesicht zu springen und zu kratzen, zu kratzen und zu kratzen. Doch stattdessen öffnete das kleine Pokémon sein Maul. Glut? Glut?! Ich hatte damit gerechnet, dass sie ihm ins Gesicht sprang, nicht damit, dass sie ihn gleich mit einem Flammenwurf begrüßen wollte. Oh ja, meinetwegen konnte sie seinen aller Wertesten flambieren, wenn sie Lust dazu hatte. Meinetwegen konnte sie auch so kräftig reinbeißen, dass Goliath nicht mehr sitzen konnte. Meinetwegen konnte sie ihm auch die Nase abbeißen, aber wollte sie den ganzen Raum abfackeln? Ich schnappte mir schleunigst das kleine Pokémon und hielt ihm das Maul zu, damit sie ja nicht anfangen würde Feuer zu spucken. Doch Shirley in ihrem Wahn hatte nicht die Intention ihre Flammenwurf zurückzuhalten. Stattdessen feuerte sie drauf los, obwohl ich ihr die Schnauze zu hielt. Und so war es letztlich mein eigenes Pokémon, dass mir einen lauten Aufschrei entlockte, als die eigene Hand eine unglaubliche Hitze zu spüren bekam. Schleunigst warf ich das kleine Pokémon von mir fort. So plötzlich, dass sich das Pokémon nicht mehr fangen konnte und ein Stückchen über den Boden rollte, bis es vor der Wand zum Stehen kam und sich benommen aufrichtete, sich kurz schüttelte, nur um sich dann verwirrt umzuschauen.

Ich atmete heftig ein und aus. Ja, die Schmerzen konnte man mir ohne Zweifel ansehen, als ich meine Hand betrachtete. Ich hatte Glück. Ich hatte unverschämtes Glück! Keine Brandblasen, nichts, keine schweren Verbrennungen. Bloß Verbrennungen ersten Grades, die höllisch schmerzten. Wahrscheinlich hatte Shirley sich im letzten Moment doch noch zurückgenommen hatte den Flammenwurf lediglich nicht mehr aufhalten können. Das hieß, die Verletzung war reversibel. Sie würde heilen und keine Spur zurücklassen, ganz so, als wäre nie etwas geschehen. Ich war froh, dass davon keine Narben zurückbleiben würden. Narben waren hässlich. So etwas wollte ich doch nicht! »Pff... PFAHAHAHAHAHAHAHA!!« Ich stieß ein viel zu lautes Lachen aus, während ich wie ein kleines Kind auf dem Boden saß. Mein Kopf schmerzte, meine rechte Hand schmerzte umso mehr und ich würde sicherlich zig blaue Flecken davontragen und trotzdem konnte ich nicht anders, als zu lachen, auch wenn ich diese Art der Schmerzen nicht unbedingt mochte. »Scheiße tut das weh...« sagte ich und grinste mehr als nur zufrieden, während mein Pokémon zu mir herüber hüpfte und mich besorgt ansah. Wie dumm war dieses Vieh eigentlich? Ich schleuderte es in die nächstbeste Ecke und es sorgte sich trotzdem noch darum, ob es mir gut ging. Wirklich. Der Begriff "treudoof" war mit großem Abstand ihr gewidmet. Ich suchte mit der linken Hand Halt, um aufstehen zu können und versuchte es auch ganz vorsichtig. Wenn ich meinen Körper so bewegte, fiel mir sogar auf, dass er durch und durch schmerzte. Ich hätte doch besser sitzen bleiben sollen. Egal wie viele Schmerzen meinen Körper durchzuckten - und bei Gott, ich hielt wirklich nicht viel aus - mein Grinsen wich nicht von den Lippen, während sich Shirley bedrückt und entschuldigend an mein Bein schmiegte. Am liebsten würde ich Goli-chan weiterhin reizen, letzten Endes konnte ich es aber nicht.

Naaah! Ich wollte ihn reizen! Ich wollte ihn wütender sehen! Aber wenn ich es nicht langsam ernst meinte, würde er mit Sicherheit in sein Verderben rennen. Vielleicht würde er schlussendlich uns all das antun, was mit diesen Typen vorhatte. Und mit uns meinte ich mich und Hikari. Meinetwegen konnte er ihr den Schädel einschlagen, andererseits war sie ebenso interessant und wurde noch gebraucht. »Abreagiert?« fragte ich und versuchte mich auf den Beinen zu halten, während das Schwindelgefühl mich überkam. »Geeze, Goli-chan, hör doch einmal auf deine Izanagi!« schimpfte ich fast schon. Verdammt! Ich konnte es einfach nicht lassen! »Niemand hat was davon, wenn du in dein Verderben rennst. Ist ja nicht so, dass wir dich hintergehen wollten. Was hätten wir davon?« Ich seufzte leise. »Also bitte, Boss. Bitte mit Zuckerguss obendrauf? Muss ich "bitte bitte" sagen, damit du dich wieder setzt und wir uns einen Plan aushecken können? Oder soll ich auf die Knie fallen? Letzteres werde ich sicher nicht tun, nur damit du es weißt.« Auf die Knie fallen, so weit kommt's noch. Das wäre das letzte, was er von mir jemals erwarten konnte. Eher warf ich mich freiwillig in ein Becken voller Kanivanha. »Ich kauf dir auch eine Packung von diesen ekeligen Keksen die du so magst, okay? Ich verzier sie sogar mit einer Schleife, wenn's sein muss. Oder ich kaufe dir einen Boxsack zur Aggressionsbewältigung, wäre das was?« Es würde mich nicht wundern, wenn Goli-chan erneut zum Schlag ausholen würde. Ob ich dann allerdings noch stehen konnte, war wiederum eine ganz andere Sache. Mein ganzer Körper schmerzte, meine Rechte schrie förmlich vor Schmerz und mir war so schwindelig, dass ich glaubte gleich auf den Boden zu stürzen, wenn ich auch nur einen Schritt machte. Allerdings wollte ich es doch wieder genau wissen. Ich wusste einfach nicht, wann ich besser Schluss machte und musste doch einen Schritt wagen, nur um mit voller Wucht auf den Boden neben Goliath zu knallen. Zumindest hatte ich kein Interesse daran, gegen ihn zu knallen. Dann würde er nämlich dafür sorgen, dass ich noch schmerzhafter auf den Boden knallte. Und Shirley, dieses dumme Vieh, hatte nichts Besseres zu tun, als auf meinen Rücken zu klettern, sich hinzulegen und sich mit ihrem Kopf an mich zu schmiegen. »Uff... schnell, ruft einen Notarzt, ich sterbe!« jammerte ich. Wehleidig wie eh und je und musste schlussendlich auch noch Niesen. Ja, natürlich musste sich meine Erkältung wieder verdeutlichen! Und als wäre das nicht genug, jagte mir jeder Nieser einen wahren Schwall aus Schmerzen durch den Körper.

Ich stöhnte laut auf und rührte mich keinen Millimeter mehr. »Jaaa~! Ich sehe schon das Licht! ... Oh nein... das ist doch nur die Lampe.« murmelte ich. Ich zuckte zusammen, als mein Igelavar plötzlich aufsprang und selbst das Zucken ließ meinen Körper vor Schmerz glühen. Das mein Pokémon sich dazu entschlossen hatte, auf mir herum zu trampeln tat aber nicht minder weh. Schleunigst kletterte das kleine Pokémon aber von mir herunter und fuchtelte mit seiner Nase in meinem Gesicht rum. Ich mochte es nicht. Ich mochte es ganz und gar nicht. Und kaum wollte ich erneut das Wort erheben, spürte ich Shirleys Zunge, die sich kurzer Hand dazu entschlossen hatte, mir einmal quer durchs Gesicht zu lecken. Mir lief ein kalter Schauder den Rücken hinunter. »Shirley!« mahnte ich und das Pokémon wich einen Schritt zurück. »Gott... kannst du das nächste Mal sanfter zuschlagen? Ich glaub mein Kopf explodiert gleich... aber Goli-chan will ja unbedingt in sein Verderben rennen!« jammerte ich gespielt beleidigt und zog einen Schmollmund. »Sie haben mehr Waffen, als du jemals gesehen hast! Und wenn du dir diese Kerle schnappst ist diese Bande vorgewarnt. Und wenn du dann in ihre Falle tappst...« Ich formte die Finger zur Pistole und hob meinen Arm Richtung Goli. »POW POW!!« machte ich und ließ den Arm gleich wieder sinken, während sich Schmerz auf meinem Gesicht zeichnete. »Und wenn sie vorgewarnt sind, schleichen sie sich eines Nachts rein, wenn Ethan Wachdienst hat, weil sie wissen, dass er eh immer während der Dienstzeit schläft und... POW POW!! Dann stirbt zuerst Hi-chan und dann das Prinzesschen und dann du. Oh, falls du daran denkst, Ethan einfach vom Nachtdienst zu streichen... sie haben ihre Quellen. Hm, vielleicht solltest du ihm mal einen Schlag versetzen. Er verhaut zumindest so ziemlich jeden Job.« Schmerzen hielten mich ganz sicher nicht vom Reden ab. Eigentlich so ziemlich im Gegenteil. Ich konnte eh nichts tun außer auf dem Boden rumliegen und das tat ich auch, solange, bis mein Körper irgendwann aufhören würde zu schmerzen. Zumindest war der Teppich weich.

»Davon abgesehen haben diese Typen Spionagekameras eingeschlichen. Oh, vielleicht haben sie auch welche im Frauenbad platziert. Zumindest sahen sie aus, als hätten sie es bitter nötig. Solltest du wutentbrannt aus deinem Büro stürmen, merken sie es schneller als du glaubst. Ich weiß wo sich diese Kameras befinden, aber... Mh, weißt du eigentlich wie weich dieser Teppich ist? Oh~ Hi-chan, reich mir eine Decke!« Und so schnell konnte man wieder vom Thema ablenken. Nun, eine Decke wäre tatsächlich nicht schlecht. Mir tat alles weh, mir war schwindelig und ich konnte ohnehin keinen Zentimeter mehr gehen. Ich bezweifelte nur, dass mir Goli-chan diese Auszeit gönnen würde. »Also geh schon, Goli-chan!« meinte ich dann, ehe ich wieder zu Grinsen begann. »Sie wissen sofort Bescheid, wenn du dich ihnen näherst, sie werden verschwinden und eines Nachts werden sie zurückkommen und dich erschießen, wenn du seelenruhig in deinem Bettchen schläfst. Schließlich kannst auch du nicht ewig wach bleiben. Also hopp! Renn raus! Ich such mir derweil eine Organisation mit intelligenterem Boss. Ahahahahaha!« Ein Lachen unterdrücken? Ich? Niemals! »Hm, nein nicht wirklich. Ich bin zumindest kein Verräter.« seufzte ich. Nicht die ganze Wahrheit, aber immer noch die Wahrheit. Izanami's Wrath würde ich nicht verraten. Ich würde hier und da vielleicht mal ein bisschen Zwietracht säen, wenn es möglich war, aber verraten würde ich die Organisation nicht so schnell, dafür bot sie mir zu viel. »Oh du schnöde Welt! Jetzt werden loyale Untergebene schon von ihrem Boss geschlagen! Das tat weeeeeh!!« Ich jammerte und jammerte und jammerte. »Hiii-chaaan!« summte ich laut. »Lauf weg solange du noch kannst. Ich habe mich sowieso schon immer gefragt, warum gleich zwei Frauen im Vorstand sitzen und dann auch noch so Junge. Lauf, Hi-chan, lauf, wahrscheinlich hat Goli-chan die Kameras im Frauenbad installiert!« Wobei ich nicht einmal wusste, ob sich dort wirklich Kameras befanden. Denkbar war es. Ich hatte mir aber auch nicht die Mühe gemacht rein zu gehen und nach zu sehen. Meinetwegen sollten sie vor sich hin quietschen, wenn sie Kameras entdeckten. Ich interessierte mich nicht für Körper, sondern für Persönlichkeiten. Ich wäre wohl der erste der einer Frau ein Handtuch ins Gesicht schleudern würde, wollte sie sich entblößen. Anders als andere Männer, die dem lieber hinterher sabberten. Was brachte das überhaupt?

»Goli-chan! Wie kannst du nur die armen Frauen in ihren intimsten Momenten ausspionieren? Was im Frauenbad ist, muss im Frauenbad bleiben!« Ich versuchte mich vorsichtig wieder aufzurichten, stützte mich mit den Händen ab, während die Brandwunde mir wieder verdeutlichte, dass sie eine war. Und trotzdem schaffte ich es, mich aufzurichten, auf dem Boden zu hocken und mich mit der linken Hand am Boden abzustützen, während ich benommen durch den Raum sah. »Agh, mein Kopf tut weh...« sagte ich und hielt mir schlussendlich mit beiden Händen den Kopf. Mein Kopf pochte schmerzend vor sich hin, meine Rechte kreischte und ich konnte mit meinen Augen kein klares Bild erfassen. Nein, stattdessen war alles verschwommen. Ich glaubte sogar Hi-chan doppelt zu sehen. Das war die Art von Schmerzen, die ich nicht mochte. Ich hasste es, wenn mein Kopf pochte, wenn ich verschwommen sah. Jede andere Art des Schmerzes begrüßte ich, viel mehr noch psychische Folter, aber nicht meinen Kopf! Den brauche ich doch noch! »Schmerztabletten? Biiiiitteee?« fragte ich und klimperte ach-so-lieb mit den Wimpern, bevor ich versuchte, wieder aufzustehen. Und kaum stand ich - Gott allein wusste wie ich das nur bewerkstelligt hatte - taumelte ich vor mich hin und ruderte mit den Armen in der Luft, um mein Gleichgewicht nicht wieder zu verlieren. Shirley beobachtete mich mit ihren großen besorgten Augen und beinahe hätte ich zu ihr gesagt 'Alles in Ordnung, Mama.' Doch anstatt mit meinem krankhaft verliebten Igelavar zu sprechen, dass sich nun Sorgen um mich machte, drohte ich wieder zu stürzen. Dabei stolperte ich genau in Goli-chans Richtung und sah mich gedanklich schon wieder auf dem Boden liegen. Brutal nieder gedrückt von einem mordlustigen Goliath. Aber vielleicht hatte ich auch Glück und er würde einfach zur Seite weichen. So wäre der Aufprall sicher angenehmer, als niedergedrückt zu werden. So oder so sah ich mich schon wieder auf dem Boden liegen. Auf dem weichen Teppich, der für den Rest des Tages sicherlich mein bester Freund sein würde.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:28 am


  Fifth
      Post #5



◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
◊ Kalakabara Kotatsu
Eingang zum Izanami's Wrath HQ
-- Silberberg

Das ganze Geschehnis entwickelte sich viel zu schnell, als das ich groß etwas tun konnte. Noch bevor ich mich auch nur entschieden hatte, ob ich mich überhaupt noch weiter einmischen sollte, passierte schon eines nach dem anderen und ich konnte lediglich mit großen Augen zusehen. Goliath hob seinen Arm, ballte seine Hand zur Faust und schlug Sia, der neben der mächtigen Gestalt meines Bosses noch kleiner aussah, als er es sowieso schon war, zu Boden. Ja, er flog regelrecht. Und das er sich danach noch regen konnte, grenzte schon fast an ein Wunder. Schätzungsweise hatte ihn meine Zustimmung nur noch wütender gemacht... Nicht gut. Allein bei der Vorstellung, selber so einen Schlag abzukommen, traten mir schon fast die Tränen in die Augen. Oh Gott, oh Gott, ich wollte hier nur noch weg. Warum ich?! Fast empfand ich schon Mitleid mit Siavash, aber anderseits hatte er es ja wirklich darauf angelegt. Vielleicht war ihm dieser Schlag ja eine Lektion, vielleicht würde er sich jetzt endlich besinnen und- ach, wovon träumte ich eigentlich Nachts? Was für ein Schwachsinn. Der Informant würde sich sicher niemals ändern, dafür war er viel zu durchgeknallt für diese Welt. Hatte ich nicht recht? In diesem Moment hielt eben dieser aus einem Grund, der mir vorerst nicht ersichtlich war, seine Hand vor das Maul seines Pokemons. Erst kurz darauf, wurde mir bewusst, was los gewesen war. Scheinbar hatte es Goliath angreifen wollen... Na, dann war er ja wenigstens schlau genug, um zu wissen, das er seinen sowieso schon sehr gereizten Boss nicht auch noch verletzen sollte. - Egal ob es von ihm selber oder von seinem Partner ausging. Der dunkelhaarige betrachtete kurz seine Hand, und dann tat er etwas, was mir entgültig bestätigte, das er nicht mehr ganz dicht war. Er lachte einfach drauf los, und das lauter denn je. Meine Nackenhaare stellten sich auf und ich trat langsam einen Schritt zurück. Beängstigend. Das-war-beängstigend! Wer lachte schon, wenn er solche Schmerzen erleiden musste? Das war doch nicht mehr normal! Was sollte das nun bitte wieder werden? Und als er dann weiter sprach, überkam mich das übermächtige Verlangen mit dem Kopf voran gegen eine Wand zu rennen, um das ganze weitere nicht mehr miterleben zu müssen. Aber stattdessen rühre ich mich nicht von der Stelle. Er reizte ihn weiter, konnte sein Vorlautes Maul nicht halten, sich scheinbar kein bisschen zusammenreißen. Ein verdammt guter Informant hin oder her - das ging langsam wirklich zu weit. Mein letztes Restchen Mitleid verschwand und ich konnte nicht anders als Angst zu bekommen. Angst vor Goliaths Reaktion, Angst davor das das sich in die vollkommen Falsche Richtung weiter entwickeln würde und Angst davor, was mein Boss noch mit mir anstellen würde. Was sollte ich denn machen? Wenn ich mich einmischen würde, dann würde ich so enden wie Siavash, aber wenn ich nichts tun würde, dann... Verdammt! Dieser Kerl hatte es beim besten Willen nicht verdient, das ich meinen Hintern für ihn hinhielt! Er hatte sich das selbst eingebrockt, dann sollte er doch mal sehen, wie er da wieder heraus kam! Nicht mein Problem! Trotzig verschenkte ich die Arme vor der Brust und beobachte den weiteren Verlauf der Dinge.

Ich sollte ihm eine Decke bringen? Was sollte das? Ganz sicher würde ich jetzt nicht irgendwo nach einer Decke suchen... nein, ich ignorierter seine absurde Bitte. Was er erzählte schürte meine Angst nur noch mehr, und ich wurde das Gefühl nicht los, das die ganze Situation immer verfahrener wurde. Goliath würde sich sicher nicht aufhalten lassen. Schon gar nicht von solch provozierenden Worten. Nein, es würde so enden das Siavash halb tot am Boden lag und mein Boss ab rauschte, ihm vermutlich kein Wort glaubte oder mit seinem Größenwahn davon ausging, das alles wäre absolut kein Problem für ihn. Für Sia tat es mir nicht Leid - nun gut, vielleicht ein bisschen. Viel mehr interessierte mich aber, das es auf die ein oder andere Art damit enden würde, das auch ich mein Fett weg bekommen würde. Entweder ich starb durch die andere Organisation und Goliaths unbedachtes Handeln, oder ich überlebte und musste ein neues Leben beginnen oder ich tat jetzt etwas und musste Goliaths Strafe über mich ergehen lassen. Was war da wohl das beste? Die Chance, das ich leben hier raus kommen würde, sobald mein Boss diesen Raum verlassen hatte, war laut Siavash scheinbar ziemlich gering. Und sterben wollte ich gewiss nicht. Also musste ich ihn wohl aufhalten, denn der mittlerweile erneut auf dem Boden liegende Informant war dazu sicher nicht mehr in der Lage. Aber warum, verdammt, hörte er nicht damit auf, ihn noch wütender zu machen! Das machte alles doch nur noch schwerer! Ich sollte abhauen? Wenn er wüsste, wie gerne ich das tun würde. Aber es ging nicht, das war mal sicher. Und meinen - unseren - Vorgesetzten derweil zu beschuldigen, er würde Kameras im Frauenbad verstecken - was ich übrigens nicht glaubte, da ich meine Umgebung immer sehr genau in Augenschein nahm, und das bestimmt gemerkt hätte - half-mir-dabei-auch-nicht-weiter! Langsam staute sich Wut in mir auf, und verdrängte meine Angst vorerst in einen hinteren Teil meines Körpers. Dieser verdammte...!

»JETZT SEI DOCH ENDLICH MAL STILL!«, brüllte ich ihn an, was sicherlich überraschend kam, da ich mich die ganze Zeit über mehr im Hintergrund gehalten hatte. Wenn er noch weiter reden würde, würde das uns alle nur in Schwierigkeiten bringen! Zornig machte ich ein paar Schritte durch den Raum, bis ich neben Goliath stand. Genau im gleichem Moment machte auch Sia einen Schritt irgendwo hin, allerdings fehlte ihm scheinbar die nötige Kraft dafür und er stürzte ein weiteres Mal zu Boden. Wann war er eigentlich wieder aufgestanden? Eigentlich egal, das dumme war nur, das er genau auf unseren Boss zu fiel - oder eher gesagt auf mich, da ich nun dort aufgetaucht war. Meine Augen weiteten sich, doch ich reagierte nicht mehr schnell genug und schon spürte ich, wie der Informant mich halb mit zu Boden riss. Ein spitzer Schrei entfuhr mir und kurz bevor ich fiel, stolperte ich - wohl darauf bedacht, nicht auch noch Goliah zu berühren - durch den ganzen Raum erneut zurück, bis ich irgendwann eine freie Stelle an der Wand erreichte und mich dagegen presste. Mein Herz schlug schneller, meine Hände zitterten und meine Augen waren größer denn je. Vorsichtig sah ich an mir hinunter. Er hatte mich berührt, er war halb auf mich gefallen. Ich schluckte schwer. Ausgerechnet er. So ein ekelhaftes Gefühl. Mengen an Adrenalin schossen durch meinen Körper und mir wurde abwechselnd heiß und kalt, meine Finger krallten sich in die Wand hinter mir. Absolutes Desaster. Eigentlich hatte ich Goliath aufhalten wollten, aber nun war es ganz anders gekommen. Dankeschön Siavash. Ein weiterer Grund ihn zu hassen. ER MACHTE ALLES KAPUTT! Doch nun war ich nicht mehr in der Lage, irgendetwas zu tun, der Schock hatte mich verspätet gelähmt und es würde sicherlich etwas dauern, bis ich mich wieder beruhigt hatte.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:28 am

VIII - Goliath, Siavash & Hikari
Volltreffer. Meine faust traf ihr Ziel. Prall vor Wut schlug sie direkt auf Siavashs Wange auf und würde ihre grausamen, tiefen Spuren hinterlassen. Der Tsukuyomi fiel zurück. Mein Schlag hatte ihn so hart erwischt, dass er sich nicht einmal mehr auf den Beinen halten konnte. Schwächlich knallte er gegen die Tür hinter sich und bekam dadurch noch einen deftigen Stoß auf den Hinterkopf dazu. Das war meine Stärke! So hart, so wunderbar konnte wahrlich nur ein Gott angreifen. Dieser Kinnhaken könnte sich garantiert mit der Poer eines Nockchan messen, oder gar mit der Kraft eines Machomei! Nein. Das war nicht genug. Meine Stärke beschränkte sich nicht nur auf das Niveau eines Pokemon. Ich war unschlagbar! Egal ob Mensch oder Pokemon, niemand konnte es mit mir aufnehmen. Ich war der oberste König. Unbezwingbar und göttlich.
Ich senkte den Kopf und schaute von eben herab auf meinen Untergebenen herab, der hilflos am Boden lag. Heulend, wie ein kleines Kind, krauchte er vor mir rum. Er war nichts weiter als ein Winzling. Ein kleiner Zwerg, den ich mit einem Schlag besiegt hatte. Ich musste nichts weiter als ein Riese für ihn sein! So gewaltig und gigantisch wie Mimir, wenn er einem Taubsi gegenüber stand. Es war diese pure Überlegenheit, die ich in diesem Moment empfand. Das Wissen darum, dass Siavash mir nichts anhaben konnte. Er mag ein guter Freund der Worte sein, doch an Kraft fehlte es ihm. Und diese Macht war auf meiner Seite. Wer brauchte schon Worte, wenn man Stärke hatte? Nicht nur der Tsukuyomi war mir hilflos ausgeliefert - Jeder. Jeder auf dieser Welt musste zu mir aufblicken. Bald schon würde jeder da draußen wissen, wer das mächtigste Geschöpf weit und breit war! Meine Augen blitzen auf, als ich in Siavashs Gesicht blickte. Ob er diesen Blick fürchtete? Ob er mich nun fürchtete? Natürlich nicht. Dieser Verrückte würde es niemals verstehen. Veratand er nicht, wie unantastbar ich war? Konnte er nicht begreifen, dass nicht jeder so ein verlogener Schwächling ist wie er? All diese Fragen wurden mir mit einem Mal beantwortet, als der Kerl mich vorwitzig dazu aufforderte, ihm zu dem schönen Schlag gleich noch einen ordentlichen Tritt zu verpassen. Eigentlich eine grandiose Idee! Aber als er diese Aussage mit einem widerlichen Grinsen untermalte, beschloss ich es dabei zu belassen. So wie ich ihn kannte, würde ihn das wahrscheinlich viel mehr ärgern, als wenn ich meine Wut noch weiter an ihm auslassen würde.
Als dann auch noch sein Pokemon angetappt kam, das immerhin einen ziemlich grimmigen Blick hatte, wurde mir nur umso bewusster wie groß meine Vorherrschaft doch war. Dieses winzige Vieh versuchte ernsthaft mir etwas anzutun. Wie lächerlich! Von mir aus könnte es mich angreifen, ich würde es einfach ausschalten, genau wie ich es mit seinem Trainer gemacht hatte. Daraufhin war es schon fast etwas enttäuschend, als Siavash sein Igelavar zurückhielt. Als wenn dieses kleine Ding ernthaft in der Lage gewesen wäre MIR etwas anzutun. Umso belustigender war es dann aber, als Siavash die Attacke seines Partners selbst abbekam und nun einige Verbrennungen davontragen musste. Ein Glücksgefühl durchströmte mich, als er aufschrie. Wie ich es liebte, wenn Menschen vor Schmerzen schrien! Es war wie Musik... Ich genoss es, wie das Geräusch in meinen Ohren widerhallte, selbst wenn es die schreckliche Stimme des Tsukuyomis war. Selbst bei ihm bewirkten dieses Gejammer wohl wahre Wunder. Doch leider hielt diese Ansicht nicht lange an. Denn schon im nächsten Moment gingen seine Schreie in Gelächter über. Schrilles, lautes, ekliges Gelächter! Ich trat einen Schritt von meinem Untergeben weg und starrte ihn an. Was für ein schreckliches Geräusch! Am liebsten hätte ich mir die Ohren zugehalten, doch ich tat es nicht. Was wäre ich schon für ein Gott, wenn ich darauf so heftig reagieren würde? Also ließ ich es über mich ergehen und merkte nur, wie mein Ekel dem Informant gegenüber größer und größer wurde. Er war schon immer abstoßend gewesen, doch nun hatte er sich auf ein neues Level begeben.

"Pfff"

Angewiedert wandte ich mich von meinem Untergebenen ab und trat ein paar Schritte zurück in den Raum. Ich hätte einfach die Tür nehmen können, um mich auf die Verräter zu stürzen, doch viel lieber sah ich dem Schwarzhaarigen noch einen Augenblick länger beim Leiden zu. Die Folter, die er für seine Respektlosigkeit bekommen würde, war damit natürlich nicht aufgehoben. Das wäre ja gelacht! Trotzdem machte es mir Spaß zu sehen, wie sich der Tsukuyomi schwerfällig wieder aufrappelte. Ich war sichtlich überrascht, dass er das wirklich bewerkstelligt hatte. Doch nun begann er wieder zu reden. Ich hatte gehofft, dass er nicht mehr dazu in der Lage wäre. Doch anscheinend konnte er doch mehr einstecken, als ich erwartet hatte. Vielleicht würde ich ihm bei nächster Gelegenheit die Stimmbänder zerschneiden? Die Informationen könnte er auch auf anderen Wegen übermitteln. Doch die Worte, die der Kerl von sich gab, ließen mich wieder erbeben. Wollte er mich ernsthaft weiterhin davon abhalten diese Verräter niederzumetzeln? Hatte er wirklich den Willen dazu, dieses Anliegen immer noch durchzusetzen? Ich konnte es nicht fassen. Gerade wollte ich das Angebot von vorhin aufgreifen und doch noch einen Tritt nachlegen, da schien sich der Tsukuyomi in letzter Sekunde zu retten. Kekse? Das hörte sich eigentlich gar nicht so schlecht an. Und ein Boxsack war auch nicht unbedingt übel. Doch ich brauchte nicht lang, um wieder zur Besinnung zu kommen. Kekse konnte ich so viele haben, wie ich wollte und auch einen Boxsack könnte ich mir einfach so in meinen Trainingsraum hängen lassen. Damit konnte mich der Knirps garantiert nicht locken. Gerade holte ich zum Tritt aus, da erledigte sich die Sache auch schon wieder von selbst. Mein Untergebener war einige Schritte nach vorne getaumelt und dann wieder zu Boden gefallen. Und das alles nur wegen EINER MEINER Schläge! Natürlich hielt es ihn immer noch nicht vom Reden ab. Wie schrecklich. Trotzdem kamen auch ein paar wichtige Informationen aus seinem Gerde hervor. Überwachungskameras also. Pff. So kleine Teile könnten jemanden wie mich doch nicht davon abalten, diesen Feinden ein Ende zu bereiten! Trotzdem sollte ich einen Suchtrupp losschicken, der alle Geräte findet und entfernt. Nicht vorzustellen, was geschehen würde, wenn geheime Planungen an die Außen welt gelangen würde. Genau deswegen mussten diese Maden auch so schnell wie möglich außer Gefecht gesetzt werden. Wieso ließen sie mich nicht einfach gehen? ICH BIN IMMERHIN IHR BOSS, WAS SOLLTE MIR SCHON ZUSTOßEN?Wieso waren sie, nein. Warum war Siavash nur so widerspenstig?? Er konnte es nicht lassen! WIESO NUR? Schon anhand des Untertons in seiner Stimme konnte ich hören, dass er wieder irgendetwas sagen würde, um mich zu provozieren. Doch diesmal würde ich ihm diesen Triumph nicht gönnen. Doch wie viele Male trieb er es bei seinen Ausführungen wieder zu weit.
"Hmrgh?!", entfuhr es mir, als der Informant mich beschuldigte irgendwelche perversen Absichten zu haben. Die Schamesröte stieg mir ins Gesicht. Nicht, weil ich es wirklich gewesen bin, eher im Gegenteil. Das Ganze war einfach nur absurd! WIESO SOLLTE ICH DO ETWAS NÖTIG HABEN??? Ich musste ruhig bleiben. Ich würde ihm nicht noch einen dieser Triumphe gönnen. Ich. Musste. Ruhig. Bleiben. Mein ganzer Körper war angespannt vor Zorn. Dafür würde er die nächsten Wochen auf der Folterbank verbringen, das schwor ich mir. Ich tat einen Schritt auf ihn zu und baute mich vor ihm auf. Vielleicht hätte ich mich nicht zurückhalten können und hätte ihn erneut geschlagen, wenn nicht plötzlich die lauten Rufe meiner Izanagi die Situation unterbrochen hätte. Wütend, wie ich sie noch nie erlebt hatte, schrie sie Siavash an. Leicht beeindruckt blickte ich sie an. Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Also war sie doch zur Vernunft gekommen! Ich wusste, dass ich mich doch auf meine rechte Hand verlassen konnte. Ob ich ihr das Widersprechen von vorhin doch noch verzeihen konnte? Als ich meinen Kopf dann wieder herumschwenkte, erkannte ich plötzlich, dass Siavash sich ein weiteres Mal aufgerichtet hatte und nun auf mich zu getaumelt kam. Gleich würde er zu Boden fallen und ich hätte kein Problem damit, dabei ein wenig nachzuhelfen. Doch auf einmal tauchte die Izanagi von der Seite auf und hielt den Informant von mir ab. Beide fielen vor mir nach hinten, wobei sich Hikari noch gerade vor einem Sturz und einem Zusammenprall mit mir bewahren konnte. Mit einem schrillen Schrei hüpfte sie zur gegenüberliegenden Wand. Etwas perplex drückte sie sich dagegen und starrte mit weit aufgerissenen Augen zu mir hinüber. Ihr scheinbarer Schock interessierte mich reichlich wenig, trotzdem entschied ich mich sie zu verschonen. Doch einer würde nicht davonkommen. Die Person, die nun gerade vor mir auf dem Teppich lag. Ich bückte mich zu ihm herunter. Erbärmlich! Einfach nur erbärmlich wie er dort lag! Ich hätte schnurstraks den Raum verlassen und meinen eigentlichen Plan wieder in die Tat umsetzten können. Ein besiegter Informant und eine perplexe Vize könnten mich wohl schlecht davon abhalten. Doch egal wie gerne ich nun durch die Tür spaziert wäre, ich konnte einfach nicht. Nach meinem kurzfristigen Wutausbruch, war ich nun wieder zur Besinnung gekommen. Um ein wahrer Gott zu werden, brauchte ich diese Organisation. Egal wie stark ich selbst auch war. Ich konnte es mir nicht leisten durch Unvorsichtigkeit zu sterben, auch wenn mich meine ungeheure Kampfeslust dazu drang. Trotzdem wollte ich mir dieses Gefühl von Überlegenheit nicht so einfach nehmen lassen. Musste halt jemand anderes herhalten. Und der beste dafür war wohl der gute Tsukuyomi, der eh mehr tot als lebendig auf dem Boden lag. Ich packte ihn am Kragen seines Shirts und zog ihn nach oben. Keine sonderlich schwere Aufgabe, immerhin war ein winziges, schlaksiges Etwas. So hatte ich ihn nun im Schwitzkasten und hielt ihn von mir weg. Fast schon wie einen Siegerpokal für ein Wettrennen. Mit finsteren Blick funkelte ich ihn an. Natürlich hatte ich keine Lust etwas zu sagen. Es nervte mich alles aussprechen zu müssen. Doch anders würde mich der Kerl wohl nicht verstehen.
"Erzähl von dem Plan. Ich weiß, dass du einen hast!", murmelte ich also etwas unverständlich, ohne den Blick auch nur eine Sekunde von ihm abzuwenden. Und so schnell würde ich ihn auch nicht wieder runterlassen. Immerhin musste ich noch etwas Vergleichbares zu dem wunderbaren Gemetzel finden, dass ich wegen ihm nicht veranstalten konnte...



SIAVASH KING
& Goliath & Hikari # 9

Schon zeigten sich Hikaris Berührungsängste, aber sie musste sich ja ausgerechnet nehmen Goliath stellen. Selbst schuld. Sie war zurück gesprungen, wirkte nun beinahe schon völlig verstört. Diese Ängste waren interessant. Ich suchte eine Begründung. Warum hatte sie solch starke Ängste? Natürlich mochte ich es auch nicht, wenn man mir zu Nahe kam. Eine Angst war es jedoch nicht. Ich für meinen Teil war nun abermals wieder auf dem Boden gelandet und glaubte schon fast, mein Körper würde sich taub anfühlen. Noch einmal konnte ich mich sicherlich nicht wieder aufraffen. Manchmal nervte es mich an wie schwach ich körperlich doch war. Aber nicht zuletzt führte es dazu, dass man mich unterschätzte. Und wie interessant waren doch die Gesichter, wenn man merkte, dass der unterschätzte Zwerg gar nicht so harmlos war. Was hatte ich nicht schon alles erlebt. Hassschwüre, Morddrohungen, versuchten Mord. Und immer hatte ich mich irgendwie wieder hinaus gewunden. Ich war flink, konnte geschickt ausweichen und selbst wenn nicht, mochte ich wenigstens Schmerzen, doch nicht diese quälenden Kopfschmerzen. Schmerzen, ja! Aber nicht mein Kopf, verdammt! Dann hatte Hikari auch noch so schreien müssen. Ein Königreich für eine Kopfschmerztablette! Scheinbar konnte Hi-chan aber doch mal lauter werden. Ob ich sie auch so reizen konnte, dass sie ihre Fassung verlor? Ein interessanter Gedanke. Wirklich. Vielleicht konnte ich es ja irgendwann einmal probieren. Sie reizen. Sie wütend machen. Ihr den Boden unter den Füßen wegreißen. Vielleicht sollte ich bezüglich Hikari noch ein paar Nachforschungen anstellen. Nicht nur ihre Persönlichkeit analysieren, sondern auch ihre Familie genau unter die Lupe nehmen. So genau, dass sie sich noch fragen würde, ob ich ihre Familie persönlich kenne. Wie weit würde ich sie damit treiben können? Ob sie sich überhaupt für ihre Familie interessierte? Welche Gefühle lösten diese Familienmitglieder wohl aus? War es Geborgenheit oder Verachtung? Vielleicht eine Mischung aus Enttäuschung und Hass. Ich würde all diese Informationen in der Hand haben. Irgendwann. Sobald ich eine ruhige Minute bekam, würde ich jemanden auf ihre Familie ansetzen.

Weit konnte ich daran aber noch nicht denken. Der Boss hockte sich zu mir auf den Boden und ich ahnte, was er vor hatte. Wenige Augenblicke später hing ich in der Luft, hochgezogen an meinem eigenen Shirt. Am Liebsten hätte ich ihm ins Gesicht gelacht, doch erstmal versuchte ich meine pochenden Kopfschmerzen zu ignorieren. Ich musste es Wohl oder Übel. Hatte ich im Moment eine andere Wahl? Entweder ich schwieg Goli-chan an und riskierte damit mehr Prügel - gegen die ich eigentlich nichts einzuwenden hätte, wären da nicht meine Kopfschmerzen - oder ich plauderte meinen kleinen Plan aus und hatte vorerst Ruhe, sollte Goli-chan mich nicht sofort in seine kleine Folterkammer stecken, was allerdings hieß, dass ich mit Hi-chan nicht shoppen gehen und meinen Kunden treffen konnte. Verdammt. Heute Abend hatte ich den Termin! Ich nickte schließlich zaghaft. Natürlich hatte ich einen Plan. Ich hob beide Hände, platzierte sie auf Golis Hand, die mich am Kragen festhielt, um Halt zu finden. In der Luft hängen war immerhin unbequem. Außerdem wollte ich es vermeiden, noch einmal so unsanft auf den Boden zu landen. Schlussendlich wäre es mir wohl egal gewesen. Selbst, wenn der Schmerz in meinem Kopf pochte. Schmerzen bedeuteten Vergnügen. Für mich zumindest. Warum auch immer ich es mochte, ich mochte es einfach. Glaubte Goli-chan wirklich, mich mit Folter bestrafen zu können? Nein, das war viel eher eine Belohnung für mich. Zuckerbrot und Peitsche? Peitsche und Peitsche wohl eher. Ich schloss kurz meine Augen und holte tief Luft. Ja, einen Moment lang schwieg ich vor mich hin, behielt die Augen geschlossen und versuchte vergeblich die Kopfschmerzen in einen kleinen Käfig meiner Gedankenwelt zu sperren. »Shirley.« sagte ich. Sicherlich nicht das, was Goli-chan hören wollte, doch das kleine Igelavar hatte sich wieder bereit gemacht, meinen Boss jeden Moment mit einem Flammenwurf anzugreifen. Ob er das bemerkt hätte? Ich seufzte und öffnete meine Augen wieder, um Goli-chan anzusehen. Ja. Ja, es war Zeit ernst zu werden, selbst wenn ich es hasste. »Natürlich habe ich einen Plan. Und hey, ich weiß doch wie gern du diese Typen fertig machen willst. Deine Pokémon dürfen ihren Spaß haben!« Ich grinste. Ja, egal wie ernst ich versuchte zu sein, ein amüsiertes Lächeln lag stets auf meinen Lippen und wollte patu nicht weichen. Und gleichzeitig funkelte schiere Neugierde in meinen Augen. Schiere Vorfreude.

»Würdest du einfach so auf die zwei los marschieren, die sich eingeschlichen haben, wäre diese Bande gewarnt, also muss man zuerst diese Bande ausschalten. Ich weiß, dass sich ihr Versteck in einem alten Lagerhaus befindet. Und das wird ihre eigene Falle.« meinte ich. Ja, wenn das eigene Versteck zur Todesfalle wurde. Loderndes Feuer und eine bebende Erde würden diese Bande in Angst und Schrecken versetzen. Für mich sprang sogar eine Menge dabei raus. Skrupellose Verbrecher, die in ihrer Todesangst zur Verzweiflungstaten greifen würden. Angst hatte Unmengen an Gesichter. Manche fingen an zu betteln, andere nahmen ihre Beine in die Hand, wieder andere verloren ihren Verstand. Ich wollte sehen was diese Verbrecher im Angesicht ihrer größten Angst tun würden. Natürlich hatte ich längst meine Finger im Spiel. Ein Treffen stand an. Ja, diese Typen hatten mich tatsächlich kontaktiert. Hatten geglaubt, ich würde jede Gelegenheit nutzen, Goliath zu töten. Versprachen mir, dass sie ihn töten würden, würde ich ihnen einige Informationen zukommen lassen, die für sie unerreicht waren. Nein, ich war kein Verräter. Ich log diesen lausigen Verbrechern lediglich etwas vor. »Es ist ganz einfach. In wenigen Tagen - es wäre nebenbei schön, wenn ich dann noch laufen könnte - habe ich ein Treffen in eben jenem Lagerhaus. Ist das zu fassen? Sie vertrauen mir! Natürlich habe ich mich vorher erkundigt, ob es wirklich ihr Versteck ist und das ist es. Sie wollten Informationen von mir, die sie niemals bekommen werden. Allerdings habe ich ihnen gesagt, ich würde ihnen diese Informationen nur mitteilen, wenn sie vollzählig sind.« Natürlich hatte ich ein wenig getrickst, um mir ihr Vertrauen zu erschleichen. Habe ihnen ein paar delikate Informationen zukommen lassen, Informationen, die sie allerdings schon kannten. Natürlich bekamen sie dadurch das Gefühl, sie könnten mir vertrauen. Wie einfältig. »Oh, natürlich kenne ich die Namen und Gesichter sämtlicher Mitglieder dieser Bande. Also ist es ein leichtes für mich, sicherzugehen, dass auch wirklich alle da sind.« Ich stöhnte, als sich die Kopfschmerzen wieder deutlich bemerkbar machten und hielt einen Moment inne.

Das machte es ungemein schwerer, meinen Plan zu erläutern. »Also... ngh...« begann ich und hielt schließlich erneut inne, ehe ich noch einmal tief Luft holte. »Sobald ich drin bin, positionierst du dein Magmar vor den Haupteingang. Es gibt lediglich zwei Eingänge. Das große Tor, also den Haupteingang und eine Hintertür. Ich weiß wie stark die Flammen dieses Pokémon sind, also darf es diese dämliche Lagerhalle abfackeln. Nun, zumindest das große Tor anzünden. Damit diese Idioten aber auch merken was vor sich geht, muss ein Erdbeben her, aber das dürfte kein Problem sein, nicht? Das Lagerhaus ist ziemlich brüchig, also würde das Gebäude nach und nach in sich zusammen fallen. Da der Hauptausgang von Flammen umhüllt ist, müssen sie Wohl oder Übel den engen hinteren Ausgang nehmen, wo du mit deinen restlichen Pokémon auf sie lauerst. Im Übrigen würde sich dabei Hi-chans Roserade mit Stachelspore ganz gut machen, damit diese Typen, sollte einer unerwartet doch entkommen, es nicht sehr weit bringen. Und wenn das erledigt ist, kann man getrost all die Kameras entfernen, die hier herumlungern. Wir hätten den Überraschungsmoment definitiv auf unserer Seite.« Ich legte den Kopf in den Nacken und starrte mit pochendem Kopf an die Decke. Das Licht der Lampen blendete mich ein wenig, weshalb ich die Augen zur Hälfte schloss. »Ah, stell nur sicher, dass ich auch lebend rauskomme. Wäre doch schade, wenn ich dich nicht mehr mit Informationen versorgen könnte.« Ein breites Grinsen schlich sich in mein Gesicht, ein leises, hinterhältiges Kichern. »Ah, ich kann nicht fassen wie dumm sie sind. Ein paar klitzekleine Lügen und schon vertrauen sie mir!« Ich kicherte erneut. Voller Vorfreude. »Was sie wohl für Gesichter machen werden? Ne, Goli-chan, meinst du sie fallen vor dir auf die Knie und winseln um Gnade?«

Ich würde jedes noch so erschrockene Gesicht genießen. Sie wüssten nicht, was mit ihnen geschah. Es würde sie treffen wie ein Schlag. Unerwartet. Würden in ihrem Vertrauen vollkommen enttäuscht werden, aber wie konnte man mir auch vertrauen? Solange Izanami's Wrath mir Schutz bot, würde ich den Teufel tun, diese Organisation zu verraten. Natürlich hatte ich Informationen preisgegeben, doch bloß welche, die diese Bande bereits hatte. Nein, solange ich diese Organisation brauchte, abhängig von ihr war, konnte Goliath sich sicher sein, dass ich nichts preisgeben würde. »Gnade! Oh, Gnade!« äffte ich die erhoffte Situation nach. »PFAHAHAHAHAHA!!« Ich brach wie schon so oft in schallendes Gelächter aus. Ah, es war so aufregend! Und dann verstummte ich augenblicklich. »Ah~ mein Kopf! Goli-chaaaan, ich sterbe! Hilf mir!« forderte ich. Und diese geforderte Hilfe nannte sich Schmerztablette. Warum musste es so etwas wie Kopfschmerzen überhaupt geben? Das machte das Denken schwer und es war die Art von Schmerz, die ich nicht mochte.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:29 am


  Sixth
      Post #6



◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
◊ Kalakabara Kotatsu
Eingang zum Izanami's Wrath HQ
-- Silberberg

Verzweifelt bemühte ich mich, tief ein und aus zu atmen. Mein Atem zitterte und mein Herz schlug mir bis zum Hals - ich bekam schon Angst es würde gleich einfach hinaus hüpfen. Ein stupser mit einem Finger war schlimm und widerwärtig genug. Aber dann gleich sein halber Körper der gegen meinen prallte und mich beinah mit zu Boden riss? Mal ganz abgesehen davon, wer das gewesen war? Das war einfach zu viel. Mein ganzer Körper war verkrampft und ich konnte mich kaum rühren, geschweige denn klar denken. Wie durch Watte beobachtete ich, wie Goliath siegessicher den am Boden liegenden Siavash betrachtete, mich nicht sonderlich beachtete, sich umdrehte und ein paar Schritte durch den Raum machte, nur um kurz darauf wieder zurück zu dem Informanten zu gehen und irgendwelche Laute ausstieß, die ich nicht verstand. Vermutlich waren es gar keine Worte gewesen, also auch nichts, was ich verstehen musste... Mein Boss packte die scheinbar halb tote Person am Kragen seines Oberteiles und hob ihn mit Leichtigkeit in die Luft, wo er nun vollkommen hilflos schwebte. Nun, vielleicht nicht ganz hilflos, denn er hatte noch sein Igelavar, was so aussah, als wollte es Goliath jeden Moment in Flammen baden, doch erneut wurde es von seinem Trainer - dieses Mal nur mit Worten - in Schach gehalten. Sicherlich funkelte der Blick des Anführers nun voller Überlegenheit und Siegessicherheit, da war ich mir ziemlich sicher, auch ohne sein Gesicht ansehen zu müssen. Von meiner jetzigen Position aus erkannte ich sowieso nur seinen breiten Rücken... Und einen Moment überkam mich selbst in meinem Momentanem Zustand so etwas wie Bewunderung für Siavash. Das er, selbst nach diesem Schlag und in seiner momentanen Situation noch so ruhig bleiben konnte, war erstaunlich. Ich wäre längst am Ende... Goliath war so was von einschüchternd... Aber anderseits würde ich auch niemals in so eine Situation geraten, da ich es niemals wagen würde, ihn derart zu provozieren.

Erneut probierte ich tief durch zu atmen, und langsam, ganz langsam, begann ich meine verkrampften Finger zu lockern und von der Wand zu lösen. Es war vorbei, ich hatte Abstand zwischen mich und die anderen beiden gebracht, ich lebte noch. Es war alles okay. Das musste ich mir nur immer wieder sagen. Mir war nichts passiert, es war okay. Ich konnte, ich musste, mich nun wieder beruhigen. Langsam, und mit noch immer zitternden Händen, fuhr ich mir ein Mal durchs Gesicht und sank dann an der Wand hinunter zum Boden, wo ich meine Beine anwinkelte und meine Arme um meine Beine schlang. Dann lenkte ich meine Konzentration wieder auf Siavash und Goliath, auch um mich von dem so eben geschehenen abzulenken. Das mein Vorgesetzes den Plan hören wollte, war doch gut, oder? Jetzt wo der Informant außer Gefecht gesetzte war, und sich niemand mehr ihn in den Weg stellen konnte, stürmte er wieder meine Erwartung nicht einfach heraus. Hatte er die Gefährlichkeit der Situation etwa verstanden? Ehrlich gesagt bezweifelte ich das irgendwie. Sicherlich gab es einen anderen Grund für sein bleiben, aber das war mir auch egal, Hauptsache war, das er blieb und zumindest im Moment nichts unüberlegtes tat. Ich lehnte meinen Kopf zurück und schloss meine Augen und hörte einfach nur noch den Worten des Informanten zu, der nun seinen Plan erläuterte. In meinen Ohren klang er fast narrensicher. Fast.

Man wusste nie, nicht wahr? Man wusste nie, ob Goliaths Nerven doch noch durch brannten und er irgendetwas anderes tat, als abgesprochen, man wusste auch nie ob auch nur eins meiner Pokemon tat, was ich ihnen befahl. Es war nie gut sich auf sie zu verlassen. Und so gesehen ging Siavash ein ziemlich großes Risiko ein, denn die Chance, das er unversehrt da raus kam war irgendwie klein, wenn man alles, was passieren konnte, mit einbezog. Aber gut, das war sicherlich nicht mein Problem. Mich interessierte nur, das ich auch irgendetwas tun konnte, und nicht nur dumm daneben stand. Vielleicht würde ich ja probieren Traunfugil mal wieder im Kampf einzusetzen... Falls es dazu kommen würde und Goliath nicht alle mit einem Mal nieder walzte. Ob er mir im Falle des Falles erlauben würde ein wenig mit zu mischen, oder würde er der Auffassung sein, er würde das schon alleine gebacken bekommen? Ersteres wäre mir aus zweierlei Gründen wirklich lieber.. Aber scheinbar hatten wir ja noch ein paar Tage Zeit um alles genau auszuarbeiten. Ein paar Tage.... Ich sollte ein paar Tage hier herum laufen, die ganze Zeit von den Gedanken begleitet, das hier ein paar Kameras versteckt waren? Und wenn ich eine entdeckte? Sicher würde ich sie nicht entfernen dürfen, das würde den Plan zerstören... Vielleicht würde ich für die nächsten Nächte draußen übernachten oder so. Irgendwo anders zumindest... nicht hier, wo überall Kameras lauern konnten. Aus irgendeinem Grund schrecklich erschöpft hob ich meinen Kopf und öffnete meine Augen wieder.

»Wie viele werden es ungefähr sein?«, fragte ich sicherheitshalber noch ein Mal nach. Sicherlich waren es nicht ansatzweise so viele wie die Mitgleider von Izanamis Wrath, aber ich wollte trotzdem eine ungefähre Zahl vor Augen haben. Dann konnte ich mich wenigstens schon etwas darauf vorbereiten... Garantiert konnte mir Siavash sogar eine ganz genaue Zahl nenne, so wie ich ihn kannte. Und wie hatte er es selber ausgedrückt? Er kannte jedes Gesicht der Bande? Irgendwie schon erstaunlich wie viele und präzise Infos ein einzelner Mann in seinem Gehirn speichern konnte, ohne auch nur ein einzelnes Detail zu vergessen. Ich würde so was nie im Leben schaffen, aber das musste ich ja auch nicht. Dafür gab es glücklicherweise Menschen wie Sia... In Gedanken versunken und auf eine Antwort wartend rappelte ich mich langsam wieder auf und wäre am liebsten ein Mal schreiend im Kreis gelaufen, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich brauchte einen Adrenalin Schock! Ein Abenteuer! Irgendetwas spannendes! Ich konnte vielleicht... Mein Blick ruhte kurz auf einem ganz bestimmten Pokeball, doch dann verwarf ich den Gedanken schnell wieder. Das beste wäre einfach, wenn ich ganz schnell hier raus und an die frische Luft kommen würde. Ungeduld erfüllte mich und ich trat von einem Fuß auf den anderen.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:30 am

IX - Goliath, Siavash & Hikari
Ich war so unglaublich stark! Schon seit einiger Zeit hielt ich den Tsukuyomi nun schon in der Luft und ich spürte noch kein Anzeichen von Müdigkeit im Arm. So viel Kraft, so viel Stärke, so viel Macht konnte wirklich nur einer haben - Ich! Und während ich meinen Untergebenen so baumeln ließ, machte mir nicht einmal mehr sein Grinsen etwas aus. Er war ein hilfloses Waumpel und ich der Jäger, dem es willenlos ausgeliefert war. Dieser Verrückte würde sich meiner Authorität nicht entziehen können. Ich liebte diese Überlegenheit. Ich liebte es, die Menschen vollkommen hilflos zu sehen. Und bor allem liebte ich es, wenn alles nach meinem Plan ging. Ich sollte alle Regeln und Gesetze der Welt aufstellen und jeder - egal ob Mensch oder Pokemon - würde sich meiner Herrschaft unterwerfen müssen! Ich wäre der oberste König, der, der über Schuld und Unschuld schlichtet. Mir könnte nichts und niemand etwas anhaben und ich könnte meinen Weg gehen, ohne irgendjemand, der sich meiner widersetzt. Und bereits jetzt war ich ein Herrscher. Nicht der Gott der Welt, das noch nicht, aber der Gott dieser Organisation. Alles hier drin hörte auf mein Kommando! Es war mein Team und ich brauchte es. Auch, wenn es schwer zuzugeben war. Ich brauchte die Leute auf meiner Seite. Leute, die an mich als Gott glaubten. Denn wenn es kein Glauben geben würde, gäbe es auch keinen Gott. Aber das war nicht sonderlich schwer. Menschen für sich zu gewinnen konnte so einfach sein, wenn man seine Macht spielen ließ. Denn der Glaube musste nichts positives sein. Man könnte die Leute auch einfach zwingen. Mithilfe von Angst! Ja! Jeder sollte vor dem Namen Goliath erzittern!!! Niemand würde es wagen mich in Frage zu stellen. Niemand. Nicht einmal mehr dieser Siavash!
Trotzdem musste ich zugeben, dass der Plan nicht übel klang. Es war nicht nur, dass ich meinen Spaß dabei hätte, die völlig perplexen Feinde in den Boden zu stampfen. Es gab sogar noch die Möglichkeit, dass dem Tsukuyomi bei seinem ach so genialen Plan etwas zustieß! Ich würde nur zu gerne dabei zusehen, wie er in dem Haus verbrannte. So etwas nannte man wohl zwei Bibor mit einer Klatsche schlagen. Natürlich alles verpackt als tragischer Unfall... Vor meinen Augen tauchte schon das Bild des brennenden Gebäudes auf und die Schreie des Informanten. Wie wunderbar das doch wäre! Leider war der Boden der Tatsachen nicht weit weg. Wie immer in diesen Fantasien wurde mir klar, dass ich ihn brauchte. Ich konnte ihn bei einem solchen Vorfall nicht drauf gehen lassen, auch wenn es ein perfekter Anlass wäre. Dafür war er zu gut. In der Folterkammer würde er trotzdem landen. Selbst, wenn Schmerzen ihn nicht quälten, Spaß machte es trotzdem. Viel schöner wäre es natürlich, wenn es ihm zuwider wäre Aber ich war mir sicher, dass es irgendwo da draußen auch einen Weg gab Siavash leiden zu sehen. Und damit meinte ich nicht nur Kopfschmerzen. Die waren zwar ein kleiner Triumph für sich, aber bei Weitem nicht genug. Ich brauchte etwas, dass ihn wirklich quälte. Und ich würde es finden, so viel war sicher.
Vorfreude machte sich in mir breit. Diese pure Lust alles niederzumetzeln, was sich mir in den Weg stellte. Drei Tage... Ob ich so lange warten könnte? Wahrscheinlich würde ich davor wieder in die Berge gehen und irgendwelche Steine zertrümmern. Ob ich mir den Boxsack wirklich zulegen sollte? Ein guter Zeitvertreib wäre es zumindest. Ich könnte mir jedoch auch einfach irgendwelche Rokubanme bereitstellen lassen, die als meine Gegner fungieren würden. So hätte ich sogar doppelten Spaß! Am besten gleich dieser Ethan... den musste ich eh noch bestrafen... Während ich so darüber nachdachte, begann Sia, der immer noch im Freien baumelte lauthals zu Lachen. Das erste Mal, bei dem ich den Grund nachvollziehen konnte. Es würde ein Spektakel werden! Und die Gesichter würden das Sahnehäubchen sein! Gewinsel, Schrei, Gnaderufe! Wunderbar!!! Das Grinsen fand den Weg zurück in mein Gesicht. Ich funkelte meinen Untergebenen an und schleuderte ihn von mir weg. Hoffentlich würde er erneut auf dem Kopf landen, damit seine Schmerzen niemals verschwanden! Sein Plan war gut, aber das hieß nicht, dass ihm die Strafen erspart blieben. Fürs erste würde ich ihn laufen lassen, aber bald schon würde er sich in der Folterkammer wiederfinden. Ob das heute oder morgen geschehen würde, wusste ich noch nicht. Jetzt wollte ich erstmal nichts anderes als Ruhe. Allein die Einsamkeit genießen. Ich schwenkte den Blick zwischen Siavash und Hikari hin und her. Langsam ging ich wieder um meinen Tisch herum und ließ mich im Drehstuhl nieder. Mit einem Seufzen lehnte ich mich schließlich zurück und grummelte:
"...Raus...!"
Ich hoffte, dass meine Anweisung klar war. Egal ob Hikari oder Siavash. Keiner von Beiden sollte sich nur noch eine Sekunde länger hier drin aufhalten, sonst würde sich wohl eines meiner perfekten Pokemon darum kümmern müssen. Um meinem Befehl Nachdruck zu verleihen, funkelte ich jeden noch einmal grimmig an und ließ mir dann einen weiteren Teller Kekse bringen. Nun könnte ich endlich die Ruhe genießen. Wohlverdient hatte ich sie mir ja wohl!


SIAVASH KING
      & Goliath & Hikari # 10

Ich räusperte mich zunächst, als Hikari die Frage stellte, wie viele es wohl sein würden. Gut, mit vielen konnte man nicht rechnen. Immerhin war es eine kleine, winzige, unbedeutende Bande, die man im Nu zerschmettern würde. Es waren nicht so viele, dass sie sonderlich gefährlich werden könnten, doch mit ihrer Bewaffnung machten sie die fehlenden Zahlen wieder wett. Natürlich wusste ich auch, das mein Plan einige Lücken hatte. Vielleicht würde Hikaris Roserade ja gar nicht auf sie hören, Aryan würde es im diesen Falle aber tun. Ein Stachelspore wäre effektiver, ein Konfustrahl meines Partners tat aber auch sein Übriges. Oh, natürlich konnten sie auch nach ihren Waffen greifen. Das würde sie gefährlicher machen, doch wie hoch stand die Chance, dass man von Flammen bedroht und durch ein Erdbeben ordentlich durchgerüttelt, nach Waffen greifen würde? Davon abgesehen konnte Shirley Rauchwolke einsetzen. Und was man nicht sehen kann, kann man schlecht erschießen. Wenn Goli-chans Pokémon dann noch Doppelteam einsetzen würden, wären diese Typen ohnehin deutlich abgelenkt. Sie würden sich unnötig mit Doppelgängern aufhalten. Natürlich hatte ich mir ein paar Möglichkeiten überlegt, sollte irgendetwas schief gehen. Ich war ja nicht bescheuert. Es würde zwar immer ein paar Dinge geben, die ich nicht einplanen konnte, aber ich war schließlich auch nicht allwissend.

Wie auch immer. Auf Hikaris Frage konnte ich gar nicht mehr eingehen, da schleuderte man mich schon wieder weg. Aber hatte ich von Goli-chan auch etwas anderes erwartet? Hach, er war so grob! Dass ich auf meinen Füßen landete würde ihn sicher ordentlich nerven. Ich hatte natürlich damit gerechnet, dass er mich nicht einfach so absetzen würde. Nein, so sanft konnte der werte Boss nicht sein. Anders würde ich es aber auch gar nicht erwarten. Er konnte nicht liebevoll oder nett sein, das war unmöglich. Tja, so unmöglich wie es fast schon für mich war. Der Unterschied war bloß, dass ich Menschen liebte. Ich liebte sie abgöttisch! Und Goliath, Goliath wollte bloß ein Gott sein. Solch ein lächerlicher Gedanke. Er würde niemals ein Gott werden. Egal, wie sehr er auch versuchte an Macht zu gewinnen. Aber zu sehen, wie er versuchte sein Ziel zu erreichen und dabei kläglich versagte war eine Genugtuung. Allein dieser Anblick war es wert, Izanami's Wrath voranzutreiben. Um irgendwann mit ansehen zu können, wie die kleinen Träume dieses ach so starken Mannes zerplatzten wie eine Seifenblase. Vielleicht würde man ihn eines Tages in Handschellen abführen. Und ich würde da stehen und ihn auslachen. Nach allen Regeln der Kunst. Er würde nichts, rein gar nichts dagegen tun können. Selbst, wenn man auch mit festnahm, solange ich Goli-chan verlieren sehen konnte, war es das wert.

Nein, ich wollte meine Freiheit ganz sicher nicht aufgeben. Davon abgesehen waren Leute wie ich ein gefundenes Fresschen im Knast. Ich war klein, zierlich, konnte mich wohl kaum gegen Muskelmänner wehren. Da würden mir keine Informationen mehr nutzen. Schließlich saßen sie alle schon im Knast. Wie sollte ich sie da schon drankriegen? Würde ich dann auf Goli-chans Hilfe hoffen können? Nicht im Geringsten. Er würde mich auslachen. Nichts weiter. Wenn die Organisation unter ging, würde auch ich unter gehen. Selbst, wenn man mich nicht festnahm. Wie sehr würden die Menschen nach dem Information Broker schreien, der eine große Organisation im Nacken hatte. Oh~ Das Leben konnte grausam sein! Aber genau deswegen, ja, deswegen war es lebenswert! Wer brauchte schon ein perfektes Leben mit Liebe, Liebe und Liebe? Hass war letztlich alles, was ich zum Überleben brauchte. Hass und meine Liebe zu dieser bemitleidenswerten Menschheit! Ich brauchte niemanden, der mich liebte. Ich kam auch ohne diese Liebe zurecht. Allein wenn mir Menschen Hass entgegenbrachten, hatte ich das Bedürfnis zu leben. Sie könnten mich zu Boden treten und als elendiges Waumpel bezeichnen, es wäre mir egal! Allein das wäre genug, mir zu wünschen, weiterleben zu dürfen. Selbst, wenn ich im Schatten lebte.

Hatte sich jemals jemand gefragt, warum ich ausgerechnet zu den Tsukuyomi wollte? Dieser Zwiespalt. Der Mondgott Tsukuyomi, der die Nahrungs-Kami Ukemochi erschlug. Amaterasu, die Sonnengöttin, die ihren Bruder auf Grund dieser Tat nie wieder sehen wollte. Tsukuyomi hatte die Abneigung seiner Schwester erfahren. Sie war angewidert von ihm. Und so wie Tsukuyomi Ukemochi erschlug, treibe ich die Menschen ins vermeintliche Unglück. Bringe sie näher an die wahre Bedeutung des Lebens heran! Da draußen gab es Menschen, die kein Übel kannten. Glücklich in ihren Tag hineinlebten und die Augen vor dem Übel verschlossen. Ich zeige ihnen dieses Übel. Werde dafür gehasst wie der Mondgott von seiner Schwester. Aber dieser Hass ist alles, was ich brauche. Alles. Alles, was ich brauche, um weitermachen zu können. Hass schmeichelt. Hass treibt mich an. Hass. Hass. Hass. Und ich durfte genug Hass erfahren! Kaum auszumalen würde jemand etwas anderes von mir denken. Ich seufzte schließlich, als Goli-chan befahl, wir sollten gehen. Zwar schmerzte mein Körper noch, aber zumindest die Kopfschmerzen hatten sich entschlossen zu verschwinden.

»Schon gut, schon gut, Goli-chan!« meinte ich und schnappte Shirleys Pokéball an meinem Gürtel, um sie wieder zurückzurufen. In einem roten Strahl verschwand sie daraufhin im Ball, den ich sogleich wieder an meinem Gürtel befestigte. Ich wanderte zum Sofa herunter, um mir meine Jacke zu schnappen und zog sie mir schleunigst wieder über, ehe ich mich an Hikari wandte. »Dann ruft unser Date!« meinte ich fast schon mit kindlichem stolz, als würde ich "Date" ernst meinen. Wie ein aufgeregter, kleiner Junge, der zum ersten Mal ein Mädchen mit nach Hause brachte. Bloß, dass es meine Eltern wohl niemals interessiert hätte. Ich hatte ohnehin noch nie eine Freundin und würde auch niemals eine haben. Ich liebte alle Menschen! Da konnte ich mich doch nicht auf einen beschränken! Ich huschte fröhlich zur Tür und drückte die Klinke hinunter, doch ehe ich Goli-chan den Gefallen tat, wandte ich mich auf dem Absatz um, starrte Goli-chan an und hob den Zeigefinger. »♫ Als Paar sind wir wie Hölle, nur völlig ohne Feuer. Wir zwei hab'n wirklich alles, aber keinerlei Chemie. Wir könnten ewig glücklich sein, aber leider sind wir's nie. Wir bräuchten etwas Abstand, so von hier bis nach Down Under. Ja wir zwei gehör'n für immer auseinander, wir zwei gehör'n für immer auseinander~ Wir sprengen mit unsrer Streiterei jede noch so nette Runde, das schaffen wir inzwischen locker in 'ner halben Stunde. Unsre Liebe ist so heiß wie ein defekter Toaster und wer uns zwei als Paar erlebt hat, geht sofort ins Kloster~ ♪♫« sang ich munter - und ich muss sagen, meine Gesangsstimme war nicht schlecht! - ehe ich Goli-chan spielerisch einen Kuss zuhauchte und lauthals zu lachen begann, bevor ich mich schleunigst wieder abwandte, ihm mit den Fingern ein Peace-Zeichen zeigte und hinaus rannte, damit er mir nichts hinterher schmeißen konnte. »Beeil dich, Hi-chaaaan~« rief ich noch.


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SIAVASH KING
& Hikari # 11

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Ich stolzierte glücklich grinsend durch die Passage, die Hände hinter den Rücken gehalten. Mit großzügigen, munteren Schritten. Im Grunde war ich oft hier. Ob ich nun jemanden beobachtete oder mich mit Kunden traf. Die Masse war ein sicherer Ort. Sicher und gleichzeitig gefährlich. Oh, und natürlich erledigte ich meine Einkäufe hier. Ja, auch ich kaufte ganz normal ein. Allerdings bezweifelte ich, dass Hikari oft her kam. Ich war mir nicht einmal sicher, ob sie zuvor überhaupt jemals hier war. Durch ihre Berührungsängste war es sicher hinderlich, sich an einem Ort aufzuhalten, der vor Menschen nahezu aus allen Nähten platzte. Nun, immerhin hatte sie eingewilligt und ich hatte ihr im Gegenzug etwas versprochen. Zwar schmerzte mein Körper noch, doch das hielt mich bestimmt nicht davon ab, munter durch die Passage zu stolzieren. Fast schon zu gut gelaunt, so dass ich die ein oder anderen Blicke einfing. Mir machte das generell aber nichts aus. Natürlich war zu viel Aufmerksamkeit in meinem Beruf schlecht, aber wenn ich nicht arbeitete, dann war es egal. Dann konnte ich so viel Aufmerksamkeit erregen wie ich wollte. Als ob es nicht schon auffällig genug wäre, wenn jemand mit einem Fernglas im Café sitzt, aber die breite Masse fand das heut zu tage sicherlich nicht mehr ungewöhnlich. Hier und da halfen ein paar Pokémon dabei, Waren in die Regale verschiedener Läden einzuräumen. Das Security Team hatte einige Fukano, die sich aufmerksam umschauten. Wie es nicht anders zu erwarten war.

Hier und da hingen sogar einige Palimpalim als Dekoration. Sicherlich auch ein netter Verwendungszweck für diese Pokémon, aber schließlich musste man ja nicht nur mit ihnen kämpfen. In vielen Läden hier halfen die Pokémon aus. Was war schließlich niedlicher, als von einem kleinen Pokémon bedient zu werden? Viele mochten es. Ob die Pokémon es aber mochten, war eine andere Sache. Darunter gab es jene, die sich rebellisch verhielten, andere, die augenscheinlich Spaß an ihrer Arbeit hatten. So oder so kümmerte es mich herzlich wenig. Sollten sie ihre Pokémon doch für niedere Arbeiten missbrauchen. Was hätte ich davon, mich für diese kleinen Geschöpfe einzusetzen, wenn sie keinen Nutzen für mich hatten? Ich hatte nichts davon den freundlichen Samariter zu spielen. Ohnehin würde ich niemals etwas dafür zurück bekommen, doch es war lustig zu sehen, wie manche Menschen öffentlich dagegen demonstrierten und von der Security davon gejagt wurden. Es amüsierte mich tatsächlich und es verdeutlichte mir immer wieder, warum ich Menschen so liebte. Wie grausam sie waren, obwohl sie die Kleider liebevoller, friedlicher Bürger trugen. Dennoch würden sie diese Masken irgendwann fallen lassen. Irgendwann. Dann würden sich die hässlichen Fratzen, die sich darunter befanden zeigen. Heuchlerische Fratzen, die ihre Hässlichkeit nur dadurch erlangt hatten, dass sie ihre Grausamkeit nicht eingestehen wollten. Davon abgesehen hatte ich hier doch schon die ein oder anderen, verzweifelten Mädchen getroffen.

Ich wandte mich Hikari zu und lächelte. »Warst du schon mal hier?« fragte ich sie offen heraus. Vermutlich hatte sie nicht einmal Lust, mit mir eine Runde shoppen zu gehen. Wahrscheinlich war es ihr hier ohnehin zu voll. Ich hob den Zeigefinger und grinste schließlich. »Enttäusch mich nicht, ja? Ich verlasse mich ganz auf deine weibliche Intuition!« Wenn ich daran dachte, dass ich mich heute Abend noch mit diesem Kunden treffen musste, verging mir bereits die Lust. Das würde eine Scharade vom Feinsten werden. Ich wusste, dass dieser reiche Schnösel, den ich heut Abend treffen würde, nichts Gutes im Schilde führte. Ich hatte Informationen besorgen sollen, wusste genau, dass er dazu neigte, seine Informanten aus dem Weg zu räumen. Ganz nach dem Motto "sie wussten zu viel." Und wie sollte ich es anders ausdrücken: Tatsache. Ich wusste tatsächlich zu viel. Ich war nicht so dumm, blind in eine Falle zu laufen. Vermutlich wusste er nicht einmal, dass ich meine Hausaufgaben gemacht hatte. Ich hatte mich informiert, hatte etwas gegen ihn in die Hand und würde heute Abend lebend sein Anwesen verlassen. Ansonsten bekäme er einige Schwierigkeiten. Nicht nur mit der Polizei, sondern ebenso mit seiner lieben Ehefrau. Und war er seine Frau los, so wäre er auch all sein Geld los. Die Geldquelle war immerhin die fleißige Geschäftsfrau. Mein Kunde hingegen vergnügte sich lieber mit jüngeren Damen, stopfte ihnen Geld in den Rachen und hatte seinen Spaß. Es wäre doch äußerst schade, würde ein gewisser Informant ein paar pikante Fotos an diese arme Geschäftsfrau weiterleiten.

Nun, um ehrlich zu sein, sobald ich mein Geld hatte, würde ich diese Bilder ohnehin weiterleiten. Das machte ihn weniger gefährlich für mich. Immerhin würde er mir wenige Tage später seine Gorillas auf den Hals hetzen und versuchen die Fotos zu ergattern. Aber das würde ich ganz sicher nicht zulassen. Oh, wie ich es liebte im Dreck anderer Leute zu wühlen! Ihre Keller zu durchstöbern und die Leichen ans Sonnenlicht tragen. So, dass jeder sah, was sich unter der hübschen Maske verbarg. Ich sagte es bereits, ich war kein Samariter. Ich würde seiner Frau diese Bilder auch nicht zukommen lassen, damit sie die Wahrheit erfuhr. Es könnte mir nicht gleichgültiger sein. Meinetwegen konnte sie ihr Lebtag daran glauben, ihr Gatte wäre treu und nur für sie da. Glücklicherweise war sie aber bereits misstrauisch. Sie hatte mich ebenso engagiert wie ihr Gatte. Ja, ich sollte herausfinden, wer die Affäre ihres Mannes war. Sie hatte es von Anfang an gewusst und ich sollte nun alles Mögliche herausfinden - und das hatte ich getan. Normalerweise würde man dafür einen Detektiven engagieren, aber da die Geschäftsfrau letztlich auch krumme Dinger drehte, war es doch weitaus sicherer für sie, einen Informanten wie mich zu engagieren. Ich war genauso in krumme Geschäfte verwickelt wie sie. Doch sie im Gegensatz zu ihrem Mann hatte nicht das erste Mal meine Dienste in Anspruch genommen. Sie würde mich wenigstens nicht gleich umbringen wollen.

Doch jetzt, jetzt wollte ich mich erst einmal auf die Sache konzentrieren, die nun vor mir lag: Die Shoppingtour mit Hi-chan. »Oh~ Hier gibt es ein außerordentlich gutes Café! Relativ teuer, aber gut! Lust nachher in dieses Café zu gehen? Die Rechnung geht selbstverständlich auf mich!« Es war ein Muss! Ein Besuch in diesem traumhaften Café, wenn ich hier war. Ob ich es schlussendlich allein besuchen musste oder ob Hikari mir Gesellschaft leistete. Dort gab es einfach den leckersten Schoko Cappuccino, den die Welt je gesehen hatte! Vielleicht konnte ich Hikari in einem lockeren Pläuschchen auch ein paar Informationen entlocken. Zumindest brannte mir eine Frage auf der Zunge, bei der ich mir fast schon sicher war, dass meine Vermutung stimmte. Mitsua. Mitsua Jiyū. Die Koordinatorin, die sich in Einall einen Namen gemacht hatte. In welcher Verbindung stand sie zu Hikari? Ist diese Koordinatorin ihre Schwester? Ich für meinen Teil glaubte daran und würde diesem Mädchen schon eine brauchbare Antwort entlocken. Schlussendlich würde ich es ja doch herausfinden. Selbst, wenn sie mich anlügen sollte. Zugegeben, ich mochte Pokémon Wettbewerbe nicht. In meinen Augen waren sie vollkommen sinnlos, so wie das Sammeln von Orden, aber ich hatte von dieser Koordinatorin gehört.

Wenn ich recht behielt und Mitsua ist Hikaris Schwester... ob sie dann auch im Schatten ihrer Schwester gestanden hat? Zumindest hatte ich zuvor nie von einer Hikari Kyoko Jiyū etwas gehört. Letztlich war es doch also durchaus möglich, dass sie in ihrer Kindheit hätte gedrillt werden sollen. Wie viele Eltern hatte ich nun schon gesehen, die Kindern ihren Lebenswunsch aufzwangen? Wie viele Kinder gab es, die im Schatten ihrer Geschwister vergessen wurden? Hikaris Wunsch. Ihre Persönlichkeit. Sie erschien mir zu lieb, zu naiv dafür, krumme Dinger zu drehen. Sie schien mir nicht die Art von Mensch zu sein, die andere gerne leiden sah. Sie schien mir keine Trickbetrügerin zu sein. Kein kaltherziges Monster, dass sich einem brutalen Gott verschreiben würde. Ihr Wunsch, fliegen zu wollen war letztlich etwas, dass mich überhaupt zu dieser Annahme verleitete. Fliegen. Fliegen war ein alter Traum der Menschheit. Der Inbegriff der Freiheit. Und welcher Mensch würde sich mehr Freiheit wünschen, wenn es nicht ein unterdrücktes, kleines Kind war? Schlussendlich hatte ich mich damals selbst nach der Freiheit gesehnt, auch wenn ich mich nicht an den Glauben klammerte, irgendwann fliegen zu wollen. Konnte ich nun auf eine Antwort warten?

Nein. »Ne, Hi-chan? Mitsua Jiyū...« begann ich. Tatsächlich schaffte ich es, einen neutralen Gesichtsausdruck hinzukriegen. Weder erfreut, noch sonderlich neugierig, noch gelangweilt. »Mitsua Jiyū... Bist du mit ihr verwandt?« Hatte ich einen Grund meine Frage hinter den Berg zu halten? Nein. Definitiv nicht. Diese Passage war überfüllt von Menschen. Sie würde nicht wegrennen können, ohne gegen jemanden zu laufen. Dafür war die Menge zu unvorhersehbar. Früher oder später würde sie gegen jemanden rennen und ihre Berührungsängste würden sie davon abhalten, mir zu entkommen. Davon abgesehen würde man sie ohnehin auch noch anpöbeln. Nun, natürlich konnte sie mich anschweigen. Dagegen würde ich nichts unternehmen können. Blieb bloß die Frage, ob sie mich nicht anlügen würde, doch sie musste mittlerweile wissen, dass ich an die Informationen kam, die ich wollte. Früher oder später. Sie konnte es lediglich ein wenig beschleunigen und angenehmer machen.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:31 am


  Seventh
    Post #7




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Einkaufsstraße
-- Dukatia City

« Chefzimmer
[Izanami's Wraht Hauptquartier -- Silberberg]

Der Informant kam nicht mehr dazu, mir eine Antwort zu geben. Oder er hatte sie überhört, oder, was ich gar nicht Mal für so unwahrscheinlich hielt, er ignorierte sie. Aber gut, so wichtig war es ja auch nicht, also verzichtete ich darauf, sie noch Mal zu wiederholen. Goliath hatte sich Sia derweil entledigt, in dem er ihn davon geworfen hatte, als wäre er ein Stück Papier das nun nicht mehr benötigt wurde. Dann setze er sich wieder hinter seinen Schreibtisch und ein kurzer Befehl von ihm reichte um mich kurz zusammen zucken ließ. Aber das ließ ich mir bestimmt nicht zwei Mal sagen! So schnell wie möglich wollte ich den Raum und die zwei Personen hier hinter mir lassen, aber natürlich war mir kein Moment der Ruhe gegönnt. Ich hatte mir gewünscht erneut ein wenig auf dem Silberberg herum zu klettern, den Wind zu spüren, und vielleicht hätte sich mir ja auch die Möglichkeit geboten ein paar Flugpokemon zu studieren. Die Vereinbarung mit Siavash hatte ich schon fast wieder vergessen, aber schnell wurde ich wieder in die harte Realität gezogen. Er hatte es natürlich nicht vergessen. Im Gegenteil, er schien es kaum noch abwarten zu können... Kurz erschien Enttäuschung auf meinem Gesicht, aber ich probierte mich damit aufzuheitern, das er mir dafür einen Wunsch erfüllen würde. Das war es schließlich wert! Vollkommen aufgeregt quietschte er irgendetwas von einem Date, was ich einfach überging, aber seine gute Laune steckte mich irgendwie an. Und als er den Raum dann verließ, nicht ohne Goliath noch ein Mal etwas auf die Palme zu bringen, nahm ich meine Beine in die Hand und sprintete ihm nahe zu hinterher, bevor es sich unser Vorgesetzter noch Mal anders überlegte. Leise schloss ich die Tür hinter mir, dann atmete ich ein Mal tief durch, ehe ich Siavash mit schnellen Schritten folgte. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, wo man finden konnte, was er brauchte, aber er schien schon ein festes Ziel vor Augen zu haben.

[...]

Als wäre es der beste Tag seines Lebens hüpfte der Informant nahezu durch die Einkaufsstraße von Dukatia City, die wir nun erreicht hatten. Man merkte ihm überhaupt nicht an, was eben geschehen war und seine Kopfschmerzen schienen auch schon wieder vergessen. Nun, meine gute Laune hatte sich fast vollständig wieder verflüchtigt, nach dem ich die Passage gesehen hatte. Das hatte er doch bestimmt mit Absicht gemacht! Es gab sicherlich auch dort Läden, wo sich nicht so viele Menschen an einem Ort tummelten. Aber nein, es musste ja hier sein, wo es fast unmöglich schien niemandem zu nahe zu kommen. meine ganze Konzentration galt nun dieser Aufgabe und ständig musste ich mich ziemlich stark verrenken, um auch ja keinen der Menschen hier zu berühren. Ein schweres Unterfangen, glaubt mir. Fast wurde ich schon wütend, als ich Siavash ungetrübte super Laune sah, aber ich probierte mich damit nicht entmutigen zu lassen. Ich würde ihm helfen irgendetwas auszusuchen und dann würde ich einen Wunsch frei haben... Und trotzdem tat sich in meinem Kopf die Frage auf: Warum? Misstrauisch beäugte ich den Informanten. Das er einen Anzug brauchte war bestimmt nur ein Vorwand für irgendetwas anderes... Und warum ging er so weit das er mir sogar einen Wunsch versprach, nur um mich auf so eine Shoppingtour zu schleppen? Wollte er meine Grenzen austesten, oder gab es da noch irgendetwas anderes? Eigentlich wollte ich es gar nicht wissen, war bestimmt nichts Gutes.

»Ein Mal, und nie wieder.«, gab ich offen zu, als er mich fragte, ob ich schon Mal hier gewesen war. Das stimmte auch, aber aus offensichtlichen Gründen hatte ich es seit dem vermieden, hier noch Mal hinzukommen. Generell brauchte ich eher selten etwas, was ich im Hauptquartier nicht bekam und was auch die Natur nicht her gab, und selbst wenn dieser Fall alle drei Jahre Mal eintrat dann besorgte ich es mir eben in irgendeinem kleinen, unscheinbaren Laden wo nicht so viele Leute herum liefen. Am liebsten würde ich irgendein Pokemon heraus holen, aber sicherlich würde das die Leute nicht dazu bewegen etwas Abstand von mir zu halten... Oder? Nein, vermutlich nicht. Ich hoffte nur, das wir bald ein Geschäft betreten würden, wo es nicht ganz so voll war wie auf dieser Straße. Wie konnte man das hier nur aushalten?! Bei der nächsten Frage zuckte ich nur mit den Achseln. Ehrlich gesagt wollte ich mich da nicht so festlegen, man wusste ja nie, was noch kommen würde. Und bei Sia erst recht nicht. Ehrlich gesagt sah dieses Cafe aber wirklich ganz nett aus, und das beste: Es war gar nicht Mal so voll. War sicher schön sich da etwas von den Menschenmassen zu entspannen... Unsicher was ich sagen sollte schwieg ich einen Moment, was aber auch daran lag, das ich gerade einen großen Bogen auf eine Gruppe von Leuten machte, ehe ich wieder zu Siavash stieß. »Jaah.. Mal sehen.«, meinte ich schließlich zu ihm. So konnte er mir zumindest nichts vorwerfen, wenn ich am Ende doch schnell die Flucht ergriff.

Langsam gewöhnte ich mich an die vielen Menschen um mich herum und wurde etwas entspannter, obwohl ich immer noch sehr stark darauf achtete, nicht berührt zu werden. Nun konnte ich mich auch des erste Mal richtig umsehen, und stellte fest, das diese Einkaufsstraße eigentlich ganz hübsch aussah, mit all den unterschiedlichen Geschäften. Auf welches steuerte Sia eigentlich zu? Nun, trotzdem war das hier auf Dauer wohl wirklich nichts für mich... Ein Name riss mich aus meinen Gedanken, ein ganz bestimmter Name, und perplex blieb ich einfach stehen. Woher wusste er das? Wir befanden uns in Johto, das war weit weg von Einall und... ich hatte nie mit irgendjemanden aus Izanami's Wrath über meine Vergangenheit geschweige denn über das, was sich Familie nannte, gesprochen. Niemals! Und das lag zu einem großen Teil daran, das ich sie vollständig aus meinem Leben verbannt und selber schon sehr lange keinen einzigen Gedanken mehr an sie verschwendet hatte. Sicherlich war es andersherum auch nicht anders... Woher wusste er es also? Und warum musste er es gerade jetzt ansprechen? Ein Rempler machte mir bewusst das ich noch immer mitten auf der Straße stand, doch anstatt wie sonst in Panik u verfallen bemerkte ich es gar nicht wirklich sondern holte nur schnell wieder zu Siavash auf. In meinem Hals hatte sich ein Klos gebildet, meine Brust schien wie zugeschnürt und ich schluckte schwer, während ich nach der richtigen Formulierung suchte. Ich wollte diese Frage nicht beantworten, aber ein schweigen wäre so viel wie ein Ja. Ein Nein wäre gelogen.

»Warum fragst du mich das?«
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:32 am

SIAVASH KING
& Hikari # 12







»Das heißt also Ja.« merkte ich an. Monoton. Gar nicht so amüsiert, wie man das von mir erwarten würde. Hikaris Reaktion hatte sie voll und ganz verraten. Wirklich. Das sie sich durch einen Rempler nicht zurück in die Panik begab und schwer schluckte, war alles, was ich wissen musste. Zum einen verriet es mir, dass sie nicht gewollt hatte, dass es jemand erfährt. Vielleicht wollte sie auch gar nicht mehr an ihre Familie denken. Jeder wäre stolz, eine solche Schwester zu haben. Ja. Wer träumt schließlich nicht davon, eine berühmte Persönlichkeit in der Familie zu haben? Für Hikari schien das aber mehr ein Fluch zu sein. Vermutlich hatte man ihr den Selben Weg aufzwingen wollen. Wenn das eine Kind erfolgreich war, sollte das Zweite genauso sein. Viele Eltern schienen so zu denken. Schlussendlich blieb das aber nur eine Vermutung, an der ich kaum zweifelte. Zum einen war ich in der Lage eins und eins zusammen zu zählen, zum anderen kannte ich diese Situation einfach. Zumindest eine Ähnliche. Immerhin war mein Bruder stets der liebe, kleine Engel gewesen. Ich? Ich war in den Augen meiner Eltern der kleine Teufel, der diesen niedlichen Engel verderben würde. Nun, vielleicht hätte ich das wirklich getan, wäre ich nicht abgehauen. Doch möglicherweise wäre niemals ein Teufel aus mir geworden, hätte man mir nur ein wenig, positive Aufmerksamkeit geschenkt. Eltern konnten grausam sein. Ob sie nun handgreiflich wurden oder die Psyche angriffen.

»Warum ich das wissen will?« harkte ich nach und zog gespielt einen Schmollmund. »Ach komm schon! Das liegt doch klar auf der Hand!« meinte ich und warf einen Arm in die Luft. »A-u-t-o-g-r-a-m-m! buchstabierte ich, schnellte mit dem Arm hinunter und zeigte auf Hikari, während ich sie anstarrte. Mehrere Augenblicke lang starrte ich sie schweigend an. Es musste klick gemacht haben, bevor ich mit den Armen wild gestikulierte. »Als Mitsua Jiyūs größter Fan, muss ich einfach ein Autogramm haben!« Natürlich eine Lüge, die ich noch dazu offensichtlich machte. Ich mochte Wettbewerbe nicht. Koordinatoren mochte ich noch viel weniger. In einigen Jahren würde sich schon niemand mehr an sie erinnern. Sie waren berühmt und würden schlussendlich doch verblassen. Sie würden in Vergessenheit geraten, wenn sie nicht etwas Großartiges erschufen. So etwas anzustreben war das Leben nicht wert. Man hatte sein Leben geschenkt bekommen und warf es mit so etwas Unsinnigem weg. Fatal. Fatal. Fatal! Viel eher doch konzentrierte man sich darauf, in die Geschichtsbücher einzugehen. Niemals, niemals würde man in Vergessenheit geraten. Dich mit so etwas Unsinnigem würde man niemals Geschichte schreiben. Ein weggeworfenes, verschwendetes Leben. Zeit, die man niemals zurück bekam. Leider Gottes wurden wir doch immer älter.

»Natürlich nicht. Wettbewerbe sind unsinnig.« sagte ich dann und verschränkte die Arme hinter meinem Kopf, ehe ich munter weiter ging. »Mitsua ist sicherlich deine Schwester, oder? Deine liebe, begabte Schwester, der du nacheifern solltest. Die du einholen solltest. Du solltest sie bestimmt übertreffen, oder? Du solltest noch bekannter werden!« Ich holte ohne Unterlass aus. Rücksicht auf Gefühle? Kannte ich nicht. Im Moment zumindest nicht. »Nun, ich gehe zumindest von Schwester aus, weil mir eine Cousine nicht glaubhaft genug erscheint. Fliegen ist letztlich ein Symbol der Freiheit, nicht? Sehen wir es als... Befreiung aus der Knechtschaft der eigenen Eltern! Ja!« Ich lachte auf. Knechtschaft. Ja, Knechtschaft traf es wohl ganz gut. Letztlich bemühte man sich, sie zufrieden zu stellen und wurde letztlich in die nächste Ecke gekickt, war nur dann von Bedeutung, wenn man einen Sündenbock brauchte. Dafür durften meine Eltern wohl den Hass all derer genießen, die mich kennenlernen durften. »Das erste Kind erbringt unglaubliche Leistungen, das Zweite schafft nichts Bewundernswertes und man fragt sich, warum. Oh, letztlich steckt doch in jedem ein Talent! Manche Talente zeigen sich nur nicht sofort. Manche sind erstaunlich, andere unscheinbar.«

Ich ließ meine Arme wieder sinken und glitt mit den Händen in meine Jackentaschen, ehe ich mit den Schultern zuckte. »Dein Wunsch, Fliegen zu wollen spricht für sich. Das deine Schwester - und ich nehme es einfach mal so an - sich einen Namen gemacht hat, ist auch nicht ganz ohne Bedeutung.« meinte ich dann. »Schließlich kommt kein Mensch "kaputt" zur Welt. Weder Goli-chan, noch du oder ich. Es ist das Umfeld das uns alle geformt hat. Unser Umfeld und unsere Persönlichkeit, doch selbst die Persönlichkeit formt sich erst im Laufe der Zeit, bis wir wahre Psychopathen unter unseren Mitmenschen haben.« Ich zog die Rechte aus meiner Jackentasche und winkte ab, während ich seufzte. »Ah, ich will aber keine Vorträge halten~ Wir sind "Kollegen", also was ist falsch daran, etwas über den anderen erfahren zu wollen?« Was so falsch daran war? Ich war Informant. Niemand, der sich die Probleme anderer anhörte, um ihm Mitleid zu schenken, sondern jemand, der sich die Probleme anderer anhörte, weil er sie verwenden konnte. Und weil es mich amüsierte. Einige Problemchen waren wirklich vorzüglich und zu sehen, wie sich viele auch noch hineinsteigerten, machte es umso erfreulicher.

»Ach ja, solltest du dich fragen, woher ich deine Schwester kenne... streng dein kleines, süßes Köpfchen ein wenig an. Erstens bin ich ein Information Broker, unterschätze niemals meine Quelle! Und zweitens... komme ich selbst aus Einall.« Ich kicherte. War es denn nicht offensichtlich? Zugegeben, ich hatte eine Kleinigkeit über mich verraten, aber allein mit der Information, dass ich aus Einall stammte, würde sie nichts anfangen können. Das ich aus der Schwarzen Stadt kam würde ich ihr sicherlich nicht unter die Nase reiben. »Mitsua war echt ein Star! Ich hatte teilweise Kunden, die von ihr schwärmten. Wie auch immer, ich muss gestehen, ihre Auftritte waren amateurhaft. Gegen Koordinatoren anderer Regionen hätte sie nicht den Hauch einer Chance gehabt. Andererseits ist dies nur meine Meinung. Ich bin diesbezüglich kein Experte, wie ich bereits sagte, ich mag Wettbewerbe nicht. Es gehört lediglich zum Allgemeinwissen.« Endlich betrat ich das Geschäft, dass ich von vornherein angesteuert hatte. Bereits auf dem ersten Blick erkannte man, dass es kein besonders billiger Laden war. Es würde eine teure Angelegenheit werden. Eine sehr Teure. Wohin man auch blickte Ehepaare, die mit Designermode herumliefen. Ehefrauen, die ihren Männern halfen, den perfekten Anzug für ihren Gatten zu finden. Sie konnten sich doch nicht mit einer Modesünde neben sich blicken lassen.

Mit Eintritt in das Geschäft hatte man uns bereits einige, arrogante Blicke zugeworfen. Ganz nach dem Motto "Was wollen solche Leute denn hier?" Und das bloß, weil meine Kleidung keine Designerware war und Hikari... nun, Hi-chans Kleidung war an sich schon ungewöhnlich genug. Da mussten diese Menschen wohl denken, sie wäre ein Freak. »Übrigens. Was deine Familie angeht, kein Wort wird je über meine Lippen kommen. Ich behalte es ausnahmsweise für mich. Solche Informationen würden eh nur Feinde wollen und ich kann schlecht Informationen über meine Chefin verkaufen, nicht?« Ich zwinkerte ihr kurz zu, ehe ich weiter ging und mich knapp umsah. Ich war kein sonderlicher Fan von Anzügen, dieses Mal musste es aber leider sein. Ein Pärchen rümpfte die Nase, als ich mich umsah und ich wusste sofort, es würde amüsant werden. Vielleicht hatten sie einen Haufen Kohle, das hieß aber gewiss nicht, dass sie intelligent waren. »Also Hi-chan, wenn du irgendetwas siehst, das mir stehen könnte, sag bescheid!« Ein breites Grinsen zierte mein Gesicht, das wohl den jungen Verkäufer einschüchtern musste, der sich nun doch lieber dazu entschied, Abstand zu nehmen. Natürlich würden Menschen herausgescheucht, die nicht dem gehobenem Standard entsprachen. Verjagen lassen würde ich mich allerdings nicht und schon mal gar nicht von einem Menschen, der sich nur durch ein Grinsen schon einschüchtern ließ. Ich liebte diese gewaltige Spannung, die im Raume stand. Ob man uns wohl anpöbeln würde?
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:32 am


  Eight
    Post #8




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Einkaufsstraße
-- Dukatia City

Ein Ja. Eine indirekte Zustimmung. Stimmte schon, irgendwie. Wäre das, was er gesagt hatte, nicht wahr, hätte jeder normale Mensch erst Mal glaubhaft verneint, ehe er sich über die Gründe erkundigte. Aber weder Zustimmung noch Verneinung war wie ein Ja. Aber was hätte ich auch tun sollen? Ich war keine gute Lügnerin und wenn Siavash erst ein Mal die Neugier gepackt hatte, dann wäre er so oder so irgendwann und irgendwie an diese Informationen gekommen, vermutlich selbst wenn er dafür nach Einall hätte reisen und meine Schwester selbst hätte fragen müssen. Meine Schultern fielen nach unten und ich schien nahezu in mir selbst zusammen zu sinken , während die Worte des Informanten an mein Ohr drangen. Ein Autogramm? Ich warf ihm einen ungläubigem Blick zu. Nicht das ich nicht glaubte das irgendjemand ein Autogramm von Mitsua wollte, eher hielt ich es für unwahrscheinlich das er sich für so was überhaupt interessierte. Außerdem glaubte er ja wohl selber nicht, das ich wegen so etwas lächerlichem Kontakt zu ihr aufnehmen würde. Ha! Nur über meine Leiche! Ich war doch nicht doof! Ganz sicher würde ich das nicht tun, erst recht nicht nach so vielen Jahren wo meine Familie sicherlich keinen einzigen Gedanken an mich verschwendet hatte. Weder meine Eltern, noch meine Schwester, da war ich mir ziemlich sicher. Warum sollten sie auch? Es gab keinen Grund an eine nichtsnutzige Tochter zu denken die sich irgendwann einfach aus dem Staub gemacht hatte. Mitsuas größter Fan? Langsam wurde ich doch stutzig. Er wollte mich doch nur aufziehen, mit noch ein Mal unter die Nase reiben das es sicherlich einige Leute auf dieser Welt gab die genau so und nicht anders dachten. Ich drehte meinem Kopf zur Seite. Das wusste ich doch selber. Das wollte ich nicht hören.

Ungewollt war ich doch irgendwie erleichtert als Siavash plötzlich klar machte das das alles nicht sein Ernst war, so wie ich es auch schon vermutet hatte. Aber anstatt das Thema nun auf sich beruhen zu lassen musste er immer weiter stochern. Schwester. Ich reagierte nicht, starrte einfach nur zur anderen Seite und probierte mir nichts anmerken zu lassen, während er weiter sprach. Wie machte er das bloß? Jedes seiner Worte traf genau ins schwarze. Dabei wusste er doch eigentlich gar nichts über mich. Zumindest war ich bis vor kurzem dieser Auffassung gewesen. Er kannte mich rein theoretisch gar nicht. Er wusste nur von meinem Traum, das ich aus Einall kam und nun auch, das ich eine bekannte Schwester hatte. Na und? Wie um Himmelswillen konnte er sich all das andere erschließen? Es kam mir plötzlich so vor als würde er mein ganzes Leben kennen und mich überkam ein Gefühl als wäre ich enttarnt worden, fühlte mich unangenehm und schutzlos. Meine Hände ballten sich zu Fäusten, nur um sich dann wieder zu öffnen und erneut zu schließen. Ich biss mir auf die Lippe. Das war doch verrückt! Das konnte alles gar nicht sein, das konnte er nicht wissen. Er sprach darüber als wäre das ganze vollkommen normal, was ganz alltägliches. Sah man ihn nur an, könnte man denken, er spräche gerade über das Wetter und nicht über meine zerstörte Kindheit. Als würde er nicht gerade ein weiteres Mal unter Beweisstellen das er alles herausfinden konnte. Als würde er mir nicht gerade klar machen das niemand vor ihm sicher war. Als er lachte lief mir ein Schauder über den Rücken, doch noch immer sagte ich nichts. Mein Mund war Staub trocken und der Klos in meinem Hals verschwand nicht.

Immer noch redete er weiter, immer noch hörte er nicht auf mich so offensichtlich mit der Wahrheit zu quälen. Warum tat er das? Das war doch nicht lustig... Zumindest nicht für mich. Warum hatte ich mich noch gleich hier drauf eingelassen? Ich hätte nicht mitgehen sollen... Dann wäre mir das ganze erspart geblieben! Als Siavash schließlich gestand, das er aus Einall kam, interessierte mich das nicht sonderlich. Warum sollte es auch? Diese Information war nichts im Vergleich zu dem, was er gerade offenbart hatte. Ich war gut klar gekommen, in dem ich nicht an meine Familie und meine Vergangenheit gedacht hatte. Das hatte fantastisch geklappt. Warum rollte er es jetzt wieder auf? Warum?! Langsam wurde meine Trauer von Wut weg gespült und ich wollte am liebsten einfach die Flucht nach vorne ergreifen, um das nciht mehr hören zu müssen. Doch in diesem Moment betrat der Informant einen Laden und noch immer schweigend folgte ich ihm. Erst dann hob ich meinen Kopf wieder und sah mich um. Ein riesiges Geschäft, und Anzüge soweit das Auge reichte. Zudem sah es hier ziemlich edel aus... die abschätzigen Blicke ignorierte ich einfach. Zumindest war es hier nicht so voll. erleichtert atmete ich ein Mal tief ein und aus. Nicht dran denken, einfach nicht dran denken. Ich würde das hier mit erhobenem Kopf hinter mich bringen. Ich straffte die Schultern, dann ging ich zielstrebig auf den ersten Stände zu, kämpfte mich durch den ganzen Laden und nahm alles in Augenschein was es hier gab. Sia hatte ich aus den Augen verloren, und das war auch gut so, denn so konnte ich mich erst Mal wieder beruhigen.

»Brauchst du was schlichtes?«, rief ich dann irgendwann durch den ganzen Laden, da ich keine Ahnung hatte, wo Siavash steckte. ich wusste ja nicht wofür er den Anzug brauchte... Wenn es für ein wichtiges Treffen war würde sich schwarz wohl am besten eignen, aber man wusste ja nie, was der Informant als nächstes vor hatte. Vielleicht ging er ja auch auf irgendein bescheuertes Fest, dann wäre ein bisschen Farbe wohl auch nicht verkehrt. Suchend drehte ich meinen Kopf und wartete auf eine Reaktion.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:33 am

SIAVASH KING
& Hikari # 13







Hikari musste sich sicherlich wundern, warum ich mir all das erschließen konnte. Nun, ich konnte mir natürlich nicht zu hundert Prozent sicher sein, aber Reaktionen verrieten Leute. Daraus konnte man sich das meiste selbst bestätigen. Nun, letzten Endes wollte ich doch selbst nichts mehr von meiner Familie wissen. Sie konnte mir selbst mehr als nur gestohlen bleiben. Zumindest meine Eltern. Meinem Bruder wäre ich gerne wieder begegnet. Andererseits aber auch nicht. Es wäre zu gefährlich meinen Bruder zu treffen. Für mich und für ihn. Wie viele Menschen wollten mir schließlich eins auswischen? Da durften sie niemals erfahren, dass ich einen Bruder hatte. Nicht zuletzt deswegen gab ich immer wieder aufs Neue falsche Namen an. Nicht viele Kunden kannten meinen richtigen Namen. Immerhin war ich vorsichtig. Nun, dann gab es wiederrum auch einige "Stammkunden", die es wohl verdient hatten die Wahrheit zu erfahren oder die schlicht von Anfang an misstrauisch waren. So oder so waren es nicht viele, wenn man mal von den Izanami's Wrath Mitgliedern absah. Doch selbst dort nannten mich einige bloß Yatagarasu. Was mich ganz sicherlich nicht störte. Im Gegenteil. Ich hatte es sogar weitaus lieber. Immerhin war Yatagarasu letztlich ein Kami. Genauer gesagt ein verehrtes Tier. Natürlich könnte man sagen, Yatagarasu gehöre zu den "Guten", immerhin war er der Bote Jimmus. Mythen nach der erste Tenno. Oft stellte ich mich sogar bei Kunden als Yatagarasu vor. So etwas behielt man eben im Gedächtnis.

Ich sah mich um und hopste auf Hikari zu, nachdem sie durch den ganzen Laden gerufen hatte. Neben ihr kam ich zum Stehen und betrachtete mit den Händen hinterm Rücken die Anzüge auf der Stange. »Etwas Schlichtes.« sagte ich und seufzte. »Aah~ Anzüge sind so lästig! Ich zieh das Ding sowieso nie wieder an!« jammerte ich. Missbilligende Blicke schrien mich förmlich an ich solle endlich verschwinden, wenn ich Anzüge doch ohnehin nicht mochte. Das hatte ich aber nicht vor. Doch schließlich horchte ich auf, als ich zwei Stimmen vernahm, die mir mehr als nur bekannt vorkamen. Auf die Konversation achtete ich dabei nicht einmal und wäre Hikari nicht bei mir gewesen, hätte ich mir auch nicht ruckartig meine Kapuze über den Kopf gezogen und sie festgehalten. Eine Mischung aus Nervosität und Unwohlsein machte sich in mir breit, was wohl niemals der Fall gewesen wäre, wäre ich alleine hier. Mein einziger Gedanke war nun: Raus! Verschwinden! So schnell wie möglich! »Ah, Hi-chan, ich hab's mir anders überlegt! Lass uns gehen!« kam es über meine Lippen. Nervöser, als ich gewollt hatte. Nervosität. Warum machten mich diese Stimmen so nervös? Ich sollte auf das Pärchen zugehen und ihm ins Gesicht lachen, doch die Tatsache, dass ich gerade noch versucht hatte, Hi-chan zu analysieren und nun das ungeheure Pech hatte, dass sie aufgetaucht waren - der Teufel allein weiß, warum sie ausgerechnet jetzt in Johto sein mussten! - machte die Sache nicht angenehmer.

Ich hatte stets vermieden, irgendjemandem etwas über mich zu erzählen. Selbst wenn ich es tat, waren es nur Lügen, doch die Tatsache, dass sie jetzt hier waren, im Inbegriff diesen Laden zu betreten und das Hi-chan genauso anwesend war, machte es nun zu einem gefährlichen Spiel. Als wollte ich nicht erkannt werden - und das wollte ich auch nicht - versuchte ich mich raus zu schleichen, aber gleichzeitig auch so schnell wie möglich zu flüchten. Aber die werte Schicksalsfee hatte heute ja ein ausgesprochen gutes Händchen dafür, mich zu quälen! Und so stieß ich ausgerechnet gegen den Mann, dem ich aus dem Weg gehen wollte. »Pass doch auf!« zischte er. Seine Frau schwieg, sah missbilligend drein und legte schlussendlich ihren Kopf schief, als ich schwieg. Jetzt war der Moment, an dem ausnahmsweise ich sprachlos war. Und das änderte nichts daran, als man mir grob die Kapuze vom Kopf riss. Ich sah schleunigst in Hi-chans Richtung. Mein Gesichtsausdruck verriet nahezu 'Mist, ich wurde erwischt.' Schließlich blickte ich in das Gesicht des Mannes, der mir die Kapuze vom Kopf gerissen hatte und grinste. Grinste so breit ich konnte. Ungläubig ließ er meine Kapuze los und holte mit seiner Hand bereits aus, um mir eine Ohrfeige zu verpassen. Ich duckte mich schleunigst. »Daaawww, du konntest auch mal besser zielen, Daddy!« meinte ich spielerisch und grinste herausfordernd. Vermutlich nicht das Beste in dieser Situation. Immerhin flackerten die Augen meines Vaters vor Wut.

Wie üblich war er gänzlich in Schwarz gekleidet. Eine andere Farbe kannte er vermutlich nicht. Wären Blicke in der Lage dazu zu töten, dann würde ich spätestens jetzt tot umfallen. Zweimal. Die Hand meines Vaters dürstete regelrecht danach, es noch einmal zu probieren und einen netten, roten Abdruck in meinem Gesicht zu hinterlassen. Doch zu meiner Verwunderung beherrschte er sich einmal. »Undankbares Gör!« zischte die Frau dazwischen und verschränkte wütend ihre Arme. »Ist das etwa dein Dank dafür, dass wir uns all die Jahre für dich aufgeopfert haben?!« Das Grinsen schwand für einen Moment. Ich versuchte es beinahe schon krampfhaft aufrecht zu erhalten, sodass es mehr wie ein Zucken wirkte. Meine Augen weiteten sich, sodass das Gesamtbild doch eher den Eindruck erweckte, ich wäre vollkommen durchgeknallt. Nun, vielleicht war ich das ja auch. Ich begann zu kichern. Leise, dann lauter. »Oh, ja!« sagte ich, beinahe schon lachend. »Ja, eine Tracht Prügel ist ja so aufopfernd! Dafür liebe ich euch auch so dermaßen, dass ich euch ein paar Betonschuhe und eine Reise auf den Grund des Meeres schenken will!« lachte ich. Entsetzen zeichnete sich in den Augen meiner Mutter ab, während meinem Vater endgültig der Kragen platzte und er erneut zum Schlag ausholte. Dieses Mal mit der geballten Faust. Hinderte mich aber ganz sicher nicht am Ausweichen. Stattdessen riss mein Vater glatt eine ganze Stange mit teuren Anzügen herunter. Meine Hand war während des Ausweichens schön zu Shirleys Ball gewandert. Damals mochte ich vielleicht wehrlos sein, nun hatte ich aber eine wahre Killermaschine an meiner Seite.

»Oh~ Darf ich dir meine Verlobte vorstellen?« fragte ich neckisch, bevor der Mann sich zu Hikari herumdrehte. »Nein, nein, schau runter!« lachte ich. Als mein Vater herunter schaute, musste er wohl einen interessanten Blick haben. Schade, dass ich ihn in diesem Moment nicht sehen konnte. Ich sah bereits wie Shirleys Augen sich metaphorisch gesprochen zu Herzchen formten, als ich 'Verlobte' sagte und das Pokémon erfuhr, dass es gemeint war. Das würde mir sicherlich eine größere Kuschelattacke bescheren, als ich überhaupt verkraften konnte. Mein Vater aber nahm das Igelavar nicht ernst. Der wohl größte Fehler seines Lebens. Kaum stürmte er wieder auf mich zu, sprang Shirley auf und attackierte den Kerl mit einem teuflischen Ruckzuckhieb, der es in sich hatte. Tänzelnd, ja, spottend, wich ich zur Seite, während mein Vater mit seinem Gesicht auf dem Boden landete. Mein Pokémon knurrend auf seinem Rücken. »Oh~ Was ist los? Willst du mich nicht wieder verprügeln, hm? Ich stehe hier!« spottete ich und musste schlussendlich lauthals lachen, während mich die Massen nur so anstarrten. Sämtliche Kunden dieses Geschäfts starrten das Geschehen entsetzt an. Aber hey, immerhin wurde nicht gleich der ganze Laden demoliert, wenn man einmal von dieser einen Stange absah.

Ich steckte meine Hände in die Taschen, während Shirley jedes Mal laut fauchte, wenn sich der am Boden liegende Mann auch nur einen Millimeter bewegte. Ein sadistisches Grinsen legte sich auf meine Lippen. Ein Gesichtsausdruck der schiere, unglaubliche Freude verriet, bevor ich meinem Vater in die Seite trat. »Was jetzt, hn?« fragte ich. Meine Stimme strotzte nur so vor Verachtung, bevor ich ein weiteres Mal zu trat. Weitaus fester. Zugegeben, ohne Shirley wäre ich dazu wohl nicht in der Lage. Schließlich stellte ich meinen Fuß auf seinen Kopf und lächelte. »Es ist unglaublich schön im Dreck zu liegen, nicht? Ein unglaublich schöner Ausdruck von Liebe!« Ich trat erneut zu, ehe ich meinen Fuß wieder herunter nahm und mein Portmonee aus der Jackentasche zückte. Kurzer Hand drückte ich dem Manager dieses Schuppens, der drauf und dran war die Security zu rufen, einige Scheinchen in die Hand. »Für die Schäden und dafür, dass sie weder Security, noch Polizei rufen, okay?« Er nickte ungläubig, während er das Geld zählte. Wie bestechlich manche Menschen doch waren. Es war immer wieder unglaublich. Nachdem Shirley meinem Vater eine nette Rückenmassage mit Krallen gegeben hatte, sprang sie herunter und sah mich überglücklich an. Das meine Mutter in diesem Augenblick nichts tat, außer mich dumm anzuglotzen, war nicht anders zu erwarten. Bisher hatte sie nie irgendetwas getan, als mir alles Mögliche an den Kopf zu werfen. »Wie kannst du nur!« zischte sie. »Wie könnte ich nicht?« lachte ich und blickte zu meinem Vater, der sich nun wutentbrannt aufrichtete. »Ah~ Wir sollten jetzt besser verschwinden.« meinte ich zu Hi-chan. »Shirley? Rauchwolke!« Und schon spuckte das Pokémon üblen Rauch, der es unglaublich schwer machte, noch irgendetwas zu erkennen. Ich packte Hikari einfach bei der Hand, obwohl ich wusste, dass sie Berührungsängste hatte und rannte los. Mit ihr im Schlepptau. Zumindest hoffte ich, dass sie einfach mitrennen würde, anstatt sich loszureißen und einen auf Drama zu machen. Das konnte ich nämlich jetzt herzlich wenig gebrauchen. Immerhin würde der Rauch nicht ewig halten und ich hatte keine große Lust, meinem Vater wieder zu begegnen... obwohl es doch unglaublich Spaß gemacht hatte, mich einmal zu rächen. Und letztlich hoffte ich bloß, Hi-chan würde keine Fragen stellen...
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:33 am


  Ninth
    Post #9




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Einkaufsstraße
-- Dukatia City

Fast wäre ich erschrocken zusammen gezuckt, als Siavash plötzlich neben mir auftauchte. Aber auch nur fast. Begleitet von einem theatralischem Seufzer bestätigte er meine Frage und begann sich dann über Anzüge zu beschweren, und das so laut, das es sicher jede einzelne Person in diesem Laden gehört hatte. Wie aufs Stichwort drehten sich alle zu uns und durchbohrten uns nahezu mit ihren Blicken. Augen rollend wand ich mich wieder dem Ständer vor mir zu. Konnten denen doch egal sein was Sia dachte... War ja nicht ihr Problem. Ich probierte die Missbilligung uns gegenüber, die in diesem Laden allgegenwärtig war, einfach auszublenden. Warum waren Menschen eigentlich so? Das sie alles und jeden nach ihren Vorstellungen zurecht rücken wollten und niemanden so akzeptieren konnte, wie er war? Ich konnte mir richtig vorstellen was gerade in den Gedanken der Leute hier vorging. Sicher, verglich man uns mit den anderen dann war das sicherlich ein ziemlich großer Kontrast, aber was war denn das schlimme daran? Aus meinen Gedanken gerissen wurde ich von Siavash, der merkwürdig nervös klang. Mit gerunzelter Stirn sah ich zu ihm. Er hatte sich seine Kapuze über gezogen und sah so aus als hätte er gerade den Teufel persönlich gesehen. Ziemlich vor den Kopf gestoßen sah ich mich um, doch ich entdeckte niemanden, der irgendwie außergewöhnlich aussah. Was hatte ihn dazu bewegt so schnell seine Meinung zu ändern? Das sah ihm irgendwie nicht ähnlich. Als er sich in Richtung Ausgang bewegte folgte ich ihm langsam, während ich mich noch immer fragte, was denn eigentlich los war. Und als er dann abrupt stehen blieb und ich beinah in ihn hinein rannte konnte ich mir einen leisen Fluch nicht verkneifen. Was war denn los, verdammt noch mal? Erst dann sah ich auf und entdeckte den Mann der vor uns stand und ein gutes Stück größer war als Siavash. Das war ja im Grunde nichts schlimmes, man hätte sich einfach vorbei zwängen können, aber genau das war das, was nicht passierte. Und das war eigenartig, denn gerade hatte der Informant es doch noch so eilig gehabt, hier weg zu kommen. Mit vor Schreck geweiteten Augen beobachtete ich, wie der Mann Sia grob die Kapuze vom Kopf riss und dazu ansetzte, ihm eine Ohrfeige zu geben. Nur weil er ihn an gerempelt hatte, oder was? Ich verstand die Welt nicht mehr. Erst als ich das Wort 'Daddy' hörte, begann ich zu verstehen.

Da fiel mir auch wieder ein, das Siavas, nachdem er den Schlag von Goliath abbekommen hatte, seinen Vater erwähnt hatte. Konnte das sein? Waren die beiden dort tatsächlich seine Eltern? Vorsichtig ging ich einen Schritt zurück um die Situation zu beobachten, allerdings nicht mit hineingezogen zu werden. Nun, der Informant konnte es scheinbar nicht lassen, denn sofort flossen die ersten Provozierenden Worte über seine Lippen. Aber wer weiß? Ich kannte seine Eltern nicht. Vielleicht hatte er ja alles Recht dazu, so was zu sagen, was wusste ich schon über seine Vergangenheit? Ich sollte wohl nicht vor schnell urteilen... Sicher war das, was er gesagt hatte, nicht gerade nett gewesen, aber war das ein Grund sein eigenes Kind gleich verprügeln zu wollen? Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, das ich mich mit einem Sprung zur Seite vor dem fallendem Ständer voller Anzüge retten musste und dabei fast den nächsten zu Boden riss. Als ich wieder zu dem geschehen vor mit sah bemerkte ich entsetzt wie Siavash Pokemon auf den Mann los ging. Und sobald er am Boden lag gab sein eigener Sohn im den Rest. Wie gelähmt stand ich da und beobachtete das geschehen. Aber anderseits: Wie hätte ich reagiert, wenn ich hier plötzlich meiner Familie begegnet wäre? Zu so einer, doch recht brutalen, Tat wäre ich vermutlich nicht in der Lager, aber trotzdem... Schnell verscheuchte ich derartige Gedanken wieder. So eine Situation wollte ich mir lieber nicht vorstellen. Stattdessen wurde mir plötzlich durch dichten Rauch die Sicht geraubt und dummerweise atmete ich erst Mal eine ganze Ladung davon ein, so das ich laut Husten musste. Dann spürte ich auch schon wie jemand meine Hand griff und fast augenblicklich fing mein Herz doppelt so schnell an zu klopfen und ich schnappte nach Luft, wobei ich noch mehr Rauch einatmete. Hustend und röchelnd konnte ich mich nicht wehren und wurde aus dem Laden hinaus auf die Straße gezogen.

Noch immer wie ein Fisch auf dem trockenem nach Luft schnappend fing ich an, meinen Arm panisch zu schütteln, bis ich meine Hand aus Sias Griff gezerrt hatte. Dann schluckte ich schwer und sah noch immer perplex zwischen Siavash und dem Geschäft - oder eher der großen Rauchwolke - hin und her. Was war das denn gewesen? Das war ja vollkommen verrückt, wie in einem Drama. Nur das das hier die harte Realität war. Fast ohne es selber zu bemerken wischte ich meine Hand mehrmals an meinem Kleid ab und fing dann an mit der anderen auf ihr herum zu drücken bis ich sie schließlich in einer Tasche verbarg. Tief Luft holend probierte ich mich zu beruhigen und beäugte den Informanten dann misstrauisch. »Mach das ja nicht noch ein Mal.«, murrte ich vor mich hin während ich beobachtete, wie sich die Rauchwolke langsam aber sich wieder auflöste. Intuitiv setzte ich mich in Bewegung, bloß weg von hier.

»Eigentlich bist du mir ein paar Erklärungen schuldig...«, meinte ich dann ohne Siavash anzusehen. Nachdem er so viel über mich erfahren hatte, nachdem er mich da - wohl unbeabsichtigt, aber egal - mit rein gezogen hatte, nachdem ich wegen ihm fast erstickt war und vor allem nachdem er einfach meine Hand gepackt hatte, hatte ich ja wohl nur das Recht zu erfahren was los war.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:33 am

SIAVASH KING
& Hikari # 14







Shirley war mir den ganzen Weg hinterher gerannt - selbstverständlich. War auf meinen Rücken und anschließend in meine Kapuze gesprungen, wo sie es sich nun gemütlich machte. Aber nicht, ohne mir dann und wann mal mit der Nase in den Nacken zu stupsen. Ich war bloß froh, dass sie im Moment nicht auf die Idee kam ihr Mal zu erneuern. Das wäre schlussendlich die höchste aller heutigen Peinlichkeiten. Hikari wand sich schleunigst aus meinem Griff, was ja auch verständlich war. Zum Glück gingen wir allerdings weiter, als sie sich noch einmal vergewissert hatte, was nun gerade vorgefallen war. Wäre sie da wie angewurzelt stehen geblieben, wäre ich alleine weiter gegangen um Abstand zu gewinnen. Warum mussten sie auch ausgerechnet in Johto sein. Sonst blieben sie doch auch ständig bei Jurij. Moment! Hieß das vielleicht... Jurij hatte das Haus verlassen? War vielleicht auf Reisen gegangen? Vielleicht war ihm etwas zugestoßen?! Dieser Gedanke beunruhigte mich und ich musste versuchen, mir diese Sorge nicht anmerken zu lassen. Aber der Gedanke, das meinem Bruder etwas zugestoßen sein könnte... aber nein, nein, nein. Wäre irgendetwas mit ihm passiert, hätten meine Eltern mir direkt die Schuld in die Schuhe geschoben. Ja, sie hätten mich direkt angeschrien und mir ins Gesicht geklatscht, es wäre meine Schuld gewesen. Nichts anderes hätten sie getan.

Hikaris Murren nahm ich nur noch halb war. Ich wusste ja, dass sie Berührungen hasste, also musste ich darauf wohl nichts mehr sagen. Was sollte ich auch sagen? Ich würde es nie wieder tun? Das wäre ohnehin eine Lüge. Und dann sollte ich ihr Erklärungen schuldig sein? Gut. Wenn das ihr Wunsch war, würde ich es auch als ihr Wunsch nehmen. Immerhin stand ich zu meinem Wort, versengte meine Hände in den Taschen und legte den Kopf leicht schief, während sich Shirley in meiner Kapuze zusammen rollte. »Ich bin dir keine Erklärungen schuldig, aber einen Wunsch, nicht? Also nehme ich es als deinen Wunsch!« kündigte ich ihr mit einem Grinsen an. Sie musste mich doch mittlerweile gut genug kennen, um zu wissen, dass ich keine Möglichkeiten aus ließ, um mich irgendwie aus einem "Problem" zu winden. Wenn sie etwas über mich wissen sollte, dann sollte ihr Wunsch schuld sein. Das ich einen Bruder hatte, musste sie ja nicht wissen. Der Rest war unangenehm, aber man würde es nicht gegen mich verwenden können. Ich seufzte genervt, strich mit der Hand durch meinen Pony. Ich wollte aus meiner Vergangenheit ernsthaft viel lieber ein Geheimnis machen. Das musste schließlich keiner wissen. Andererseits wühlte ich doch selbst ständig in den Vergangenheiten anderer Menschen.

Ich wog meinen Kopf von der einen auf die andere Seite, suchte nach Worten, um mich auszudrücken. Man würde mir ansehen, dass ich lieber schweigen würde. »Hm, wo soll ich anfangen? Dass das meine Eltern waren, dürfte klar sein, oder?« fragte ich. Nun, eigentlich war es sogar mehr eine Feststellung, als eine Frage. »Ich hoffe irgendwann schlitzt jemand dieser grässlichen Frau die Kehle auf.« Was doch wohl ziemlich deutlich machte, wie sehr ich meine Mutter doch "liebte." Ich würde mich wirklich freuen, wenn ein schmieriger Straßendieb sie ausraubte und ihr die Kehle aufschlitzte. Ich würde zu ihrer Beerdigung kommen, sie auslachen und auf ihrem Grab herumtrampeln. Was meinen Vater anging, der konnte langsam und besonders schmerzvoll verrecken. Es wäre ein Fest für mich. »Sie waren eben nie besonders liebevolle Eltern.« Wie erklärte ich das Ganze bloß, ohne meinen Bruder zu erwähnen? »Ich war bloß immer der Sündenbock. Mein Vater hätte einen Teller zu Bruch gehen lassen können und es wäre meine Schuld gewesen.« Ich seufzte genervt, während Shirley sich in meiner Kapuze aufrichtete und sich dazu entschloss, dass es auf meinem Kopf doch sehr viel gemütlicher sei. Schon platzierte sie ihre kleinen Pfötchen auf meinen Kopf und lehnte sich an mich. Die Hinterpfoten noch immer in der Kapuze. Kaum zu glauben, dass sie überhaupt in meine Kapuze passte. Nun, sie war aber wohl auch ein wenig kleiner als das Durchschnitts-Igelavar.

»Ich war für sie lediglich eine Last am Bein. Eine Pest. Ein unerwünschtes Kind, das leider Gottes doch existierte. Mein Vater hat stets seine Wut an mir ausgelassen, meine Mutter sagte mir stets, es wäre meine Schuld und beschimpfte mich dabei. Oh~ So viel Liebe auf einmal verträgt man nicht!« Aus dem letzten Satz schien der Sarkasmus einen bereits anzuschreien. Meine ersten sechs Lebensjahre waren vielleicht ganz nett, aber daran konnte ich mich heute kaum noch erinnern. Letzten Endes überwogen die restlichen Jahre, in denen ich keine Zuneigung zu spüren bekam. »Wenn man gerade keinen Sündenbock brauchte, wurde ich ignoriert. Oh, es wundert mich ja immer noch, das ich überhaupt mitessen durfte. Sie mussten echt froh gewesen sein, als ich damals entführt wurde! Zumindest bekam ich eine ganze Tracht Prügel, als mich die Polizei nach Tagen nach Hause zurückbrachte. Nach Sorge sah es damals zumindest nicht aus. Also bin ich vor vier Jahren abgehauen.« Ich zog meine Hände aus den Taschen und winkte ab. »Eigentlich erwartete mich jedes Mal wenn ich von der Schule nach Hause kam eine Tracht Prügel. Irgendetwas fiel meinem Vater schon ein.« meinte ich und grinste, obwohl es mit Sicherheit kein Thema war, über das man lachen würde.

Aber hey, ich lebte, nur darauf kam es an. Einige mochten sicherlich denken, ich hätte arme Eltern, wenn sie ein solches Kind wie mich hatten. Aber war ich nicht eher arm dran, weil ich solche Eltern hatte? Schließlich kamen Kinder nicht bösartig auf die Welt. Sie wurden zu dem gemacht, was sie sind. Ich für meinen Teil musste aber gestehen, dass es mich nicht störte. Für meine Taten mochten mich zwar viele verachten, für mich war es allerdings genau das Richtige. Ich bereute es nicht, würde auch nicht versuchen, jemals den Samariter zu spielen. Und das letzte, das allerletzte, was ich wollte, war Mitleid. Obwohl ich bezweifelte, dass man jemandem wie mir Mitleid schenken könnte. Das musste an ein Wunder grenzen. Immerhin liebte ich es, andere Leben zu zerstören. Nein, nein, ich beobachtete andere Menschen viel lieber in ihren misslichen Lagen. Ich zerstörte doch nicht mit voller Absicht Leben. Undenkbar! »Reicht dir das? Oder soll ich dir noch bis ins Detail darüber erzählen, wie sich die Schläge über die Jahre angefühlt haben? Was ich dabei dachte und wie ich damit umgegangen bin? Ich schätze so genau willst du es dann doch nicht wissen, oder?«

Ich zuckte mit den Achseln. »Jetzt wo du das weißt, muss ich dir sagen, solltest du darüber nicht schweigen, garantiere ich für nichts. Nicht, dass du noch einen kleinen Unfall hast... wenn du verstehst, was ich meine. Es wäre schlecht für mich, würdest du das einfach ausplaudern.« Nun, eigentlich würde mir nicht einfallen, wie man es gegen mich verwenden sollte, solange man nicht wusste, dass ich einen Bruder hatte. Trotzdem hatte ich kein Interesse daran, dass Hikari das weiter erzählte. Vor allem Goli-chan durfte nichts davon erfahren. Schließlich lächelte ich freundlich. »Da du jetzt bescheid weißt... Ich denke das Café ruft!« sagte ich dann, zuckte mit den Achseln und seufzte. »Dann muss ich mich eben ohne Anzug mit diesem Kunden treffen. Sollte kein Beinbruch sein.«
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:33 am


  Tenth
    Post #10




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
Einkaufsstraße
-- Dukatia City

Meinen ersten Kommentar, oder eher meine indirekte Beschwerde, überging der Informant einfach, oder er hörte es nicht. Zumindest ging er nicht darauf ein und misstrauisch runzelte ich die Stirn, wollte mich schon wiederholen, als er dann doch noch etwas sagte. Allerdings etwas ganz anderes als ich erwartet und mir erhofft hatte. Ich sah sein Grinsen, und augenblicklich beschlich mich ein ungutes Gefühl. Und ich sollte Recht behalten; diese hinterlistige Schlange entledigte sich einfach dem Gefallen, dem er mir noch schuldig war, und trickste mich hinterrücks aus. Es dauerte jedoch einen Moment bis ich das vollständig begriffen hatte, und als ich Einspruch erheben wollte, war es schon zu spät. Das war nicht mein Wunsch gewesen! Das hatte ich nur so daher gesagt, aber nie als meinen ausdrücklichen Wunsch formuliert! Wie schaffte es der Typ bloß immer wieder, eine Situation geschickt zu seinem Gunsten zu formen? Immer und wieder machte er das, und nie konnte man etwas daran ändern, was man auch tat. Also hielt ich meinen Mund. Was sollte ich schon tun? Als ob er sich von meinem Protest von seinem Entschluss abbringen lassen würde. Und trotzdem war ich wütend. Warum machte er das?! Ich hatte mich doch letztendlich nur wegen des Wunsches auf das ganze hier eingelassen. Aber was brachte es mir, zu erfahren, was mit seinen Eltern war? Sicher, Sia selber konnte mit solchen Informationen Berge versetzen. Er konnte tausende Sachen machen, sie waren wie ein riesiger Goldschatz. Für ihn. Für mich nicht. Ich war nicht in der Lage damit Verdienste zu machen, geschweige denn ihn zu erpressen oder dergleichen. Es brauchte mir so gut wie gar nichts. Sprich: Diese Shoppingtour hatte mir nichts als Unannehmlichkeiten gebracht. Hmpf. Verflucht sei er! Und ich konnte nichts tun, dabei war ich eigentlich seine Vorgesetzte! Ja, eigentlich... Aber ich konnte mich irgendwie nicht sonderlich durchsetzten, zumindest schien es so. Warum hatte ich es dann eigentlich so weit geschafft? Wenn man bedachte, das Goliath noch nicht Mal sonderlich viel Sympathie für mich hegte? Nun, das traf wohl auf so ziemlich jeden Menschen zu, aber trotzdem... Diese Frage beschäftigte mich ziemlich oft. Was hatte ich, das mir zu so einer hohen Position verholfen hatte? Ein starkes Pokemon Team? War das schon alles? Hm...

Schweigend lauschte ich Siavashs Erzählung über seine Kindheit, die nicht viel schöner als meine gewesen sein schien. Mit erstaunen stellte ich sogar die ein oder andere Ähnlichkeit fest. Ignoriert. Ich wurde ebenfalls gerne Mal ignoriert. Und so wie sich das anhörte störte es Sias Eltern sein Verschwinden bestimmt genauso wenig wie meine - beziehungsweise waren sie eher ziemlich wütend auf ihn, aber keinesfalls in Sorge. Zumindest hatte das eben nicht danach ausgesehen, eher im Gegenteil. Meine Wut auf den Informanten Brooker war für einen Moment verschwunden, während wir uns ein weiteres Mal über die volle Einkaufsstraße bewegten. Vorsichtig spähte ich zu ihm hinüber. Man sah es ihm gerade in diesem Moment gewiss nicht an, aber ich konnte einfach nicht glauben, das ihm das alles so egal war. Aber anderseits: Ich hatte auch damit abgeschlossen, warum dann nicht auch er? Allerdings würde ich meine Eltern trotz allen nicht unter die Erde wünschen, wobei es mich auch nicht sonderlich stören würde, wenn es so wäre. Es war mir Gleichgültig, mehr nicht. Und meine Schwester? Nun, sie war nicht viel besser. Hatte sie sich je für mich eingesetzte? Nein, nicht wirklich, also war auch sie mir egal. Sollten sie doch in Einall verschimmeln. Als er mir dann eine Frage stellte schüttelte ich schnell den Kopf. »Nein.«, antwortete ich ihm noch einsilbig, dann schwieg ich wieder. Was sollte ich auch dazu sagen? Das er mir Leid tat? Nein, das würde ich bestimmt nicht sagen. Schweigen war das beste, zumindest aus meiner Sicht. Und, nun? Nun drohte er mir? Als hätte ich jemals vor gehabt, das aus zu plaudern. Was würde mich das auch bringen?! Ich warf ihm einen giftigen Blick zu. Wie konnte man nur so sein? Einfach mal so eben eine Drohung, die garantiert kein Saß gewesen war, auszusprechen und keine zwei Sekunden später wieder von etwas so banalem wie einem Café reden?

-achja. Das Café. Ich verkniff mir ein stöhnen. Das hatte ich ja ganz vergessen. Musste das wirklich sein? Eigentlich wollte ich so schnell wie möglich hier weg und Siavash aus dem Weg gehen, aber nein, natürlich war mir das nicht vergönnt. Unsicher blieb ich vor einem Tisch stehen und zögerte einige Momente, bis ich mich schließlich mit meinem Schicksal ab fand, und mich auf den Holzstuhl sinken ließ. Die Ellenbogen auf den Tisch gestürzt und das Kinn auf meinen Händen ruhend starrte ich die Menschen, die an uns vorbei hechteten an, ohne sie wirklich zu sehen. Erneut schwieg ich, da ich keinerlei Ahnung hatte, was ich sagen sollte. Auch wagte ich es nicht, Sia direkt anzusehen, warum auch immer. Seine Art fing zunehmend an mir Angst zu machen. Was einerseits natürlich Schwachsinn war, denn ich hatte letztendlich ein weitaus stärkeres Pokemon Team als er und würde mich im Notfall zur Wehr setzen können - anderseits hatte der Informant die besseren Mittel. Er würde garantiert einen Weg finden, falls er mich aus dem Weg schaffen wollen würde. Außerdem hatte er etwas gegen mich in der Hand. Jetzt, wo er einen Teil meiner Geschichte kannte, würde es für ihn ein leichtes sein, auch den Rest herauszufinden, dessen war ich mir ziemlich sicher. Ich wusste zwar auch so manches, aber konnte ich das irgendwie beweisen? Vielleicht hatte er sich die Hälfte davon auch nur aus den Fingern gesogen. Nein, letztendlich würde ich im Ernstfall keine Chance gegen ihn haben. Daran sollte ich vielleicht was ändern. Aber nicht jetzt... Als ein Mann an unserem Tisch auftauchte, brauchte ich einen Moment, um zu verstehen was er wollte. Nun sah ich doch ein Mal zu Siavash herüber. »Kennst du irgendetwas empfehlen?«
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:34 am

SIAVASH KING
& Hikari # 15







Nun, wo wir endlich am Café angelangt waren, setzte ich mich schleunigst. Ich hatte aus Hikaris giftigem Blick entnehmen können, dass ihr meine Drohung alles andere als gefiel. Natürlich. Wem gefiel schon eine Drohung? Ich würde selbst Goli drohen, wenn es sein musste, auch wenn das schmerzhaft enden würde, doch letzten Endes war ich kein Schoßkätzchen, sondern ein Streuner. Ich würde nicht immer wieder zurückkehren um Milch zu schlecken, noch weniger, um getätschelt zu werden. Ich würde nur so lange zurückkehren, wie mir Izanami's Wrath Sicherheit bot. Sollte die Organisation an Stärke verlieren, käme der Zeitpunkt, an dem ich sie verraten würde. An dem ich Goli-chan, Hi-chan und das Prinzesschen verraten würde, sowie alle anderen armen Tropfen, die ihr Leben der Organisation verschrieben hatten. Als Information Broker war ich schlussendlich der beste Freund sowie der größte Freund der Organisation. Wenn es an der Zeit war, würde Izanami's Wrath nichts weiter als ein Stolperstein sein. Wenn etwas Unnütz wird, lässt man es fallen. Was würde es mir bringen an einer Leiche festzuhalten? Sie würde mich behindern und mich womöglich selbst in den Tod reißen. Alleine war man besser dran, gleichzeitig aber auch leichte Beute. Noch brauchte ich Izanami's Wrath, aber das hielt mich nicht davon ab, meiner eigenen Chefin zu drohen. Was sollte sie auch schon tun? Es bei Goli-chan verpetzen?

Als Hikari endlich wieder das Wort erhob, grinste ich. Sie musste mich hassen, warum also wollte sie, dass ich ihr etwas empfahl? Menschen. Menschen waren solch interessante Geschöpfe! Ernsthaft! Der meist gehassten Person mit einem freundlichen Lächeln, mit freundlichen Worten begegnen und ihr gedanklich einen Dolch in den Rücken stoßen. So waren Menschen. So würden sie immer sein. Selbst der angeblich netteste Mensch auf Erden, sprach in seinem tiefsten Innern Hassschwüre aus. Egal wie tolerant ein Mensch auch sein mochte, irgendwann war seine Toleranzgrenze überschritten. Auch er würde irgendwann anfangen zu hassen, hassen und zu hassen. Würde einen Menschen verfluchen, ob er es realisierte oder nicht. Es gab kein reines, strahlendes Weiß in Menschen. Doch so konnte man Menschen nicht schlicht in Schwarz und Weiß teilen. Die einen Böse, die anderen Gut. Ein solch lieber Irrglaube. Nichts war absolut rein und gut. Kein Mensch konnte und würde das jemals sein, doch dafür kamen sie dem Schwarz immer und immer näher. Bis sie irgendwann vollkommen verschlungen wurden. Von der Finsternis, die sie so sehr leugneten.

Ich lehnte mich ihm Stuhl zurück und verschränkte die Arme, ehe ich einen Finger hob. »Schoko Cappuccino!« sagte ich. Shirley horchte auf und ließ einen kleinen Laut von sich, der einem wie eine Frage vor kam. »Der Cappuccino hier ist göttlich! Und Schokolade ist ein Muss!« Es war kein Geheimnis, dass ich gerne Schoko Cappuccino trank. Es war einfach das perfekte Getränk! Und hier, genau hier, war er am Besten! Da fehlte bloß das Gebäck. Meine Gefährtin nickte mehrmals, um meine Aussage zu bestätigen. Was würde sie auch sonst tun? Sie würde selbst dann nicken, würde ich sagen, dass Wasser der beste Typ wäre. »Hach Shirley~« säuselte ich glücklich und sah Hikari an. »Wir sind frisch verheiratet! Willst du nicht gratulieren?« Ich sah förmlich, wie sich die Augen meines Pokémon zu großen Herzen formten, aber natürlich hatte ich Shirley nicht geheiratet. Erstens wäre das nicht möglich, zweitens würde ich sogar lieber einen Penner heiraten - den ich eh ins Grab treiben würde. »Der Nachwuchs ist natürlich auch schon in Planung!« kündigte ich an und nickte mich selbst bestätigend. »19 Kinder! Es werden 19 Kinder sein!« sagte ich fast schon stolz, aber eben nur fast. Natürlich wollte ich keine Blagen um mich herum haben, die mir die Ohren voll schrien und mich von meiner Arbeit abhielten. Man dürfte mir ohnehin niemals Kinder anvertrauen.

Ich verschränkte meine Arme wieder und nickte. »Oh ja! Das erste Mädchen wird Pinkie Pie heißen. Der erste Junge natürlich Big Macintosh. Dann kämen noch Fluttershy, Applejack, Twilight Sparkle, vielleicht auch Bobobo.« Ich nickte erneut mehrfach. Fast schon verträumt und in Vorfreude auf kleine Feurigel, die ohnehin niemals zu Stande kommen würden. Nachdem mich der Kellner nun schon eine Weile lang ungläubig angestarrt hatte, wandte ich mich ihm zu, zeigte ihm mit den Fingern eine zwei und grinste. »Zwei Schoko Cappuccino also!« Wenn Hikari mich schon nach einer Empfehlung fragte, bestellte ich es auch einfach und scheuchte den Kellner schlussendlich mit einer Handbewegung fort. Kurz darauf lehnte ich mich auch wieder zurück, während Shirley aus der Kapuze auf den Tisch und anschließend in meinen Schoss sprang. »Hm, du hättest dir sicher eigentlich gewünscht, ich solle dir helfen an die nötigen Informationen zu kommen. Um Fliegen zu können, meine ich.« begann ich mit teuflischem Grinsen auf den Lippen. Ich kicherte, verschränkte die Arme und legte meinen Kopf leicht schief, doch das Grinsen wich nicht. »Zu schade, dass du deinen Wunsch verschwendet hast!« Ich lachte, stoppte nach wenigen Sekunden wieder und entschränkte meine Arme, um schlussendlich mit den Achseln zu zucken. »Du weißt du kannst mich immer noch für diese Informationen bezahlen. 3.000, weil du es bist!« machte ich ihr das Angebot und lachte mir offensichtlich ins Fäustchen.

Ich seufzte. »Aah~ Du bist meine Chefin! Du könntest mir immer noch befehlen, die Infos einfach rauszurücken! Oh, aber nein! Ich würde sie dir nicht geben.« Erneut lachte ich. Ja, ich machte mich tatsächlich gerade über meine Chefin lustig. Etwas, was jeder andere wohl nicht wagen würde. Andererseits machte ich mich aber auch über Goliath lustig. Und genau deswegen mochte man mich auch als Lebensmüde bezeichnen. »ich mach nur Spaß!« eröffnete ich ihr schlussendlich und grinste umso breiter. Nun, immerhin hätte sie einfach gehen können. Sie hatte keinen Grund mehr, mit mir in einem Café zu sitzen und trotzdem leistete sie mir noch Gesellschaft. Wer würde so etwas schon tun? »Du solltest wissen, dass es für einen Menschen unmöglich ist, eigenständig zu Fliegen. Es gibt Flugpokémon, Flugzeuge, Hubschrauber, aber dir werden niemals Flügel wachsen, damit du dich in die Lüfte erheben kannst.« Man könnte meinen ich versuchte sie zu überzeugen, ihren Traum aufzugeben, aber das war nicht der Fall. Im Gegenteil. Ich wusste doch, wie stur sie sein konnte. Niemals würde sie diesen Traum aufgeben, egal wie viele Rückschläge sie einstecken musste. Außerdem war dieser Traum einfach zu interessant, um ihn in Grund und Boden zu treten. Ich wollte sehen wie lange Hi-chan an diesem Traum festhalten konnte. Und wie sie sich verhielt, sollte sie jemals diesen Traum aufgeben. Vielleicht wäre sie vollkommen verzweifelt, vielleicht würde sie aber auch weitermachen, als wäre nie irgendetwas passiert.

Ich schloss meine Augen und zögerte weitere Worte hinaus. Sollte sie ruhig glauben, ich würde mich über ihre Träume lustig machen. Das machte ungemein Spaß. Nach wenigen Augenblicken aber hob ich den Zeigefinger... »Aber eine Möglichkeit gibt es.« ... und öffnete langsam meine Augen. Mein Blick verriet, dass ich eine Möglichkeit kannte und nicht bloß bluffte. Tatsächlich kannte ich eine Möglichkeit, wie sie jemals Fliegen können würde. Würde ich ihr das aber einfach so sagen? Nein. »Nun, was meinen Kunden angeht...« Was das Ganze jetzt mit meinem Kunden zu tun hatte? Simpel. Ich würde ihr diese Information nicht preisgeben, wenn sie mir nicht einen kleinen Gefallen tat. »Ich brauche eine Absicherung. Mein neuer Kunde entledigt sich seiner Informanten, wenn er hat, was er haben wollte. Natürlich ist es da einschüchternd, wenn ich mit einem hohen Tier von Izanami's Wrath aufkreuzen würde...« Ich sah zu einem anderen Tisch herüber, an dem zwei Mädchen saßen und sich munter unterhielten. Tuschelten und ich konnte mir fast schon denken, worüber sie redeten. Schließlich schielte ich zu Hikari und lächelte. »Wenn du mich begleitest verrate ich dir, wie du deinen Traum erfüllen könntest. Nicht das wir uns missverstehen. Die Information hat seinen Harken. Und vermutlich ist die Chance, dass du dir damit deinen Traum erfüllen könntest gering. Das vorweg. Aber es wäre ein Schritt in die gewünschte Richtung.«

Ich musterte sie schließlich und seufzte. »Und dieses Mal keine Tricks!« meinte ich dann. Ich klopfte mir mit der Hand auf die Brust. »Cross my heart...« Streckte die Arme aus und flatterte, als würde ich einen Vogel imitieren. »... and hope to fly...« Und legte die Hand schlussendlich über mein Auge. »... stick a cupcake in my eye!« Niemand! Niemand brach ein Pinkie Promise! Und wer es tat, der sollte gefälligst zur Hölle fahren. Ein Pinkie Promise durfte man nicht brechen! »Und ein Pinkie Promise bricht man nicht.« belehrte ich Hi-chan und nickte mich selbst bestätigend. Als Pinkie Pie-Fan würde ich mein Versprechen nicht brechen. Niemals!
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:34 am


Eleventh
Post #11




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
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-- Dukatia City

Schoko Cappuccino? So was hatte ich noch nie getrunken, geschweige denn gewusst, das es so was gab. Ich trank generell nur Wasser, vielleicht hin und wieder Mal Saft, aber das war es auch schon wieder. In solchen Sachen war ich wohl etwas weltfremd... Aber in Izanami's Wrath geschweige denn in der Natur gab es so was wie Schoko Cappuccino nun Mal nicht, und ich hatte mich auch nie wirklich für so etwas interessiert. Das was ich hatte reichte zum Leben vollkommen aus, warum also so etwas? Aber gut, es konnte ja nicht schaden, so was mal zu probieren, außerdem ging es auf Siavashs Kosten. Da konnte mir das ja egal sein. Wäre ich alleine hier - mal abgesehen davon, das ich alleine niemals hierher gekommen wäre - hätte ich vermutlich ein simples Wasser bestellt. Aber so stur wollte ich ja nicht sein, also ließ ich mich ohne Widerrede darauf ein, mal etwas neues auszuprobieren. Vielleicht, ganz vielleicht, schmeckte es ja sogar ganz gut. Sia zumindest schien davon ja ganz begeistert, doch plötzlich änderte er das Thema, aber das war ich ja von ihm gewohnt. Eher verwunderte es mich, was er von sich gab. Er hatte also sein Pokemon geheiratet? Mit ungläubigen Augen sah ich ihn an. Oh, und es waren Kinder in Planung? Bei dieser Vorstellung breitete sich langsam ein Grinsen auf meinen Lippen auf, bis ich schließlich in schallendes Gelächter ausbrach. Das war ja wahnsinnig und einfach nur bescheuert.

Nicht das ich glaubte, das er die Wahrheit sagte. So verrückt war er dann wohl doch nicht. Nein, er erzählte es vermutlich nur um... Ja, warum eigentlich? Als ich dann den Mann sah, der noch immer auf unsere Bestellung wartete, konnte ich einfach nicht anders als noch mehr zu lachen. Es dauerte einige Minuten, bis ich mich wieder beruhigt hatte aber noch immer fand sich ein leichtes Lächeln auf meinem Gesicht. Wie machte er das bloß? Wie gesagt: Trotz allem konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich ihn hasste oder nicht. Den solche Momente wie der gerade eben waren einfach so witzig wie kaum etwas. Ich schüttelte leicht den Kopf während ich gebannt die Maserung des Tisches betrachtete, ohne sie wirklich zu sehen, als Sia wieder das Wort ergriff. Und sofort war meine Stimmung wieder verflogen, als wäre ein kräftiger Sturm durch mein Inneres gefegt und hätte alles schöne wie Blätter im Herbst davon getragen. Ich sah nicht auf, während ich ihm zu hörte und sich meine Hände langsam zu Fäusten ballten. Er sollte bloß still sein. Menschen war es nicht möglich zu fliegen? Nein? Das war doch... ich würde die erste sein. Ich würde etwas schaffen, was sich selbst Siavash nicht vorstellen konnte. Abrupt hob ich den Kopf und sah ihn an, ein entschlossenes Lächeln auf den Lippen.

»Denkst du das? Dann werde ich dich wohl vom Gegenteil überzeugen müssen, denn ich werde es schaffen.«, sagte ich mit fester Stimme und meine Augen blitzen siegessicher. Ich würde es schaffen, egal was Andere sagten. Und seine weiteren Worte... sie klangen verlockend, so verlockend. Wie gerne würde ich voller Tatendrang nicken und am besten sofort loslegen, aber etwas hielt mich zurück. Ich wusste nicht, woher der Informant diesen vermeintlichen Plan hatte, wie ich fliegen konnte. Er konnte, er durfte sie nicht von einem anderem Menschen haben, denn ich würde die Erste sein. Was sollte ich also tun? er würde mir vermutlich kein Sterbenswörtchen verraten, solange ich nicht einwilligte ihn zu begleiten, aber ehrlich gesagt hatte ich darauf wirklich keine Lust. Ich legte meinen Kopf leicht schief während ich ihn mit gerunzelter Stirn musterte. Was sollte ich machen? Er versprach mir zwar, das er dieses Mal keine Tricks anwenden würde - obwohl ich keine Ahnung hatte, was ein Pinkie Promise war, von dem er da sprach - aber konnte man bei ihm je sicher sein? Ich kaute leicht auf meiner Lippe herum und lehnte mich mit vor der Brust verschränkten Armen zurück. Es war einen Versuch wert, oder? Was ich nicht alles tat...

»Dann Verrat mir erst, woher du die Informationen, die du ansprichst, hast und wann dieser Termin ist, an dem ich dich begleiten sollte.«, sagte ich dann noch, bevor ich zustimmte. Das wollte ich wissen - falls er es mir sagen würde. Das war irgendwie unwahrscheinlich, aber vielleicht hatte ich ja Glück. Und was die zweite Frage anging, so gab es doch eigentlich keinen Grund, mir die Antwort darauf zu verschweigen. Eventuell war mir bis dahin ja sogar noch ein bisschen ruhe vergönnt, das wäre ja mal was... Ich seufzte leicht, rutschte bis an den Rand meines Stuhles und trommelte ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch. Nun hatte er es doch wieder geschafft meine Neugier zu wecken. Was er sagte klang so viel versprechend, und wenn ich Glück hatte brachte er mich meinen Traum wirklich ein Stück näher. Die letzte Zeit war das ja nie wirklich der Fall gewesen, aber dann konnte ich endlich wieder einen Fortschritt machen... Das wäre wirklich fantastisch... Falls er nicht wieder irgendetwas im Hinterkopf hatte. Schließlich hatte er doch ausdrücklich gesagt, das es keine hundertprozentige Sicherheit gab, das es funktionierte. Konnte ja sein das er sich einfach irgendetwas ausdachte damit ich ihm begleitete und er die nötige Sicherheit hatte und dann mit einem Plan kam der sowieso nicht funktionierten konnte, einfach damit ich später nicht sagen konnte, er hätte sein Versprechen gebrochen... Warum war das alles nur so verdammt kompliziert?!
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:34 am

SIAVASH KING
& Hikari # 16







Ich hatte Lächeln müssen, als Hikari lachte. Lachen war die beste Methode, um die Stimmung aufzulockern. Aber ich wusste ohnehin, dass diese aufgelockerte Stimmung nicht lange anhalten würde. Mit meinem Versuch sie zu reißen hatte ich schlussendlich Erfolg. Sie wollte mich also vom Gegenteil überzeugen? Nicht in einer Millionen Jahre. Ohne Hilfe würde sie es niemals schaffen, sich in die Lüfte zu erheben. Sie konnte sich nicht mit ihrem Altaria zufrieden geben. Sie konnte sich nicht auf ein Pokémon schwingen und fliegen, das musste sich falsch anfühlen. Es war ein faszinierender Traum. Nun, nicht ganz so faszinierend wie Goli-chans Traum, ein Gott zu werden. Woher kam dieser Gottkomplex nur? Zu gern würde ich das erfahren. Irgendwann würde ich in seiner Vergangenheit wühlen, so wie ich in Hikaris Vergangenheit wühlen würde. Ich mochte mit meinen Gedanken den Nagel auf den Kopf getroffen haben, aber ich wollte alles wissen. Jedes noch so kleine Detail. Vielleicht würde sich etwas finden lassen, mit dem ich Hi-chan immer und immer wieder erpressen konnte. Eine Leiche, die sie für immer in ihrem Keller vergraben wollte. Vielleicht konnte ich so etwas finden. Schlussendlich hatte jeder Mensch irgendwelche Leichen im Keller und wenn ich jemanden aus der Führungsebene in meiner Hand hatte, hatte ich viel bessere Möglichkeiten, mein kleines Spiel voranzutreiben.

Ich schloss meine Augen und nickte mehrfach. »Ich sehne schon den Tag herbei, an dem du endlich aufgibst und dir eingestehst, dass du einen lächerlichen, unerfüllbaren Traum träumst.« meinte ich, öffnete meine Augen und sah das Mädchen finster an. Finster, aber nicht ohne eine Spur von Amüsement. »Aber letztlich tun es alle Menschen. Sich an einen lächerlichen Traum klammern, meine ich.« Goli-chan und Hi-chan waren nur zwei Fliegen, die von etwas träumten, dass sie niemals erreichen würden. Wie viele Menschen träumten davon, Champ zu werden? Top Koordinatoren? Stars? Das Leben war kein Wunschkonzert und die, die es schafften groß heraus zu kommen, mussten ebenso mit den Schattenseiten leben. So verlockend es auch sein mochte, im Endeffekt würden sich diese erfüllten Wünsche wohl gegen einen richten. Ich für meinen Teil hatte dabei allerdings keine Bedenken. Ich liebte Menschen. Selbst, wenn sie mich wie ein kleines Waumpel behandelten und in Grund und Boden traten. Wenn sie mich herumschubsten, erniedrigten und quälten nach allen Regeln der Kunst. Egal an welche Möglichkeiten ich auch dachte, nichts würde mir meinen Wunsch madig machen. Fliegen hingegen war ein Wunsch, bei dem so viel mehr schief gehen konnte. Und ebenso ein Wunsch, den man sich nicht einfach so erfüllen konnte. Weder mit Ideenreichtum, noch mit Mut. Zumindest nicht in dem Ausmaße, wie Hi-chan sich das wohl wünschte.

»Träume, hm?« gab ich nachdenklich von mich. Sprach eher zu mir selbst als zu meiner Chefin, als auch der Kellner schon zurück kam und die Tassen auf den Tisch stellte. Meine kleine Albernheit vorhin hatte ihm wohl gereicht, denn sofort verschwand der gute Mann wieder. Ich hätte am Liebsten sofort einen kräftigen Schluck genommen. Zumindest lag dieses verführerische Aroma in der Luft. »Ausnahmslos jeder Mensch hat doch alberne Träume.« meinte ich und lehnte mich im Stuhl zurück. Ich schlug ein Bein über das andere und legte meine Hände auf mein Knie. »Allerdings machen Träume einen Menschen aus, nicht?« Ich zuckte mit den Schultern und seufzte, als Hikari wissen wollte, woher ich diese Information, die ich ihr anbot, überhaupt hatte. Ich griff zu meiner Tasse, nahm einen kurzen Schluck und ließ mir den Geschmack dieser heißen Köstlichkeit auf der Zunge zergehen. Ein äußerst zufriedenes »Mmh~« fand seinen Weg hinaus und ich musste beinahe schon verträumt lächeln. Es war ein Göttergetränk! Ein Geschenk der Götter! ... An die ich allerdings nicht glaubte. Schlussendlich waren Götter nur Fiktionen. Egal wie viel man betete, niemals würde ein Gott zur Hilfe eilen. Und was es nicht alles für Gestalten darunter gab. Kaum auszumalen eine Witzfigur wie Goliath käme da hinzu. Nun, für viele seiner Untergebenen war er sogar schon ein Gott. Ein Finsterer, aber ein Gott.

»Ich kann dir meine Quellen nicht verraten.« sagte ich schließlich und starrte in die Luft. Warum sollte ich auch? Immerhin waren Informationen mein Kapital, da verriet ich doch nicht, woher ich sie überhaupt bezog. Na gut, die meisten Informationen beschaffte ich mir selbst. Kameras waren eben doch die besten Mittel und Wege. Man hatte sogar Beweise. Die besten Druckmittel! Aber schließlich heuerte ich auch Leute an, die jemanden für mich beschatteten. Wobei ich aber nicht immer fair zahlte. Fotos machten sich schlussendlich nicht gut. Vor allem dann nicht, wenn sie deutliches Fehlverhalten zeigten. Nicht alle Menschen konnten so treu und loyal sein wie ich! Ha ha, als ob ich so treu wäre. Schlussendlich blieb ich auch nur so lange loyal, wie ich Vorteile daraus zog. Da verließ man sich besser nur dann auf mich, wenn man nützlich für mich war. »Oh und das Treffen ist heute Abend.« sagte ich dann und grinste. Ich nahm erneut einen Schluck aus der Tasse, beugte mich leicht vor, um sie wieder auf den Tisch zu stellen und lehnte mich erneut zurück, ehe ich den Zeigefinger hob und ihn in der Luft kreisen ließ. »Wie auch immer! Ich hatte bisher wirklich Spaß mit dir.« sagte ich und grinste. Ja. Sie zu necken, ihr ihre Vergangenheit nahezu ins Gesicht zu klatschen, es hatte Spaß gemacht. Unglaublich viel Spaß. Leider musste aber doch jeder Spaß einmal enden. Wenn ich sie zu sehr reizte, ließ sie sich irgendwann auf gar nichts mehr ein. Das konnte ich doch leider nicht riskieren.

Ich griff in meine Jackentasche und zückte ein kleines Stück Papier, das ich auf den Tisch legte und zu Hikari hinüber schob, ehe ich wieder nach meiner Tasse griff und einen Schluck nahm. »Jirachi.« sagte ich. Beinahe schon ernst. »So nennt sich deine Freikarte zum Fliegen.« Ich legte die Lippen an den Rand der Tasse, hielt einen Augenblick inne und starrte Hi-chan eine Weile an. Wirklich. Diese Information hatte sie sich verdient. Wir waren noch nicht lange hier, aber ich hatte Unmengen an Spaß. »Ein legendäres Pokémon von dem man sagt, es würde Wünsche erfüllen. Ich weiß weder ob es stimmt, noch ob es ausnahmslos alle Wünsche erfüllen kann, aber immerhin soll es nur alle 1.000 Jahre für eine Woche aufwachen und Wünsche erfüllen können.« Auf dem Bild befand sich eine Abbildung dieses Pokémon. Ob sie richtig war, konnte ich nicht sagen. Andererseits war es eine alte Zeichnung. Letztlich aber doch bloß eine Kopie, immerhin war das Original in Stein gemeißelt. Ich hatte bloß eine Fotografie von dieser Abbildung. »Es gibt mehrere Abbildungen von diesem Pokémon, alle stimmen überein, bis auf ein paar kleine Details, aber das ist kein Wunder.« Ich nippte an meinem Cappuccino und schloss dabei nachdenklich meine Augen.

Schließlich setzte ich die Tasse ab. »Ich weiß weder, ob diese Geschichte stimmt, noch, ob wir es überhaupt jemals zu Gesicht bekommen würden. Es könnte auch schon vor 50 Jahren erwacht sein, dann würde es noch die nächsten 950 Jahre schlafen. Das ist der Harken. Allerdings berichten mehrere Quellen von einem solchen Pokémon. Es sollte also tatsächlich existieren.« Ich seufzte schließlich. Leicht genervt sogar. »1.000 Jahre sind eine lange Zeit. Da finde nicht einmal ich heraus, wann dieses Pokémon wieder aufwacht. Dafür gibt es keine Belege. Wenn man aber davon ausgeht, dass diese Meißelungen entstanden sind, nachdem das Pokémon gesichtet wurde - und das nehme ich an - ließe sich ganz einfach herausfinden, wann es wieder auftaucht. Wie auch immer, da gibt es bloß das Problem, dass man es auch nach Überlieferungen in Stein gemeißelt haben könnte, erst Jahre später oder das einige Stücke noch nicht entdeckt wurden. Letztendlich lässt es sich einfach nicht mit Gewissheit sagen. Auch nicht, wo dieses Pokémon auftauchen würde.«

Ich nahm wieder einen Schluck und zuckte anschließend mit den Achseln, als ich die Tasse wieder auf den Tisch gestellt hatte. »Das war's.« sagte ich und sah zu meinem Igelavar herunter, das, seitdem ich ein Bein über das andere geschlagen hatte, auf dem Boden saß und zu mir hoch blickte. Ich verschränkte die Arme, linste zu Hi-chan herüber und schwieg einen kurzen Moment, damit sie diese Information verarbeiten konnte. »Oh, im Übrigen verlange ich nicht von dir, dass du mich dafür begleitest. Ausnahmsweise kriegst du diese Information gratis, aber nur, weil ich nichts Genaueres sagen kann.« Ich streckte mich, während Shirley sich dazu entschloss, wieder auf meinen Schoss zu springen. »Aber wenn wir schon mal hier sind... Gibt es noch irgendein Geschäft in das du möchtest?«
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:35 am


Twelfth
Post #12




◊ Hikari Kyoko Jiyū
◊ Siavash King
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-- Dukatia City

Schweigend lauschte ich Siavash, während er über Träume von Menschen sinnierte. Sollte er doch denken, mein Traum wäre lächerlich. Sollte er doch! Mir doch egal. Trotz stieg in mir hoch und ich konnte mich gerade noch zurückhalten, ihm genau diese Gedanken ins Gesicht zu schleudern. Nun, fast hätte ich einfach den Mund geöffnet und alles, was mir auf der Zunge brannte, wäre aus mir heraus gebrochen, aber genau in diesem Moment kam der Kellner von eben wieder und stellte zwei dampfende Tassen auf den Tisch. Um mich abzulenken griff ich schnell danach und nippte vorsichtig daran. Die warme Flüssigkeit lief mir die Kehle hinunter und ich nahm gleich noch einen Schluck. Hm... Lecker~ Nun wieder etwas beruhigt lehnte ich mich zurück und starrte an Sia vorbei, während er immer weiter redete. Keine Quelle? Pff. Hatte ja so kommen müssen, was hatte ich auch anderes erwartet? Und das Treffen bereits heute Abend... Besonders Zeit blieb da ja nicht. Ich seufze leise, noch immer die Tasse in der Hand. Na toll. Da hatte ich ja wirklich Lust drauf... nicht. Aber ich würde mitgehen, selbst wenn die Hoffnung, das mir seine Informationen etwas brachten, noch so gering waren. Zumindest bestand eine Hoffnung, und das war das, was mich anspornte. Als er dann meinte, er hätte Spaß mit mir gehabt, runzelte ich verwirrt die Stirn, doch als er einen Zettel auf den Tisch legte waren meine Fragen gleich wieder verschwunden. Gespannt lehnte ich mich vor und musterte das Bild, das ein Pokemon zeigte. Ich kannte es... Bevor es mir wieder einfiel, nannte der Informant schon seinen Namen. Jirachi, genau. Aber wie sollte es mir helfen?

Gebannt hatte ich ihm gelauscht und nun nippt ich gedankenverloren an meiner Tasse. Dieses Getränk schmeckte wirklich erstaunlich gut! Aber das war jetzt nicht das wichtige. Siavash hatte recht. Die Chance, auf Jirachi zu treffen, und das genau im richtigen Jahr war sehr, sehr, sehr gering. Und trotzdem war ich nicht sonderlich enttäuscht. Das würde ich erst sein, wenn ich einen endgültigen Beweis hatte, das diese Hoffnung sinnlos war. Aber wie sollte ich das schaffen? Wenn nicht Mal Sia mehr wusste, als was, was er gerade gesagt hatte? Wie sollte dann ich, die keine Ahnung in diesem Gebiet hatte, an mehr Informationen kommen? Es wäre verrückt, anzunehmen, das das klappen könnte. Ich hatte noch nicht Mal einen wirklichen Anhaltspunkt, wo ich mit meiner Suche anfangen konnte. Ich könnte in einer Bibliothek recherchieren, aber ob ich damit Erfolg haben würde...? Vermutlich nicht... Was sollte ich also tun? Ich hatte keine Möglichkeiten... Und ich sträubte mich dagegen, Sia zu beauftragen mehr für mich herauszufinden. Nein, das würde ich nicht tun. Ich würde alleine dahinter kommen oder alleine scheitern. Scheitern. Ja, scheitern. Vermutlich würde ich erneut scheitern, und dann musste ich wieder einen neuen Weg finden. Aber hier konnte ich nicht nachdenken. Hier, wo alles stickig, eng und voll war. Mit einem großem Schluck trank ich meinen Schoko Cappuccino leer und stellte die Tasse auf dem Tisch ab.

»Danke.«, meinte ich an Sia gerichtet und es war mein voller Ernst. So gering diese Infos doch waren, vielleicht, ganz vielleicht, brachten sie mich weiter. Das würde ich bald wissen - ob das, was ich erfahren hatte, brauchbar war. Aber erst Mal wollte ich hier weg. Auf seine letzte Frage hin schüttelte ich nur schnell den Kopf. Als ob. Ganz bestimmt nicht. Ich schwieg noch einen Moment, und erst dann dämmerte mir, was er eben gesagt hatte. Ich musste ihn doch nicht begleiten? Misstrauisch kniff ich meine Augen zusammen und starrte ihn an. Was sollte dieser plötzliche Sinneswandel? Da steckte doch etwas dahinter... auch wenn ich keine Ahnung hatte, was. Aber gut, wenn er meinte. Einzig mein Gewissen sagte mir, das das ja eigentlich unfair war. »Ich hätte dich begleitete, aber wenn du meinst...«, sagte ich schließlich achselzucken und ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. »Mir soll es egal sein.« Mit diesen Worten erhob ich mich ruckartig von meinem Stuhl, so das dieser fast nach hinten umkippte. Mit in die Hüften gestemmten Armen sah ich mich kurz um. Ja, ich wollte hier so schnell wie möglich weg, irgendwo wo ich mehr Freiraum hatte und mehr nachdenken konnte. Ich hatte das starke Bedürfnis alleine zu sein - aus mehreren Gründen. So dankbar ich dem Informanten für das eben gehörte auch war, ich traute ihm trotzdem nicht über den Weg, und jeden Moment, den ich mit ihm verbrachte, hatte ich Angst vor einer weiteren Intrige seinerseits.

»Also ich für meinen Teil will so schnell wie möglich hier weg.«, sprach ich noch ein Mal das aus, was sowieso schon offensichtlich war. Warum wäre ich wohl sonst so plötzlich aufgesprungen? Und nachdem, was er mir über Jirachi erzählt hatte, war es ja wohl klar, das ich darüber recherchieren oder nachdenken wollte... und wer weiß, vielleicht wollte Sia ja auch hier weg? Es bestand zumindest ja immer noch die Gefahr, das wir seinen Eltern nochmal über den Weg laufen würden... Ich legte meinen Kopf leicht schief. Ich an seiner Stelle hätte da ja keine Lust drauf - aber was wusste ich schon? Also wartete ich ungeduldig auf seine Reaktion und hoffte, das auch er wieder zurück zum Izanami's Wrath Hauptquartier wollte - denn ganz ehrlich: So ganz genau wusste ich nicht, wo ich jetzt lang gehen musste...
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:35 am

SIAVASH KING
& Hikari # 17







Ihr ernst gemeintes 'Danke' überraschte mich fast schon. Ein Danke war ich letztlich nicht gewohnt, ich machte meinen Job und das war alles. Ich wurde dafür bezahlt. Ich tat es nicht, weil ich lieb und freundlich war. Es gab keine Freundschaftsdienste. Selbst Hikari hatte mich bezahlt ohne es zu wissen. Bei ihrer Aussage, sie hätte mich begleitet, musste ich letztlich lächeln. Natürlich wollte sie wissen, wie man fliegt. So klein die Chance auch war, dass es stimmte. Nun, was meine Informationen anging, blieb ich jederzeit ehrlich. Ob sie daran zweifelte oder mir Glauben schenkte, würde ich nicht so einfach beeinflussen können. Aber irgendwann, irgendwann würde sie mir vielleicht aus der Hand fressen. So, wie es viele andere taten. Es war amüsant, wenn man erzählen konnte, was man wollte, wenn man trotzdem Glauben geschenkt bekam. Je verzweifelter die Menschen waren, desto mehr und mehr glaubten sie an das, was man ihnen vorgaukelte. Ich nahm den letzten Schluck aus meiner Tasse, bevor sich mein Handy mit dem Theme Salve Terrae Magicae meldete. Ich stellte die Tasse auf den Tisch, griff nach dem Handy in meiner Jackentasche und sah kurz auf das Display, ehe ich den Anruf entgegennahm. Ich schwieg. Ich sagte kein Wort, obwohl sich wohl jeder normale Mensch irgendwie gemeldet hätte. Ich allerdings sah keinen Grund dazu und hielt Hikari entschuldigend die flache Hand entgegen, während ich mich mit dem Kopf ab wand. Gleichzeitig aber auch ein Zeichen dafür, dass es wichtig war.

Ich nickte mehrfach, als ob ich meinen Gesprächspartner sehen könnte. Dabei nickte ich sogar eigentlich unbewusst. Ich konzentrierte mich zu sehr auf die Stimme am Telefon. »Hah? Du wurdest erwischt?« fragte ich. Beinahe schon ungläubig. Nicht, dass es mich überraschte, wenn einer meiner Spione einmal erwischt wurde. Bloß war Capian, jener Mann der mich so eben anrief, alles andere als ein Amateur. Die Aufgabe hätte für ihn ein leichtes Spiel sein müssen. Oder hatte ich das Ganze ein wenig unterschätzt? Es beunruhigte mich ein wenig, wenn ich es zugeben musste. Die Tatsache, dass er erwischt wurde, das alles hätte auffliegen können. »Wo bist du jetzt? ... ... ... Im Krankenhaus? Gut. Wissen sie Bescheid?« Meine Stimme klang beinahe schon nervös, bis ich schließlich erleichtert aufatmen konnte, als ich eine Antwort bekam. »Gut. Sehr gut.« sagte ich und mein typisches Grinsen kehrte zurück. »Oh, ja! Ich bin gerade in der Einkaufspassage in Dukatia City. Soll ich dir irgendetwas mitbringen?« fragte ich, als würde ich mit einem guten Freund sprechen. Nun, Capian war letztlich alles andere als ein Freund. Auch wenn ich ihn meist so behandelte, letzten Endes war er bloß nützlich für mich. Er war eine Art Spielzeug. Ein Spielzeug das irgendwann kaputt gehen würde. Und gleichzeitig klammerte er sich an mich, als wäre ich alles auf dieser Welt.

Nun, immerhin hatte ich ihn von der Straße geholt. Damals war er ein gebrochener Mann. Hatte weder Familie, noch eine eigene Wohnung. Hatte keinen Job, keine Zukunftsaussichten, war am Ende. Er stand ganz am Abgrund. Bereit, jederzeit zu verschwinden, damit der Schmerz einfach endete. Und dann war ich in sein Leben getreten. Hatte mir seine Sorgen angehört, hatte ihm mehr als nur Hilfe angeboten. Nein, ich war kein Mensch der bereitwillig anderen Menschen half. Ich liebte Menschen, deswegen wollte ich sie in allen möglichen Situationen erleben, doch ich wusste, sobald ich Capian gesehen hatte, dass er nützlich sein würde. Heute war er einer meiner Spione. Vermutlich der Beste den ich hatte. Ich bezahl seine Wohnung, seine Nahrungsmittel, all das, was er brauchte und er tat ohne sich zu beschweren, was ich wollte. Er war Blind aus Dankbarkeit. Meine Marionette, nichts weiter. Und sobald er nicht mehr zu gebrauchen war, würde ich ihn fallen lassen, dann würde er erneut auf der Straße leben können. Doch solange er sich mir nicht widersetzte, würde er nichts zu befürchten haben. Nicht das ich überhaupt damit rechnete, doch sollte er es tatsächlich wagen, hatte ich all die Fäden in der Hand die sein Leben erneut zerstören würden.

»Pralinen? Dein Ernst?« fragte ich und seufzte schließlich. »Ist gut. Ich bring dir welche mit. Bis gleich!« sagte ich und legte schließlich auf, ehe ich seufzte und mich Hikari wieder zu wand. »Entschuldige, sieht so aus, als wäre ein Freund übel erwischt worden. Findest du allein den Weg zurück?« fragte ich und legte den Kopf leicht schief. Nun, ehrlich gesagt bezweifelte ich, das Hikari aus dieser Passage wieder herausfinden würde. Man verlief sich tatsächlich schnell. Vor allem in so einer großen Stadt wie Dukatia City. »Wenn du noch etwas Geduld hast, begleite ich dich gerne zurück.« sagte ich dann und stand auf. Doch nicht ganz so ruckartig wie Hikari zuvor. Mit einem Griff in meine Tasche zückte ich mein Portmonee und legte das Geld einfach auf den Tisch, nachdem ich dem Kellner - der sich wohl dazu entschieden hatte, ich sei zu komisch - gewunken hatte. »Im Übrigen kannst du mich gerne zu diesem Kunden begleiten, falls du das möchtest. Es gibt bestimmt auch vergiftete Kekse und Kaffee!« Ich grinste amüsiert, ließ Handy und Portmonee wieder in die Jackentasche gleiten und zückte Shirleys Pokéball, um sie wieder zurück zu rufen. Sie sah mich enttäuscht an, bevor sie in ihrem Ball verschwand. »Nun... erstmal muss ich eh noch Pralinen besorgen. Der Laden dürfte gleich um die Ecke sein.« meinte ich. Nun, wenn Hi-chan den Weg alleine nicht fand, würde sie mich wohl noch ein Stückchen begleiten müssen. »Wenn du Pralinen magst kauf ich dir auch welche.« meinte ich und zuckte mit den Achseln, bevor meine Hände in meine Taschen wanderten.

»Ah, da fällt mir ein, Capian könnte dir vielleicht helfen. Fliegen ist auch seine Welt. Nur bevorzugt er es, sich auf den Rücken eines Pokémon zu schwingen... Obwohl er das in nächster Zeit wohl nicht mehr tun kann. Falls du mal mit ihm Reden willst, gebe ich dir gerne seine Handynummer oder seine Zimmernummer im Krankenhaus. Wenn du sagst, dass du mich kennst wird er dich auch nicht anschweigen.« meinte ich und wandte mich auf dem Absatz um. »Falls du Hilfe willst wieder ins Hauptquartier zu finden, folge mir unauffällig!« forderte ich sie auf und marschierte geradewegs los, nicht aber, ohne das Intro von My Little Pony zu summen. Fröhlich, als wäre nichts geschehen.
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BeitragThema: Re: Hikari & co   So Jul 12, 2015 6:35 am


Thirteenth
Post #13




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Und während ich noch da stand, und hoffte, das Sia sich möglichst bald dazu entscheiden würde, aufzustehen und mir zu helfen irgendwie zurück zum Hauptquartier zu kommen, hörte ich nur, wie plötzlich ein Handyklingelton los ging. Und - war ja nicht anders zu erwarten - gehörte eben dieses Hand zu dem Informanten, was wiederum für mich bedeutete, das ich mich in Geduld üben musste. Was gar nicht Mal so einfach war, aber ich tat mein Bestes. Nur mit halbem Ohr hörte ich Sia zu. Den Zusammenhang verstand ich ja sowieso nicht - wie auch, wenn ich nur die eine Hälfte des Gespräches hören konnte? Und ehrlich gesagt interessierte es mich auch nicht sonderlich. Und als er das Gespräch dann - endlich! - beendete konnte ich auf seine Frage nur den Kopf schütteln. Nein, ich würde den Weg wohl nicht alleine finden, denn ich hatte keinerlei Ahnung wo ich hier gerade war. Okay, in Dukatia City, auf einer riesigen Einkaufsstraße. Aber das wars auch schon. Nicht gerade sehr viel versprechend. Gut, dann würde ich ihn eben noch ein Stück begleiten, und meinetwegen auch noch irgendwelche Pralinen kaufen gehen. Wenn ich hier wieder raus wollte hatte ich ja scheinbar keine andere Möglichkeit. »Pralinen?«, hackt ich mit einem freudigem Lächeln noch Mal nach. Warum eigentlich nicht? Wobei ich mich aber insgeheim auch fragte, wie viel Sia eigentlich verdiente, das er sich das ganze Zeug mal so eben leisten konnte. Ich hatte mich nie sonderlich um die Finanzen von Izanamis Wrath gekümmert, deswegen hatte ich von solchen Dingen keinerlei Vorstellung. Ich bezweifelte aber nicht, das der Informant mit anderen Aufträgen, die nichts mit der Organisation zu tun hatte, ganz gut was verdiente.

»Gerne!~«, trällerte ich Grinsend und setzte mich dann hüpfend in Bewegung. Nicht mehr lange, und ich würde endlich hier weg kommen - na, wenn das Mal kein Ansporn war! Auch Siavash hatte sich nun von dem Café getrennt und ging los, seinen Mund schon wieder geöffnet und irgendetwas am reden. Gespannt lauschte ich ihm. Hmhm. Handynummer? Um ehrlich zu sein hatte ich keine Ahnung, wo sich mein altes Teil von Handy befand, aber wenn ich gezielt danach suchen würde, würde ich es bestimmt irgendwo finden. Warum also nicht? Generell benutzt ich dieses elektronische Teil ja eher selten bis nie, aber dieses Mal hätte es ja sogar einen praktischen Nutzen. Also nickte ich ihm schnell zu. »Eine Handynummer wäre gut, danke.«, schob ich noch hinterher. Gleichzeitig probierte ich den Gedanken zu verdrängen, das Sia mit ehrlich gesagt gerade viel zu nett vor kam. Bestimmt plante er schon wieder irgendetwas... aber was? Ich hatte ja keine Ahnung. Zumindest ließ er sich nichts anmerken, als er fröhlich pfeifend zwischen den Menschen lang lief, ich hinterher. Nein, eigentlich gab es dafür keine Anzeichen, und doch würde ich wohl auf der Hut bleiben - bei ihm wusste man ja nie! Und trotzdem musste ich meine ganze Konzentration wieder den Menschen um mich herum widmen, bevor ich noch in einen von ihnen hinein lief, und das wollte ich beim besten Willen nicht.

»Wer ist dieser Capian, fragte ich schließlich aus Interesse und betonte den Namen dabei unbewusst. Sia musste ihn ja gut kennen, sonst hätte er nicht gesagt, das ich ihn bei einem Gespräch mit diesem Mann erwähnen sollte. Aber wer war er? Ich hatte den Namen vorher noch nie gehört und deswegen bezweifelte ich, das er zu Izanamis Wrath gehörte...
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